Minden/Bad Oeynhausen Aufruhr im Wald: Konflikt zwischen Mountainbikern und Waldbauern spitzt sich zu Nicole Bliesener Minden/Bad Oeynhausen. Die Mountainbiker-Szene ist in Aufruhr, weil die Waldbesitzer nun handeln wollen. Nach Informationen eines Mountainbikers aus Minden sollen vor allem die illegalen Bauten auf der Route vom Moltketurm runter bis Barkhausen abgerissen werden. "Wir wissen, dass das, was wir tun, komplett illegal ist, trotzdem sind wir stinksauer. Sollte alles abgerissen werden, geht auch ein Stück über Jahre aufgebaute Mountainbike-Kultur kaputt", sagt der Mindener (sein Name ist der Redaktion bekannt). "Aufgebaut" ist hier im Wortsinn zu verstehen, denn gerade diese Strecke ist gespickt mit illegalen Bauten. Der Auslöser für die Zuspitzung des seit Jahren schwelenden Konflikts zwischen Bikern und Waldbauern war offensichtlich ein Anruf bei der Polizei. "Gefährliche Sperren aus Metall" auf einer Gefällestrecke im Wiehengebirge bei Bergkirchen hatte ein 35-jähriger Mountainbike-Fahrer der Polizei am Vatertag gemeldet. Dieser Anruf wurde zum Anlass genommen, um über den seit Jahren schwelenden Konflikt zu berichten. Was im Wald qua Gesetz erlaubt ist und was nicht, hatte Revierförster Markus Uhr dargestellt. Kurz zusammengefasst: Das Radfahren auf festen Wegen im Wiehengebirge ist gestattet, abseits dieser Wege ist es verboten. Das Bauen von Rampen und Buddeln von Gruben ist ohnehin untersagt. Waldbesitzer - das sind allein zwischen Porta und Schnathorst 573 - müssen das Betreten ihrer Waldparzellen gestatten und dürfen ihr Eigentum nicht einzäunen. Auf den Artikel hatte sich nicht nur der Anrufer gemeldet, sondern auch der Mountainbiker aus Minden. Der 35-jährige Anrufer aus Löhne wollte seine Beweggründe für den Anruf bei der Polizei darstellen und Kritik üben. "In dem Artikel klingt es so, als buddeln, bauen oder fahren alle MTBler illegal. Es sind nicht alle. Ein Großteil der Radler hält sich nämlich an die Regeln und will nur mal abschalten", erklärt er. Angerufen habe er vor allem, weil "Stahlseile, versteckt hinter Laub und Ästen, für mich eine Falle sind, die jemanden verletzten sollen. Im schlimmsten Fall kann dort jemand ums Leben kommen", sagt der 35-Jährige. Nach seiner Auffassung handele sich bei der Gefällstrecke im Bergkirchener Wiehengebirge nicht um einen illegalen Weg, weil ein Wegweiser genau über diesen Weg zum Parkplatz führe. "Der weist genau zu der Stelle, an der die Fallen aufgestellt wurden. Leute, die sich dort auskennen, wissen von dem Problem. Aber für Radfahrer und Spaziergänger von außerhalb wird's gefährlich. Ich habe da auch schon Spaziergänger mit Kindern und Hund runtergehen sehen." Nach dem Anruf des Löhners hatte die Polizei die Strecke mit Flatterband abgesperrt und Ermittlungen eingeleitet. "Die Ermittler sind derzeit mit der Staatsanwaltschaft im Austausch darüber, welche Strafbarkeit hier gegeben ist", sagt Polizeisprecher Thomas Bensch auf Nachfrage. Zwischen dem Porta-Denkmal und Lübbecke gäbe es zahlreiche "Lines" wie die MTBler ihre Strecken nennen. "Die meisten Waldbesitzer haben die bislang halbherzig geduldet", sagt der Mindener Biker. Doch nun seien die Besitzer aufgerüttelt worden. Besonders im Fokus stehe nun die Strecke vom Moltketurm runter nach Barkhausen. "Die besteht aus vier Sektionen und da sind Sprünge von zehn bis zwölf Metern drin", sagt der Mountainbiker. Das sei sozusagen die Champions League unter den Pisten. Und für die soll es nach Kenntnis des Mindeners nun die rote Karte geben. "Wir sind natürlich an einer Lösung interessiert, aber wir sehen auch, dass die Anzahl der Mountainbiker extrem zugenommen hat." Vor allem die Zahl derer, die mit einem E-Mountainbike unterwegs sind. Dass es eine Lösung wie im Deister in der Nähe von Hannover gibt, glaubt der Mindener, der selbst Mitglied des Vereins "Deisterfreunde" ist, indes nicht. Der Verein hatte sich nach jahrelangen Querelen gegründet und Strecken im Deister gepachtet. Stress im Wald mit Spaziergängern und Wanderern gebe es auf den Waldwegen nicht, meint der Mann aus Minden. Denn die Mountainbiker hätten sich einen Ehrenkodex auferlegt. "Wir nehmen Rücksicht auf Wanderer, Spaziergänger und Hunde." Dass die Aktivitäten von Mountainbiker im Wiehengebirge lange Zeit geduldet wurden, bestätigt auch Holger Raguse, Leiter des auch für das Wiehengebirge zuständige Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Aus zwei Gründen sei nun aber das Ende der Fahnenstange erreicht: "Erstens werden es immer mehr, das Einzugsgebiet immer größer und zweitens nimmt die Gefährdung immer mehr zu", sagt Raguse. "So wie jetzt - jenseits jeder Rechtslage - geht es einfach nicht mehr weiter", so Raguse. "Was uns fehlt, ist gegenseitiges Verständnis", fügt der Forstamtsleiter hinzu. "Grundsätzlich ist der Wald für uns alle da, aber immer mehr, die den Wald nutzen - vom Spaziergänger bis zum Mountainbiker - schauen nur auf ihre eigenen Interessen", kritisiert Holger Raguse. Der Respekt vor dem Eigentum der Waldbauern sei gänzlich verloren gegangen. "Für die Waldbauern ist eine Grenze erreicht", weiß Raguse aus vielen Gesprächen. Denn die Mountainbiker seien nur ein Teil der Probleme des Waldes. Holger Raguse fasst zusammen: "Wir kämpfen mit den Klimaveränderungen, den Sturmschäden, dem Borkenkäfer, der Trockenheit, der zunehmenden Zahl an Besuchern und eben auch der Welle an Mountainbikern."
Minden/Bad Oeynhausen

