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Auch ohne Neujahrsempfang: Stadt zeichnet ehrenamtliche Preisträger aus Minden (mt/sbo). Erneut hat die Stadt Minden die Preisträger für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement nur in kleinem Kreis ausgezeichnet. 19 Vorschläge waren bei der Stadtverwaltung eingegangen. Die Jury traf sich im November, um die Preisträger für das Jahr 2021 auszuwählen, die eigentlich beim Neujahrsempfang am 14. Januar hätten geehrt werden sollen. Der Empfang fiel coronabedingt aus. Der städtische Preis ist als „Zeichen der Anerkennung und Förderung ehrenamtlicher und freiwilliger Tätigkeit“ mit einem Preisgeld in Höhe von jeweils 500 Euro dotiert. Einzelpreisträger ist der engagierte Bürger und Fotograf Detlef Müller sowie als Gruppe die Projektbeteiligten an der Ausstellung „Mer Ketne“. Diesen Preis nahmen stellvertretend für alle Carmen und Oswald Marschall, Mitbegründer des Bildungszentrum „Mer Ketne“, entgegen. Bürgermeister Michael Jäcke überreichte die Urkunde, Preisgeld und Blumen in der vergangenen Woche. Mit dabei waren auch die Vorschlagenden. Jäcke betonte, dass es eine große Zahl an Menschen in der Stadt gebe, „die Minden mit ihrem Engagement bereichern und uns allen damit einen ,Mehrwert‘ verschaffen – im kulturellen, sportlichen, sozialen oder karitativen Bereich.“ Die erneut große Zahl an Vorschlägen zeige, dass dieser Preis – obwohl nicht besonders hoch dotiert – auch nach 20 Jahren nichts an seiner Attraktivität eingebüßt habe. Die Vorschläge stünden ebenso für die große Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements in Minden.Jäcke lobte Detlef Müller als einen „politisch engagierten Mindener mit großem Herz“. Zuletzt war Müller als Fotograf bei der Kundgebung „Minden steht zusammen“ aktiv. Aber auch wenn der Integrationsrat zu Aktionen aufrufe und wenn es um die Unterstützung von Geflüchteten gehe, sei er „immer ganz vorne mit dabei“. Müller engagiere sich bereits seit Jahrzehnten für die Stadtgesellschaft, so Jäcke. Vorgeschlagen wurde er von Jonathan Löchelt. In seiner Begründung für den Vorschlag schrieb Löchelt: „Detlef Müller ist als Fotograf den meisten Mindenern wohl bekannt. Seit vielen Jahren ist er auf verschiedenen Events und bei diversen Anlässen mit seiner Kamera dabei. Er stellt seine Bilder und Kompetenz ehrenamtlich zur Verfügung und bereichert damit das Stadtleben. Kürzlich engagierte er sich mit dem Projekt „Quartiersgesichter“ in der oberen Altstadt und investierte viele Stunden, um Aufnahmen von Menschen aus dem Quartier zu machen und diese besonderen Bilder dem Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen.“ Und auch sonst ist Müller ehrenamtlich engagiert – sei es die Hafenschule, die Kanusportgemeinschaft (KSG), für das Kulturzentrum BÜZ und die Simeons-Herberge. „Er ist extrem gut vernetzt und bekannt als helfende Hand, denn er packt gerne mit an und hilft dort, wo er gebraucht wird. Sein langjähriges ehrenamtliches Engagement mit dem Ehrenamtspreis wertzuschätzen, ist längst überfällig“, so Löchelt weiter. Detlef Müller bedankte sich und lobte den Ehrenamtspreis als „wertvoll für die Stadt und ihre engagierten Bürgerinnen und Bürger“. Das ehrenamtliche Engagement habe in Minden immer einen „wichtigen Platz“ gehabt. Zwischen Ehrenamtlichen, Projektverantwortlichen, Politik und Verwaltung gebe es stets einen guten Austausch, so Müller weiter. Den Gruppenpreis gab es für die Beteiligten an der 2021 eröffneten Ausstellung „Mer Ketne – Wir zusammen“ im Bildungszentrum an der Königstraße. Dieses betreiben Oswald und Carmen Marschall mit dem Verein „Deutscher Sinti e.V. Minden“ seit 2016. Vorgeschlagen wurden sie von den stellvertretenden Bürgermeisterinnen Kathrin Kosiek (CDU) und Ulrieke Schulze (SPD) sowie von der Stadtverordneten Bettina Fuhg (Bündnis 90/Die Grünen).In ihrem Vorschlag schreiben die drei: „Die Ausstellung beinhaltet in dafür angemieteten Räumen Texte und Bilder zur Verfolgung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus und ihrer Vernichtung in KZs – auch von Mindener Sinti. In Kooperation mit Schulen gibt es Führungen durch die Ausstellung, die auch für andere Besucher während der Woche geöffnet ist. Auf diese Weise wird der Sinti und Roma und Roma gedacht, die in der NS-Zeit das gleiche Schicksal wie die Juden hatten. Zum einen ist das große Engagement der Eheleute Marschall zu würdigen, zum anderen ist dieses ,Mer Ketne = Wir zusammen‘ ein Plus für Minden.“„Es steht einer Stadt wie Minden gut an, dass wir einen Erinnerungsort für die aus Minden deportierten Sinti und Roma erhalten“. Mit diesem Satz zitierte der Bürgermeister Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma. Es sei „sehr wichtig und richtig, dass an diese schrecklichen Taten erinnert wird, dass aufgeklärt wird, um niemals zu vergessen, dass unschuldige Menschen von 1933 bis 1945 wegen ihrer Religion und Kultur verfolgt, verschleppt und ermordet wurden“, so Jäcke. Antisemitismus und Antiziganismus gebe es immer noch. Die Bedrohungen hätten in jüngster Zeit zugenommen und dem müssten engagierte Menschen, wie Oswald und Carmen Marschall, aber auch die Gesellschaft insgesamt entgegenwirken. Jäcke erinnerte daran, dass Minden ein „Ort der Vielfalt“ ist. In der Stadt leben Menschen aus mehr als 120 Nationen friedlich zusammen. Abschließend betonte er: „Wir sind offen für alle und für alles. Da gibt es keinen Platz für Hass, Repressionen und Angst!“
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Auch ohne Neujahrsempfang: Stadt zeichnet ehrenamtliche Preisträger aus

