Aus dem Labor in die Wirklichkeit: Pläne für Unverpackt-Laden in Minden Henning Wandel Minden (mt). Modellversuche enden nicht selten mit gut gemeinten Absichtserklärungen, aber ohne greifbares Ergebnis. Das Klima retten, die Weltverbessern – an großen Zielen mangelt es nicht. Auch nicht in Minden: In der vergangenen Woche drehten sich hier eine ganze Reihe von Veranstaltungen um das etwas sperrige Thema Nachhaltigkeit. An rund 40 Stationen konnten sich die Menschen rund um Minden ein Bild davon machen, welche großen und kleinen Projekte es hier bereits gibt: Klimaschutz im Hochmoor beispielsweise, gemeinsame Kartoffelernte auf dem Biohof oder ein Repair-Café. Nicht an allen Stationen waren immer viele Menschen. Trotzdem könnte aus den Mindener „Wandeltagen“, wie das Stationenmodell heißt, schon bald etwas ganz Konkretes entstehen: ein Unverpackt-Laden etwa. Den ersten Anstoß dazu hat es bei einem sogenannten Dragon-Dreaming-Workshop gegeben. Ende Oktober soll aus dem gemeinsamen Traum etwas Echtes werden, dann treffen sich 13 Frauen und Männer, um das Projekt in Gang zu setzen. Für Katharina Walckhoff ist das ein gutes Zeichen. Sie ist eine der Initiatoren der Nachhaltigkeitswoche und der Wandeltage. Schon in der Planung lagen ihr die Themen Ernährung und Landwirtschaft am Herzen. Sie spricht von „Ernährungssouveränität“, also der Produktion der benötigten Nahrungsmittel vor Ort. Dabei kann auch ein Unverpackt-Laden einen Beitrag leisten. „Das ist ja viel mehr als ein transformatorisches Einzelhandelskonzept“, sagt sie. Sie ist sich sicher: „Irgendwann wird es diesen Laden geben.“ Bisher gibt es solche Geschäfte eher in Großstädten, seit Mai aber auch in Bad Oeynhausen – eröffnet von den beiden Mindenern Dimitrij Nikulicev und Orhan Bro. Die Dinge des täglichen Bedarfs ohne lästigen Verpackungsmüll einkaufen zu können, baut auf die Nahrungsmittelproduktion vor Ort auf. Kurze Wege vom Acker zum Konsumenten, wenig Verbrauch von Ressourcen. Dieses Prinzip hat auch Johann Schilling umgesetzt so gut es ging. Der Mindener hat die Wandeltage gefilmt und arbeitet jetzt daran, das Werk zu schneiden, um die Nachhaltigkeitswoche zu dokumentieren. Für die große Kamera und die nötige Ausstattung hätte das ohne Auto nicht funktioniert. Also hat er sein Equipment auf das Nötigste reduziert, mit dem Handy gefilmt und versucht, möglichst viele Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen – auch wenn es am Ende ohne Auto doch nicht ging, weil die Stationen zwischen Löhne, Petershagen und Stemwede dann doch zu weit auseinanderlagen. Es sei eine persönliche Entdeckungsreise geworden: „Ich habe viele Menschen und faszinierende Ideen kennengelernt“, sagt Schilling. Etwa auf einem Bioladen, der sein Gemüse in einer sogenannten Permakultur anbaut. In diesem Lebensraum sollen Menschen, Tiere und Lebewesen so miteinander kombiniert werden, dass das System deren Bedürfnisse dauerhaft erfüllt. Mit seinem Film will er die Wandeltage dokumentieren und dazu beitragen, möglichst viele Menschen für diese Transformation zu gewinnen. Mit Überzeugung dabei ist schon jetzt Olga Wolf. Sie habe sich bei einer Asienreise entschlossen, ihr Leben dem Umweltschutz zu widmen, sagt sie. Seitdem versucht sie, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen. „Die Wandeltage kamen da sehr gelegen.“ Über den Filmabend mit „Taste the waste“ und einer Führung über die Pohlsche Heide fand sie den Weg zum „Dragon Dreaming“ und wird auch mit dabei sein, wenn beim nächsten Treffen im Hansehaus der Unverpackt-Laden angeschoben werden soll. Für Katharina Walckhoff erfüllt sich damit genau das, was sie sich erhofft hat: Der große theoretische Rahmen wird mit konkreten Aktionen gefüllt. „So wird der Wandel vor Ort greifbar“, sagt sie. Rückblickend hätten sich die Organisatoren sicher mehr Besucher gewünscht. Die Reaktionen waren dennoch so positiv, dass sie schon jetzt über eine Neuauflage im kommenden Jahr nachdenken. Die Transformation müsse von den Menschen ausgehen, sagt Walckhoff. Dazu brauche es auch den nötigen Langmut: „Fairwandeln heißt auch Warten.“ Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 88 21 66 oder Henning.Wandel@MT.de