Aufruhr im Wald: Konflikt zwischen Mountainbikern und Waldbauern spitzt sich zu

Über Stock und Stein: Mountainbiker suchen im Wald den Nervenkitzel. © REUTERS/Matthew Childs

Minden/Bad Oeynhausen. Die Mountainbiker-Szene ist in Aufruhr, weil die Waldbesitzer nun handeln wollen. Nach Informationen eines Mountainbikers aus Minden sollen vor allem die illegalen Bauten auf der Route vom Moltketurm runter bis Barkhausen abgerissen werden. "Wir wissen, dass das, was wir tun, komplett illegal ist, trotzdem sind wir stinksauer. Sollte alles abgerissen werden, geht auch ein Stück über Jahre aufgebaute Mountainbike-Kultur kaputt", sagt der Mindener (sein Name ist der Redaktion bekannt). "Aufgebaut" ist hier im Wortsinn zu verstehen, denn gerade diese Strecke ist gespickt mit illegalen Bauten.

Der Auslöser für die Zuspitzung des seit Jahren schwelenden Konflikts zwischen Bikern und Waldbauern war offensichtlich ein Anruf bei der Polizei. "Gefährliche Sperren aus Metall" auf einer Gefällestrecke im Wiehengebirge bei Bergkirchen hatte ein 35-jähriger Mountainbike-Fahrer der Polizei am Vatertag gemeldet. Dieser Anruf wurde zum Anlass genommen, um über den seit Jahren schwelenden Konflikt zu berichten. Was im Wald qua Gesetz erlaubt ist und was nicht, hatte Revierförster Markus Uhr dargestellt.

Zwischen zwei Bäumen gespannte Drahtseile. Auch wegen dieser Gefahrenstelle rief ein 35-jähriger Löhner am Vatertag die Polizei. - © privat
Zwischen zwei Bäumen gespannte Drahtseile. Auch wegen dieser Gefahrenstelle rief ein 35-jähriger Löhner am Vatertag die Polizei. - © privat

Kurz zusammengefasst: Das Radfahren auf festen Wegen im Wiehengebirge ist gestattet, abseits dieser Wege ist es verboten. Das Bauen von Rampen und Buddeln von Gruben ist ohnehin untersagt. Waldbesitzer - das sind allein zwischen Porta und Schnathorst 573 - müssen das Betreten ihrer Waldparzellen gestatten und dürfen ihr Eigentum nicht einzäunen.

