Attacken gegen Mitarbeiter der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke nehmen zu Stefan Koch Minden. „Ich schaffe Ordnung im Viertel – und du hetzt deinen Hund auf mich“, „Ich fahre dich im Bus nachhause – und du verprügelst mich“, „Ich hole deinen Müll ab – und du pöbelst mich an“: Diese und ähnliche Vorwürfe sind jetzt auf Plakaten im Kreishaus zu lesen. Wegen der Coronakrise kann zwar kaum ein Besucher die Ausstellung wahrnehmen. Doch was sie mitzuteilen hat, geht einen wachsenden Personenkreis an. Es handelt sich um den zunehmend rohen Umgang mit Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ heißt deshalb der Titel. Wie das Pressegespräch am Freitag zeigte, haben auch in Minden-Lübbecke viele den Respekt vor den Beschäftigten bei Polizei, Feuerwehr, in den Krankenhäusern und Behörden verloren. Die Wanderausstellung ist Teil einer Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Seit Jahren stellt der DGB bei Beschäftigten im privatisierten und öffentlichen Sektor fest, dass sie einer wachsenden physischen und psychischen Gewalt ausgesetzt sind. Mehr als 10.000 Beschäftigte erlitten 2017 einen meldepflichtigen Arbeitsunfall durch gewalttätige Bürger während ihres Dienstes. Wie viele derartige Meldungen beim Kreis Minden-Lübbecke anfallen, blieb bei der Pressekonferenz offen, an der am Freitag die DGB-Regionalgeschäftsführerin Anke Unger, Verdi-Gewerkschaftssekretär Siggi Wöhler, Kreisdirektorin Cornelia Schöder und der Personalratsvorsitzende der Kreisverwaltung Christof Pahl teilnahmen. Pahl bestätigte aber, dass der allgemeine Trend der Verrohung auch an vielen Arbeitsplätzen seiner Kollegen festzustellen sei. Wenn sich wieder einmal ein Aufsehen erregender Vorfall in einer Behörde ereignet habe, so Pahl, erscheine dies zwar in den Medien. Daneben gebe es aber täglich Beleidigungen und einen harschen Ton, der den Beschäftigten entgegen schlage. „Das schlucken die Leute hinunter und nehme es hin. Auf die Dauer macht sie das aber krank.“ Und Schöder wusste zu berichten, dass es in einer Abteilung der Kreisverwaltung einen gewaltsamen Vorfall gegeben hatte, nach dem ein Mitarbeiter nicht mehr seiner gewohnten Tätigkeit gewachsen war und auf eine andere Stelle versetzt werden musste. Aber nicht nur in den Amtsstuben, im Einsatz bei Unfällen oder bei Vollstreckungsmaßnahmen schlägt den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes die direkte Gewalt entgegen, sondern auch in den sogenannten sozialen Medien. „Da werden unsere Sachbearbeiter angegriffen und es ist schwer, das wieder aus dem Netz entfernen zu lassen“, sagt Pahl. Schöder fügt in diesem Zusammenhang hinzu, dass die Kreisverwaltung Attacken mit Bedrohungen oder Beleidigungen zur Anzeige bringe. Häufig aber würden die Verfahren eingestellt und die Täter kämen davon. Die Folge ist, dass es mittlerweile in einzelnen, besonders exponierten Abteilungen der Kreisverwaltung immer schwieriger wird, Mitarbeiter zu finden, die dort arbeiten wollen. Pahl nannte hier das Jobcenter, das Straßenverkehrsamt und vor allem die konfliktreichen Tätigkeiten im Außendienst. „Wir wollen erreichen, dass unsere Mitarbeiter die Wertschätzung bekommen, die sie auch verdient haben“, sagt Schöder. Es sei jetzt an der Zeit einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung herbeizuführen. Wie die DGB-Regionalgeschäftsführerin Unger erläuterte, sei die Ausstellung bereits vor der Coronakrise konzipiert worden. Die Pandemie habe dann zusätzlich zu gewalttätigem Verhalten gegenüber den Beschäftigten im öffentlichen Dienst geführt. „Viele Menschen sind durch die Beschränkungen unzufrieden und lassen das an Pflegekräften, Polizisten oder Busfahrern aus.“ Diese müssten derzeit sehr viel mitmachen. Mitarbeiter von Ordnungsämtern verlangten mittlerweile stichsichere Westen, wobei sie der Gewerkschaftsbund unterstütze. Siggi Wöhler, der auch für die Mitarbeiter der Verwaltung im Kreis Minden-Lübbecke zuständig ist, bestätigt: „Da sind Menschen, die Dienstleistungen für den Bürger erbringen und die sind zunehmender Gewalt ausgesetzt.“ Er erlebe Kolleginnen und Kollegen im Ordnungsdienst, die Angst davor hätten ihren Job bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs zu erledigen. Da gebe es eine dramatische Entwicklung. Neben der Ausstellung können sich Interessierte auch auf der Homepage des DGB (www.mensch.dgb.de) mit dem Problem der Gewalt gegen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst beschäftigen. Dort sind weitere Materialien, Daten und Fakten zum Thema zu finden. Es gibt eine Podcastreihe, eine Umfrage unter Beschäftigen und Berichte von Betroffenen. Hintergrund

Attacken gegen Mitarbeiter der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke nehmen zu

