Arbeit am Image: Wie das Leo-Sympher-Berufskolleg mit Vorurteilen aufräumen will Doris Christoph Minden. „Wer sind wir eigentlich? Und was genau machen wir?“ Wer gegen Konkurrenz ankommen will, muss diese Fragen beantworten können. Das Leo-Sympher-Berufskolleg mit den Schwerpunkten Technik, Gestaltung, Ernährung und Soziales hat deshalb eine Imagekampagne gestartet. Ein neues Logo und eine deutlich verständlichere Homepage sind erste Ergebnisse. Zum neuen Leitbild gehört auch, dass die Schüler als „Kunden“ gesehen werden, so bezeichnet Leiter Knut Engels sie konsequent im MT-Gespräch. Und um die muss seine Einrichtung werben. „Wir kämpfen um weniger Schüler“, sagt Engels. Vor elf Jahren lag die Zahl noch bei 3.400, mittlerweile bei 3.000. Sicherlich schlägt sich hier auch der demografische Wandel nieder. Aber mit manchen der Bildungsgänge werden einfach nicht genügend Interessenten erreicht. Während es einen Run auf den Gesundheits- und Sozialbereich an der Berufsfachschule gebe – übrigens mit hoher Abbrecherquote–, sei der naturwissenschaftlich-technische Bereich nur wenig nachgefragt. „Dabei sind wir in Minden firmentechnisch gut ausgestattet“, sagt Engels mit Blick auf heimische Industrieunternehmen als potenzielle Arbeitgeber. Bestimmte Angebote sind so nicht realisierbar, weil die Anmeldezahlen nicht ausreichen. „Ich kann 30 bis 40 Interessenten aus dem MINT-Bereich nicht in einer Klasse bündeln. Die gehen dem Kreis Minden-Lübbecke verloren“, sagt Engels. Aus seiner Sicht gibt es zwei Probleme, die es der Schule im Werben um „Kunden“ schwermachten. „Erstens: Ein Großteil der Leute sieht das Leo-Sympher als Berufsfachschule: Da gehst du hin, wenn du eine Lehre machst.“ Das gelte aber nur für die Hälfte der rund 3.000 Schüler. Die anderen machen hier zum Beispiel einen Schulabschluss, holen ihn nach oder streben einen höheren wie das Abitur an. Über das gebe es – zweitens – die Vorurteile, dass allgemeinbildende Abschlüsse am Berufskolleg „qualitativ anders“ seien als an allgemeinbildenden Schulen. „Ein Abitur light“, fasst es Engels zusammen. Dabei legten die Schüler auch hier ein Zentralabitur etwa in Deutsch ab, es gebe nur eine andere Prüfungsordnung, betont er. Das sorgt in Engels Augen dafür, dass die Einrichtung in Trägerschaft des Kreises Minden-Lübbecke bei der Schulwahl in vielen Köpfen gar nicht vorkommt. Wer aber etwa Abitur machen wolle und eher praktische Interessen habe, der sei bei ihnen genau richtig. „Wer Interesse an Latein oder Germanistik hat, eher nicht.“ Auch in der Öffentlichkeit falle die Einrichtung hinten rüber, bemängelt der Schulleiter. Gehe es in Medienberichten um Abiturienten, die gerade über ihren Abschluss-Prüfungen brüteten, tauchten die Berufskollegs nie auf. Dabei machten in diesem Jahr rund 200 Schüler am Leo-Sympher ihr Abitur beziehungsweise ihr Fachabi. „Oder als es um das Thema Digitalisierung ging. Für uns ist das noch wichtiger als für die Gymnasien. Wir können sonst keine Beruflichkeit lehren.“ Jugendliche haben das Berufskolleg also nicht unbedingt auf dem Schirm, wenn sie über ihre Zukunft nachdenken. „Wir müssen ganz, ganz viel Beratung machen mit Schülern, die unentschieden sind“, sagt Engels. Da taucht aber schon das nächste – dieses Mal interne – Problem auf: Rund 90 verschiedene Bildungsgänge gibt es in der Einrichtung am Habsburgerring. Da geht der Überblick schnell verloren, auch für die Mitarbeiter. Nur: Wie soll man potenzielle Schüler so beraten? Das Leo-Sympher-Berufskolleg wollte deshalb verständlicher werden – nach innen und außen. Die Arbeit am Leitbild ist nichts Neues. Engels berichtet von 2004, also vor seiner Zeit, als bereits Schüler in den Mittelpunkt gerückt werden sollten. Nur jetzt gebe es nochmal eine andere Sichtweise: „Wir wissen, die kommen nicht von alleine.“ Vor zwei Jahren begann eine Arbeitsgruppe sich Gedanken zu machen. Auch Mitarbeiter aus dem Bereich Gestaltung machten mit. Aber letztlich entschieden sie sich, Hilfe von außen zu holen. Die Werbeagentur Etageeins stieg mit ein – bezahlt mit Mitteln im vierstelligen Bereich aus dem Schulbudget. Das ist Engels wichtig zu betonen. Sie half bei der Bündelung und Strukturierung. Das Ergebnis ist unter anderem das neue Logo, das das alte mit dem Wasserstraßenkreuz abgelöst hat. Das erinnerte an den Namensgeber, den Wasserbauingenieur Leo Sympher. Das bunte und eckigere Logo soll jetzt auch einheitlich als Briefkopf und auf Arbeitsblättern verwendet werden. Denn auch das wurde ganz unterschiedlich gehandhabt: Manche Lehrer kopierten sich das Logo klein, andere in schwarz-weiß auf die Unterlagen. „Jeder hat es in seinem Sinne gemacht – nach bestem Wissen und Gewissen, alle wollten es gut machen“, meint der Schulleiter. Zur Erklärung verweist er darauf, dass man keinen Verwaltungsapparat habe, sogar die Schulleitung sei in Unterricht eingebunden. Lehrkräfte müssten auch Verwaltungstätigkeiten übernehmen. Auch die Beschilderung innerhalb des Hauses, also das Wegeleitsystem wird endlich erneuert. Durch Umzüge und Umbauten war sie nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Homepage wurde komplett neu und verständlicher gestaltet. Die Flyer im neuen Design gehen nun vom Bildungsstand eines Schülers aus, also zum Beispiel Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10, mit dem er am Leo-Sympher-Berufskolleg startet, und welche Möglichkeiten er damit hat. Das Berufskolleg will sich künftig auch auf modernen Kommunikationskanälen präsentieren. Und natürlich weiter bei Börsen wie der GoFuture. Der digitale Tag der offenen Tür soll bleiben. Auch wenn die Schule nun als Dienstleister auftrete – „am Ende sind wir nicht Herr des Geschäfts“, sagt Knut Engels. Die Schüler müssten selber wissen, ob das Angebot etwas für sie sei – oder nicht.