Auf den Artikel hatte sich nicht nur der Anrufer gemeldet, sondern auch der Mountainbiker aus Minden. Der 35-jährige Anrufer aus Löhne wollte seine Beweggründe für den Anruf bei der Polizei darstellen und Kritik üben. "In dem Artikel klingt es so, als buddeln, bauen oder fahren alle MTBler illegal. Es sind nicht alle. Ein Großteil der Radler hält sich nämlich an die Regeln und will nur mal abschalten", erklärt er.

Angerufen habe er vor allem, weil "Stahlseile, versteckt hinter Laub und Ästen, für mich eine Falle sind, die jemanden verletzten sollen. Im schlimmsten Fall kann dort jemand ums Leben kommen", sagt der 35-Jährige. Nach seiner Auffassung handele sich bei der Gefällstrecke im Bergkirchener Wiehengebirge nicht um einen illegalen Weg, weil ein Wegweiser genau über diesen Weg zum Parkplatz führe. "Der weist genau zu der Stelle, an der die Fallen aufgestellt wurden. Leute, die sich dort auskennen, wissen von dem Problem. Aber für Radfahrer und Spaziergänger von außerhalb wird's gefährlich. Ich habe da auch schon Spaziergänger mit Kindern und Hund runtergehen sehen."

Nach dem Anruf des Löhners hatte die Polizei die Strecke mit Flatterband abgesperrt und Ermittlungen eingeleitet. "Die Ermittler sind derzeit mit der Staatsanwaltschaft im Austausch darüber, welche Strafbarkeit hier gegeben ist", sagt Polizeisprecher Thomas Bensch auf Nachfrage.

Zwischen dem Porta-Denkmal und Lübbecke gäbe es zahlreiche "Lines" wie die MTBler ihre Strecken nennen. "Die meisten Waldbesitzer haben die bislang halbherzig geduldet", sagt der Mindener Biker. Doch nun seien die Besitzer aufgerüttelt worden. Besonders im Fokus stehe nun die Strecke vom Moltketurm runter nach Barkhausen. "Die besteht aus vier Sektionen und da sind Sprünge von zehn bis zwölf Metern drin", sagt der Mountainbiker. Das sei sozusagen die Champions League unter den Pisten.

Und für die soll es nach Kenntnis des Mindeners nun die rote Karte geben. "Wir sind natürlich an einer Lösung interessiert, aber wir sehen auch, dass die Anzahl der Mountainbiker extrem zugenommen hat." Vor allem die Zahl derer, die mit einem E-Mountainbike unterwegs sind. Dass es eine Lösung wie im Deister in der Nähe von Hannover gibt, glaubt der Mindener, der selbst Mitglied des Vereins "Deisterfreunde" ist, indes nicht. Der Verein hatte sich nach jahrelangen Querelen gegründet und Strecken im Deister gepachtet.

Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt eine illegale gebaute Rampe im Wiehengebirge. - © Elena Schulz-Ruthenberg
Das Foto aus dem Jahr 2018 zeigt eine illegale gebaute Rampe im Wiehengebirge. - © Elena Schulz-Ruthenberg

Stress im Wald mit Spaziergängern und Wanderern gebe es auf den Waldwegen nicht, meint der Mann aus Minden. Denn die Mountainbiker hätten sich einen Ehrenkodex auferlegt. "Wir nehmen Rücksicht auf Wanderer, Spaziergänger und Hunde."

Dass die Aktivitäten von Mountainbiker im Wiehengebirge lange Zeit geduldet wurden, bestätigt auch Holger Raguse, Leiter des auch für das Wiehengebirge zuständige Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Aus zwei Gründen sei nun aber das Ende der Fahnenstange erreicht: "Erstens werden es immer mehr, das Einzugsgebiet immer größer und zweitens nimmt die Gefährdung immer mehr zu", sagt Raguse. "So wie jetzt - jenseits jeder Rechtslage - geht es einfach nicht mehr weiter", so Raguse. "Was uns fehlt, ist gegenseitiges Verständnis", fügt der Forstamtsleiter hinzu. "Grundsätzlich ist der Wald für uns alle da, aber immer mehr, die den Wald nutzen - vom Spaziergänger bis zum Mountainbiker - schauen nur auf ihre eigenen Interessen", kritisiert Holger Raguse.

Der Respekt vor dem Eigentum der Waldbauern sei gänzlich verloren gegangen. "Für die Waldbauern ist eine Grenze erreicht", weiß Raguse aus vielen Gesprächen. Denn die Mountainbiker seien nur ein Teil der Probleme des Waldes. Holger Raguse fasst zusammen: "Wir kämpfen mit den Klimaveränderungen, den Sturmschäden, dem Borkenkäfer, der Trockenheit, der zunehmenden Zahl an Besuchern und eben auch der Welle an Mountainbikern."

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden