Autorin und Architektin - Zora del Buono zu Gast beim Literarischen Verein Ursula Koch Minden. Eigentlich ist Zora del Buono Architektin. Aber sie ist auch eine großartige Erzählerin. Vielleicht gerade weil sie Architektin ist. Das schält sich im Gespräch mit dem Publikum nach ihrer Lesung am Montagabend im Hansehaus heraus. Einfach anzufangen und darauf zu vertrauen, dass sich alles zusammenfügt, das funktioniere selten gut, erzählt sie. Ein kluger Verleger habe ihr zu Beginn ihres Schreibens den Tipp gegeben, dass gute Bücher nur entstehen, wenn sich der Autor oder die Autorin vorher Gedanken über die Struktur gemacht hat. Das verbinde beide Disziplinen. Beim Literarischen Verein stellte die Schweizer Autorin und Mitbegründerin der Zeitschrift „Mare“ ihren aktuellen Roman „Die Marschallin“ vor. Eine klassische Lesung ist das in kleineren Teilen. Sie liest kleine Auszüge, dazwischen stellt sie erzählend den größeren Zusammenhang her. Genau das macht diese Lesung zu einer überaus lebendigen Veranstaltung, der die rund 50 Zuhörer gebannt folgen. In „Die Marschallin“ erzählt Zora del Buono von ihrer Großmutter mit gleichem Namen. Die wuchs im ersten Weltkrieg in Slowenien auf, heiratete einen italienischen Arzt, der nach einer Familienlegende dem Partisanenführer und späteren diktatorischen Staatschef Jugoslawiens, Josip Broz Tito, das Leben gerettet haben soll. Die Großeltern waren Kommunisten. „Salon-Kommunisten“ nennt sie die Autorin, denn sie seien vermögend gewesen, hätten im süditalienischen Bari ein großes Haus geführt, sich aber trotzdem für die sozial Benachteiligten eingesetzt. Ein Anlass für das Buch war die ungewöhnliche Häufung von tödlichen Unfällen in ihrer Familie, an denen sich ihre Großmutter die Schuld gab. Auch der Vater der Autorin starb mit 33 Jahren bei einem Autounfall. Sie überlege aktuell, ob sie die Familiengeschichte mit einem Buch über ihn fortsetzen solle und erzählt, dass sie mit sich ringe, ob sie auf die Suche nach dem Unfallverursacher gehen soll, um zu erfahren, wie er mit der Schuld lebt. Sie fragt das Publikum um Rat. Im Jahresprogramm des Literarischen Vereins folgt am Mittwoch, 3. November, um 19.30 Uhr im Hansehaus eine weitere Lesung: Die in Bielefeld lebende Autorin Susan Kreller liest Auszüge aus „Elektrische Fische“, in dem es um Verlust der Heimat und der Sprache und das Neuankommen in einer wenig entgegenkommenden Welt geht. Das Buch war 2020 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Am 1. Dezember stellt Vereinsmitglied Monika Büntemeyer den Roman „Streulicht“ von Deniz Ohde vor. Im kommenden Jahr werde sich der Verein dem Verhältnis von „Mensch und Natur“ widmen, berichtet Vorsitzende Irmgard Hasler. Dazu sollen wieder mehrere Lesungen angeboten werden.Für Veranstaltungen des Literarischen Vereins gilt aktuell die 2G-Regelung mit Anmeldung bei i.hasler@gmx.net.

Autorin und Architektin - Zora del Buono zu Gast beim Literarischen Verein

Die Autorin Zora del Buono gestaltete am Montag eine sehr lebendige Lesung im Hansehaus. MT-Foto: Ursula Koch

Minden. Eigentlich ist Zora del Buono Architektin. Aber sie ist auch eine großartige Erzählerin. Vielleicht gerade weil sie Architektin ist. Das schält sich im Gespräch mit dem Publikum nach ihrer Lesung am Montagabend im Hansehaus heraus.

Einfach anzufangen und darauf zu vertrauen, dass sich alles zusammenfügt, das funktioniere selten gut, erzählt sie. Ein kluger Verleger habe ihr zu Beginn ihres Schreibens den Tipp gegeben, dass gute Bücher nur entstehen, wenn sich der Autor oder die Autorin vorher Gedanken über die Struktur gemacht hat. Das verbinde beide Disziplinen.

Beim Literarischen Verein stellte die Schweizer Autorin und Mitbegründerin der Zeitschrift „Mare“ ihren aktuellen Roman „Die Marschallin“ vor. Eine klassische Lesung ist das in kleineren Teilen. Sie liest kleine Auszüge, dazwischen stellt sie erzählend den größeren Zusammenhang her. Genau das macht diese Lesung zu einer überaus lebendigen Veranstaltung, der die rund 50 Zuhörer gebannt folgen.

Malina Reckordt

Gendern bei MT - überflüssig oder überfällig?

Nehmen Sie jetzt an der Umfrage zum Thema Gendern teil

In „Die Marschallin“ erzählt Zora del Buono von ihrer Großmutter mit gleichem Namen. Die wuchs im ersten Weltkrieg in Slowenien auf, heiratete einen italienischen Arzt, der nach einer Familienlegende dem Partisanenführer und späteren diktatorischen Staatschef Jugoslawiens, Josip Broz Tito, das Leben gerettet haben soll. Die Großeltern waren Kommunisten. „Salon-Kommunisten“ nennt sie die Autorin, denn sie seien vermögend gewesen, hätten im süditalienischen Bari ein großes Haus geführt, sich aber trotzdem für die sozial Benachteiligten eingesetzt.

Ein Anlass für das Buch war die ungewöhnliche Häufung von tödlichen Unfällen in ihrer Familie, an denen sich ihre Großmutter die Schuld gab. Auch der Vater der Autorin starb mit 33 Jahren bei einem Autounfall. Sie überlege aktuell, ob sie die Familiengeschichte mit einem Buch über ihn fortsetzen solle und erzählt, dass sie mit sich ringe, ob sie auf die Suche nach dem Unfallverursacher gehen soll, um zu erfahren, wie er mit der Schuld lebt. Sie fragt das Publikum um Rat.

Im Jahresprogramm des Literarischen Vereins folgt am Mittwoch, 3. November, um 19.30 Uhr im Hansehaus eine weitere Lesung: Die in Bielefeld lebende Autorin Susan Kreller liest Auszüge aus „Elektrische Fische“, in dem es um Verlust der Heimat und der Sprache und das Neuankommen in einer wenig entgegenkommenden Welt geht. Das Buch war 2020 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Am 1. Dezember stellt Vereinsmitglied Monika Büntemeyer den Roman „Streulicht“ von Deniz Ohde vor. Im kommenden Jahr werde sich der Verein dem Verhältnis von „Mensch und Natur“ widmen, berichtet Vorsitzende Irmgard Hasler. Dazu sollen wieder mehrere Lesungen angeboten werden.Für Veranstaltungen des Literarischen Vereins gilt aktuell die 2G-Regelung mit Anmeldung bei i.hasler@gmx.net.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden