Belastung für alle: Preis für Dieselkraftstoff auf Rekordniveau Stefan Koch Minden. Der Rekordanstieg beim Dieselkraftstoff macht den davon betroffenen Branchen im Mindener Raum zu schaffen. Da Sparpotenziale schon vor der neuen CO2-Abgabe ausgeschöpft waren, gibt es kein Entrinnen. Jeder muss mehr bezahlen. Auch die, die eigentlich nichts mit Diesel im Tank zu tun haben. „Schon in der Vergangenheit war der Preis so hoch, dass niemand ohne triftigen Grund Treibstoff verbrauchte und tankte“, sagt Thomas Drott, Geschäftsführer des Bundesverbandes Tankstellen und gewerbliche Autowäsche mit Sitz in Minden. Er schätzt deshalb, dass durch die Rekordpreise die Nachfrage an den Tankstellen nicht mehr einbrechen kann. Wer auf das Auto angewiesen sei, der werde es weiter bleiben. Vor allem die in Pflegeberufen und im Schichtdienst Beschäftigten könnten in den Nacht- und Abendstunden nicht auf den ÖPNV ausweichen. Gleiches gelte für viele Berufspendler, die aufgrund ungünstiger Busverbindungen mit dem Auto zu Arbeit fahren müssten. Auch im Handwerk seien meist Dieselfahrzeuge im Einsatz. „Dachpfannen kann schließlich niemand mit dem Pferdekarren zur Baustelle bringen.“ Und für viele Firmen mit Außendienstmitarbeitern gebe es keine andere Möglichkeit, als an den Tankstellen die Mehrkosten zu bezahlen und letztendlich auf Kunden umzulegen.Bislang, so Drott, habe er noch nicht von Tankstellenbetreibern gehört, dass sich Kunden wegen der höheren Preise aggressiv verhalten hätten. In der Vergangenheit sei das Personal nach Preissprüngen allerdings schon des öfteren beschimpft worden. Drott appelliert an die Verbraucher, ihren Unmut jetzt nicht an den Tankstellen kund zu tun. „Wir sind an dem Anstieg der Kosten ebenso wenig schuld, wie an den Coronaregeln, die auch an den Tankstellen einzuhalten sind.“ Nachdem es ohnehin zu Mehrausgaben bei den Personalkosten gekommen war, ächzen die Busunternehmer jetzt noch unter den gestiegenen Kosten für den Dieseltreibstoff. „Das Thema ist für uns grauenhaft“, sagt Sandro Bohm, Geschäftsführender Gesellschafter der Omnibusbetrieb Schniering GmbH & Co. KG (Diepenau) und Subunternehmer von Transdef in Minden und von den Mindener Kreisbahnen (MKB). Sein Unternehmen hat 65 Busse im Kreis Minden-Lübbecke und im Landkreis Nienburg im Einsatz. „Im Gelegenheitsverkehr müssen wir die Preise anheben und im Linienverkehr mit Preisleitklauseln nachverhandeln.“ Problematisch seien allerdings Aufträge nach Ausschreibungen mit fester Preisbindung. „Da müssen wir die Kosten selbst tragen.“ Er glaubt jedoch, weiterhin, über die Runden zu kommen. „Kritisch kann es aber für die Unternehmen in der Reisebranche werden.“ Die aber haben ganz andere Probleme. „Wegen Corona ist bei uns kaum noch ein Reisebus unterwegs“, sagt Christine Mars-Fründt, Geschäftsführerin von Kelder-Reisen in Minden. Lediglich für GWD werde noch gefahren. „Die Dieselpreiserhöhung kommt zu einem Zeitraum, wo die Branche ohnehin gebeutelt ist und sie ist nicht einmal unsere größte Sorge“, meint sie mit Verweis auf die Personalkosten. Auch ihr Unternehmen erfüllt als weiteres Standbein Aufträge von Kommunen und anderen Gesellschaften im Linien- und Schulbusverkehr. Dabei gibt es die feste Preisbindung. Die Erhöhung beim Dieseltreibstoff muss sie deshalb selbst tragen.Die Mehrkosten durch die CO2-Abgabe führen bei den Busbetreibern nicht dazu, auf