Auf Zeitreise mit dem Scharfrichter Leonie Meyer Minden. Der Marktplatz rückt als Station bei der Themenführung in den Fokus: Generell spielte sich das Stadtleben auf diesem zentralen Platz ab. Hier trieben die Menschen Handel und verbreiteten Neuigkeiten. Das Rathaus war die Gerichtsstelle, der Ratskeller der Folterkeller. Hier wurde das Urteil für die Bestraften ausgesprochen, damit sie öffentlich zur Schau gestellt werden konnten. Eine Themenführung in Mindens Innenstadt gibt einen Einblick in eine andere Zeit des Rechtssystems. Durch den Abend führt Ralf Schymon in der mittelalterlichen Rolle des Scharfrichters. Als der letzte Glockenschlag des Doms verstummt, begrüßt Schymon lautstark die Gäste: „Ich soll und will meines gnädigen Herrn von Minden und seiner Gnaden Stift von Schaden wahren, in meinem Amt getreulich dienen, peinlich fragen und strafen, wie es mir von seiner Gnaden weltlichen Gewalt jedes Mal befohlen wurdet", heißt es im Amtseid eines Scharfrichters. Alle Augen sind auf Schymon gerichtet. Seit einem Jahr ist er Henker-Darsteller und macht die Themenführung der Minden Marketing. Als er 2010 von Rinteln nach Minden zog, hat er sich bei Stadtführungen engagiert. Er war Nachtwächter und Türmer oder springt als Vertretung ein. Die Führung steuert verschiedene Stationen an. Start ist am Dom, darauf folgt der Marktplatz, dann geht es durch die Obermarktstraße weiter bis zur Johansenstraße.Teilnehmende – egal, ob Mindener oder Touristen – bekommen einen anderen Blick auf die Stadt. Geschichten über die Aufgaben des Scharfrichters wie Folter und Hinrichtung sind garantiert. Schymon, der hauptberuflich im Jobcenter arbeitet, hat die historischen Informationen im Kommunalarchiv und beim Geschichtsverein recherchiert. Seine wichtigste Quelle: Das Tagebuch von Meister Franz Christoph. Er war im Mittelalter Scharfrichter der Stadt Minden. Der gelernte Handwerker bekam vom Kaiser den Befehl, die Aufgaben des Scharfrichters auszuführen. Der Beruf galt als unrein und unehrenhaft, die Ausbildung trat niemand freiwillig an. In der Regel wurde der Beruf innerhalb der Familien vererbt. Falls doch jemand eine Ausbildung zum Henkersknecht machte, war es Tradition, auf die Walz zu gehen. Das Meisterstück: Ein selbst gebautes Schwert. Auch das hat Ralf Schymon dabei, damit er seiner Rolle gerecht wird. Ebenso trägt er seine selbstgenähte Kluft. Die Endstation führt durch die Simeonstraße bis zumParkplatz Portastraße. Hier wurde nach Aussage Schymons im Mittelalter ein Fest ausgerichtet, an dem alle Handwerker beteiligt waren. So konnte verhindert werden, dass mit dem Finger auf diejenigen gezeigt wurde, die Berührung mit dem Unehrenhaften hatten. Gemeinsam erschufen sie den Rabenstein, ein Konstrukt, das zum Erhängen genutzt wurde. Der genaue Standort ist nicht zu ermitteln – der Vermutung nach lag er an der Ecke Portastraße/Johansenstraße, gegenüber des Cafés Prinz Friedrich. Für das Ende der Themenführung bereitet Schymon eine gesellige Überraschung für die Teilnehmenden vor. Das Mindestalter für die Themenführung des Scharfrichters beträgt 18 Jahre. Themen und Darstellungen sind für Minderjährige nicht geeignet. Informationen können bei Minden Marketing, Telefon (05 71) 8 29 06 59, online unter www.minden-erleben.de angefragt werden. Eine besondere Stadtführung findet an Halloween statt.

