Auf in den Corona-Winter: Wie sich Mindener Kneipen und Restaurants jetzt aufstellen Anja Peper,Leandra Finke Minden. Kaum ein Unternehmen plant derzeit eine große Weihnachtsfeier. Die am Freitag verkündete Sperrstunde ab 23 Uhr war für viele Gastronomen ein Schock. Angesichts der steigenden Corona-Zahlen stehen sie im Herbst und Winter vor enormen Herausforderungen. Viele haben Existenzängste. Wegen der Pandemie sind Gäste vorsichtig, wollten sich lieber nicht in geschlossene Räume setzen. Deshalb suchen die Gastronomen nach Möglichkeiten, die Open-Air-Saison bis in den Winter hinein zu verlängern. Ob Wolldecken, Heizpilze oder Pavillons oder halboffene Festzelte: Welche Möglichkeiten den Gastronomen bleiben, hängt vor allem vom Standort ab, zeigt eine MT-Umfrage. Wie kommen sie über den Corona-Winter? Kuscheldecke gefällig?Vom heimischen Sofa in die Gastronomie Ob Fleece, Baumwolle, Mikrofaser oder Polyester: Die Kuscheldecke schafft es gerade flächendeckend vom heimischen Sofa in die Kneipen. In einigen Kneipen kann man die Servicekraft darum bitten, in anderen liegen sie schon über den Stuhllehnen bereit. Ob im Panorama-Restaurant Wilhelm 1896, im Anno an der Hufschmiede oder im La Cantina: In vielen Kneipen und Restaurants besteht die Möglichkeit, sich bei sinkenden Temperaturen in die Decke zu wickeln. Allerdings sollte das jeweilige Material strapazierfähig und pflegeleicht sein, um den Corona-Winter zu überstehen: Sie müssen nach jedem Gebrauch gewaschen werden. Comeback der Heizpilze zeichnet sich ab Auch ein Comeback der Heizpilze zeichnet sich ab. Sie sind nicht in allen Städten gerne gesehen, denn wegen ihres hohen Energieverbrauchs gelten sie als klimaschädlich. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hat eine Ausnahmeregelung für die kommenden Monate gefordert. In Minden, Bad Oeynhausen und umliegenden Kommunen sind sie ohnehin erlaubt. Klar ist: Das Risiko einer Ansteckung an der frischen Luft geringer ist als in geschlossenen Räumen. Gastronom André Schäfer hat wegen der Abstandsregeln auch auf der Außenterrasse mehrere Tische herausgenommen. Statt 48 hat er jetzt noch 22 Plätze zur Verfügung. Ein Zelt dort draußen scheiterte an den Kosten, die eine Spezialanfertigung verursacht hätte. Zur Zeit rüstet er die Spuckschutzwände im Innenbereich auf. Weniger Einnahmen, aber höherer Aufwand: Diese Erfahrung zieht sich durch alle Erfahrungsberichte. André Schäfer ist seit 26 Jahren selbstständig. Er sagt: „Die Routine aus einem Vierteljahrhundert kann ich jetzt in die Tonne treten.“ Auch Rainer Winters (Markt 15) hat Heizstrahler unterm Schirm montiert. „Aber wenn das Wetter erstmal nass, kalt und windig wird, nützen die auch nicht mehr viel.“ Möglichkeiten richten sich auch nach Platzangebot Welche Möglichkeiten die Gastronomen im Corona-Winter 2020 haben, hängt auch vom Standort, vom Platz und vom finanziellen Background ab. So profitiert die kleine verwinkelte Altstadtkneipe Anno besonders jetzt in der Pandemie vom beheizten Zelt, dass sich nebenan auf dem Gelände der Marienkirche befindet. Das Zelt bleibt zur Hufschmiede hin offen. „Es hat uns über die letzten Monate gerettet“, sagt Inhaber Gerhard Gutzeit. Außerhalb der Innenstadt ist es gerade einfacher, corona-konforme Konzepte zu entwickeln, als in der City selbst. Ein Beispiel ist der Kaisersaal an der Kaiserstraße. Dort baut Inhaber Arno Borcherding auf der Terrasse einen Wintergarten mit Schiebetüren, Gaskamin und elektrischen Heizstrahlern. Dank einer Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher ist das machbar. Dennoch lassen sich die Verluste nicht mehr aufholen. Arno Borcherding rechnet damit, dass zum Jahreswechsel die Einnahmen etwa ein Drittel der Ergebnisse der Vorjahre ausmachen. Weihnachtsmarkt als entscheidender Faktor Die Gastronomen am Markt müssen abwarten, welche Dimensionen die geplante kleinere Weihnachtsmarkt-Alternative haben wird. Wie viele Städte sucht auch Minden aktuell nach corona-konformen Lösungen. Das ist in der Innenstadt eine Aufgabe für Fortgeschrittene. Anders als Kanzlers Weide, wo noch bis zum 25. Oktober der Kirmespark läuft, kann man die Fußgängerzone natürlich nicht abriegeln. Gesucht werden also Möglichkeiten, die Besucher mit Abstand zu kanalisieren. „Eine Aufgabe für Fortgeschrittene“, sagt Dr. Jörg-Friedrich Sander (Minden Marketing). Für die Gastronomie in der City ist der Weihnachtsmarkt traditionell wichtig: „Die Besucher nehmen gerne noch einen Absacker in der Kneipe“, ist die Erfahrung von Pasquale Manes (Weinbar Classico). Er hat ebenfalls Heizstrahler für die Wand angeschafft, allerdings elektrische. Weil seine Bar im ersten Stock ist, hätte es schlicht zu viel Aufwand bedeutet, die Gasflaschen die Treppe hinaufzuschleppen. Digital-Angebot schützt Gäste und Mitarbeiter Masken für Mund und Nase, häufiges Desinfizieren sowie Abstandsregeln sind längst Standard. Es gibt aber weitere Möglichkeiten, für Gäste und Mitarbeiter das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten. Im Hermann's wird man mittelfristig weniger mit herkömmlichen Speisekarten hantieren. Dort gibt es seit kurzem die digitale Speisekarte auf dem eigenen Handy. Servicekraft Maddalena Riolfo demonstriert, wie das funktioniert: „Der Gast findet auf seinem Tisch ein Schild mit einem QR-Code, der mit dem Smartphone gescannt wird. Dann kann man die aktuelle Karte einsehen und anschließend auch selber bestellen.“ Das Verfahren (gastronavi.de) ist noch relativ neu und bisher sind es vor allem die jüngeren Leute, die Spaß daran finden, die neue digitale Speisekarte auszuprobieren.

