Autismusambulanz des DRK bekommt mehr Platz und mehr Personal Anja Peper Minden (mt). Autismus ist nicht gleich Autismus. Viele Betroffene haben Probleme mit sozialen Kontakten und Kommunikation, sie leben in ihrer eigenen Welt. Ausprägung und Schweregrad können unterschiedlich sein. Nicht immer ist ein selbstständiges Leben möglich. Familien, die Unterstützung suchen, können sich an die Autismusambulanz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wenden. Doch die Räume an der Kutenhauser Straße sind zu klein geworden – mit der Folge, dass sich Familien bisher auf Wartezeiten bis zu anderthalb Jahren einstellen müssen. Das soll sich ändern: Das DRK baut an. Hinter dem Hauptgebäude entsteht ein zweigeschossiger Anbau für die Autismusambulanz. Eine kleine Runde kam zum ersten Spatenstich, ganz klassisch mit Bratwurst und Bier im Anschluss. Besonders die Leiterin Andrea Feyfar freut sich, dass es endlich losgeht: „Der Baulärm ist Musik in meinen Ohren.“ Die Erweiterung wurde notwendig, denn die Wartelisten wurden „lang und länger“. Neben dem Wittekindshof ist das DRK die einzige Wohlfahrtsorganisation mit einem solchen Angebot im Kreis Minden-Lübbecke. Der Anbau soll 170 Quadratmeter zusätzlichen Platz bieten für Büros und Behandlungsräume. Hinter dem Hauptgebäude sie die Ambulanz gut aufgehoben, findet Andrea Feyfar. „Denn einerseits muss sie gut zu erreichen sein, andererseits möglichst reizarm.“ Während der Therapie sollen die Betroffenen möglichst wenig abgelenkt werden. Die Autismusambulanz nimmt Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf. Die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch unterstützen das Vorhaben, aber der DRK-Kreisverband leistet einen erheblichen Eigenanteil. Der Anbau wird etwa eine halbe Million Euro kosten. Die Regie auf der Baustelle übernehmen die beiden Architektinnen Valeria Petri und Ralitsa Nowakowski (Büro Parallel, Minden). Aktuell arbeiten fünf Mitarbeiter für die DRK-Autismusambulanz, drei in Minden und zwei in Lübbecke. Zwei weitere sollen eingestellt werden, wenn der Anbau fertig ist. „Wir suchen Heilpädagogen mit abgeschlossenem Studium und einschlägiger Erfahrung“, sagt Andrea Feyfar. Das gleiche der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen, denn auch im sozialen Bereich ist der Fachkräftemangel ein Thema. Sie selbst ist Diplom-Sozialpädagogin/Ergotherapeutin sowie zertifizierte Autismustherapeutin. In der Einzelförderung nutzt das Team Elemente aus unterschiedlichen anerkannten Verfahren der Heilpädagogik, Pädagogik und Psychologie. Die enge Zusammenarbeit mit Eltern und weiteren wichtigen Bezugspersonen ist besonders wichtig. „Durch unser mobiles Konzept arbeiten wir sowohl in den Räumen der Autismusambulanz, im häuslichen Umfeld, im Kindergarten, oder in der Schule“, heißt es auf der Homepage des DRK-Kreisverbands. Autistische Störungen – auch Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) genannt – gehören zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies bedeutet, dass nahezu alle Bereiche der Entwicklung schon im frühen Kindesalter betroffen sind. Die Veränderungen sind hirnorganisch bedingt, sie sind angeboren und bisher nicht heilbar und daher ein Leben lang vorhanden. Die Grenzen zwischen den verschiedenen autistischen Störungen sind fließend, ebenso die Grenze zur „Normalität“. Zudem weist etwa die Hälfte der Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung eine zusätzliche intellektuelle Beeinträchtigung auf. Andererseits gibt es aber auch hochbegabte Menschen mit Autismus oder Inselbegabungen beziehungsweise außergewöhnliche Stärken und Interessen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus fallen zum Beispiel dadurch auf, dass sie Blick- und Körperkontakt meiden, wie taub wirken, ununterbrochen über ein Thema sprechen oder sich in sozialen Situationen unwohl fühlen. Wenn die autistische Störung lange unerkannt bleibt, können verschiedene zusätzliche Störungen auftreten. Eine frühe Diagnose ist aus diesem Grund wichtig. Wenn ein Kinderpsychiater eine autistische Störung festgestellt hat, kann ein Kind prinzipiell aufgenommen werden. Bei einem Erstgespräch werden Themen wie Kostenübernahme, Therapieverlauf, Förderzeit und ähnliches geklärt. Wenn die Kostenübernahme feststeht, kann die Förderung beginnen. Auch Kinder aus dem angrenzenden Niedersachsen, zum Beispiel aus dem Raum Bückeburg, können aufgenommen werden.

