MT-Thema Arbeiten bis...?!? An Ruhestand ist noch nicht zu denken Speditionsunternehmer ist mit 88 Jahren täglich für seinen Betrieb da: "Mein Arbeitsalltag ist spannend genug" Von Stefan Koch Minden (mt). Seit 23 Jahren bezieht Gerhard Schmidt Leistungen der Deutschen Rentenversicherung. Dafür hatte er seit seiner Lehrzeit jahrzehntelang die Beiträge gezahlt. Doch aus dem Arbeitsleben hat sich der Mindener Speditionsunternehmer auch heute noch nicht verabschiedet. Täglich ist er als Chef im Büro für die Firma da. Mit 88 Jahren. 50 Mitarbeiter und 21 Fahrzeuge hat seine Spedition am Windmühlenweg. Aufträge bearbeitet das Mindener Unternehmen mit Niederlassung in Hamburg vorwiegend in Deutschland. Wenn Schmidt als Geschäftsführer und Inhaber morgens ins Büro kommt, ist vor allem sein Rat gefragt."Früher hatte ich einen autoritären Führungsstil - das lag an meinen Erfahrungen in der russischen Kriegsgefangenenschaft", meint der Unternehmer. Erst später habe er Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter eigenverantwortlich handelten. "Es ist besser, Dinge nach Lage zu entscheiden und in Rücksprache mit den Beteiligten." Diese Rolle füllt der 88-Jährige als Chef aus, wenn er sagt, dass er ganztägig der Belegschaft zur Verfügung stehe.Das Unternehmen "Bruno Schmidt" trägt den Namen des Vaters des heutigen Inhabers. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es ein Fuhrbetrieb mit Baustoffgroßhandel und Landwirtschaft in Arnswalde (Pommern). Ende 1945 wurde es mit drei Fahrzeugen in Minden neu eröffnet. Nach der Entlassung aus der dreieinhalb Jahre andauernden sowjetischen Gefangenschaft begann Gerhard Schmidt seine Ausbildung im Unternehmen des Vaters und übernahm bereits 1958 die Leitung. Bis heute hat sich nichts daran geändert."Grundsätzlich ist die Nachfolgefrage geregelt", meint der 88-Jährige, wenn darüber nachgedacht wird, warum er immer noch aktiv ist. Ein Sohn ist als Speditionskaufmann mittlerweile in die Geschäftsführung eingestiegen. Ein andere ist Redakteur einer Fachzeitschrift des Speditionsgewerbes in Hamburg.Der Grund, warum Schmidt nach mehr als 60 Arbeitsjahren immer noch im Beruf bleibt, liegt an seiner Freude am zielorientierten Umgang mit anderen Menschen. "In einer Gruppe andere für etwas zu begeistern hat mir immer gelegen", sagt er. Außerdem sei sein Mitarbeiterstamm über mehrere Jahrzehnte gewachsen. Mit etlichen habe er schon 20 Jahre und länger zusammengearbeitet. Der älteste sei 63 Jahre alt. Bald wird auch er das Rentenalter erreicht haben.Natürlich ist sich Gerhard Schmidt bewusst, dass seine Berufstätigkeit noch weit nach dem Renteneintrittsalter für andere kein Maßstab sein kann. Die Diskussion um die Anhebung der Rentenobergrenze sieht der deshalb kritisch. "Das Rentenalter mit einer vollen Leistungsfähigkeit zu erreichen, ist nicht vielen Leuten vergönnt", sagt der 88-Jährige. In der Heraufsetzung der Altersgrenze sieht er eine "Erpressung der Rentner". Viele müssten zwangsläufig niedrigere Bezüge in Kauf nehmen, weil sie gar nicht länger arbeiten könnten.Dennoch sieht Schmidt für sich persönlich gerade die Gelassenheit im Alter als Vorteil im Beruf an. "Ich kann ausgleichen, wenn es Differenzen im Umgang der Mitarbeiter untereinander gibt", meint er. Das sei auch wichtig, wenn es um das Verhalten bei Problemen mit Kunden gehe. Und den Lebensabend als Urlaubsrentner an irgendeinem Touristenparadies zu verbringen, war ohnehin nie eine Option. "Ich habe schon lange keine Reise mehr unternommen. Mein Arbeitsalltag ist spannend genug", sagt der Unternehmer.In seinem Büro hängt eine Tafel: "The boss is not always right, but he is always the boss (Der Chef hat nicht immer recht, aber immer ist er der Chef)," steht drauf. Das erlaubt auch das Eingeständnis eines Irrtums. Welche Entscheidung seiner Meinung nach aber goldrichtig war? "Dass ich meine Frau geheiratet habe."
MT-Thema Arbeiten bis...?!?

