Analyse der Parlamente: Frauen sind in der Politik im Mühlenkreis weiter klar unterrepräsentiert Monika Jäger Minden. Elf Gemeinden, eine Kreisverwaltung, und an der Spitze überall Männer – bisher jedenfalls. Wenn sich der Landrat und die obersten Verwaltungsbeamten der Gemeinden trafen, entstand unweigerlich ein Gruppenbild ohne Damen. Das ist demnächst anders. Zwei Frauen hat die Stichwahl nun in Spitzenämter im Kreisgebiet gebracht – Frauen, die als Bürgermeisterin von Porta Westfalica und als Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke künftig hauptamtlich mit sehr unterschiedlichen Kommunalparlamenten arbeiten werden. Während die künftige Landrätin Anna Bölling (CDU) im Kreistag sieben verschiedene Wählergruppen und Parteien und einen Frauenanteil von einem Drittel (33 Prozent, bisher 28 Prozent) vorfindet (43 Männer, 21 Frauen), ist das in Porta Westfalica anders. Dort ist künftig Dr. Sonja Gerlach (CDU) Bürgermeisterin eines Rates, in dem noch nicht einmal ein Viertel (24 Prozent) aller Stadtverordneten weiblich ist (29 Männer, neun Frauen). Dabei hat Porta sich schon deutlich verbessert: Bisher sind dort nur zu 17 Prozent Frauen vertreten. Der Frauenanteil liegt im Hiller Gemeinderat nur bei 20 Prozent und damit bei einem Fünftel (24 Männer, sechs Frauen) – bisher sind dort 16 Prozent der Stadtverordneten weiblich. In Petershagen sind es künftig 30 Prozent (21 Männer, neun Frauen); eine klare Veränderung zu bisher, wo der Frauenanteil bei 19 Prozent liegt. In Minden sind 35 Männer und 21 Frauen gewählt worden. Das entspricht einem Anteil von 37,5 Prozent Frauen (vorher 33 Prozent) – Minden ist damit Spitzenreiter im gesamten Mühlenkreis. Schlusslicht ist hier übrigens Stemwede mit 19 Prozent. In zehn von elf Gemeinden des Kreises werden wieder Männer den Stadtparlamenten vorsitzen. Die beiden in Porta Westfalica und für die Kreisverwaltung gewählten Frauen waren beide CDU-Kandidatinnen. Insgesamt holten in den elf Gemeinden und dem Kreis in neun Fällen die CDU-Bewerber oder -Bewerberinnen die meisten Stimmen, in einer ein Einzelbewerber mit SPD-Vergangenheit (Hille), in zweien die SPD-Kandidaten (Lübbecke, Minden). Die Situation bei den Parteien und Wählergruppen ist sehr unterschiedlich. In den Fällen, wo nur die Reserveliste zog, konnten die Parteien im Grunde selbst die Richtung vorgeben. Bei den Mindener Grünen beispielsweise wird das deutlich. Sie holten kein Direktmandat, aber haben neun Sitze im Rat. Und da sie immer abwechselnd eine Frau und einen Mann auf die Liste gesetzt hatten, haben sie jetzt auch den entsprechenden Frauenanteil. Das hätte auch anders ausgehen können: Nur knapp hat der Grünen-Kandidat im Wahlbezirk 16, Wolfgang Thienelt, mit 2,2 Prozentpunkten das Direktmandat verpasst – das hätte möglicherweise die Zahl der Grünen-Männer und -Frauen im Stadtrat beeinflusst. In den vier Kommunen Minden, Porta Westfalica, Hille, Petershagen und im Kreistag sind besonders wenige Frauen bei der AfD (insgesamt neun Männer, zwei Frauen); besonders ausgewogen ist es hier bei den Grünen (17 Männer, 18 Frauen). Während die SPD im Kreistag noch fast gleich viele Männer und Frauen hat (zehn Männer, acht Frauen), sieht das in Hille (acht Männer, zwei Frauen) Porta (neun Männer, zwei Frauen) und Minden (15 Männer, sechs Frauen) ganz anders aus. Auch die CDU hat ein deutliches Schwergewicht bei den Männern: Das beste Verhältnis ist im Vergleich hier mit zehn Männern und fünf Frauen in Minden. (Die Zuordnung zu männlich oder weiblich erfolgte übrigens nach den angegebenen Vornamen.) Insgesamt ist die Zahl der Frauen nach der Wahl in Kommunalparlamenten des Kreisgebiets dennoch gestiegen, so eine aktuelle Auswertung des Recherchekollektivs Correctiv. Dieses hat die jüngsten NRW-Wahlergebnisse mit denen der Wahl von 2014 verglichen und kommt zu der Erkenntnis: Auch nach der Kommunalwahl 2020 herrscht in den nordrhein-westfälischen Kreisen und kreisfreien Städten in Bezug auf den Frauenanteil keine paritätische Besetzung der Parlamente. Insgesamt ist der Frauenanteil in NRW leicht von 30 auf 34 Prozent angestiegen. In der Correctiv-Analyse heißt es weiter, im Kreistag von Euskirchen werden nur 22,2 Prozent der Sitze von Frauen besetzt werden. Der Kreis bildet damit das Schlusslicht. Zur Erinnerung: Die Gemeinde Stemwede liegt mit 19 Prozent noch darunter. Gemeinden wurden bei Correctiv allerdings nicht ausgewertet. Bei der Kommunalwahl 2014 bekamen in Dortmund 39,4 Prozent Frauen einen Sitz im Rat, 2020 sind es nur noch 35,5 Prozent. Die Stadt erzielte damit dennoch das beste Ergebnis in der Auswertung. Das Schlusslicht der vorherigen Wahl – Höxter – konnte seinen Frauenanteil von 14,3 Prozent auf 28,3 Prozent hingegen verdoppeln. Hinzuweisen ist darauf, dass Correctiv sich bei der Zuordnung des Geschlechts an der Berufsbezeichnung orientiert hat. Correctiv Diese Recherche ist Teil einer Kooperation des MT mit Correctiv Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalpartnern umsetzt. Correctiv Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr unter correctiv.org.

Analyse der Parlamente: Frauen sind in der Politik im Mühlenkreis weiter klar unterrepräsentiert

Am Abend der Stichwahl: CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte (Mitte) und die künftige Landrätin Anna Bölling. © MT-Foto: Lehn

Minden. Elf Gemeinden, eine Kreisverwaltung, und an der Spitze überall Männer – bisher jedenfalls. Wenn sich der Landrat und die obersten Verwaltungsbeamten der Gemeinden trafen, entstand unweigerlich ein Gruppenbild ohne Damen.

Das ist demnächst anders. Zwei Frauen hat die Stichwahl nun in Spitzenämter im Kreisgebiet gebracht – Frauen, die als Bürgermeisterin von Porta Westfalica und als Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke künftig hauptamtlich mit sehr unterschiedlichen Kommunalparlamenten arbeiten werden.

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Während die künftige Landrätin Anna Bölling (CDU) im Kreistag sieben verschiedene Wählergruppen und Parteien und einen Frauenanteil von einem Drittel (33 Prozent, bisher 28 Prozent) vorfindet (43 Männer, 21 Frauen), ist das in Porta Westfalica anders. Dort ist künftig Dr. Sonja Gerlach (CDU) Bürgermeisterin eines Rates, in dem noch nicht einmal ein Viertel (24 Prozent) aller Stadtverordneten weiblich ist (29 Männer, neun Frauen). Dabei hat Porta sich schon deutlich verbessert: Bisher sind dort nur zu 17 Prozent Frauen vertreten.

Der Frauenanteil liegt im Hiller Gemeinderat nur bei 20 Prozent und damit bei einem Fünftel (24 Männer, sechs Frauen) – bisher sind dort 16 Prozent der Stadtverordneten weiblich. In Petershagen sind es künftig 30 Prozent (21 Männer, neun Frauen); eine klare Veränderung zu bisher, wo der Frauenanteil bei 19 Prozent liegt. In Minden sind 35 Männer und 21 Frauen gewählt worden. Das entspricht einem Anteil von 37,5 Prozent Frauen (vorher 33 Prozent) – Minden ist damit Spitzenreiter im gesamten Mühlenkreis. Schlusslicht ist hier übrigens Stemwede mit 19 Prozent.