andere Technologien auszuweichen. „Wir haben wegen der Mehrbelastung keinen Spielraum für Zukunftsinvestitionen“, sagt Bohm. Er sehe im Augenblick keine Perspektive für einen Umstieg auf die Wasserstoff- oder Elektromobilität. Gleiches gilt übrigens auch für die Binnenschifffahrt. Grundsätzlich seien alternative Energien zu befürworten, aber die Zeiten zum Laden und Löschen in den Häfen seien zu kurz, um elektrische Motoren mit netzunabhängiger Stromversorgung zu betreiben, teilt die Modal 3 Logistik GmbH mit. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist mit einer Tochterfirma am Regioport OWL beteiligt und wickelt den Containertransport zwischen Minden und den Seehäfen ab. Weiterhin bleibe der Dieselantrieb die einzige Möglichkeit, um den ansonsten umweltfreundlichen Warenverkehr auf den Binnenwasserstraßen zu gewährleisten. Dabei werde der Preisanstieg zu 100 Prozent an den Kunden weitergegeben, denn Möglichkeiten einer Kompensation gebe es nicht. Zu Auftragsrückgängen sei es noch nicht gekommen, weil schließlich auch andere Verkehrsträger teurer geworden seien.Das ist im Güterverkehr auf den Straßen der Fall. „Wir müssen die Preise an die Kunden weitergeben, teilt die Schierenberg + Schröder Spedition GmbH auf MT-Anfrage mit, die mit Sitz in Minden bundesweit Aufträge im Transport- und Lagerkundendienst durchführt. Das werden dann inform eines Dieselpreis-Floating umgesetzt.Wenn ein Spediteur mit einem Kunden einen Dieselpreisfloater vereinbart, wird für den Beginn der Frachtpreisgültigkeit ein Basispreis festgesetzt. Die Differenz zu einem dann späteren aktuellen Preis muss der Kunde aber tragen. „Diese Dieselpreisfloater werden von der Kundschaft akzeptiert, da die Treibstoffkosten einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten haben“, teilt Bernd Watermann, Geschäftsführer von Meyer-Jumbo Logistics in Porta Westfalica mit. Watermann geht davon aus, dass die Kraftstoffkosten in der Zukunft noch zunehmen, da die CO2-Steuer durch die Beschlüsse der Bundesregierung in festgelegten Stufen weiter erhöht werde. Durch technische Fortschritte ist der Kraftstoffbedarf von Lkw in den vergangenen Jahren bereits gesunken. Watermann sieht noch weitere Optimierungsmöglichkeiten beim Verbrauch in der Anpassung der Sendungsströme und Fahrtstrecken, soweit dies die Wirtschaft mit ihren Terminanforderungen zulasse. Problematisch seien aber die Kosten für Adblue-Harnstoff, der aus Gründen des Emmissionsschutzes dem Diesel beigemischt werde. Hier seien die Preise um das 3,5-fache gestiegen. Zeitweise habe es sogar eine Verknappung auf dem Markt gegeben.Unter Druck sind nicht zuletzt auch die Taxifahrer geraten. Sie können den höheren Dieselpreis nicht so ohne weiteres auf die Fahrpreise umlegen, da diese von der Stadt Minden festgelegt sind und alle zwei Jahre angepasst werden. „Wir haben sonst für 60 Euro vollgetankt und müssen jetzt mehr als 80 Euro bezahlen“, sagt Haki Kilic, Geschäftsführer der Mindener Taxi-Zentrale. Die Stadt habe bei ihren Vorgaben die jüngste CO2-Abgabe nicht berücksichtigt. Über die weiteren Vorgaben müssten Gespräche geführt werden. Für die Mindener Taxizentrale sind viele Teilzeitkräfte als Fahrer unterwegs. Angeschlossen haben sich zudem mehrere Einzelunternehmer. Wie Kilic mitteilt, dächte jetzt zwei darüber nach, aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben.