Die Preisträger Oswald Marschall (links) und Detlef Müller (rechts im Bild) mit Mindens Bürgermeister Michael Jäcke. Foto: Stadt Minden © x

Minden (mt/sbo). Erneut hat die Stadt Minden die Preisträger für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement nur in kleinem Kreis ausgezeichnet. 19 Vorschläge waren bei der Stadtverwaltung eingegangen. Die Jury traf sich im November, um die Preisträger für das Jahr 2021 auszuwählen, die eigentlich beim Neujahrsempfang am 14. Januar hätten geehrt werden sollen. Der Empfang fiel coronabedingt aus. Der städtische Preis ist als „Zeichen der Anerkennung und Förderung ehrenamtlicher und freiwilliger Tätigkeit“ mit einem Preisgeld in Höhe von jeweils 500 Euro dotiert.

Einzelpreisträger ist der engagierte Bürger und Fotograf Detlef Müller sowie als Gruppe die Projektbeteiligten an der Ausstellung „Mer Ketne“. Diesen Preis nahmen stellvertretend für alle Carmen und Oswald Marschall, Mitbegründer des Bildungszentrum „Mer Ketne“, entgegen. Bürgermeister Michael Jäcke überreichte die Urkunde, Preisgeld und Blumen in der vergangenen Woche. Mit dabei waren auch die Vorschlagenden.

Jäcke betonte, dass es eine große Zahl an Menschen in der Stadt gebe, „die Minden mit ihrem Engagement bereichern und uns allen damit einen ,Mehrwert‘ verschaffen – im kulturellen, sportlichen, sozialen oder karitativen Bereich.“ Die erneut große Zahl an Vorschlägen zeige, dass dieser Preis – obwohl nicht besonders hoch dotiert – auch nach 20 Jahren nichts an seiner Attraktivität eingebüßt habe. Die Vorschläge stünden ebenso für die große Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements in Minden.