In zehn von elf Gemeinden des Kreises werden wieder Männer den Stadtparlamenten vorsitzen. Die beiden in Porta Westfalica und für die Kreisverwaltung gewählten Frauen waren beide CDU-Kandidatinnen. Insgesamt holten in den elf Gemeinden und dem Kreis in neun Fällen die CDU-Bewerber oder -Bewerberinnen die meisten Stimmen, in einer ein Einzelbewerber mit SPD-Vergangenheit (Hille), in zweien die SPD-Kandidaten (Lübbecke, Minden).

Die Situation bei den Parteien und Wählergruppen ist sehr unterschiedlich. In den Fällen, wo nur die Reserveliste zog, konnten die Parteien im Grunde selbst die Richtung vorgeben. Bei den Mindener Grünen beispielsweise wird das deutlich. Sie holten kein Direktmandat, aber haben neun Sitze im Rat. Und da sie immer abwechselnd eine Frau und einen Mann auf die Liste gesetzt hatten, haben sie jetzt auch den entsprechenden Frauenanteil. Das hätte auch anders ausgehen können: Nur knapp hat der Grünen-Kandidat im Wahlbezirk 16, Wolfgang Thienelt, mit 2,2 Prozentpunkten das Direktmandat verpasst – das hätte möglicherweise die Zahl der Grünen-Männer und -Frauen im Stadtrat beeinflusst.

In den vier Kommunen Minden, Porta Westfalica, Hille, Petershagen und im Kreistag sind besonders wenige Frauen bei der AfD (insgesamt neun Männer, zwei Frauen); besonders ausgewogen ist es hier bei den Grünen (17 Männer, 18 Frauen). Während die SPD im Kreistag noch fast gleich viele Männer und Frauen hat (zehn Männer, acht Frauen), sieht das in Hille (acht Männer, zwei Frauen) Porta (neun Männer, zwei Frauen) und Minden (15 Männer, sechs Frauen) ganz anders aus. Auch die CDU hat ein deutliches Schwergewicht bei den Männern: Das beste Verhältnis ist im Vergleich hier mit zehn Männern und fünf Frauen in Minden. (Die Zuordnung zu männlich oder weiblich erfolgte übrigens nach den angegebenen Vornamen.)

Insgesamt ist die Zahl der Frauen nach der Wahl in Kommunalparlamenten des Kreisgebiets dennoch gestiegen, so eine aktuelle Auswertung des Recherchekollektivs Correctiv. Dieses hat die jüngsten NRW-Wahlergebnisse mit denen der Wahl von 2014 verglichen und kommt zu der Erkenntnis: Auch nach der Kommunalwahl 2020 herrscht in den nordrhein-westfälischen Kreisen und kreisfreien Städten in Bezug auf den Frauenanteil keine paritätische Besetzung der Parlamente. Insgesamt ist der Frauenanteil in NRW leicht von 30 auf 34 Prozent angestiegen.

In der Correctiv-Analyse heißt es weiter, im Kreistag von Euskirchen werden nur 22,2 Prozent der Sitze von Frauen besetzt werden. Der Kreis bildet damit das Schlusslicht. Zur Erinnerung: Die Gemeinde Stemwede liegt mit 19 Prozent noch darunter. Gemeinden wurden bei Correctiv allerdings nicht ausgewertet.

Bei der Kommunalwahl 2014 bekamen in Dortmund 39,4 Prozent Frauen einen Sitz im Rat, 2020 sind es nur noch 35,5 Prozent. Die Stadt erzielte damit dennoch das beste Ergebnis in der Auswertung. Das Schlusslicht der vorherigen Wahl – Höxter – konnte seinen Frauenanteil von 14,3 Prozent auf 28,3 Prozent hingegen verdoppeln. Hinzuweisen ist darauf, dass Correctiv sich bei der Zuordnung des Geschlechts an der Berufsbezeichnung orientiert hat.

Correctiv

Diese Recherche ist Teil einer Kooperation des MT mit Correctiv Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalpartnern umsetzt. Correctiv Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr unter correctiv.org.

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