Belastung für alle: Preis für Dieselkraftstoff auf Rekordniveau

Die Entspannung an den Zapfsäulen ist vorbei. Dieselfahrer müssen derzeit so viel wie nie für einen vollen Tank bezahlen. Aber auch andere Verbraucher trifft die Preiserhöhung indirekt. Foto: Patrick Pleul/dpa © DPA

Minden. Der Rekordanstieg beim Dieselkraftstoff macht den davon betroffenen Branchen im Mindener Raum zu schaffen. Da Sparpotenziale schon vor der neuen CO2-Abgabe ausgeschöpft waren, gibt es kein Entrinnen. Jeder muss mehr bezahlen. Auch die, die eigentlich nichts mit Diesel im Tank zu tun haben.

„Schon in der Vergangenheit war der Preis so hoch, dass niemand ohne triftigen Grund Treibstoff verbrauchte und tankte“, sagt Thomas Drott, Geschäftsführer des Bundesverbandes Tankstellen und gewerbliche Autowäsche mit Sitz in Minden. Er schätzt deshalb, dass durch die Rekordpreise die Nachfrage an den Tankstellen nicht mehr einbrechen kann. Wer auf das Auto angewiesen sei, der werde es weiter bleiben. Vor allem die in Pflegeberufen und im Schichtdienst Beschäftigten könnten in den Nacht- und Abendstunden nicht auf den ÖPNV ausweichen. Gleiches gelte für viele Berufspendler, die aufgrund ungünstiger Busverbindungen mit dem Auto zu Arbeit fahren müssten. Auch im Handwerk seien meist Dieselfahrzeuge im Einsatz. „Dachpfannen kann schließlich niemand mit dem Pferdekarren zur Baustelle bringen.“ Und für viele Firmen mit Außendienstmitarbeitern gebe es keine andere Möglichkeit, als an den Tankstellen die Mehrkosten zu bezahlen und letztendlich auf Kunden umzulegen.

Bislang, so Drott, habe er noch nicht von Tankstellenbetreibern gehört, dass sich Kunden wegen der höheren Preise aggressiv verhalten hätten. In der Vergangenheit sei das Personal nach Preissprüngen allerdings schon des öfteren beschimpft worden. Drott appelliert an die Verbraucher, ihren Unmut jetzt nicht an den Tankstellen kund zu tun. „Wir sind an dem Anstieg der Kosten ebenso wenig schuld, wie an den Coronaregeln, die auch an den Tankstellen einzuhalten sind.“

Nachdem es ohnehin zu Mehrausgaben bei den Personalkosten gekommen war, ächzen die Busunternehmer jetzt noch unter den gestiegenen Kosten für den Dieseltreibstoff. „Das Thema ist für uns grauenhaft“, sagt Sandro Bohm, Geschäftsführender Gesellschafter der Omnibusbetrieb Schniering GmbH & Co. KG (Diepenau) und Subunternehmer von Transdef in Minden und von den Mindener Kreisbahnen (MKB). Sein Unternehmen hat 65 Busse im Kreis Minden-Lübbecke und im Landkreis Nienburg im Einsatz. „Im Gelegenheitsverkehr müssen wir die Preise anheben und im Linienverkehr mit Preisleitklauseln nachverhandeln.“ Problematisch seien allerdings Aufträge nach Ausschreibungen mit fester Preisbindung. „Da müssen wir die Kosten selbst tragen.“ Er glaubt jedoch, weiterhin, über die Runden zu kommen. „Kritisch kann es aber für die Unternehmen in der Reisebranche werden.“

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Patrick Schwemmling

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Die aber haben ganz andere Probleme. „Wegen Corona ist bei uns kaum noch ein Reisebus unterwegs“, sagt Christine Mars-Fründt, Geschäftsführerin von Kelder-Reisen in Minden. Lediglich für GWD werde noch gefahren. „Die Dieselpreiserhöhung kommt zu einem Zeitraum, wo die Branche ohnehin gebeutelt ist und sie ist nicht einmal unsere größte Sorge“, meint sie mit Verweis auf die Personalkosten. Auch ihr Unternehmen erfüllt als weiteres Standbein Aufträge von Kommunen und anderen Gesellschaften im Linien- und Schulbusverkehr. Dabei gibt es die feste Preisbindung. Die Erhöhung beim Dieseltreibstoff muss sie deshalb selbst tragen.