Arbeit am Image: Wie das Leo-Sympher-Berufskolleg mit Vorurteilen aufräumen will

Beim Leo-Sympher-Berufskolleg hat das farbige und eckige Logo das alte Wasserstraßenkreuz-Symbol abgelöst. MT-Foto: Doris Christoph © Doris Christoph

Minden. „Wer sind wir eigentlich? Und was genau machen wir?“ Wer gegen Konkurrenz ankommen will, muss diese Fragen beantworten können. Das Leo-Sympher-Berufskolleg mit den Schwerpunkten Technik, Gestaltung, Ernährung und Soziales hat deshalb eine Imagekampagne gestartet. Ein neues Logo und eine deutlich verständlichere Homepage sind erste Ergebnisse. Zum neuen Leitbild gehört auch, dass die Schüler als „Kunden“ gesehen werden, so bezeichnet Leiter Knut Engels sie konsequent im MT-Gespräch. Und um die muss seine Einrichtung werben.

„Wir kämpfen um weniger Schüler“, sagt Engels. Vor elf Jahren lag die Zahl noch bei 3.400, mittlerweile bei 3.000. Sicherlich schlägt sich hier auch der demografische Wandel nieder. Aber mit manchen der Bildungsgänge werden einfach nicht genügend Interessenten erreicht. Während es einen Run auf den Gesundheits- und Sozialbereich an der Berufsfachschule gebe – übrigens mit hoher Abbrecherquote–, sei der naturwissenschaftlich-technische Bereich nur wenig nachgefragt. „Dabei sind wir in Minden firmentechnisch gut ausgestattet“, sagt Engels mit Blick auf heimische Industrieunternehmen als potenzielle Arbeitgeber.

Bestimmte Angebote sind so nicht realisierbar, weil die Anmeldezahlen nicht ausreichen. „Ich kann 30 bis 40 Interessenten aus dem MINT-Bereich nicht in einer Klasse bündeln. Die gehen dem Kreis Minden-Lübbecke verloren“, sagt Engels.