Auf in den Corona-Winter: Wie sich Mindener Kneipen und Restaurants jetzt aufstellen

Decke gefällig? Jetzt im Oktober kommt Petra Kreuz (rechts) noch ohne aus. Servicekraft Joline Sommer (La Cantina) hat einen ganzen Stapel in petto, falls den Gästen, die wegen Corona lieber draußen sitzen möchten, irgendwann kalt werden sollte. Fotos (4): Leandra Finke © Leandra Finke

Minden. Kaum ein Unternehmen plant derzeit eine große Weihnachtsfeier. Die am Freitag verkündete Sperrstunde ab 23 Uhr war für viele Gastronomen ein Schock. Angesichts der steigenden Corona-Zahlen stehen sie im Herbst und Winter vor enormen Herausforderungen. Viele haben Existenzängste. Wegen der Pandemie sind Gäste vorsichtig, wollten sich lieber nicht in geschlossene Räume setzen. Deshalb suchen die Gastronomen nach Möglichkeiten, die Open-Air-Saison bis in den Winter hinein zu verlängern. Ob Wolldecken, Heizpilze oder Pavillons oder halboffene Festzelte: Welche Möglichkeiten den Gastronomen bleiben, hängt vor allem vom Standort ab, zeigt eine MT-Umfrage. Wie kommen sie über den Corona-Winter?

Kuscheldecke gefällig?Vom heimischen Sofa in die Gastronomie

Ob Fleece, Baumwolle, Mikrofaser oder Polyester: Die Kuscheldecke schafft es gerade flächendeckend vom heimischen Sofa in die Kneipen. In einigen Kneipen kann man die Servicekraft darum bitten, in anderen liegen sie schon über den Stuhllehnen bereit. Ob im Panorama-Restaurant Wilhelm 1896, im Anno an der Hufschmiede oder im La Cantina: In vielen Kneipen und Restaurants besteht die Möglichkeit, sich bei sinkenden Temperaturen in die Decke zu wickeln. Allerdings sollte das jeweilige Material strapazierfähig und pflegeleicht sein, um den Corona-Winter zu überstehen: Sie müssen nach jedem Gebrauch gewaschen werden.

Comeback der Heizpilze zeichnet sich ab

Das beheizte Zelt an der Kneipe Anno hat sich in der schwierigen Corona-Zeit als Glücksfall erwiesen. - © Leandra Finke
Das beheizte Zelt an der Kneipe Anno hat sich in der schwierigen Corona-Zeit als Glücksfall erwiesen. - © Leandra Finke

Auch ein Comeback der Heizpilze zeichnet sich ab. Sie sind nicht in allen Städten gerne gesehen, denn wegen ihres hohen Energieverbrauchs gelten sie als klimaschädlich. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hat eine Ausnahmeregelung für die kommenden Monate gefordert. In Minden, Bad Oeynhausen und umliegenden Kommunen sind sie ohnehin erlaubt. Klar ist: Das Risiko einer Ansteckung an der frischen Luft geringer ist als in geschlossenen Räumen. Gastronom André Schäfer hat wegen der Abstandsregeln auch auf der Außenterrasse mehrere Tische herausgenommen. Statt 48 hat er jetzt noch 22 Plätze zur Verfügung. Ein Zelt dort draußen scheiterte an den Kosten, die eine Spezialanfertigung verursacht hätte. Zur Zeit rüstet er die Spuckschutzwände im Innenbereich auf. Weniger Einnahmen, aber höherer Aufwand: Diese Erfahrung zieht sich durch alle Erfahrungsberichte. André Schäfer ist seit 26 Jahren selbstständig. Er sagt: „Die Routine aus einem Vierteljahrhundert kann ich jetzt in die Tonne treten.“ Auch Rainer Winters (Markt 15) hat Heizstrahler unterm Schirm montiert. „Aber wenn das Wetter erstmal nass, kalt und windig wird, nützen die auch nicht mehr viel.“