Aus dem Labor in die Wirklichkeit: Pläne für Unverpackt-Laden in Minden

Das „Fairwandelfest“ am Obermarkt gab den Startschuss für die Mindener Nachhaltigkeitswoche. Von der Theorie ging es dabei schnell in die Praxis. Foto: Ingrid Hausdörffer/Privat © Ingrid Hausdörffer/Privat

Minden (mt). Modellversuche enden nicht selten mit gut gemeinten Absichtserklärungen, aber ohne greifbares Ergebnis. Das Klima retten, die Weltverbessern – an großen Zielen mangelt es nicht. Auch nicht in Minden: In der vergangenen Woche drehten sich hier eine ganze Reihe von Veranstaltungen um das etwas sperrige Thema Nachhaltigkeit. An rund 40 Stationen konnten sich die Menschen rund um Minden ein Bild davon machen, welche großen und kleinen Projekte es hier bereits gibt: Klimaschutz im Hochmoor beispielsweise, gemeinsame Kartoffelernte auf dem Biohof oder ein Repair-Café.

Nicht an allen Stationen waren immer viele Menschen. Trotzdem könnte aus den Mindener „Wandeltagen“, wie das Stationenmodell heißt, schon bald etwas ganz Konkretes entstehen: ein Unverpackt-Laden etwa. Den ersten Anstoß dazu hat es bei einem sogenannten Dragon-Dreaming-Workshop gegeben. Ende Oktober soll aus dem gemeinsamen Traum etwas Echtes werden, dann treffen sich 13 Frauen und Männer, um das Projekt in Gang zu setzen. Für Katharina Walckhoff ist das ein gutes Zeichen. Sie ist eine der Initiatoren der Nachhaltigkeitswoche und der Wandeltage. Schon in der Planung lagen ihr die Themen Ernährung und Landwirtschaft am Herzen. Sie spricht von „Ernährungssouveränität“, also der Produktion der benötigten Nahrungsmittel vor Ort. Dabei kann auch ein Unverpackt-Laden einen Beitrag leisten. „Das ist ja viel mehr als ein transformatorisches Einzelhandelskonzept“, sagt sie. Sie ist sich sicher: „Irgendwann wird es diesen Laden geben.“ Bisher gibt es solche Geschäfte eher in Großstädten, seit Mai aber auch in Bad Oeynhausen – eröffnet von den beiden Mindenern Dimitrij Nikulicev und Orhan Bro.

Die Dinge des täglichen Bedarfs ohne lästigen Verpackungsmüll einkaufen zu können, baut auf die Nahrungsmittelproduktion vor Ort auf. Kurze Wege vom Acker zum Konsumenten, wenig Verbrauch von Ressourcen. Dieses Prinzip hat auch Johann Schilling umgesetzt so gut es ging. Der Mindener hat die Wandeltage gefilmt und arbeitet jetzt daran, das Werk zu schneiden, um die Nachhaltigkeitswoche zu dokumentieren. Für die große Kamera und die nötige Ausstattung hätte das ohne Auto nicht funktioniert. Also hat er sein Equipment auf das Nötigste reduziert, mit dem Handy gefilmt und versucht, möglichst viele Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen – auch wenn es am Ende ohne Auto doch nicht ging, weil die Stationen zwischen Löhne, Petershagen und Stemwede dann doch zu weit auseinanderlagen. Es sei eine persönliche Entdeckungsreise geworden: „Ich habe viele Menschen und faszinierende Ideen kennengelernt“, sagt Schilling. Etwa auf einem Bioladen, der sein Gemüse in einer sogenannten Permakultur anbaut. In diesem Lebensraum sollen Menschen, Tiere und Lebewesen so miteinander kombiniert werden, dass das System deren Bedürfnisse dauerhaft erfüllt. Mit seinem Film will er die Wandeltage dokumentieren und dazu beitragen, möglichst viele Menschen für diese Transformation zu gewinnen.

Mit Überzeugung dabei ist schon jetzt Olga Wolf. Sie habe sich bei einer Asienreise entschlossen, ihr Leben dem Umweltschutz zu widmen, sagt sie. Seitdem versucht sie, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen. „Die Wandeltage kamen da sehr gelegen.“ Über den Filmabend mit „Taste the waste“ und einer Führung über die Pohlsche Heide fand sie den Weg zum „Dragon Dreaming“ und wird auch mit dabei sein, wenn beim nächsten Treffen im Hansehaus der Unverpackt-Laden angeschoben werden soll.

Für Katharina Walckhoff erfüllt sich damit genau das, was sie sich erhofft hat: Der große theoretische Rahmen wird mit konkreten Aktionen gefüllt. „So wird der Wandel vor Ort greifbar“, sagt sie. Rückblickend hätten sich die Organisatoren sicher mehr Besucher gewünscht. Die Reaktionen waren dennoch so positiv, dass sie schon jetzt über eine Neuauflage im kommenden Jahr nachdenken. Die Transformation müsse von den Menschen ausgehen, sagt Walckhoff. Dazu brauche es auch den nötigen Langmut: „Fairwandeln heißt auch Warten.“

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 88 21 66 oder Henning.Wandel@MT.de

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