Anzeige wegen Dokumentendelikt? Betrügerische Anrufe im Namen des Bundeskriminalamts Patrick Schwemling Minden. Das Handy klingelt. Eine Festnetznummer mit der Vorwahl 0611 leuchtet auf dem Display auf. Die Rufnummer kenne ich nicht. Doch, im Gegensatz zu vielen Bekannten gehe ich auch bei scheinbar unbekannten Rufnummern ans Telefon. So auch an diesem Donnerstagvormittag. „Schwemling", sage ich zur Begrüßung - und unterbreche damit eine Computerstimme. Diese ruft angeblich im Auftrag des Bundeskriminalamts (BKA) an und wirft mir vor, ein Dokumentendelikt begangen zu haben. In der Regelmäßigkeit, in der ich in den letzten Jahren meine Ausweise verloren habe, klingt das zunächst gar nicht so abwegig. Aber seit wann ruft das BKA wegen einer Straftat an - und woher haben sie meine Nummer? Ich lege auf. Wie sich zunächst einmal herausstellt, stammen Anrufe mit dieser Vorwahl aus der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden - und tatsächlich ist das seit 1951 der Standort des Bundeskriminalamts. Hätte ich vielleicht doch nicht auflegen sollen? Keine zwei Minuten später weiß ich: Es war die richtige Entscheidung. So haben sich die Betrüger zwar die Mühe gemacht, eine möglichst realistische Telefonnummer zu kopieren, doch das war es mit der Kreativität dann auch schon. Da es in den Tagen zuvor offenbar vermehrt zu diesen Anrufen gekommen ist, warnt das BKA nämlich auf Facebook und Twitter vor Fake-Anrufen, die exakt den Inhalt des vorherigen „Gesprächs" widerspiegeln. „Das BKA würde niemals bei Privatpersonen mit einer Bandansage strafverfolgende Maßnahmen einleiten. Sollten Sie einen derartigen Anruf bekommen, beenden Sie unverzüglich das Gespräch und melden den Anruf Ihrer örtlich zuständigen Polizeidienststelle", stellt die Behörde unmissverständlich klar. Vorsicht ! - #BKA warnt vor #Fake-AnrufenOffenbar kommt es im Moment vermehrt zu Fake-Anrufen bei Privatpersonen, bei denen den Angerufenen mittels einer automatischen Bandansage vorgeworfen wird, ein Dokumentendelikt begangen zu haben. (1/2) pic.twitter.com/dhyQAVEO8V — Bundeskriminalamt (@bka) October 6, 2021Am Tag darauf klingelt mein Handy übrigens erneut. Wieder ist es die Vorwahl aus Wiesbaden, diesmal aber eine andere Rufnummer. Ich gehe erneut an das Telefon. Abermals wird mir ein Dokumentendelikt vorgeworfen. Ich lege auf und frage mich: Treten diese Anrufe im Kreis Minden-Lübbecke vermehrt auf? Wie sind diese Menschen an meine Handynummer gekommen? Ich entschließe mich die Pressestelle der Polizei Minden-Lübbecke zu kontaktieren. Wie deren Pressesprecher Nils Schröder mitteilt, seien den Beamten im Mühlenkreis keine weiteren Anrufe dieser Art und Weise gemeldet und angezeigt worden. „Es hört sich nach einem klassischen Fall von Spoofing an", sagt Schröder. Immer wieder würden solche Fälle der Polizei gemeldet, oftmals in Verbindung mit der Aufforderung Geld zu zahlen, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden oder auch um große Geldgewinne zu erzielen. „Die Kriminellen finden immer wieder neue Aufhänger, es scheint eine abgewandelte Masche zu sein", sagt der Pressesprecher. Die Polizei rät den Menschen bei solch verdächtigen Anrufen dazu immer möglichst schnell aufzulegen und auch nicht zurückzurufen. Schröder verweist in dem Zusammenhang auch an den Appell des Bundeskriminalamts, welches - genau wie die Polizei - niemals per Bandansage strafverfolgende Maßnahmen einleiten würde. Beide Rufnummern, die mich in der vergangenen Woche kontaktiert haben, sind inzwischen nicht mehr erreichbar. Doch auch wenn Betrüger ihre Nummer ganz einfach ändern können, ist es wichtig, die Telefonnummer zu melden – zum Beispiel per Mail (rufnummernmissbrauch@bnetza.de) bei der Bundesnetzagentur (BnetzA). Handelt es sich nämlich nicht um unbekannte Betrüger, sondern ein Unternehmen aus Deutschland, welches beispielsweise illegale Werbeanrufe durchführt, kann die Bundesnetzagentur hohe Bußgelder verhängen und die Nummern sperren. Wer bereits von einer mysteriösen Nummer angerufen wurde, und den Anruf womöglich auch entgegengenommen hat, kann in der Telefon-App auch eine Blacklist erstellen. Das funktioniert sowohl bei Android als auch iOS ganz einfach. Telefonnummer unter Android blockieren: Telefon-App öffnen und auf das Dreipunkt-Menü gehen. Dort auf die Anrufliste tippen und danach die Nummer, die blockiert werden soll. Im nächsten Schritt auf „Blockieren/Spam melden" klicken. Unbekannte Telefonnummer unter Android blockieren: Telefon-App und dort das Dreipunkt-Menü öffnen. Zu Einstellungen navigieren und nachfolgend „Blockierte Nummern" auswählen. Dort den Menüpunkt „Unbekannt" aktivieren. Telefonnummer unter iOS blockieren: Telefon-App oder alternativ Anrufliste oder Voicemail öffnen. Auf das Infosymbol „i" neben der Nummer beziehungsweise der Person, die blockiert werden soll, tippen. Bis nach unten scrollen und „Anrufer blockieren" auswählen. Spam-Anrufe unter iOS blockieren: Die Einstellungen öffnen und den Unterpunkt „Telefon" auswählen. Dort „Unbekannte Anrufer stummschalten" einschalten. Hier werden alle Telefonate, die von einer unbekannten Telefonnummer stammen, direkt an die Voicemail geleitet.

