Archivar Wolfgang Hempel wird 90 Jahre alt Jürgen Langenkämper Minden.Am 14. Oktober 1931 wurde Kurt Wolfgang Hempel, wie er mit vollem Namen heißt, in Minden geboren. Sein Großvater, der Kaufmann Ludwig Hempel, war in der Stadtgesellschaft ein bekannter Mann. Nach ihm war das Ludwigs-Bad, das Lulu-Bad, eine Flussbadeanstalt in der Weser, benannt. In der Hermannstraße und in dem repräsentativen Haus des Großvaters in der Manteuffelstraße 2 an der Ecke zum Fischerglacis, dem heutigen Sitz der GSW, wuchs er mit seinem jüngeren Bruder Fritz, einem späteren Boeing-Ingenieur, auf – unterbrochen während des Zweiten Weltkriegs, als er ein Jahr bei seinem Patenonkel in „Litzmannstadt“ (Lodz) im annektierten Polen lebte. Nach der Rückkehr ging Wolfgang Hempel wieder zur Bessel-Oberrealschule, wo er 1951 Abitur machte – darunter zahlreiche Mitschüler, deren Namen vielen Mindenern später bekannt werden sollten und zu denen er heute noch Kontakt hält. Gerade erst trafen sich vier der fünf noch Lebenden zum 70-Jährigen. Mindestens ebenso prägend wurde über Jahrzehnte hinweg der Eintritt in eine nach dem Krieg gegründete Jungenschaft. Auf seine Initiative hin gründete sich 1988 der „Mindener Kreis“ als Zusammenschluss ehemaliger Angehöriger bündischer Jugendgruppen der Nachkriegszeit, dem aber längst nicht nur Mindener Wandervögel angehören. Nach geisteswissenschaftlichen und historischen Studien in Bonn, Münster und Stuttgart, die er aber nicht abschloss, absolvierte der Kaufmannssohn eine kaufmännische Lehre in Düsseldorf und arbeitete ab 1958 als Kaufmann am Rhein, in Mailand und in Minden. Nachdem die Firma ein paar Jahre später aufgelöst worden war, fand Wolfgang Hempel zu seiner wahren Berufung, in der er seiner historischen Ader freien Lauf lassen konnte. 1967 ging er zum Südwestfunk (SWF) nach Baden-Baden und startete als Freier Mitarbeiter im Rundfunkarchiv, das es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig gab, wie er später einmal erzählte. Schließlich reorganisierte er das gesamte SWF-Archiv und baute aus einer „One-Man-Show“ eine komplette Abteilung für Dokumentation, die beispielhaft für die Archive der öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens wurden. Auch die Ausbildung wurde auf seine Initiative hin professionalisiert. Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Wolfgang Hempel stark für die Förderung der ostdeutschen Kulturlandschaft. Seit 1992 werden dank seines Engagement am neu gegründeten Institut für Information und Dokumentation an der Fachhochschule Potsdam wissenschaftliche Dokumentare ausgebildet. Hempel selbst hatte von 1982 bis 1986 neben seiner Tätigkeit beim SWF einen Lehrauftrag für Archiv, Dokumentation und Recherche in den Rundfunkanstalten der Universität Münster. Nach seiner Pensionierung 1996 setzte sich Wolfgang Hempel umso stärker für kulturelle Netzwerke und die Erinnerung an die Verfolgung von Juden sowie Sinti und Roma während der Nazi-Herrschaft ein. Unter anderem war er bis 2005 ehrenamtlicher stellvertretender Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam. Dieses Engagement zeichnete Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) 2008 mit der Verleihung des Roten Adlerordens aus, des höchsten Verdienstordens des Landes Brandenburg. Die Fachhochschule ernannte ihn 1996 zum Ehrensenator und verlieh ihm den Titel „Professor h. c.“. Aufgrund seiner meisterlichen Art, Kontakte zu knüpfen und über Jahrzehnte zu pflegen und dabei Menschen zusammenzubringen, ist es Wolfgang Hempel über Jahre hinweg gelungen, interessante Zeitzeugen wie den deutsch-amerikanischen Germanisten Guy Stern zu Vorträgen in der Alten Synagoge in Petershagen oder im „Mer Ketne“ nach Minden zu holen. Die Verbindung zu Minden ist auch nach mehr als 50 Jahren noch eng. „Jedes Mal, wenn ich zu Besuch war, habe ich eine Runde durch das Glacis gemacht“, sagt Wolfgang Hempel bescheiden. Seinen 90. Geburtstag feiert er im badischen Gaggenau in Kreis der Familie, zu der neben seiner Frau Reinhilde eine Tochter, zwei Söhne und vier Enkel gehören.

