BAP fühlt sich in Minden wie zu Hause Wolfgang Niedecken und Co. rocken im Schatten des Doms mit 2500 begeisterten Fans / "Kölsch" als Universalsprache Von Thomas Kühlmann Minden (mt). Mitten im Konzert bringt es ein Zuschauer in zwei Sätzen auf den Punkt. "Man kann den Niedecken an jeden Ort der Welt stellen. Die Leute verstehen zwar sein Kölsch oft nicht, lauschen aber trotzdem andächtig seinen interessanten Geschichten und genießen vor allem seine tolle Musik." Recht hat er. Gemeint ist Wolfgang Niedecken, Urgestein und Frontmann der Rockgruppe BAP, die gestern Abend mehr als 2500 Zuschauer bei einem mitreißenden Drei-Stunden-Auftritt im Kleinen Domhof mit musikalischen Leckerbissen und einem Füllhorn an Anekdoten begeisterte. Dabei bewegen sich die Geschichten des 61-jährigen Songbarden zwischen herzerfrischender Komik und nachdenklichen Tönen.Letztere bringt Niedecken beim Song "Kristallnaach" zum Ausdruck, den die Band vor genau 30 Jahren bei ihrem legendären Rockpalast-Auftritt auf der Loreley erstmals live gespielt hatte. Der Song war seinerzeit ein Mahnzeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und ist trotz seines Alters aktueller denn je. In die gleiche Kerbe stößt Niedecken mit "Arsch Huh, Zäng Usseinander", das vor 20 Jahren die Hymne der versammelten Kölner Musikerschaft und befreundeter Bands beim beispielhaften Konzert auf dem Kölner Chlodwigplatz war. Eine Neuauflage dieses Festivals in der Domstadt ist für dieses Jahr geplant. Diesmal soll sich der musikalische Appell gegen die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland und der Welt richten. Apropos Domstadt. Nicht nur in seinem rheinischen Geburtsort mit der berühmten Kirche fühlt sich Niedecken gut aufgehoben. Denn Minden bietet dem Tausendsassa in Sachen soziales Engagement an diesem Abend eine prächtige Wohlfühl-Atmosphäre. "Ihr habt einen tollen Dom hier, die Leute sind freundlich und haben uns toll aufgenommen. Kurzum: ich fühl mich wie zu Hause hier", sagt Niedecken, um im nächsten Atemzug den Ohrwurm "Aff Un Zo", seine selbst erklärte Kurzfassung des Kölner Grundgesetzes, anzustimmen. Und die Mindener Fans singen lauthals mit. Niedeckens Lob hat natürlich seine Gründe, schließlich ist das Intro des bewegendes Konzertabends mit dem Läuten der Mindener Glocken mehr als standesgemäß ausgefallen. Fast zu jedem Lied hat Niedecken eine Schmonzette parat. Setzt er sich, selbst bekennender Geißbock-Fan, bei "Woröm Dunn Ich" mit der Leidensfähigkeit der Fußball-Anhänger des 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison auseinander ("Dazu dulde ich keine blöden Fragen"), so stellt er bei "Babylon" die Welterschaffungs-Theorie infrage. "Ich glaube als streng katholisch erzogener Junge zwar Vieles. Aber: In sechs Tagen kann Gott die Welt nicht erschaffen haben, es muss noch einen siebten gegeben haben, denn die Sprache findet erst beim Turmbau zu Babel die Erwähnung in der Bibel. Und ohne die Sprache geht in der Welt bekanntlich nichts." Und wieder hat der von seinem Schlaganfall prächtig genesene musikalische Weltenbummler, der mit seinen Vorbildern Bruce Springsteen und Bob Dylan ebenso zusammen musiziert hat wie mit seinem Helden – dem 1995 viel zu früh verstorbenen irischen Gitarristen Rory Gallagher - die Lacher auf seiner Seite. Womit wir wieder beim Loreley-Festival von 1982 wären. "Der liebe Rory hat mich damals auf seiner abgeblätterten Fender-Stratocaster spielen lassen - gigantisch", sagt Niedecken und liefert mit seiner Fassung von Gallaghers Song "A Million Miles Away" eine passende Hommage, um kurze Zeit später die Menge mit "Verdamp Lang Her" zum Kochen zu bringen und sich erstmals zu verabschieden. Doch BAP – Schlagzeuger Wolfgang Zöller feiert mittlerweile auch schon sein 25-jähriges Band-Jubiläum – holen nur kurz Luft und schicken die ebenso konditionsstarken Besucher erst nach fünf Zugaben mit dem verträumten "Do Kanns Zaubere" auf den wohlverdienten Heimweg.

