Aus dem Ruhrgebiet ins sichere Friedewalde: Günter Manberg erlebte bei der Arbeit in der Stadt wieder Bombenangriffe Robert Kauffeld Minden. Einen schweren Bombenangriff auf Minden erlebte der damals 15-jährige Günter Manberg während seiner Ausbildung bei der Firma Göttsch, die ein Geschäft für Oberbekleidung im unteren Teil der Bäckerstraße betrieb. Dort, wo sich jetzt das Kaufhaus C&A befindet. „Wir hatten früher in Gelsenkirchen-Schalke gewohnt, wurden dort ausgebombt, und so kam ich mit meinen Eltern nach Friedewalde“, berichtet Manberg. Dort habe man sich vor Bombenangriffen ziemlich sicher gefühlt, doch während seiner Ausbildung war er ja in der Mindener Innenstadt, und dort habe man immer mit Angriffen rechnen müsse. „Voralarm – Vollalarm – akute Luftwarnung: wenn diese Sirenensignale die Bevölkerung gewarnt hatten, dann ging es ab in den Keller“, so Manberg. Dass der Luftschutzkeller bei einem Volltreffer keinen Schutz bieten würde, das wäre allen bewusst gewesen. „So war es, als Minden wieder mal angegriffen wurde“, erinnert sich Günter Manberg, „und dann krachte es fürchterlich. Wir hatten Angst um unser Leben“. Als nach mehreren Detonationen für längere Zeit Totenstille geherrscht habe, hätten sie den Keller verlassen. „Bei mir liegt ´ne Bombe“, mit diesen Worten hätte ihn Fritz Stühmeier auf der Bäckerstraße angesprochen. Er führte ihn in sein gegenüber liegendes Tabakgeschäft. Tatsächlich lag im Obergeschoss eine Brandbombe. Die hatte der Junge schnell erkannt, schließlich hätten sie im Jungvolk manche Informationen über solches Kriegsmaterial bekommen. „Wir haben da manche Dummheiten gelernt“, fügte er hinzu. Damals wurde die Bevölkerung – oftmals von alten Parteigenossen – geschult, wie man die etwa 55 Zentimeter langen Brandbomben selbst löschen konnte. Auf den Hausböden standen dafür Luftschutzspritzen, Feuerpatschen und Eimer voll Wasser und Sand zur Verfügung. Besonders gefährlich war solch ein Löscheinsatz, wenn die Brandbombe eine bestimmte Farbmarkierung trug, dann explodierten sie nach einigen Minuten und hatten dabei die Sprengkraft einer Handgranate. Nun hatte diese Brandbombe aber nicht gezündet, zumindest noch nicht. Ein solcher Blindgänger ist aber immer noch gefährlich. Trotzdem trug ihn Günter Manberg behutsam aus dem Haus und legte ihn auf die Bäckerstraße, wo er später von Fachkräften entsorgt wurde. Fritz Stühmeier, der Angst um seinen Besitz gehabt hatte, war erleichtert und sehr dankbar, und so wollte er den jungen Mann auch dafür belohnen – mit einer Stange Zigaretten. Nur eine Stange Zigaretten? Doch zu einer Zeit, als man für Geld kaum etwas Wichtiges kaufen konnte, war das ein kostbares Geschenk, das besonders für Tauschgeschäfte wertvoll sein würde. „Für mich hatte das Geschenk aber einen ganz anderen zweifelhaften, doch umso dauerhafteren Wert“, so Günter Manberg kopfschüttelnd, „ich habe mir das Rauchen angewöhnt“. Und wie das bei solchen Gewohnheiten oftmals ist, hat er sich das Rauchen erst viel später wieder abgewöhnen können. Günter Manberg hat den Krieg heil überstanden, ist zunächst wieder nach Gelsenkirchen zurückgekehrt, wo er 25 Jahre in einem Stahlwerk gearbeitet hat. Dann führte ihn sein Weg wieder nach Minden, wo er ebenso lange bei der Firma Knoll AG an der Karlstraße gearbeitet hat.

