Bank und Kreis betrogen: Sohn wollte kranker Mutter die Behandlung finanzieren Hartmut Nolte Minden. Rund 57.000 Euro wollen eine Bank und der Kreis Minden-Lübbecke von Murad C. (Name geändert) zurück haben.Wegen dreifachen Betruges saß er jetzt vor dem Schöffengericht Minden, das ihn zu einer Bewährungsstrafe verurteilte. Was auf den ersten Blick als Gaunerei aussehen könnte, wird bei näherem Hinsehen zu einer sehr sentimentalen Geschichte über den Wert von Familie und Verpflichtung gegenüber den Eltern – insbesondere der Mutter. Das ist in manchen Kulturkreisen viel stärker ausgeprägt als in der deutschen Gesellschaft. Darum ging es in der Verhandlung. Die Verhandlung begann mit dem Hinweis des Vorsitzenden Richters Dr. Sebastian Homeier, dass hier angesichts der Höhe der Schadenssumme auch eine Verurteilung für einen besonders schweren Fall in Betracht kommen könnte. C.s Verteidiger Peter Jahn (Minden) bat gleich zu Beginn um ein vertrauliches Rechtsgespräch mit Gericht und Anklagevertreter. Aus der geplanten Viertelstunde wurden 45 Minuten, in denen die Prozessbeteiligten um ein milderes Strafmaß im Gegenzug für ein prozessverkürzendes Geständnis rangen. Auf einen Strafrahmen zwischen 13 und 15 Monaten Haft auf Bewährung einigte man sich schließlich. Gesetzlich muss immer eine Spanne bei solchen „Deals“ angegeben werden.Rechtsanwalt Jahn erzählte dann für seinen Mandanten, wie und warum es zu diesen Betrügereien gekommen war. Es ging um die todkranke Mutter des im Libanon geborenen Angeklagten. Für ihre Behandlung in der alten Heimat brauchte er viel Geld, das der von Hartz IV lebende Arbeitslose und Vater von sechs Kindern zwischen 33 und 18 Jahren nicht hatte und auf normalem Weg als Bankkredit nie bekommen würde. Deshalb fälschte er Lohnbescheinigungen und beantragte einen Kredit über 25.000 Euro bei einer Internet-Bank. Die prüfte die Angaben und Unterlagen des Kreditnehmers offenbar so oberflächlich, dass sie ihm die Summe Anfang 2019 auszahlte. Doch das Geld half letztlich nichts, im September 2019 starb die Mutter. Nun musste der Sohn traditionsgemäß für eine angemessene Beerdigung sorgen. Und C. versuchte den Trick ein zweites Mal, diesmal über 20.000 Euro. Und wieder gelang es – zunächst. Das Geld wurde ausgezahlt. Doch dann kam es wie es kommen musste: C. konnte die Raten für Zins und Tilgung nicht bezahlen. Der Schwindel mit den Lohnbescheinigungen flog auf. Jetzt kam auch noch ein dritter Betrug hinzu.Als das Jobcenter von den Krediteinnahmen erfuhr, kam auch hier die Anzeige wegen Sozialbetrugs und die Rückforderung von 12.000 Euro von Januar bis September 2019 gezahlten Hartz-IV-Geldes. Insgesamt kam die Staatsanwaltschaft auf einen Schaden von 56.936,45 Euro. Angesichts des Hintergrundes sah der Ankläger keinen besonders schweren Fall, weil der nicht vorbestrafte C. keine dauerhafte Einnahmequelle habe erschließen wollen. „Es ist ihm aus den Händen geglitten“. Negativ schlage aber die Schadenshöhe und die kriminelle Energie zur Fälschung der Lohnabrechnungen zu Buche. Auch das Gericht sah das so und sprach das erwartete Urteil von einem Jahr und zwei Monaten Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Um aber die Schuld direkt spürbar zu machen, wurde eine Geldauflage von 600 Euro verhängt. Die soll C. in Raten von 20 Euro 30 Monate lang an das Elsa-Brandström-Heim überweisen.