An Ruhestand ist noch nicht zu denken

Minden (mt). Seit 23 Jahren bezieht Gerhard Schmidt Leistungen der Deutschen Rentenversicherung. Dafür hatte er seit seiner Lehrzeit jahrzehntelang die Beiträge gezahlt. Doch aus dem Arbeitsleben hat sich der Mindener Speditionsunternehmer auch heute noch nicht verabschiedet. Täglich ist er als Chef im Büro für die Firma da. Mit 88 Jahren.

Gerhard Schmidt regelt mit 88 Jahren immer noch die Dinge in seinem Unternehmen. Vom eigenen Ruhestand hält er nichts. - © MT-Foto: Stefan Koch
Gerhard Schmidt regelt mit 88 Jahren immer noch die Dinge in seinem Unternehmen. Vom eigenen Ruhestand hält er nichts. - © MT-Foto: Stefan Koch

50 Mitarbeiter und 21 Fahrzeuge hat seine Spedition am Windmühlenweg. Aufträge bearbeitet das Mindener Unternehmen mit Niederlassung in Hamburg vorwiegend in Deutschland. Wenn Schmidt als Geschäftsführer und Inhaber morgens ins Büro kommt, ist vor allem sein Rat gefragt.

"Früher hatte ich einen autoritären Führungsstil - das lag an meinen Erfahrungen in der russischen Kriegsgefangenenschaft", meint der Unternehmer. Erst später habe er Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter eigenverantwortlich handelten. "Es ist besser, Dinge nach Lage zu entscheiden und in Rücksprache mit den Beteiligten." Diese Rolle füllt der 88-Jährige als Chef aus, wenn er sagt, dass er ganztägig der Belegschaft zur Verfügung stehe.

Das Unternehmen "Bruno Schmidt" trägt den Namen des Vaters des heutigen Inhabers. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es ein Fuhrbetrieb mit Baustoffgroßhandel und Landwirtschaft in Arnswalde (Pommern). Ende 1945 wurde es mit drei Fahrzeugen in Minden neu eröffnet. Nach der Entlassung aus der dreieinhalb Jahre andauernden sowjetischen Gefangenschaft begann Gerhard Schmidt seine Ausbildung im Unternehmen des Vaters und übernahm bereits 1958 die Leitung. Bis heute hat sich nichts daran geändert.

"Grundsätzlich ist die Nachfolgefrage geregelt", meint der 88-Jährige, wenn darüber nachgedacht wird, warum er immer noch aktiv ist. Ein Sohn ist als Speditionskaufmann mittlerweile in die Geschäftsführung eingestiegen. Ein andere ist Redakteur einer Fachzeitschrift des Speditionsgewerbes in Hamburg.

Der Grund, warum Schmidt nach mehr als 60 Arbeitsjahren immer noch im Beruf bleibt, liegt an seiner Freude am zielorientierten Umgang mit anderen Menschen. "In einer Gruppe andere für etwas zu begeistern hat mir immer gelegen", sagt er. Außerdem sei sein Mitarbeiterstamm über mehrere Jahrzehnte gewachsen. Mit etlichen habe er schon 20 Jahre und länger zusammengearbeitet. Der älteste sei 63 Jahre alt. Bald wird auch er das Rentenalter erreicht haben.

Natürlich ist sich Gerhard Schmidt bewusst, dass seine Berufstätigkeit noch weit nach dem Renteneintrittsalter für andere kein Maßstab sein kann. Die Diskussion um die Anhebung der Rentenobergrenze sieht der deshalb kritisch. "Das Rentenalter mit einer vollen Leistungsfähigkeit zu erreichen, ist nicht vielen Leuten vergönnt", sagt der 88-Jährige. In der Heraufsetzung der Altersgrenze sieht er eine "Erpressung der Rentner". Viele müssten zwangsläufig niedrigere Bezüge in Kauf nehmen, weil sie gar nicht länger arbeiten könnten.

Dennoch sieht Schmidt für sich persönlich gerade die Gelassenheit im Alter als Vorteil im Beruf an. "Ich kann ausgleichen, wenn es Differenzen im Umgang der Mitarbeiter untereinander gibt", meint er. Das sei auch wichtig, wenn es um das Verhalten bei Problemen mit Kunden gehe. Und den Lebensabend als Urlaubsrentner an irgendeinem Touristenparadies zu verbringen, war ohnehin nie eine Option. "Ich habe schon lange keine Reise mehr unternommen. Mein Arbeitsalltag ist spannend genug", sagt der Unternehmer.

In seinem Büro hängt eine Tafel: "The boss is not always right, but he is always the boss (Der Chef hat nicht immer recht, aber immer ist er der Chef)," steht drauf. Das erlaubt auch das Eingeständnis eines Irrtums. Welche Entscheidung seiner Meinung nach aber goldrichtig war? "Dass ich meine Frau geheiratet habe."

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