Bei den ersten MINT-Ferienaktionen können Schüler Roboter bauen und Computerspiele entwickeln Sebastian Radermacher Minden. Peer Torben Carstensen überprüft noch einmal die Steckverbindungen und den Farbsensor. Dann drückt er den Startknopf. Der Lego-Roboter setzt sich in Bewegung – doch sobald er die rote Matte verlässt und auf die danebenliegende gelbe fährt, schlägt er Alarm, hält an und dreht um. Ein Fehler? Nein. „Genau so soll es sein“, sagt Peer Torben zufrieden. Der 13-Jährige hat den Roboter selbst gebaut und programmiert. Und zwar so, dass er nur auf einem rotem Untergrund fahren darf. Der vorne liegende Sensor erkennt die Farbe des Bodens, gibt ein Warnsignal ab, sobald das erlaubte „Revier“ verlassen wird, und fährt wieder zurück. Lange gedauert habe die Programmierung nicht, erzählt Peer Torben. „Wenn man einmal weiß, wie es funktioniert, geht das innerhalb von 30 Minuten“, erzählt der Schüler des Herdergymnasiums. Er ist einer von sechs Teilnehmern des Premierenkurses der MINT-Ferienaktionen in Minden. Spiele erfinden oder Roboter programmieren, einen eigenen Trickfilm produzieren oder eine Kompostkiste gestalten, Tüfteln oder Gärtnern – das ZDI-Zentrum Minden-Lübbecke („Zukunft durch Innovation NRW“) bietet erstmals Ferienspiele dieser Art in Kooperation mit der Stadt Minden an. Bei den jeweils einwöchigen Aktionen rund um die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren willkommen. Normalerweise ist das ZDI-Zentrum in Tagesworkshops an den Schulen im gesamten Kreisgebiet unterwegs und bringt die Kinder und Jugendlichen mit diesen Themen in Berührung. Doch dann kam Corona und die Bildungseinrichtungen mussten schließen – nichts ging mehr. Als das Land NRW die ersten Lockerungen verkündete, machten sich Leiterin Carmen Ruffer und ihr Team vom ZDI-Zentrum Gedanken, wie sie die MINT-Themen und die jungen Menschen wieder zueinanderbringen können. Sich auch in den Ferien mit diesen Themen zu beschäftigen, auf spielerische Art und Weise, quasi Bildungsferien mit ganz viel Spaß – das war der neue Ansatz, erzählt Carmen Ruffer. Unter Einhaltung der Corona-Regeln ist das nun möglich. In kleinen Gruppen gibt es bis zum Ende der Ferien verschiedene Angebote – bei einigen sind noch Plätze frei, berichtet Ruffer. Johanna Indorf war fasziniert von der Idee, einen Roboter selbst zu bauen und ihn nach den eigenen Wünschen zu programmieren. „Das ist richtig cool und macht sehr viel Spaß“, erzählt die 13-Jährige, als sie ihren Lego-Pegasus mit Ohren, Schweif und Flügeln präsentiert. Der Roboter fährt nach dem Start das Muster eines Sterns ab und kann dabei sogar einige Worte wie „Fantastic“ oder auch „Game over“ sprechen. Johanna kam ohne Vorkenntnisse zum Kurs, hat sich bei der Programmierung aber schnell zurechtgefunden. Ebenso bei ihrer zweiten Aufgabe, der Entwicklung eines eigenen Computerspiels. Der schnelle Lerneffekt ist ein wichtiger Baustein der MINT-Aktionen, erklärt Claas Lichtenberg, der den Roboter-Kurs im Haus der Bildung leitet. „Es hat noch keinen Schüler gegeben, der das nicht nach kurzer Zeit hinbekommen hat. Und zur Not helfe ich natürlich.“ Die Kursangebote werden an verschiedenen Orten in Minden angeboten, um möglichst viele junge Leute anzusprechen, erklärt Carmen Ruffer. Egal ob bauen, pflanzen, löten, konstruieren oder programmieren – der Ansatz ist bei jedem Angebot gleich: Die Kinder und Jugendlichen können ihrer Kreativität freien Lauf lassen, sich dabei als Gruppe – die Teilnehmerzahlen sind entsprechend der Corona-Vorgaben begrenzt – zusammenfinden und gemeinsam ein eigenes MINT-Projekt umsetzen. Die Angebote haben aber auch einen ernsten Hintergrund. Das ZDI-Zentrum will damit einen deutschlandweiten Negativtrend umkehren: Denn laut MINT-Nachwuchsbarometer werde im Bereich der digitalen Bildung der Anteil leistungsschwacher Schüler immer höher und liege schon bei einem Drittel, berichtet Carmen Ruffer. „Rund 20 Prozent der Jugendlichen sind mit ihren mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen nicht auf einem Niveau, das für den weiteren Ausbildungsweg als tragfähige Basis angesehen werden kann.“ Auch die technische Ausstattung an Schulen sei oft noch ausbaufähig. Das ZDI-Zentrum hat deshalb auch das Projekt „MINT-Nachwuchs“ initiiert, in dem durch zahlreiche Praxisangebote kleine und mittlere Unternehmen, auch jetzt in der Corona-Krise, bei der Fachkräftesicherung unterstützt werden. Zudem kooperiert das Zentrum mit dem Kreis: Im Rahmen der Entwicklung der Pohlschen Heide zu einer „Smart Recycling Factory“ entwickeln die Partner gemeinsam Kursmodule zur Nachwuchsförderung und Umweltbildung. Carmen Ruffer sieht in den jetzt laufenden Ferienangeboten ebenfalls einen weiteren wichtigen Baustein, um Kinder mit MINT-Themen vertraut zu machen – und die Resonanz sei positiv. Die jungen Tüftler im Haus der Bildung sind begeistert. Auch Niklas Indorf, der mit seiner Schwester Johanna am Kurs teilnimmt, zeigt stolz seinen Roboter. Der hat ebenfalls einen Farbsensor installiert und reagiert auf einen bestimmten Untergrund. „Sobald er über roten Boden fährt, schießt er eine Rakete“, erzählt der Elfjährige und drückt den Startknopf. Es dauert nicht lange, da schrillt der Alarm los und die kleine Rakete fliegt einen Meter fliegt durch den Raum. Projekt erfolgreich beendet. Jetzt geht's zurück an den Computer. „Ich muss mein Spiel weiterprogrammieren“, sagt Niklas.

