Arabisch-deutsche Zeitung für Minden startet Nadine Conti Minden (mt). Für die Kollegen in der Druckvorstufe des Mindener Tageblatts war das schon erst einmal eine Herausforderung, als Noureddine Boulouh mit seinem deutsch-arabischen Zeitungsprojekt dort ankam. Nicht nur wegen der ungewohnten Schriftzeichen. Immerhin liest man im Arabischen nicht nur von rechts nach links, auch die Zeitung wird andersherum aufgeblättert. Direkt neben dem arabischen Text sollte aber der deutsche Text stehen, mit der umgekehrten Leserichtung. Dass die Texte möglichst präzise nebeneinander stehen, war dem Arabischlehrer Boulouh wichtig: Er möchte, dass die Zeitung auch zum Deutsch lernen genutzt werden kann. „Vielleicht ist das ja auch gut, für Leute, die eine Flüchtlings-Patenschaft übernommen haben“, sagt er. „Die haben dann eine gemeinsame Gesprächsgrundlage.“Wobei er keineswegs nur Flüchtlinge ansprechen will. Er würde sich auch wünschen, dass hier eine Plattform für Einwanderer, die schon länger da sind, entsteht. „Es gibt in Minden leider sehr wenige eingetragene Vereine oder ähnliches“, hat er festgestellt, „vielleicht gibt es hier mehr informelle Netzwerke, die ich noch nicht kennengelernt habe.“ Das war in Münster, wo er lange gelebt, studiert und gearbeitet hat, anders. Auch dort hat er mit seinem Bruder ein ähnliches Projekt zum Laufen gebracht.Die erste Mindener Ausgabe wirkt noch ein bisschen improvisiert. Pressemitteilungen, aus dem Mindener Tageblatt übernommene Artikel, zahlreiche Politikergrußworte. „Das ist aber keine SPD-Zeitung, das ist jetzt reiner Zufall“, sagt Boulouh mit Blick auf die Bilder von Bürgermeister Michael Jäcke, Landrat Ralf Niermann und den Bundesvorsitzenden der SPD, Sigmar Gabriel. Er wollte eben etwas in der Hand haben, ein wenig offizielle Weihen, denn nur so kann man weitere Mitstreiter werben. Die sind ausdrücklich willkommen, egal, ob sie arabisch oder deutsch schreiben. Bei der Übersetzung könne er dann ja helfen, sagt Noureddine Boulouh, der im Hauptberuf im übrigen Lehrer ist und muttersprachlichen Unterricht an verschiedenen Schulen im Kreisgebiet gibt.Die Themen sollen sich auch weiterhin um die Bereiche Kultur, Bildung und Integration drehen. „Integration durch Bildung“ steht als Motto direkt unter dem Titelkopf der Zeitung. Viele wüssten zu wenig über das Leben hier und viele der gut gemeinten Flugblätter, Internetseiten und Apps kämen bei den Einwanderern gar nicht an, meint Boulouh.Ein Blick in den Innenteil der ersten Ausgabe offenbart ein buntes Nebeneinander von Lebenshilfe, praktischen Tipps, aber auch durchaus „schwerer“ Themen wie häusliche Gewalt oder die politische Diskussion um die Erlärung der nordafrikanischen Maghreb-Staaten zu „sicheren Herkunftsländern“. Eine Ankündigung von „Minden singt“ (für die der Druck dann leider zu spät erfolgte) ist ebenso zu finden wie eine Übersicht über die Aufgaben des Caritas-Fachdienstes für Migration und Flüchtlinge. Die Stadtbibliothek stellt sich vor, eine deutsch-arabische Grammatik wird verlost, die Mülltrennung erläutert, richtiges Verhalten in der Schule, die neue Integrationsbeauftragte der Stadt Minden oder Ratschläge des syrischen Schriftstellers Rafik Schami für Flüchtlinge sind weitere Themen. Insgesamt 24 Halbformat-Seiten ist die erste Ausgabe stark, die MT-Redaktion hat sie als eMag digital ins Netz gestellt, damit sich Neugierige ein Bild davon machen können (Link siehe unten). Verdienen wird Noureddine Boulouh an der Zeitung allerdings erst einmal nichts, Anzeigenkunden gibt es noch keine, den Druck hat ihm das Verlagshaus J.C.C. Bruns spendiert, das sich auch bei den „Flüchtlingspartnern Minden“ einbringt. Der Chefredakteur des MT hat Boulouh gestattet, geeignete Artikel zu verwenden, auf die Auswahl nimmt die MT-Redaktion keinen Einfluss. Christoph Pepper kann sich eine engere redaktionelle Kooperation - durchaus in beide Richtungen - allerdings gut vorstellen, wenn das Projekt erst einmal Fuß gefasst hat. Er hofft auf eine Chance, journalistischen Zugang zu einem Berichterstattungsgebiet zu finden, das für die eigene Redaktion mangels sprachlicher und kultureller Voraussetzungen nur sehr schwer bis gar nicht zugänglich ist. Verteilt wird die Zeitung kostenlos überall dort, wo Boulouh seine potenzielle Leserschaft vermutet: Bei der VHS und in Sprachschulen, in Moscheen und Kulturvereinen, hauptsächlich in Minden, aber auch in Bad Oeynhausen und Lübbecke. In einem Vierteljahr soll die nächste Ausgabe erscheinen.

