Ausgrabung: Barkhauser Kabel Teil eines Knotenpunkts Verkabelt in die Weltgeschichte / verlegt von den Briten Von Robert Kauffeld Minden/Porta Westfalica (rkm). Das Rätsel um die Barkhauser Kabel scheint gelöst: Fachleute kamen gestern zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Apparatur um eine britische Fernsprechleitung handelt, die nach 1945 verlegt worden war. "Über diese Kabel sind Gespräche geführt worden, die Bedeutung für die Weltgeschichte hatten", ist sich der Barkhauser Manfred Schulz sicher, der als Ingenieur für Nachrichtentechnik früher Leiter des Übertragungstechnischen Betriebes in Minden war. Das Verstärkeramt an der Edelweißstraße kannte er gut. Mit der Bunkeranlage waren die Barkhauser Kabel vermutlich verbunden (das MT berichtete).Schulz konnte anschaulich die Technik der seinerzeit üblichen Fernsprechübertragung erklären. Danach wurden Pupinspulen, wie sie in Barkhausen zu sehen sind, verwendet, um die Qualität der Übertragung über größere Entfernungen zu verbessern, was auch durch Parallelschaltung von Kabeln möglich war. Der Kostenfaktor sei dabei entscheidend gewesen, so Schulz. Vier Leitungen, die vermutlich nach Bad Oeynhausen führten, sind mit Pupinspulen versehen, während zwei Leitungen ohne Zwischenschaltung dieser großen säulenförmigen Geräte nach Bielefeld führten. Diese "Vier-plus-zwei"-Kabel zeigt auch übereinstimmend ein Netzplan vom 1. April 1948, der aus einem Buch von Wilhelm Blase über das Fernmeldewesen in Minden entnommen ist.Das Verstärkeramt in Barkhausen an der Edelweißstraße, wo diese Leitungen endeten, sei einer der wichtigsten Fernsprech-Knotenpunkte in Deutschland gewesen, so Schulz. Von der Edelweißstraße führten weitere Kabel nach Westen entlang der Bahnlinie.Bauer Friedel Schonebohm berichtete, dass er vor vielen Jahren beim Pflügen auf einen Kabelschacht gestoßen sei. Man habe sich aber schnell zu helfen gewusst und den Deckel abgehoben, die Seitenwände etwas abgetragen und den Deckel wieder draufgelegt - ganz unkompliziert, ohne Genehmigung, ohne Folgen.Da ging es den Eltern von Ewald Wiese schlechter, die beim Bau des Hauses an der Oberen Breede das Kabel zerstörten und damit die Militärpolizei auf den Plan riefen. Der Grund: Sabotageverdacht.Dr. Werner Best und Hannelore Kröger von der LWL Archäologie Westfalen sehen in dem freigelegten Kabelschacht durchaus eine technische Anlage, die Denkmalcharakter haben könnte - das soll in der nächsten Zeit geprüft werden. Wenn keine Bedenken bestehen, wird Manfred Schulz als Fachmann das Kabel auftrennen und die Geräte einer genauen Prüfung unterziehen. So sollen letzte Zweifel an der Herkunft der Anlage geklärt werden.Feststeht, dass es sich nicht, wie von Lesern vermutet wurde, um eine Sammelstelle für Erdenergie, Steuerkabel für V2-Raketen oder eine Funkanlage zur Kontaktaufnahme mit U-Booten handelt.

Ausgrabung: Barkhauser Kabel Teil eines Knotenpunkts

Minden/Porta Westfalica (rkm). Das Rätsel um die Barkhauser Kabel scheint gelöst: Fachleute kamen gestern zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Apparatur um eine britische Fernsprechleitung handelt, die nach 1945 verlegt worden war.

Fachmann: Manfred Schulz erklärt am Fundort die Fernemeldetechnik um 1945. - © Foto: rkm
Fachmann: Manfred Schulz erklärt am Fundort die Fernemeldetechnik um 1945. - © Foto: rkm

"Über diese Kabel sind Gespräche geführt worden, die Bedeutung für die Weltgeschichte hatten", ist sich der Barkhauser Manfred Schulz sicher, der als Ingenieur für Nachrichtentechnik früher Leiter des Übertragungstechnischen Betriebes in Minden war. Das Verstärkeramt an der Edelweißstraße kannte er gut. Mit der Bunkeranlage waren die Barkhauser Kabel vermutlich verbunden (das MT berichtete).

Schulz konnte anschaulich die Technik der seinerzeit üblichen Fernsprechübertragung erklären. Danach wurden Pupinspulen, wie sie in Barkhausen zu sehen sind, verwendet, um die Qualität der Übertragung über größere Entfernungen zu verbessern, was auch durch Parallelschaltung von Kabeln möglich war. Der Kostenfaktor sei dabei entscheidend gewesen, so Schulz. Vier Leitungen, die vermutlich nach Bad Oeynhausen führten, sind mit Pupinspulen versehen, während zwei Leitungen ohne Zwischenschaltung dieser großen säulenförmigen Geräte nach Bielefeld führten. Diese "Vier-plus-zwei"-Kabel zeigt auch übereinstimmend ein Netzplan vom 1. April 1948, der aus einem Buch von Wilhelm Blase über das Fernmeldewesen in Minden entnommen ist.

Das Verstärkeramt in Barkhausen an der Edelweißstraße, wo diese Leitungen endeten, sei einer der wichtigsten Fernsprech-Knotenpunkte in Deutschland gewesen, so Schulz. Von der Edelweißstraße führten weitere Kabel nach Westen entlang der Bahnlinie.

Bauer Friedel Schonebohm berichtete, dass er vor vielen Jahren beim Pflügen auf einen Kabelschacht gestoßen sei. Man habe sich aber schnell zu helfen gewusst und den Deckel abgehoben, die Seitenwände etwas abgetragen und den Deckel wieder draufgelegt - ganz unkompliziert, ohne Genehmigung, ohne Folgen.

Da ging es den Eltern von Ewald Wiese schlechter, die beim Bau des Hauses an der Oberen Breede das Kabel zerstörten und damit die Militärpolizei auf den Plan riefen. Der Grund: Sabotageverdacht.

Dr. Werner Best und Hannelore Kröger von der LWL Archäologie Westfalen sehen in dem freigelegten Kabelschacht durchaus eine technische Anlage, die Denkmalcharakter haben könnte - das soll in der nächsten Zeit geprüft werden. Wenn keine Bedenken bestehen, wird Manfred Schulz als Fachmann das Kabel auftrennen und die Geräte einer genauen Prüfung unterziehen. So sollen letzte Zweifel an der Herkunft der Anlage geklärt werden.

Feststeht, dass es sich nicht, wie von Lesern vermutet wurde, um eine Sammelstelle für Erdenergie, Steuerkabel für V2-Raketen oder eine Funkanlage zur Kontaktaufnahme mit U-Booten handelt.

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