Bank und Kreis betrogen: Sohn wollte kranker Mutter die Behandlung finanzieren

Bei der Beantragung von Krediten bediente sich der Betrüger gefälschter Lohnabrechnungen. Foto: imago stock&people

Minden. Rund 57.000 Euro wollen eine Bank und der Kreis Minden-Lübbecke von Murad C. (Name geändert) zurück haben.Wegen dreifachen Betruges saß er jetzt vor dem Schöffengericht Minden, das ihn zu einer Bewährungsstrafe verurteilte.

Was auf den ersten Blick als Gaunerei aussehen könnte, wird bei näherem Hinsehen zu einer sehr sentimentalen Geschichte über den Wert von Familie und Verpflichtung gegenüber den Eltern – insbesondere der Mutter. Das ist in manchen Kulturkreisen viel stärker ausgeprägt als in der deutschen Gesellschaft. Darum ging es in der Verhandlung.

Die Verhandlung begann mit dem Hinweis des Vorsitzenden Richters Dr. Sebastian Homeier, dass hier angesichts der Höhe der Schadenssumme auch eine Verurteilung für einen besonders schweren Fall in Betracht kommen könnte. C.s Verteidiger Peter Jahn (Minden) bat gleich zu Beginn um ein vertrauliches Rechtsgespräch mit Gericht und Anklagevertreter. Aus der geplanten Viertelstunde wurden 45 Minuten, in denen die Prozessbeteiligten um ein milderes Strafmaß im Gegenzug für ein prozessverkürzendes Geständnis rangen. Auf einen Strafrahmen zwischen 13 und 15 Monaten Haft auf Bewährung einigte man sich schließlich. Gesetzlich muss immer eine Spanne bei solchen „Deals“ angegeben werden.

Rechtsanwalt Jahn erzählte dann für seinen Mandanten, wie und warum es zu diesen Betrügereien gekommen war. Es ging um die todkranke Mutter des im Libanon geborenen Angeklagten. Für ihre Behandlung in der alten Heimat brauchte er viel Geld, das der von Hartz IV lebende Arbeitslose und Vater von sechs Kindern zwischen 33 und 18 Jahren nicht hatte und auf normalem Weg als Bankkredit nie bekommen würde. Deshalb fälschte er Lohnbescheinigungen und beantragte einen Kredit über 25.000 Euro bei einer Internet-Bank. Die prüfte die Angaben und Unterlagen des Kreditnehmers offenbar so oberflächlich, dass sie ihm die Summe Anfang 2019 auszahlte.

Malina Reckordt

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Doch das Geld half letztlich nichts, im September 2019 starb die Mutter. Nun musste der Sohn traditionsgemäß für eine angemessene Beerdigung sorgen. Und C. versuchte den Trick ein zweites Mal, diesmal über 20.000 Euro. Und wieder gelang es – zunächst. Das Geld wurde ausgezahlt. Doch dann kam es wie es kommen musste: C. konnte die Raten für Zins und Tilgung nicht bezahlen. Der Schwindel mit den Lohnbescheinigungen flog auf. Jetzt kam auch noch ein dritter Betrug hinzu.

Als das Jobcenter von den Krediteinnahmen erfuhr, kam auch hier die Anzeige wegen Sozialbetrugs und die Rückforderung von 12.000 Euro von Januar bis September 2019 gezahlten Hartz-IV-Geldes. Insgesamt kam die Staatsanwaltschaft auf einen Schaden von 56.936,45 Euro.

Angesichts des Hintergrundes sah der Ankläger keinen besonders schweren Fall, weil der nicht vorbestrafte C. keine dauerhafte Einnahmequelle habe erschließen wollen. „Es ist ihm aus den Händen geglitten“. Negativ schlage aber die Schadenshöhe und die kriminelle Energie zur Fälschung der Lohnabrechnungen zu Buche.

Auch das Gericht sah das so und sprach das erwartete Urteil von einem Jahr und zwei Monaten Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Um aber die Schuld direkt spürbar zu machen, wurde eine Geldauflage von 600 Euro verhängt. Die soll C. in Raten von 20 Euro 30 Monate lang an das Elsa-Brandström-Heim überweisen.

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