Arabisch-deutsche Zeitung für Minden startet

Mit lokalen Informationen auf arabisch und deutsch hofft der gebürtige Marokkaner Noureddine Boulouh einen Beitrag zur Integration zu leisten - und eine Plattform für die entsprechende Gemeinschaft zu schaffen. © Foto: N. Conti

Minden (mt). Für die Kollegen in der Druckvorstufe des Mindener Tageblatts war das schon erst einmal eine Herausforderung, als Noureddine Boulouh mit seinem deutsch-arabischen Zeitungsprojekt dort ankam. Nicht nur wegen der ungewohnten Schriftzeichen. Immerhin liest man im Arabischen nicht nur von rechts nach links, auch die Zeitung wird andersherum aufgeblättert. Direkt neben dem arabischen Text sollte aber der deutsche Text stehen, mit der umgekehrten Leserichtung. Dass die Texte möglichst präzise nebeneinander stehen, war dem Arabischlehrer Boulouh wichtig: Er möchte, dass die Zeitung auch zum Deutsch lernen genutzt werden kann. „Vielleicht ist das ja auch gut, für Leute, die eine Flüchtlings-Patenschaft übernommen haben“, sagt er. „Die haben dann eine gemeinsame Gesprächsgrundlage.“

Wobei er keineswegs nur Flüchtlinge ansprechen will. Er würde sich auch wünschen, dass hier eine Plattform für Einwanderer, die schon länger da sind, entsteht. „Es gibt in Minden leider sehr wenige eingetragene Vereine oder ähnliches“, hat er festgestellt, „vielleicht gibt es hier mehr informelle Netzwerke, die ich noch nicht kennengelernt habe.“ Das war in Münster, wo er lange gelebt, studiert und gearbeitet hat, anders. Auch dort hat er mit seinem Bruder ein ähnliches Projekt zum Laufen gebracht.

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Die erste Mindener Ausgabe wirkt noch ein bisschen improvisiert. Pressemitteilungen, aus dem Mindener Tageblatt übernommene Artikel, zahlreiche Politikergrußworte. „Das ist aber keine SPD-Zeitung, das ist jetzt reiner Zufall“, sagt Boulouh mit Blick auf die Bilder von Bürgermeister Michael Jäcke, Landrat Ralf Niermann und den Bundesvorsitzenden der SPD, Sigmar Gabriel. Er wollte eben etwas in der Hand haben, ein wenig offizielle Weihen, denn nur so kann man weitere Mitstreiter werben. Die sind ausdrücklich willkommen, egal, ob sie arabisch oder deutsch schreiben. Bei der Übersetzung könne er dann ja helfen, sagt Noureddine Boulouh, der im Hauptberuf im übrigen Lehrer ist und muttersprachlichen Unterricht an verschiedenen Schulen im Kreisgebiet gibt.

Die Themen sollen sich auch weiterhin um die Bereiche Kultur, Bildung und Integration drehen. „Integration durch Bildung“ steht als Motto direkt unter dem Titelkopf der Zeitung. Viele wüssten zu wenig über das Leben hier und viele der gut gemeinten Flugblätter, Internetseiten und Apps kämen bei den Einwanderern gar nicht an, meint Boulouh.

Ein Blick in den Innenteil der ersten Ausgabe offenbart ein buntes Nebeneinander von Lebenshilfe, praktischen Tipps, aber auch durchaus „schwerer“ Themen wie häusliche Gewalt oder die politische Diskussion um die Erlärung der nordafrikanischen Maghreb-Staaten zu „sicheren Herkunftsländern“. Eine Ankündigung von „Minden singt“ (für die der Druck dann leider zu spät erfolgte) ist ebenso zu finden wie eine Übersicht über die Aufgaben des Caritas-Fachdienstes für Migration und Flüchtlinge. Die Stadtbibliothek stellt sich vor, eine deutsch-arabische Grammatik wird verlost, die Mülltrennung erläutert, richtiges Verhalten in der Schule, die neue Integrationsbeauftragte der Stadt Minden oder Ratschläge des syrischen Schriftstellers Rafik Schami für Flüchtlinge sind weitere Themen.

Insgesamt 24 Halbformat-Seiten ist die erste Ausgabe stark, die MT-Redaktion hat sie als eMag digital ins Netz gestellt, damit sich Neugierige ein Bild davon machen können (Link siehe unten). Verdienen wird Noureddine Boulouh an der Zeitung allerdings erst einmal nichts, Anzeigenkunden gibt es noch keine, den Druck hat ihm das Verlagshaus J.C.C. Bruns spendiert, das sich auch bei den „Flüchtlingspartnern Minden“ einbringt. Der Chefredakteur des MT hat Boulouh gestattet, geeignete Artikel zu verwenden, auf die Auswahl nimmt die MT-Redaktion keinen Einfluss.

Christoph Pepper kann sich eine engere redaktionelle Kooperation - durchaus in beide Richtungen - allerdings gut vorstellen, wenn das Projekt erst einmal Fuß gefasst hat. Er hofft auf eine Chance, journalistischen Zugang zu einem Berichterstattungsgebiet zu finden, das für die eigene Redaktion mangels sprachlicher und kultureller Voraussetzungen nur sehr schwer bis gar nicht zugänglich ist.

Verteilt wird die Zeitung kostenlos überall dort, wo Boulouh seine potenzielle Leserschaft vermutet: Bei der VHS und in Sprachschulen, in Moscheen und Kulturvereinen, hauptsächlich in Minden, aber auch in Bad Oeynhausen und Lübbecke. In einem Vierteljahr soll die nächste Ausgabe erscheinen.

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