Aus dem Ruhrgebiet ins sichere Friedewalde: Günter Manberg erlebte bei der Arbeit in der Stadt wieder Bombenangriffe

Günter Manberg zeigt das Bild einer Brandbombe. Er hat den immer noch gefährlichen Blindgänger nach einem Bombenangriff aus dem Haus getragen.
Foto: Robert Kauffeld
© Robert Kauffeld

Minden. Einen schweren Bombenangriff auf Minden erlebte der damals 15-jährige Günter Manberg während seiner Ausbildung bei der Firma Göttsch, die ein Geschäft für Oberbekleidung im unteren Teil der Bäckerstraße betrieb. Dort, wo sich jetzt das Kaufhaus C&A befindet. „Wir hatten früher in Gelsenkirchen-Schalke gewohnt, wurden dort ausgebombt, und so kam ich mit meinen Eltern nach Friedewalde“, berichtet Manberg. Dort habe man sich vor Bombenangriffen ziemlich sicher gefühlt, doch während seiner Ausbildung war er ja in der Mindener Innenstadt, und dort habe man immer mit Angriffen rechnen müsse. „Voralarm – Vollalarm – akute Luftwarnung: wenn diese Sirenensignale die Bevölkerung gewarnt hatten, dann ging es ab in den Keller“, so Manberg. Dass der Luftschutzkeller bei einem Volltreffer keinen Schutz bieten würde, das wäre allen bewusst gewesen. „So war es, als Minden wieder mal angegriffen wurde“, erinnert sich Günter Manberg, „und dann krachte es fürchterlich. Wir hatten Angst um unser Leben“.

Als nach mehreren Detonationen für längere Zeit Totenstille geherrscht habe, hätten sie den Keller verlassen. „Bei mir liegt ´ne Bombe“, mit diesen Worten hätte ihn Fritz Stühmeier auf der Bäckerstraße angesprochen. Er führte ihn in sein gegenüber liegendes Tabakgeschäft. Tatsächlich lag im Obergeschoss eine Brandbombe. Die hatte der Junge schnell erkannt, schließlich hätten sie im Jungvolk manche Informationen über solches Kriegsmaterial bekommen. „Wir haben da manche Dummheiten gelernt“, fügte er hinzu. Damals wurde die Bevölkerung – oftmals von alten Parteigenossen – geschult, wie man die etwa 55 Zentimeter langen Brandbomben selbst löschen konnte. Auf den Hausböden standen dafür Luftschutzspritzen, Feuerpatschen und Eimer voll Wasser und Sand zur Verfügung. Besonders gefährlich war solch ein Löscheinsatz, wenn die Brandbombe eine bestimmte Farbmarkierung trug, dann explodierten sie nach einigen Minuten und hatten dabei die Sprengkraft einer Handgranate. Nun hatte diese Brandbombe aber nicht gezündet, zumindest noch nicht. Ein solcher Blindgänger ist aber immer noch gefährlich. Trotzdem trug ihn Günter Manberg behutsam aus dem Haus und legte ihn auf die Bäckerstraße, wo er später von Fachkräften entsorgt wurde. Fritz Stühmeier, der Angst um seinen Besitz gehabt hatte, war erleichtert und sehr dankbar, und so wollte er den jungen Mann auch dafür belohnen – mit einer Stange Zigaretten. Nur eine Stange Zigaretten? Doch zu einer Zeit, als man für Geld kaum etwas Wichtiges kaufen konnte, war das ein kostbares Geschenk, das besonders für Tauschgeschäfte wertvoll sein würde. „Für mich hatte das Geschenk aber einen ganz anderen zweifelhaften, doch umso dauerhafteren Wert“, so Günter Manberg kopfschüttelnd, „ich habe mir das Rauchen angewöhnt“.

Und wie das bei solchen Gewohnheiten oftmals ist, hat er sich das Rauchen erst viel später wieder abgewöhnen können. Günter Manberg hat den Krieg heil überstanden, ist zunächst wieder nach Gelsenkirchen zurückgekehrt, wo er 25 Jahre in einem Stahlwerk gearbeitet hat. Dann führte ihn sein Weg wieder nach Minden, wo er ebenso lange bei der Firma Knoll AG an der Karlstraße gearbeitet hat.

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