Archivar Wolfgang Hempel wird 90 Jahre alt

Wolfgang Hempel wurde vor 90 Jahren in Minden geboren. Deutschlandweit vernetzt, bleibt er seiner Heimat verbunden. MT-Foto: Langenkämper © Langenkämper

Minden.Am 14. Oktober 1931 wurde Kurt Wolfgang Hempel, wie er mit vollem Namen heißt, in Minden geboren. Sein Großvater, der Kaufmann Ludwig Hempel, war in der Stadtgesellschaft ein bekannter Mann. Nach ihm war das Ludwigs-Bad, das Lulu-Bad, eine Flussbadeanstalt in der Weser, benannt. In der Hermannstraße und in dem repräsentativen Haus des Großvaters in der Manteuffelstraße 2 an der Ecke zum Fischerglacis, dem heutigen Sitz der GSW, wuchs er mit seinem jüngeren Bruder Fritz, einem späteren Boeing-Ingenieur, auf – unterbrochen während des Zweiten Weltkriegs, als er ein Jahr bei seinem Patenonkel in „Litzmannstadt“ (Lodz) im annektierten Polen lebte.

Nach der Rückkehr ging Wolfgang Hempel wieder zur Bessel-Oberrealschule, wo er 1951 Abitur machte – darunter zahlreiche Mitschüler, deren Namen vielen Mindenern später bekannt werden sollten und zu denen er heute noch Kontakt hält. Gerade erst trafen sich vier der fünf noch Lebenden zum 70-Jährigen.

Mindestens ebenso prägend wurde über Jahrzehnte hinweg der Eintritt in eine nach dem Krieg gegründete Jungenschaft. Auf seine Initiative hin gründete sich 1988 der „Mindener Kreis“ als Zusammenschluss ehemaliger Angehöriger bündischer Jugendgruppen der Nachkriegszeit, dem aber längst nicht nur Mindener Wandervögel angehören.


Nach geisteswissenschaftlichen und historischen Studien in Bonn, Münster und Stuttgart, die er aber nicht abschloss, absolvierte der Kaufmannssohn eine kaufmännische Lehre in Düsseldorf und arbeitete ab 1958 als Kaufmann am Rhein, in Mailand und in Minden. Nachdem die Firma ein paar Jahre später aufgelöst worden war, fand Wolfgang Hempel zu seiner wahren Berufung, in der er seiner historischen Ader freien Lauf lassen konnte. 1967 ging er zum Südwestfunk (SWF) nach Baden-Baden und startete als Freier Mitarbeiter im Rundfunkarchiv, das es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig gab, wie er später einmal erzählte. Schließlich reorganisierte er das gesamte SWF-Archiv und baute aus einer „One-Man-Show“ eine komplette Abteilung für Dokumentation, die beispielhaft für die Archive der öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens wurden. Auch die Ausbildung wurde auf seine Initiative hin professionalisiert.

Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Wolfgang Hempel stark für die Förderung der ostdeutschen Kulturlandschaft. Seit 1992 werden dank seines Engagement am neu gegründeten Institut für Information und Dokumentation an der Fachhochschule Potsdam wissenschaftliche Dokumentare ausgebildet. Hempel selbst hatte von 1982 bis 1986 neben seiner Tätigkeit beim SWF einen Lehrauftrag für Archiv, Dokumentation und Recherche in den Rundfunkanstalten der Universität Münster.

Nach seiner Pensionierung 1996 setzte sich Wolfgang Hempel umso stärker für kulturelle Netzwerke und die Erinnerung an die Verfolgung von Juden sowie Sinti und Roma während der Nazi-Herrschaft ein. Unter anderem war er bis 2005 ehrenamtlicher stellvertretender Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam. Dieses Engagement zeichnete Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) 2008 mit der Verleihung des Roten Adlerordens aus, des höchsten Verdienstordens des Landes Brandenburg. Die Fachhochschule ernannte ihn 1996 zum Ehrensenator und verlieh ihm den Titel „Professor h. c.“.

Aufgrund seiner meisterlichen Art, Kontakte zu knüpfen und über Jahrzehnte zu pflegen und dabei Menschen zusammenzubringen, ist es Wolfgang Hempel über Jahre hinweg gelungen, interessante Zeitzeugen wie den deutsch-amerikanischen Germanisten Guy Stern zu Vorträgen in der Alten Synagoge in Petershagen oder im „Mer Ketne“ nach Minden zu holen. Die Verbindung zu Minden ist auch nach mehr als 50 Jahren noch eng. „Jedes Mal, wenn ich zu Besuch war, habe ich eine Runde durch das Glacis gemacht“, sagt Wolfgang Hempel bescheiden.

Seinen 90. Geburtstag feiert er im badischen Gaggenau in Kreis der Familie, zu der neben seiner Frau Reinhilde eine Tochter, zwei Söhne und vier Enkel gehören.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden