„Anpacken und Zuhören“: So helfen Mindener Soldaten und Privatleute aus der Umgebung in den Hochwasser-Regionen Stefanie Dullweber Minden. Auch eine Woche nach den ersten Unwetterwarnungen ist die Lage in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten angespannt und unübersichtlich. Unzählige Hilfsaktionen für die Betroffenen wurden gestartet. Während viele Kräfte von Feuerwehr, DRK und THW am Wochenende von ihren Einsätzen zurückgekommen sind, machte sich die Bundeswehr am Sonntag auf den Weg nach Rheinland-Pfalz. Aus dem besonders stark betroffenen Ahrweiler wurden am Montag weitere sieben Tote gemeldet. „Das wird eine sehr harte Zeit für die Soldaten“, sagt Presseoffizier Mario Kissel am Montag im Gespräch mit dem MT. Das Panzerpionierbataillon 130 aus Minden hat sich nach dem mehrtägigen Einsatz in Hagen und einem kurzen Zwischenstopp in Minden am Sonntagabend erneut auf den Weg gemacht. Aktuell sind 400 Soldaten in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingesetzt. Der Pegel der Ahr ist gesunken, jetzt sind die massiven Schäden sichtbar. „Bis auf eine Brücke sind alle zerstört. Die Lage ist unübersichtlich. Es gibt nach wie vor 3.000 Vermisste und die Soldaten kommen in Orte, wo sie nicht wissen, ob noch Menschen in ihren Häusern eingeschlossen sind“, sagt Kissel. Wo die Hilfe der Soldaten überall benötigt und wie lange der Einsatz dauern werde, stehe aktuell noch nicht fest. MT-Mitarbeiter Christian Bendig hat sich am Samstagmorgen auf den Weg nach Solingen gemacht, um den Menschen in seiner alten Heimat zu helfen. „In einer Facebook-Gruppe habe ich erfahren, dass es in Unterburg besonders schlimm sein soll. Also habe ich mir eine Schubkarre und eine Schaufel ins Auto gepackt und bin losgefahren.“ Auf der A1 sei er bis zur Ausfahrt Wermelskirchen/Schloss Burg gekommen. „Danach war die Autobahn gesperrt.“ In Unterburg habe ihn ein Soldat auf einem Anhänger mit in den Ort genommen. „Ich habe einfach gefragt, wer Hilfe benötigt.“ Und so landete Christian Bendig bei Irene (73) und Hans (80) und half ihnen, die Gartenhütte von Schutt und Schlamm zu befreien. „Du fragst nicht, du packst einfach mit an. Und genauso wichtig ist das Zuhören, denn die Menschen stehen verständlicherweise völlig neben sich“, erzählt der Mindener nach seiner Rückkehr. Nach einer Übernachtung bei seiner Schwester machte sich Christian Bendig am Sonntag auf den Weg zu einem alten Studienfreund, der im Bergischen Land in einem Fachwerkhaus von 1800 lebt. „Wir hatten uns zwölf Jahre nicht gesehen und als erstes drückten mir mein Kumpel und seine Frau den Maxi-Cosi mit ihrer wenige Wochen alten Tochter in die Hand, weil sie mit ihren Kräften völlig am Ende waren.“ Das Haus der Familie sei derzeit unbewohnbar, die Sachen im Erdgeschoss nur noch Schrott. Mit einer Menschenkette hätten sie den Müll abtransportiert. Dabei hätten sie Gegenstände entdeckt, die die Besitzer zuvor noch nie gesehen hatten. Das Wasser hatte sie angespült. Beeindruckt habe ihn die enorme Hilfsbereitschaft, sagt Christian Bendig. „Nachmittags waren wir 25 Helfer, kaum einer kannte den anderen.“ Irgendwann sei ein Mann um die Ecke gekommen, der sagte, er sei Elektriker und fragte, wo er anpacken könnte. Helfen wollen auch die heimischen Landwirte wie der Hiller Andreas Schwenker. Noch am Montagabend sollten auf seinem Hof Rundballen verladen werden. Ein heimisches Unternehmen hat einen Transporter bereitgestellt, der sich am Dienstag auf den Weg machen soll. Wie Andreas Schwenker berichtet, läuft die Hilfe über die Organisation „Land schafft Verbindung“. Die Protestbewegung setzt sich eigentlich für die Rechte von Landwirten ein. Doch aktuell nutzen die Bauern ihre Kommunikationswege, um Menschen in den Katastrophengebieten zu unterstützen. Bereits am Samstag hatte sich der erste Lastwagen mit Silage-Ballen auf den Weg in die vom Unwetter betroffenen Regionen gemacht. Marko Gendatis, einer der Organisatoren, hatte da bereits angekündigt, dass für diese Woche weitere Transporte geplant seien.

„Anpacken und Zuhören“: So helfen Mindener Soldaten und Privatleute aus der Umgebung in den Hochwasser-Regionen

In Solingen hat das Aufräumen begonnen. Viel ist den Menschen von ihrem Hab und Gut nicht geblieben. Foto: Christian Bendig © Christian Bendig

Minden. Auch eine Woche nach den ersten Unwetterwarnungen ist die Lage in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten angespannt und unübersichtlich. Unzählige Hilfsaktionen für die Betroffenen wurden gestartet. Während viele Kräfte von Feuerwehr, DRK und THW am Wochenende von ihren Einsätzen zurückgekommen sind, machte sich die Bundeswehr am Sonntag auf den Weg nach Rheinland-Pfalz. Aus dem besonders stark betroffenen Ahrweiler wurden am Montag weitere sieben Tote gemeldet.

„Das wird eine sehr harte Zeit für die Soldaten“, sagt Presseoffizier Mario Kissel am Montag im Gespräch mit dem MT. Das Panzerpionierbataillon 130 aus Minden hat sich nach dem mehrtägigen Einsatz in Hagen und einem kurzen Zwischenstopp in Minden am Sonntagabend erneut auf den Weg gemacht. Aktuell sind 400 Soldaten in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingesetzt. Der Pegel der Ahr ist gesunken, jetzt sind die massiven Schäden sichtbar. „Bis auf eine Brücke sind alle zerstört. Die Lage ist unübersichtlich. Es gibt nach wie vor 3.000 Vermisste und die Soldaten kommen in Orte, wo sie nicht wissen, ob noch Menschen in ihren Häusern eingeschlossen sind“, sagt Kissel. Wo die Hilfe der Soldaten überall benötigt und wie lange der Einsatz dauern werde, stehe aktuell noch nicht fest.

MT-Mitarbeiter Christian Bendig hat sich am Samstagmorgen auf den Weg nach Solingen gemacht, um den Menschen in seiner alten Heimat zu helfen. „In einer Facebook-Gruppe habe ich erfahren, dass es in Unterburg besonders schlimm sein soll. Also habe ich mir eine Schubkarre und eine Schaufel ins Auto gepackt und bin losgefahren.“ Auf der A1 sei er bis zur Ausfahrt Wermelskirchen/Schloss Burg gekommen. „Danach war die Autobahn gesperrt.“


In Unterburg habe ihn ein Soldat auf einem Anhänger mit in den Ort genommen. „Ich habe einfach gefragt, wer Hilfe benötigt.“ Und so landete Christian Bendig bei Irene (73) und Hans (80) und half ihnen, die Gartenhütte von Schutt und Schlamm zu befreien. „Du fragst nicht, du packst einfach mit an. Und genauso wichtig ist das Zuhören, denn die Menschen stehen verständlicherweise völlig neben sich“, erzählt der Mindener nach seiner Rückkehr.

- © Stefanie Dullweber
© Stefanie Dullweber

Nach einer Übernachtung bei seiner Schwester machte sich Christian Bendig am Sonntag auf den Weg zu einem alten Studienfreund, der im Bergischen Land in einem Fachwerkhaus von 1800 lebt. „Wir hatten uns zwölf Jahre nicht gesehen und als erstes drückten mir mein Kumpel und seine Frau den Maxi-Cosi mit ihrer wenige Wochen alten Tochter in die Hand, weil sie mit ihren Kräften völlig am Ende waren.“

In Ahrweiler wurden fast alle Brücken zerstört. Die Mindener Pioniere sind dort im Einsatz. Foto: Bundeswehr/Mario Kissel - © Bundeswehr/Mario Kissel
In Ahrweiler wurden fast alle Brücken zerstört. Die Mindener Pioniere sind dort im Einsatz. Foto: Bundeswehr/Mario Kissel - © Bundeswehr/Mario Kissel

Das Haus der Familie sei derzeit unbewohnbar, die Sachen im Erdgeschoss nur noch Schrott. Mit einer Menschenkette hätten sie den Müll abtransportiert. Dabei hätten sie Gegenstände entdeckt, die die Besitzer zuvor noch nie gesehen hatten. Das Wasser hatte sie angespült. Beeindruckt habe ihn die enorme Hilfsbereitschaft, sagt Christian Bendig. „Nachmittags waren wir 25 Helfer, kaum einer kannte den anderen.“ Irgendwann sei ein Mann um die Ecke gekommen, der sagte, er sei Elektriker und fragte, wo er anpacken könnte.

Helfen wollen auch die heimischen Landwirte wie der Hiller Andreas Schwenker. Noch am Montagabend sollten auf seinem Hof Rundballen verladen werden. Ein heimisches Unternehmen hat einen Transporter bereitgestellt, der sich am Dienstag auf den Weg machen soll.

Wie Andreas Schwenker berichtet, läuft die Hilfe über die Organisation „Land schafft Verbindung“. Die Protestbewegung setzt sich eigentlich für die Rechte von Landwirten ein. Doch aktuell nutzen die Bauern ihre Kommunikationswege, um Menschen in den Katastrophengebieten zu unterstützen. Bereits am Samstag hatte sich der erste Lastwagen mit Silage-Ballen auf den Weg in die vom Unwetter betroffenen Regionen gemacht. Marko Gendatis, einer der Organisatoren, hatte da bereits angekündigt, dass für diese Woche weitere Transporte geplant seien.

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