Bei den ersten MINT-Ferienaktionen können Schüler Roboter bauen und Computerspiele entwickeln

Peer Torben Carstensen überprüft die Stecker an seinem selbst programmierten Lego-Roboter. Der kann mit einem Sensor Farben erkennen und fährt nur auf der roten Matte. MT-Fotos: Sebastian Radermacher

Minden. Peer Torben Carstensen überprüft noch einmal die Steckverbindungen und den Farbsensor. Dann drückt er den Startknopf. Der Lego-Roboter setzt sich in Bewegung – doch sobald er die rote Matte verlässt und auf die danebenliegende gelbe fährt, schlägt er Alarm, hält an und dreht um. Ein Fehler? Nein. „Genau so soll es sein“, sagt Peer Torben zufrieden.

Der 13-Jährige hat den Roboter selbst gebaut und programmiert. Und zwar so, dass er nur auf einem rotem Untergrund fahren darf. Der vorne liegende Sensor erkennt die Farbe des Bodens, gibt ein Warnsignal ab, sobald das erlaubte „Revier“ verlassen wird, und fährt wieder zurück. Lange gedauert habe die Programmierung nicht, erzählt Peer Torben. „Wenn man einmal weiß, wie es funktioniert, geht das innerhalb von 30 Minuten“, erzählt der Schüler des Herdergymnasiums.

Ohne Vorkenntnisse ins Abenteuer: Johanna Indorf programmiert ihr erstes Computerspiel. In dem kommt es darauf an, einen Hund vor den Angriffen anderer Tiere schützen.
Ohne Vorkenntnisse ins Abenteuer: Johanna Indorf programmiert ihr erstes Computerspiel. In dem kommt es darauf an, einen Hund vor den Angriffen anderer Tiere schützen.

Er ist einer von sechs Teilnehmern des Premierenkurses der MINT-Ferienaktionen in Minden. Spiele erfinden oder Roboter programmieren, einen eigenen Trickfilm produzieren oder eine Kompostkiste gestalten, Tüfteln oder Gärtnern – das ZDI-Zentrum Minden-Lübbecke („Zukunft durch Innovation NRW“) bietet erstmals Ferienspiele dieser Art in Kooperation mit der Stadt Minden an. Bei den jeweils einwöchigen Aktionen rund um die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren willkommen.