DGB-Regionalgeschäftsführerin Anke Unger, Kreisdirektorin Cornelia Schöder, Siggi Wöhler, Verdi-Gewerkschaftssekretär, nd der Personalratsvorsitzende der Kreisverwaltung Christof Pahl bei der Ausstellungseröffnung (von links). Foto: Sabine Ohnesorge/Kreis Minden-Lübbecke

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© Sabine Ohnesorge Kreis Minden-L

Minden. „Ich schaffe Ordnung im Viertel – und du hetzt deinen Hund auf mich“, „Ich fahre dich im Bus nachhause – und du verprügelst mich“, „Ich hole deinen Müll ab – und du pöbelst mich an“: Diese und ähnliche Vorwürfe sind jetzt auf Plakaten im Kreishaus zu lesen. Wegen der Coronakrise kann zwar kaum ein Besucher die Ausstellung wahrnehmen. Doch was sie mitzuteilen hat, geht einen wachsenden Personenkreis an. Es handelt sich um den zunehmend rohen Umgang mit Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ heißt deshalb der Titel. Wie das Pressegespräch am Freitag zeigte, haben auch in Minden-Lübbecke viele den Respekt vor den Beschäftigten bei Polizei, Feuerwehr, in den Krankenhäusern und Behörden verloren.

Die Wanderausstellung ist Teil einer Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Seit Jahren stellt der DGB bei Beschäftigten im privatisierten und öffentlichen Sektor fest, dass sie einer wachsenden physischen und psychischen Gewalt ausgesetzt sind. Mehr als 10.000 Beschäftigte erlitten 2017 einen meldepflichtigen Arbeitsunfall durch gewalttätige Bürger während ihres Dienstes.

Wie viele derartige Meldungen beim Kreis Minden-Lübbecke anfallen, blieb bei der Pressekonferenz offen, an der am Freitag die DGB-Regionalgeschäftsführerin Anke Unger, Verdi-Gewerkschaftssekretär Siggi Wöhler, Kreisdirektorin Cornelia Schöder und der Personalratsvorsitzende der Kreisverwaltung Christof Pahl teilnahmen. Pahl bestätigte aber, dass der allgemeine Trend der Verrohung auch an vielen Arbeitsplätzen seiner Kollegen festzustellen sei. Wenn sich wieder einmal ein Aufsehen erregender Vorfall in einer Behörde ereignet habe, so Pahl, erscheine dies zwar in den Medien. Daneben gebe es aber täglich Beleidigungen und einen harschen Ton, der den Beschäftigten entgegen schlage. „Das schlucken die Leute hinunter und nehme es hin. Auf die Dauer macht sie das aber krank.“ Und Schöder wusste zu berichten, dass es in einer Abteilung der Kreisverwaltung einen gewaltsamen Vorfall gegeben hatte, nach dem ein Mitarbeiter nicht mehr seiner gewohnten Tätigkeit gewachsen war und auf eine andere Stelle versetzt werden musste.

Aber nicht nur in den Amtsstuben, im Einsatz bei Unfällen oder bei Vollstreckungsmaßnahmen schlägt den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes die direkte Gewalt entgegen, sondern auch in den sogenannten sozialen Medien. „Da werden unsere Sachbearbeiter angegriffen und es ist schwer, das wieder aus dem Netz entfernen zu lassen“, sagt Pahl. Schöder fügt in diesem Zusammenhang hinzu, dass die Kreisverwaltung Attacken mit Bedrohungen oder Beleidigungen zur Anzeige bringe. Häufig aber würden die Verfahren eingestellt und die Täter kämen davon. Die Folge ist, dass es mittlerweile in einzelnen, besonders exponierten Abteilungen der Kreisverwaltung immer schwieriger wird, Mitarbeiter zu finden, die dort arbeiten wollen. Pahl nannte hier das Jobcenter, das Straßenverkehrsamt und vor allem die konfliktreichen Tätigkeiten im Außendienst.

„Wir wollen erreichen, dass unsere Mitarbeiter die Wertschätzung bekommen, die sie auch verdient haben“, sagt Schöder. Es sei jetzt an der Zeit einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung herbeizuführen.

Wie die DGB-Regionalgeschäftsführerin Unger erläuterte, sei die Ausstellung bereits vor der Coronakrise konzipiert worden. Die Pandemie habe dann zusätzlich zu gewalttätigem Verhalten gegenüber den Beschäftigten im öffentlichen Dienst geführt. „Viele Menschen sind durch die Beschränkungen unzufrieden und lassen das an Pflegekräften, Polizisten oder Busfahrern aus.“ Diese müssten derzeit sehr viel mitmachen. Mitarbeiter von Ordnungsämtern verlangten mittlerweile stichsichere Westen, wobei sie der Gewerkschaftsbund unterstütze.

Siggi Wöhler, der auch für die Mitarbeiter der Verwaltung im Kreis Minden-Lübbecke zuständig ist, bestätigt: „Da sind Menschen, die Dienstleistungen für den Bürger erbringen und die sind zunehmender Gewalt ausgesetzt.“ Er erlebe Kolleginnen und Kollegen im Ordnungsdienst, die Angst davor hätten ihren Job bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs zu erledigen. Da gebe es eine dramatische Entwicklung.

Neben der Ausstellung können sich Interessierte auch auf der Homepage des DGB (www.mensch.dgb.de) mit dem Problem der Gewalt gegen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst beschäftigen. Dort sind weitere Materialien, Daten und Fakten zum Thema zu finden. Es gibt eine Podcastreihe, eine Umfrage unter Beschäftigen und Berichte von Betroffenen.

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