Jäcke lobte Detlef Müller als einen „politisch engagierten Mindener mit großem Herz“. Zuletzt war Müller als Fotograf bei der Kundgebung „Minden steht zusammen“ aktiv. Aber auch wenn der Integrationsrat zu Aktionen aufrufe und wenn es um die Unterstützung von Geflüchteten gehe, sei er „immer ganz vorne mit dabei“. Müller engagiere sich bereits seit Jahrzehnten für die Stadtgesellschaft, so Jäcke. Vorgeschlagen wurde er von Jonathan Löchelt.

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Adventskalender

In seiner Begründung für den Vorschlag schrieb Löchelt: „Detlef Müller ist als Fotograf den meisten Mindenern wohl bekannt. Seit vielen Jahren ist er auf verschiedenen Events und bei diversen Anlässen mit seiner Kamera dabei. Er stellt seine Bilder und Kompetenz ehrenamtlich zur Verfügung und bereichert damit das Stadtleben. Kürzlich engagierte er sich mit dem Projekt „Quartiersgesichter“ in der oberen Altstadt und investierte viele Stunden, um Aufnahmen von Menschen aus dem Quartier zu machen und diese besonderen Bilder dem Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen.“

Und auch sonst ist Müller ehrenamtlich engagiert – sei es die Hafenschule, die Kanusportgemeinschaft (KSG), für das Kulturzentrum BÜZ und die Simeons-Herberge. „Er ist extrem gut vernetzt und bekannt als helfende Hand, denn er packt gerne mit an und hilft dort, wo er gebraucht wird. Sein langjähriges ehrenamtliches Engagement mit dem Ehrenamtspreis wertzuschätzen, ist längst überfällig“, so Löchelt weiter.

Detlef Müller bedankte sich und lobte den Ehrenamtspreis als „wertvoll für die Stadt und ihre engagierten Bürgerinnen und Bürger“. Das ehrenamtliche Engagement habe in Minden immer einen „wichtigen Platz“ gehabt. Zwischen Ehrenamtlichen, Projektverantwortlichen, Politik und Verwaltung gebe es stets einen guten Austausch, so Müller weiter.

Den Gruppenpreis gab es für die Beteiligten an der 2021 eröffneten Ausstellung „Mer Ketne – Wir zusammen“ im Bildungszentrum an der Königstraße. Dieses betreiben Oswald und Carmen Marschall mit dem Verein „Deutscher Sinti e.V. Minden“ seit 2016. Vorgeschlagen wurden sie von den stellvertretenden Bürgermeisterinnen Kathrin Kosiek (CDU) und Ulrieke Schulze (SPD) sowie von der Stadtverordneten Bettina Fuhg (Bündnis 90/Die Grünen).

In ihrem Vorschlag schreiben die drei: „Die Ausstellung beinhaltet in dafür angemieteten Räumen Texte und Bilder zur Verfolgung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus und ihrer Vernichtung in KZs – auch von Mindener Sinti. In Kooperation mit Schulen gibt es Führungen durch die Ausstellung, die auch für andere Besucher während der Woche geöffnet ist. Auf diese Weise wird der Sinti und Roma und Roma gedacht, die in der NS-Zeit das gleiche Schicksal wie die Juden hatten. Zum einen ist das große Engagement der Eheleute Marschall zu würdigen, zum anderen ist dieses ,Mer Ketne = Wir zusammen‘ ein Plus für Minden.“

„Es steht einer Stadt wie Minden gut an, dass wir einen Erinnerungsort für die aus Minden deportierten Sinti und Roma erhalten“. Mit diesem Satz zitierte der Bürgermeister Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma. Es sei „sehr wichtig und richtig, dass an diese schrecklichen Taten erinnert wird, dass aufgeklärt wird, um niemals zu vergessen, dass unschuldige Menschen von 1933 bis 1945 wegen ihrer Religion und Kultur verfolgt, verschleppt und ermordet wurden“, so Jäcke.

Antisemitismus und Antiziganismus gebe es immer noch. Die Bedrohungen hätten in jüngster Zeit zugenommen und dem müssten engagierte Menschen, wie Oswald und Carmen Marschall, aber auch die Gesellschaft insgesamt entgegenwirken. Jäcke erinnerte daran, dass Minden ein „Ort der Vielfalt“ ist. In der Stadt leben Menschen aus mehr als 120 Nationen friedlich zusammen. Abschließend betonte er: „Wir sind offen für alle und für alles. Da gibt es keinen Platz für Hass, Repressionen und Angst!“

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