Aus seiner Sicht gibt es zwei Probleme, die es der Schule im Werben um „Kunden“ schwermachten. „Erstens: Ein Großteil der Leute sieht das Leo-Sympher als Berufsfachschule: Da gehst du hin, wenn du eine Lehre machst.“ Das gelte aber nur für die Hälfte der rund 3.000 Schüler. Die anderen machen hier zum Beispiel einen Schulabschluss, holen ihn nach oder streben einen höheren wie das Abitur an. Über das gebe es – zweitens – die Vorurteile, dass allgemeinbildende Abschlüsse am Berufskolleg „qualitativ anders“ seien als an allgemeinbildenden Schulen. „Ein Abitur light“, fasst es Engels zusammen. Dabei legten die Schüler auch hier ein Zentralabitur etwa in Deutsch ab, es gebe nur eine andere Prüfungsordnung, betont er.

Das sorgt in Engels Augen dafür, dass die Einrichtung in Trägerschaft des Kreises Minden-Lübbecke bei der Schulwahl in vielen Köpfen gar nicht vorkommt. Wer aber etwa Abitur machen wolle und eher praktische Interessen habe, der sei bei ihnen genau richtig. „Wer Interesse an Latein oder Germanistik hat, eher nicht.“

Auch in der Öffentlichkeit falle die Einrichtung hinten rüber, bemängelt der Schulleiter. Gehe es in Medienberichten um Abiturienten, die gerade über ihren Abschluss-Prüfungen brüteten, tauchten die Berufskollegs nie auf. Dabei machten in diesem Jahr rund 200 Schüler am Leo-Sympher ihr Abitur beziehungsweise ihr Fachabi. „Oder als es um das Thema Digitalisierung ging. Für uns ist das noch wichtiger als für die Gymnasien. Wir können sonst keine Beruflichkeit lehren.“

Jugendliche haben das Berufskolleg also nicht unbedingt auf dem Schirm, wenn sie über ihre Zukunft nachdenken. „Wir müssen ganz, ganz viel Beratung machen mit Schülern, die unentschieden sind“, sagt Engels.

Da taucht aber schon das nächste – dieses Mal interne – Problem auf: Rund 90 verschiedene Bildungsgänge gibt es in der Einrichtung am Habsburgerring. Da geht der Überblick schnell verloren, auch für die Mitarbeiter. Nur: Wie soll man potenzielle Schüler so beraten?

Das Leo-Sympher-Berufskolleg wollte deshalb verständlicher werden – nach innen und außen. Die Arbeit am Leitbild ist nichts Neues. Engels berichtet von 2004, also vor seiner Zeit, als bereits Schüler in den Mittelpunkt gerückt werden sollten. Nur jetzt gebe es nochmal eine andere Sichtweise: „Wir wissen, die kommen nicht von alleine.“ Vor zwei Jahren begann eine Arbeitsgruppe sich Gedanken zu machen. Auch Mitarbeiter aus dem Bereich Gestaltung machten mit. Aber letztlich entschieden sie sich, Hilfe von außen zu holen.

Die Werbeagentur Etageeins stieg mit ein – bezahlt mit Mitteln im vierstelligen Bereich aus dem Schulbudget. Das ist Engels wichtig zu betonen. Sie half bei der Bündelung und Strukturierung. Das Ergebnis ist unter anderem das neue Logo, das das alte mit dem Wasserstraßenkreuz abgelöst hat. Das erinnerte an den Namensgeber, den Wasserbauingenieur Leo Sympher. Das bunte und eckigere Logo soll jetzt auch einheitlich als Briefkopf und auf Arbeitsblättern verwendet werden.

Denn auch das wurde ganz unterschiedlich gehandhabt: Manche Lehrer kopierten sich das Logo klein, andere in schwarz-weiß auf die Unterlagen. „Jeder hat es in seinem Sinne gemacht – nach bestem Wissen und Gewissen, alle wollten es gut machen“, meint der Schulleiter. Zur Erklärung verweist er darauf, dass man keinen Verwaltungsapparat habe, sogar die Schulleitung sei in Unterricht eingebunden. Lehrkräfte müssten auch Verwaltungstätigkeiten übernehmen.

Auch die Beschilderung innerhalb des Hauses, also das Wegeleitsystem wird endlich erneuert. Durch Umzüge und Umbauten war sie nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Homepage wurde komplett neu und verständlicher gestaltet. Die Flyer im neuen Design gehen nun vom Bildungsstand eines Schülers aus, also zum Beispiel Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10, mit dem er am Leo-Sympher-Berufskolleg startet, und welche Möglichkeiten er damit hat. Das Berufskolleg will sich künftig auch auf modernen Kommunikationskanälen präsentieren. Und natürlich weiter bei Börsen wie der GoFuture. Der digitale Tag der offenen Tür soll bleiben.

Auch wenn die Schule nun als Dienstleister auftrete – „am Ende sind wir nicht Herr des Geschäfts“, sagt Knut Engels. Die Schüler müssten selber wissen, ob das Angebot etwas für sie sei – oder nicht.

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