Die Mehrkosten durch die CO2-Abgabe führen bei den Busbetreibern nicht dazu, auf andere Technologien auszuweichen. „Wir haben wegen der Mehrbelastung keinen Spielraum für Zukunftsinvestitionen“, sagt Bohm. Er sehe im Augenblick keine Perspektive für einen Umstieg auf die Wasserstoff- oder Elektromobilität.

Gleiches gilt übrigens auch für die Binnenschifffahrt. Grundsätzlich seien alternative Energien zu befürworten, aber die Zeiten zum Laden und Löschen in den Häfen seien zu kurz, um elektrische Motoren mit netzunabhängiger Stromversorgung zu betreiben, teilt die Modal 3 Logistik GmbH mit. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist mit einer Tochterfirma am Regioport OWL beteiligt und wickelt den Containertransport zwischen Minden und den Seehäfen ab. Weiterhin bleibe der Dieselantrieb die einzige Möglichkeit, um den ansonsten umweltfreundlichen Warenverkehr auf den Binnenwasserstraßen zu gewährleisten. Dabei werde der Preisanstieg zu 100 Prozent an den Kunden weitergegeben, denn Möglichkeiten einer Kompensation gebe es nicht. Zu Auftragsrückgängen sei es noch nicht gekommen, weil schließlich auch andere Verkehrsträger teurer geworden seien.

Das ist im Güterverkehr auf den Straßen der Fall. „Wir müssen die Preise an die Kunden weitergeben, teilt die Schierenberg + Schröder Spedition GmbH auf MT-Anfrage mit, die mit Sitz in Minden bundesweit Aufträge im Transport- und Lagerkundendienst durchführt. Das werden dann inform eines Dieselpreis-Floating umgesetzt.

Wenn ein Spediteur mit einem Kunden einen Dieselpreisfloater vereinbart, wird für den Beginn der Frachtpreisgültigkeit ein Basispreis festgesetzt. Die Differenz zu einem dann späteren aktuellen Preis muss der Kunde aber tragen. „Diese Dieselpreisfloater werden von der Kundschaft akzeptiert, da die Treibstoffkosten einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten haben“, teilt Bernd Watermann, Geschäftsführer von Meyer-Jumbo Logistics in Porta Westfalica mit. Watermann geht davon aus, dass die Kraftstoffkosten in der Zukunft noch zunehmen, da die CO2-Steuer durch die Beschlüsse der Bundesregierung in festgelegten Stufen weiter erhöht werde.

Durch technische Fortschritte ist der Kraftstoffbedarf von Lkw in den vergangenen Jahren bereits gesunken. Watermann sieht noch weitere Optimierungsmöglichkeiten beim Verbrauch in der Anpassung der Sendungsströme und Fahrtstrecken, soweit dies die Wirtschaft mit ihren Terminanforderungen zulasse. Problematisch seien aber die Kosten für Adblue-Harnstoff, der aus Gründen des Emmissionsschutzes dem Diesel beigemischt werde. Hier seien die Preise um das 3,5-fache gestiegen. Zeitweise habe es sogar eine Verknappung auf dem Markt gegeben.

Unter Druck sind nicht zuletzt auch die Taxifahrer geraten. Sie können den höheren Dieselpreis nicht so ohne weiteres auf die Fahrpreise umlegen, da diese von der Stadt Minden festgelegt sind und alle zwei Jahre angepasst werden. „Wir haben sonst für 60 Euro vollgetankt und müssen jetzt mehr als 80 Euro bezahlen“, sagt Haki Kilic, Geschäftsführer der Mindener Taxi-Zentrale. Die Stadt habe bei ihren Vorgaben die jüngste CO2-Abgabe nicht berücksichtigt. Über die weiteren Vorgaben müssten Gespräche geführt werden.

Für die Mindener Taxizentrale sind viele Teilzeitkräfte als Fahrer unterwegs. Angeschlossen haben sich zudem mehrere Einzelunternehmer. Wie Kilic mitteilt, dächte jetzt zwei darüber nach, aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben.

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