Anzeige wegen Dokumentendelikt? Betrügerische Anrufe im Namen des Bundeskriminalamts

Deutschlandweit gab es in der letzten Woche Fake-Anrufe im Namen des Bundeskriminalamts. Dabei erklärte eine Computerstimme, dass es einen Dokumentendelikt gegeben haben soll. Symbolfoto: © Unsplash/Taylor Grote

Minden. Das Handy klingelt. Eine Festnetznummer mit der Vorwahl 0611 leuchtet auf dem Display auf. Die Rufnummer kenne ich nicht. Doch, im Gegensatz zu vielen Bekannten gehe ich auch bei scheinbar unbekannten Rufnummern ans Telefon. So auch an diesem Donnerstagvormittag. „Schwemling", sage ich zur Begrüßung - und unterbreche damit eine Computerstimme. Diese ruft angeblich im Auftrag des Bundeskriminalamts (BKA) an und wirft mir vor, ein Dokumentendelikt begangen zu haben. In der Regelmäßigkeit, in der ich in den letzten Jahren meine Ausweise verloren habe, klingt das zunächst gar nicht so abwegig. Aber seit wann ruft das BKA wegen einer Straftat an - und woher haben sie meine Nummer? Ich lege auf.

Wie sich zunächst einmal herausstellt, stammen Anrufe mit dieser Vorwahl aus der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden - und tatsächlich ist das seit 1951 der Standort des Bundeskriminalamts. Hätte ich vielleicht doch nicht auflegen sollen? Keine zwei Minuten später weiß ich: Es war die richtige Entscheidung. So haben sich die Betrüger zwar die Mühe gemacht, eine möglichst realistische Telefonnummer zu kopieren, doch das war es mit der Kreativität dann auch schon. Da es in den Tagen zuvor offenbar vermehrt zu diesen Anrufen gekommen ist, warnt das BKA nämlich auf Facebook und Twitter vor Fake-Anrufen, die exakt den Inhalt des vorherigen „Gesprächs" widerspiegeln. „Das BKA würde niemals bei Privatpersonen mit einer Bandansage strafverfolgende Maßnahmen einleiten. Sollten Sie einen derartigen Anruf bekommen, beenden Sie unverzüglich das Gespräch und melden den Anruf Ihrer örtlich zuständigen Polizeidienststelle", stellt die Behörde unmissverständlich klar.

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Am Tag darauf klingelt mein Handy übrigens erneut. Wieder ist es die Vorwahl aus Wiesbaden, diesmal aber eine andere Rufnummer. Ich gehe erneut an das Telefon. Abermals wird mir ein Dokumentendelikt vorgeworfen. Ich lege auf und frage mich: Treten diese Anrufe im Kreis Minden-Lübbecke vermehrt auf? Wie sind diese Menschen an meine Handynummer gekommen? Ich entschließe mich die Pressestelle der Polizei Minden-Lübbecke zu kontaktieren.


Wie deren Pressesprecher Nils Schröder mitteilt, seien den Beamten im Mühlenkreis keine weiteren Anrufe dieser Art und Weise gemeldet und angezeigt worden. „Es hört sich nach einem klassischen Fall von Spoofing an", sagt Schröder. Immer wieder würden solche Fälle der Polizei gemeldet, oftmals in Verbindung mit der Aufforderung Geld zu zahlen, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden oder auch um große Geldgewinne zu erzielen. „Die Kriminellen finden immer wieder neue Aufhänger, es scheint eine abgewandelte Masche zu sein", sagt der Pressesprecher. Die Polizei rät den Menschen bei solch verdächtigen Anrufen dazu immer möglichst schnell aufzulegen und auch nicht zurückzurufen. Schröder verweist in dem Zusammenhang auch an den Appell des Bundeskriminalamts, welches - genau wie die Polizei - niemals per Bandansage strafverfolgende Maßnahmen einleiten würde.

Beide Rufnummern, die mich in der vergangenen Woche kontaktiert haben, sind inzwischen nicht mehr erreichbar. Doch auch wenn Betrüger ihre Nummer ganz einfach ändern können, ist es wichtig, die Telefonnummer zu melden – zum Beispiel per Mail (rufnummernmissbrauch@bnetza.de) bei der Bundesnetzagentur (BnetzA). Handelt es sich nämlich nicht um unbekannte Betrüger, sondern ein Unternehmen aus Deutschland, welches beispielsweise illegale Werbeanrufe durchführt, kann die Bundesnetzagentur hohe Bußgelder verhängen und die Nummern sperren.

Wer bereits von einer mysteriösen Nummer angerufen wurde, und den Anruf womöglich auch entgegengenommen hat, kann in der Telefon-App auch eine Blacklist erstellen. Das funktioniert sowohl bei Android als auch iOS ganz einfach.

Telefonnummer unter Android blockieren:

  • Telefon-App öffnen und auf das Dreipunkt-Menü gehen. Dort auf die Anrufliste tippen und danach die Nummer, die blockiert werden soll. Im nächsten Schritt auf „Blockieren/Spam melden" klicken.

Unbekannte Telefonnummer unter Android blockieren:

  • Telefon-App und dort das Dreipunkt-Menü öffnen. Zu Einstellungen navigieren und nachfolgend „Blockierte Nummern" auswählen. Dort den Menüpunkt „Unbekannt" aktivieren.

Telefonnummer unter iOS blockieren:

  • Telefon-App oder alternativ Anrufliste oder Voicemail öffnen. Auf das Infosymbol „i" neben der Nummer beziehungsweise der Person, die blockiert werden soll, tippen. Bis nach unten scrollen und „Anrufer blockieren" auswählen.

Spam-Anrufe unter iOS blockieren:

  • Die Einstellungen öffnen und den Unterpunkt „Telefon" auswählen. Dort „Unbekannte Anrufer stummschalten" einschalten. Hier werden alle Telefonate, die von einer unbekannten Telefonnummer stammen, direkt an die Voicemail geleitet.
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