BAP fühlt sich in Minden wie zu Hause

Minden (mt). Mitten im Konzert bringt es ein Zuschauer in zwei Sätzen auf den Punkt. "Man kann den Niedecken an jeden Ort der Welt stellen. Die Leute verstehen zwar sein Kölsch oft nicht, lauschen aber trotzdem andächtig seinen interessanten Geschichten und genießen vor allem seine tolle Musik."

- © Foto: Alex Lehn
© Foto: Alex Lehn

Recht hat er. Gemeint ist Wolfgang Niedecken, Urgestein und Frontmann der Rockgruppe BAP, die gestern Abend mehr als 2500 Zuschauer bei einem mitreißenden Drei-Stunden-Auftritt im Kleinen Domhof mit musikalischen Leckerbissen und einem Füllhorn an Anekdoten begeisterte. Dabei bewegen sich die Geschichten des 61-jährigen Songbarden zwischen herzerfrischender Komik und nachdenklichen Tönen.

Letztere bringt Niedecken beim Song "Kristallnaach" zum Ausdruck, den die Band vor genau 30 Jahren bei ihrem legendären Rockpalast-Auftritt auf der Loreley erstmals live gespielt hatte. Der Song war seinerzeit ein Mahnzeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und ist trotz seines Alters aktueller denn je.

Rund 2500 Fans kamen auf den Kleinen Domhof. - © Foto: Thomas Kühlmann
Rund 2500 Fans kamen auf den Kleinen Domhof. - © Foto: Thomas Kühlmann

Niedecken reist mit vielen Anekdoten an - © MINDEN
Niedecken reist mit vielen Anekdoten an - © MINDEN

In die gleiche Kerbe stößt Niedecken mit "Arsch Huh, Zäng Usseinander", das vor 20 Jahren die Hymne der versammelten Kölner Musikerschaft und befreundeter Bands beim beispielhaften Konzert auf dem Kölner Chlodwigplatz war. Eine Neuauflage dieses Festivals in der Domstadt ist für dieses Jahr geplant. Diesmal soll sich der musikalische Appell gegen die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland und der Welt richten.

Apropos Domstadt. Nicht nur in seinem rheinischen Geburtsort mit der berühmten Kirche fühlt sich Niedecken gut aufgehoben. Denn Minden bietet dem Tausendsassa in Sachen soziales Engagement an diesem Abend eine prächtige Wohlfühl-Atmosphäre. "Ihr habt einen tollen Dom hier, die Leute sind freundlich und haben uns toll aufgenommen. Kurzum: ich fühl mich wie zu Hause hier", sagt Niedecken, um im nächsten Atemzug den Ohrwurm "Aff Un Zo", seine selbst erklärte Kurzfassung des Kölner Grundgesetzes, anzustimmen. Und die Mindener Fans singen lauthals mit.

Niedeckens Lob hat natürlich seine Gründe, schließlich ist das Intro des bewegendes Konzertabends mit dem Läuten der Mindener Glocken mehr als standesgemäß ausgefallen.

Fast zu jedem Lied hat Niedecken eine Schmonzette parat. Setzt er sich, selbst bekennender Geißbock-Fan, bei "Woröm Dunn Ich" mit der Leidensfähigkeit der Fußball-Anhänger des 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison auseinander ("Dazu dulde ich keine blöden Fragen"), so stellt er bei "Babylon" die Welterschaffungs-Theorie infrage. "Ich glaube als streng katholisch erzogener Junge zwar Vieles. Aber: In sechs Tagen kann Gott die Welt nicht erschaffen haben, es muss noch einen siebten gegeben haben, denn die Sprache findet erst beim Turmbau zu Babel die Erwähnung in der Bibel. Und ohne die Sprache geht in der Welt bekanntlich nichts."

- © Foto: Thomas Kühlmann
© Foto: Thomas Kühlmann

Und wieder hat der von seinem Schlaganfall prächtig genesene musikalische Weltenbummler, der mit seinen Vorbildern Bruce Springsteen und Bob Dylan ebenso zusammen musiziert hat wie mit seinem Helden – dem 1995 viel zu früh verstorbenen irischen Gitarristen Rory Gallagher - die Lacher auf seiner Seite. Womit wir wieder beim Loreley-Festival von 1982 wären. "Der liebe Rory hat mich damals auf seiner abgeblätterten Fender-Stratocaster spielen lassen - gigantisch", sagt Niedecken und liefert mit seiner Fassung von Gallaghers Song "A Million Miles Away" eine passende Hommage, um kurze Zeit später die Menge mit "Verdamp Lang Her" zum Kochen zu bringen und sich erstmals zu verabschieden.

Doch BAP – Schlagzeuger Wolfgang Zöller feiert mittlerweile auch schon sein 25-jähriges Band-Jubiläum – holen nur kurz Luft und schicken die ebenso konditionsstarken Besucher erst nach fünf Zugaben mit dem verträumten "Do Kanns Zaubere" auf den wohlverdienten Heimweg.

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