Autismusambulanz des DRK bekommt mehr Platz und mehr Personal

Los geht’s: Der Anbau für die Autismusambulanz entsteht vor dem hellen Gebäudeteil. Den ersten Spatenstich übernahmen (von links): Schatzmeister Henning Schmalz, DRK-Geschäftsführer Hans-Jürgen Weber, Präsident Kai Abruszat, Leiterin Andrea Feyfar sowie die Architektinnen Valeria Petri und Ralitsa Nowakowski. MT-Foto: Anja Peper © Anja Peper

Minden (mt). Autismus ist nicht gleich Autismus. Viele Betroffene haben Probleme mit sozialen Kontakten und Kommunikation, sie leben in ihrer eigenen Welt. Ausprägung und Schweregrad können unterschiedlich sein. Nicht immer ist ein selbstständiges Leben möglich. Familien, die Unterstützung suchen, können sich an die Autismusambulanz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wenden. Doch die Räume an der Kutenhauser Straße sind zu klein geworden – mit der Folge, dass sich Familien bisher auf Wartezeiten bis zu anderthalb Jahren einstellen müssen. Das soll sich ändern: Das DRK baut an. Hinter dem Hauptgebäude entsteht ein zweigeschossiger Anbau für die Autismusambulanz.

Eine kleine Runde kam zum ersten Spatenstich, ganz klassisch mit Bratwurst und Bier im Anschluss. Besonders die Leiterin Andrea Feyfar freut sich, dass es endlich losgeht: „Der Baulärm ist Musik in meinen Ohren.“ Die Erweiterung wurde notwendig, denn die Wartelisten wurden „lang und länger“. Neben dem Wittekindshof ist das DRK die einzige Wohlfahrtsorganisation mit einem solchen Angebot im Kreis Minden-Lübbecke. Der Anbau soll 170 Quadratmeter zusätzlichen Platz bieten für Büros und Behandlungsräume. Hinter dem Hauptgebäude sie die Ambulanz gut aufgehoben, findet Andrea Feyfar. „Denn einerseits muss sie gut zu erreichen sein, andererseits möglichst reizarm.“ Während der Therapie sollen die Betroffenen möglichst wenig abgelenkt werden. Die Autismusambulanz nimmt Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf. Die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Aktion Mensch unterstützen das Vorhaben, aber der DRK-Kreisverband leistet einen erheblichen Eigenanteil. Der Anbau wird etwa eine halbe Million Euro kosten.

Die Regie auf der Baustelle übernehmen die beiden Architektinnen Valeria Petri und Ralitsa Nowakowski (Büro Parallel, Minden).


Aktuell arbeiten fünf Mitarbeiter für die DRK-Autismusambulanz, drei in Minden und zwei in Lübbecke. Zwei weitere sollen eingestellt werden, wenn der Anbau fertig ist. „Wir suchen Heilpädagogen mit abgeschlossenem Studium und einschlägiger Erfahrung“, sagt Andrea Feyfar. Das gleiche der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen, denn auch im sozialen Bereich ist der Fachkräftemangel ein Thema. Sie selbst ist Diplom-Sozialpädagogin/Ergotherapeutin sowie zertifizierte Autismustherapeutin. In der Einzelförderung nutzt das Team Elemente aus unterschiedlichen anerkannten Verfahren der Heilpädagogik, Pädagogik und Psychologie. Die enge Zusammenarbeit mit Eltern und weiteren wichtigen Bezugspersonen ist besonders wichtig. „Durch unser mobiles Konzept arbeiten wir sowohl in den Räumen der Autismusambulanz, im häuslichen Umfeld, im Kindergarten, oder in der Schule“, heißt es auf der Homepage des DRK-Kreisverbands.

Autistische Störungen – auch Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) genannt – gehören zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies bedeutet, dass nahezu alle Bereiche der Entwicklung schon im frühen Kindesalter betroffen sind. Die Veränderungen sind hirnorganisch bedingt, sie sind angeboren und bisher nicht heilbar und daher ein Leben lang vorhanden.

Die Grenzen zwischen den verschiedenen autistischen Störungen sind fließend, ebenso die Grenze zur „Normalität“. Zudem weist etwa die Hälfte der Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung eine zusätzliche intellektuelle Beeinträchtigung auf. Andererseits gibt es aber auch hochbegabte Menschen mit Autismus oder Inselbegabungen beziehungsweise außergewöhnliche Stärken und Interessen.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus fallen zum Beispiel dadurch auf, dass sie Blick- und Körperkontakt meiden, wie taub wirken, ununterbrochen über ein Thema sprechen oder sich in sozialen Situationen unwohl fühlen. Wenn die autistische Störung lange unerkannt bleibt, können verschiedene zusätzliche Störungen auftreten. Eine frühe Diagnose ist aus diesem Grund wichtig.

Wenn ein Kinderpsychiater eine autistische Störung festgestellt hat, kann ein Kind prinzipiell aufgenommen werden. Bei einem Erstgespräch werden Themen wie Kostenübernahme, Therapieverlauf, Förderzeit und ähnliches geklärt. Wenn die Kostenübernahme feststeht, kann die Förderung beginnen. Auch Kinder aus dem angrenzenden Niedersachsen, zum Beispiel aus dem Raum Bückeburg, können aufgenommen werden.

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