Normalerweise ist das ZDI-Zentrum in Tagesworkshops an den Schulen im gesamten Kreisgebiet unterwegs und bringt die Kinder und Jugendlichen mit diesen Themen in Berührung. Doch dann kam Corona und die Bildungseinrichtungen mussten schließen – nichts ging mehr. Als das Land NRW die ersten Lockerungen verkündete, machten sich Leiterin Carmen Ruffer und ihr Team vom ZDI-Zentrum Gedanken, wie sie die MINT-Themen und die jungen Menschen wieder zueinanderbringen können. Sich auch in den Ferien mit diesen Themen zu beschäftigen, auf spielerische Art und Weise, quasi Bildungsferien mit ganz viel Spaß – das war der neue Ansatz, erzählt Carmen Ruffer. Unter Einhaltung der Corona-Regeln ist das nun möglich. In kleinen Gruppen gibt es bis zum Ende der Ferien verschiedene Angebote – bei einigen sind noch Plätze frei, berichtet Ruffer.

Johanna Indorf war fasziniert von der Idee, einen Roboter selbst zu bauen und ihn nach den eigenen Wünschen zu programmieren. „Das ist richtig cool und macht sehr viel Spaß“, erzählt die 13-Jährige, als sie ihren Lego-Pegasus mit Ohren, Schweif und Flügeln präsentiert. Der Roboter fährt nach dem Start das Muster eines Sterns ab und kann dabei sogar einige Worte wie „Fantastic“ oder auch „Game over“ sprechen. Johanna kam ohne Vorkenntnisse zum Kurs, hat sich bei der Programmierung aber schnell zurechtgefunden. Ebenso bei ihrer zweiten Aufgabe, der Entwicklung eines eigenen Computerspiels. Der schnelle Lerneffekt ist ein wichtiger Baustein der MINT-Aktionen, erklärt Claas Lichtenberg, der den Roboter-Kurs im Haus der Bildung leitet. „Es hat noch keinen Schüler gegeben, der das nicht nach kurzer Zeit hinbekommen hat. Und zur Not helfe ich natürlich.“

Die Kursangebote werden an verschiedenen Orten in Minden angeboten, um möglichst viele junge Leute anzusprechen, erklärt Carmen Ruffer. Egal ob bauen, pflanzen, löten, konstruieren oder programmieren – der Ansatz ist bei jedem Angebot gleich: Die Kinder und Jugendlichen können ihrer Kreativität freien Lauf lassen, sich dabei als Gruppe – die Teilnehmerzahlen sind entsprechend der Corona-Vorgaben begrenzt – zusammenfinden und gemeinsam ein eigenes MINT-Projekt umsetzen. Die Angebote haben aber auch einen ernsten Hintergrund. Das ZDI-Zentrum will damit einen deutschlandweiten Negativtrend umkehren: Denn laut MINT-Nachwuchsbarometer werde im Bereich der digitalen Bildung der Anteil leistungsschwacher Schüler immer höher und liege schon bei einem Drittel, berichtet Carmen Ruffer. „Rund 20 Prozent der Jugendlichen sind mit ihren mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen nicht auf einem Niveau, das für den weiteren Ausbildungsweg als tragfähige Basis angesehen werden kann.“ Auch die technische Ausstattung an Schulen sei oft noch ausbaufähig. Das ZDI-Zentrum hat deshalb auch das Projekt „MINT-Nachwuchs“ initiiert, in dem durch zahlreiche Praxisangebote kleine und mittlere Unternehmen, auch jetzt in der Corona-Krise, bei der Fachkräftesicherung unterstützt werden.

Zudem kooperiert das Zentrum mit dem Kreis: Im Rahmen der Entwicklung der Pohlschen Heide zu einer „Smart Recycling Factory“ entwickeln die Partner gemeinsam Kursmodule zur Nachwuchsförderung und Umweltbildung. Carmen Ruffer sieht in den jetzt laufenden Ferienangeboten ebenfalls einen weiteren wichtigen Baustein, um Kinder mit MINT-Themen vertraut zu machen – und die Resonanz sei positiv.

Die jungen Tüftler im Haus der Bildung sind begeistert. Auch Niklas Indorf, der mit seiner Schwester Johanna am Kurs teilnimmt, zeigt stolz seinen Roboter. Der hat ebenfalls einen Farbsensor installiert und reagiert auf einen bestimmten Untergrund. „Sobald er über roten Boden fährt, schießt er eine Rakete“, erzählt der Elfjährige und drückt den Startknopf. Es dauert nicht lange, da schrillt der Alarm los und die kleine Rakete fliegt einen Meter fliegt durch den Raum. Projekt erfolgreich beendet. Jetzt geht's zurück an den Computer. „Ich muss mein Spiel weiterprogrammieren“, sagt Niklas.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden