Ausstellung "mechanische Tierwelt": Kunterbunte Spielzeugwelt im Mindener Museum Ursula Koch Minden. Es ist ganz still im Museum. Nichts rappelt, nichts knackt oder klackert. Und das, obwohl in den Vitrinen dutzende Tiere aus Blech nur darauf zu warten scheinen, dass sie endlich jemand aufzieht, damit sie loslegen können. Ob es hier wohl nachts, wenn der letzte Besucher längst gegangen ist, auch so ruhig bleibt? „Mechanische Tierwelt“ heißt die neue Sonderausstellung, die im Erdgeschoss bis zum 22. August besichtigt werden kann. Sie basiert auf der Sammlung von zwei Berliner Ausstellungsmachern und Fotografen, Sebastian Köpcke und Volker Weinhold. Die beiden Freunde hätten auf einem Flohmarkt ihr erstes Blechtier gekauft und damit den Grundstein für ihre Sammlung gelegt, die sie in nur einem Jahr zusammengetragen haben, berichtet die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Marion Tüting. Nun stehen die Tiere nach Gattungen und Lebensraum sortiert aufgereiht wie in einem Naturkundemuseum. Kleine Schildchen benennen die Gattung, die Herkunft und den Produktions-Jahrgang. Dahinter hängen großformatige Fotografien, auf denen die beiden Berliner die Tiere in ihrem jeweiligen Lebensraum humorvoll in Szene setzen. Das Blechküken hockt auf Eiern, der Hund vor einem Haufen Würstchen, die Schnecken auf einem Kohlkopf. Es macht Spaß, sich in dieser bunten Welt treiben zu lassen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1900, die jüngsten aus den 1970er Jahren. Der Ente sieht man ihr Alter auch tatsächlich an: Die Farbe ist ziemlich abgestoßen, das Blech eher rostig. Damit ist offenbar tatsächlich gespielt worden, während andere Exponate so frisch daherkommen, als hätten sie gerade die Produktion verlassen. Dieses Beispiel steht gleich daneben: Eine nur zehn Jahre jüngere Schwimmente eines deutschen Herstellers. „Das Spielzeug wurde anfangs von Hand bemalt. Als die Lithografie aufkam, steigerten sich die Stückzahlen“, berichtet Tüting. In den 70er habe dann die noch preiswertere Konkurrenz aus Kunststoff dem Blech den Rang abgelaufen. In den Vitrinen finden sich einfache Knackfrösche, bei denen eine Blechzunge an der Unterseite das charakteristische Knackgeräusch erzeugt, das die Nerven mehrerer Elterngenerationen an die Belastungsgrenze gebracht hat. Daneben die vielen mechanischen Varianten, die durch Aufziehen mittels einer Feder in Bewegung gesetzt werden können. Das können die Besucher zwar nicht selber ausprobieren, aber die Ausstellungsmacher haben es getan und auch gefilmt. Sogar ein „ferngesteuerter“ Hund ist dabei. Er „läuft“ an einer Leine aus Draht. In Deutschland waren Nürnberg und Fürth Zentren für die Produktion von Blechspielzeug, erläutert Tüting. Die Firma Lehmann produzierte von 1880 bis zum Zweiten Weltkrieg in Brandenburg und startete nach der Enteignung 1948 zwei Jahre später in Nürnberg neu. Blechspielzeug produzierte Ernst Paul Lehmann Patentwerk bis in die 60er Jahre. Viele Exponate stammen aus Frankreich und Japan, das in der Nachkriegszeit den europäischen Markt eroberte, den USA und der Sowjetunion. Diese Käfer sind deutlich größer, als die aus Deutschland und Frankreich, dabei sind die Exemplare deutlich vor dem Reaktorunfall in Tschernobyl hergestellt worden. Die größten Exponate stammen aber aus den 1950er Jahren aus Großbritannien: Auf der Ente und der Schnecke auf Kufen haben Kinder geschaukelt. Das Pferd, zwischen 1948 und 1955 produziert, braucht vollen Körpereinsatz, damit es sich in Bewegung setzt. Die Ausstellung bleibt bis zum 22. August im Mindener Museum, geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Die Kontaktdaten werden erfasst, das Tragen einer medizinischen Maske ist Pflicht. Für Familien mit Kindern ab sieben Jahren wird an der Kasse ein „tierisches Museumsquiz“ angeboten. Führungen sind für Gruppen mit maximal sieben Personen möglich, Telefon (05 71) 9 72 40 20.

Ausstellung "mechanische Tierwelt": Kunterbunte Spielzeugwelt im Mindener Museum

Bunte Spielzeugwelt in allen Formen und Größen: Auf den größten Exponaten der Ausstellung „Mechanische Tierwelt“ im Mindener Museum konnten Kinder sitzen. MT-Foto: Ursula Koch © Ursula Koch

Minden. Es ist ganz still im Museum. Nichts rappelt, nichts knackt oder klackert. Und das, obwohl in den Vitrinen dutzende Tiere aus Blech nur darauf zu warten scheinen, dass sie endlich jemand aufzieht, damit sie loslegen können. Ob es hier wohl nachts, wenn der letzte Besucher längst gegangen ist, auch so ruhig bleibt?

„Mechanische Tierwelt“ heißt die neue Sonderausstellung, die im Erdgeschoss bis zum 22. August besichtigt werden kann. Sie basiert auf der Sammlung von zwei Berliner Ausstellungsmachern und Fotografen, Sebastian Köpcke und Volker Weinhold. Die beiden Freunde hätten auf einem Flohmarkt ihr erstes Blechtier gekauft und damit den Grundstein für ihre Sammlung gelegt, die sie in nur einem Jahr zusammengetragen haben, berichtet die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Marion Tüting.

Nun stehen die Tiere nach Gattungen und Lebensraum sortiert aufgereiht wie in einem Naturkundemuseum. Kleine Schildchen benennen die Gattung, die Herkunft und den Produktions-Jahrgang. Dahinter hängen großformatige Fotografien, auf denen die beiden Berliner die Tiere in ihrem jeweiligen Lebensraum humorvoll in Szene setzen. Das Blechküken hockt auf Eiern, der Hund vor einem Haufen Würstchen, die Schnecken auf einem Kohlkopf. Es macht Spaß, sich in dieser bunten Welt treiben zu lassen und auf Entdeckungsreise zu gehen.


Das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1900, die jüngsten aus den 1970er Jahren. Der Ente sieht man ihr Alter auch tatsächlich an: Die Farbe ist ziemlich abgestoßen, das Blech eher rostig. Damit ist offenbar tatsächlich gespielt worden, während andere Exponate so frisch daherkommen, als hätten sie gerade die Produktion verlassen. Dieses Beispiel steht gleich daneben: Eine nur zehn Jahre jüngere Schwimmente eines deutschen Herstellers. „Das Spielzeug wurde anfangs von Hand bemalt. Als die Lithografie aufkam, steigerten sich die Stückzahlen“, berichtet Tüting. In den 70er habe dann die noch preiswertere Konkurrenz aus Kunststoff dem Blech den Rang abgelaufen.

In den Vitrinen finden sich einfache Knackfrösche, bei denen eine Blechzunge an der Unterseite das charakteristische Knackgeräusch erzeugt, das die Nerven mehrerer Elterngenerationen an die Belastungsgrenze gebracht hat. Daneben die vielen mechanischen Varianten, die durch Aufziehen mittels einer Feder in Bewegung gesetzt werden können. Das können die Besucher zwar nicht selber ausprobieren, aber die Ausstellungsmacher haben es getan und auch gefilmt.

Sogar ein „ferngesteuerter“ Hund ist dabei. Er „läuft“ an einer Leine aus Draht. In Deutschland waren Nürnberg und Fürth Zentren für die Produktion von Blechspielzeug, erläutert Tüting. Die Firma Lehmann produzierte von 1880 bis zum Zweiten Weltkrieg in Brandenburg und startete nach der Enteignung 1948 zwei Jahre später in Nürnberg neu. Blechspielzeug produzierte Ernst Paul Lehmann Patentwerk bis in die 60er Jahre. Viele Exponate stammen aus Frankreich und Japan, das in der Nachkriegszeit den europäischen Markt eroberte, den USA und der Sowjetunion. Diese Käfer sind deutlich größer, als die aus Deutschland und Frankreich, dabei sind die Exemplare deutlich vor dem Reaktorunfall in Tschernobyl hergestellt worden.

Die größten Exponate stammen aber aus den 1950er Jahren aus Großbritannien: Auf der Ente und der Schnecke auf Kufen haben Kinder geschaukelt. Das Pferd, zwischen 1948 und 1955 produziert, braucht vollen Körpereinsatz, damit es sich in Bewegung setzt.

Die Ausstellung bleibt bis zum 22. August im Mindener Museum, geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Die Kontaktdaten werden erfasst, das Tragen einer medizinischen Maske ist Pflicht. Für Familien mit Kindern ab sieben Jahren wird an der Kasse ein „tierisches Museumsquiz“ angeboten. Führungen sind für Gruppen mit maximal sieben Personen möglich, Telefon (05 71) 9 72 40 20.

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