Auf Zeitreise mit dem Scharfrichter

In seiner Rolle: Ralf Schymon in selbstgenähter Kluft.
MT-Foto: Leonie Meyer
© Leonie Meyer

Minden. Der Marktplatz rückt als Station bei der Themenführung in den Fokus: Generell spielte sich das Stadtleben auf diesem zentralen Platz ab. Hier trieben die Menschen Handel und verbreiteten Neuigkeiten. Das Rathaus war die Gerichtsstelle, der Ratskeller der Folterkeller. Hier wurde das Urteil für die Bestraften ausgesprochen, damit sie öffentlich zur Schau gestellt werden konnten. Eine Themenführung in Mindens Innenstadt gibt einen Einblick in eine andere Zeit des Rechtssystems. Durch den Abend führt Ralf Schymon in der mittelalterlichen Rolle des Scharfrichters.

Als der letzte Glockenschlag des Doms verstummt, begrüßt Schymon lautstark die Gäste: „Ich soll und will meines gnädigen Herrn von Minden und seiner Gnaden Stift von Schaden wahren, in meinem Amt getreulich dienen, peinlich fragen und strafen, wie es mir von seiner Gnaden weltlichen Gewalt jedes Mal befohlen wurdet", heißt es im Amtseid eines Scharfrichters.

Alle Augen sind auf Schymon gerichtet. Seit einem Jahr ist er Henker-Darsteller und macht die Themenführung der Minden Marketing. Als er 2010 von Rinteln nach Minden zog, hat er sich bei Stadtführungen engagiert. Er war Nachtwächter und Türmer oder springt als Vertretung ein.


Die Führung steuert verschiedene Stationen an. Start ist am Dom, darauf folgt der Marktplatz, dann geht es durch die Obermarktstraße weiter bis zur Johansenstraße.Teilnehmende – egal, ob Mindener oder Touristen – bekommen einen anderen Blick auf die Stadt. Geschichten über die Aufgaben des Scharfrichters wie Folter und Hinrichtung sind garantiert.

Schymon, der hauptberuflich im Jobcenter arbeitet, hat die historischen Informationen im Kommunalarchiv und beim Geschichtsverein recherchiert. Seine wichtigste Quelle: Das Tagebuch von Meister Franz Christoph. Er war im Mittelalter Scharfrichter der Stadt Minden. Der gelernte Handwerker bekam vom Kaiser den Befehl, die Aufgaben des Scharfrichters auszuführen. Der Beruf galt als unrein und unehrenhaft, die Ausbildung trat niemand freiwillig an. In der Regel wurde der Beruf innerhalb der Familien vererbt. Falls doch jemand eine Ausbildung zum Henkersknecht machte, war es Tradition, auf die Walz zu gehen. Das Meisterstück: Ein selbst gebautes Schwert. Auch das hat Ralf Schymon dabei, damit er seiner Rolle gerecht wird. Ebenso trägt er seine selbstgenähte Kluft.

Die Endstation führt durch die Simeonstraße bis zumParkplatz Portastraße. Hier wurde nach Aussage Schymons im Mittelalter ein Fest ausgerichtet, an dem alle Handwerker beteiligt waren. So konnte verhindert werden, dass mit dem Finger auf diejenigen gezeigt wurde, die Berührung mit dem Unehrenhaften hatten.

Gemeinsam erschufen sie den Rabenstein, ein Konstrukt, das zum Erhängen genutzt wurde. Der genaue Standort ist nicht zu ermitteln – der Vermutung nach lag er an der Ecke Portastraße/Johansenstraße, gegenüber des Cafés Prinz Friedrich. Für das Ende der Themenführung bereitet Schymon eine gesellige Überraschung für die Teilnehmenden vor.

Das Mindestalter für die Themenführung des Scharfrichters beträgt 18 Jahre. Themen und Darstellungen sind für Minderjährige nicht geeignet. Informationen können bei Minden Marketing, Telefon (05 71) 8 29 06 59, online unter www.minden-erleben.de angefragt werden. Eine besondere Stadtführung findet an Halloween statt.

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