Möglichkeiten richten sich auch nach Platzangebot

Angenehme Temperaturen auch im Herbst und Winter: André Schäfer stellt für seine Besucher auf der Terrasse den Heizpilz an. - © Leandra Finke
Angenehme Temperaturen auch im Herbst und Winter: André Schäfer stellt für seine Besucher auf der Terrasse den Heizpilz an. - © Leandra Finke

Welche Möglichkeiten die Gastronomen im Corona-Winter 2020 haben, hängt auch vom Standort, vom Platz und vom finanziellen Background ab. So profitiert die kleine verwinkelte Altstadtkneipe Anno besonders jetzt in der Pandemie vom beheizten Zelt, dass sich nebenan auf dem Gelände der Marienkirche befindet. Das Zelt bleibt zur Hufschmiede hin offen. „Es hat uns über die letzten Monate gerettet“, sagt Inhaber Gerhard Gutzeit. Außerhalb der Innenstadt ist es gerade einfacher, corona-konforme Konzepte zu entwickeln, als in der City selbst. Ein Beispiel ist der Kaisersaal an der Kaiserstraße. Dort baut Inhaber Arno Borcherding auf der Terrasse einen Wintergarten mit Schiebetüren, Gaskamin und elektrischen Heizstrahlern. Dank einer Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher ist das machbar. Dennoch lassen sich die Verluste nicht mehr aufholen. Arno Borcherding rechnet damit, dass zum Jahreswechsel die Einnahmen etwa ein Drittel der Ergebnisse der Vorjahre ausmachen.

Weihnachtsmarkt als entscheidender Faktor

Servicekraft Sarah Vogt (Wilhelm 1896) verteilt Decken auf den Stühlen. Die müssen nach jedem Gast gewechselt werden. - © Foto: pr
Servicekraft Sarah Vogt (Wilhelm 1896) verteilt Decken auf den Stühlen. Die müssen nach jedem Gast gewechselt werden. - © Foto: pr

Die Gastronomen am Markt müssen abwarten, welche Dimensionen die geplante kleinere Weihnachtsmarkt-Alternative haben wird. Wie viele Städte sucht auch Minden aktuell nach corona-konformen Lösungen. Das ist in der Innenstadt eine Aufgabe für Fortgeschrittene. Anders als Kanzlers Weide, wo noch bis zum 25. Oktober der Kirmespark läuft, kann man die Fußgängerzone natürlich nicht abriegeln. Gesucht werden also Möglichkeiten, die Besucher mit Abstand zu kanalisieren. „Eine Aufgabe für Fortgeschrittene“, sagt Dr. Jörg-Friedrich Sander (Minden Marketing). Für die Gastronomie in der City ist der Weihnachtsmarkt traditionell wichtig: „Die Besucher nehmen gerne noch einen Absacker in der Kneipe“, ist die Erfahrung von Pasquale Manes (Weinbar Classico). Er hat ebenfalls Heizstrahler für die Wand angeschafft, allerdings elektrische. Weil seine Bar im ersten Stock ist, hätte es schlicht zu viel Aufwand bedeutet, die Gasflaschen die Treppe hinaufzuschleppen.

Digital-Angebot schützt Gäste und Mitarbeiter

Digitale Speisekarten wie gastronavi.de machen kontaktlose Bestellungen – wie hier im Hermann's – möglich. Jeder nutzt dazu das eigene Handy. - © Leandra Finke
Digitale Speisekarten wie gastronavi.de machen kontaktlose Bestellungen – wie hier im Hermann's – möglich. Jeder nutzt dazu das eigene Handy. - © Leandra Finke

Masken für Mund und Nase, häufiges Desinfizieren sowie Abstandsregeln sind längst Standard. Es gibt aber weitere Möglichkeiten, für Gäste und Mitarbeiter das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten. Im Hermann's wird man mittelfristig weniger mit herkömmlichen Speisekarten hantieren. Dort gibt es seit kurzem die digitale Speisekarte auf dem eigenen Handy. Servicekraft Maddalena Riolfo demonstriert, wie das funktioniert: „Der Gast findet auf seinem Tisch ein Schild mit einem QR-Code, der mit dem Smartphone gescannt wird. Dann kann man die aktuelle Karte einsehen und anschließend auch selber bestellen.“ Das Verfahren (gastronavi.de) ist noch relativ neu und bisher sind es vor allem die jüngeren Leute, die Spaß daran finden, die neue digitale Speisekarte auszuprobieren.

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