American Football kommt nach Minden: Mehr als 70 Zusagen fürs Probetraining Sebastian Külbel Minden (mt). Seit dem Jahreswechsel rollt eine Welle durch die Mindener Sportlandschaft. Am 31. Dezember schaltete eine achtköpfige Gruppe die Facebook-Seite „American Football Minden“ frei. Die Resonanzen haben die Initiatoren überwältigt und ihrem Projekt zusätzlichen Schwung gegeben. „Wir sind in den ersten zwei Wochen überflutet worden“, berichtet Timo Drinkhut als einer der Macher hinter Idee, diese uramerikanische Sportart nach Minden zu bringen. Der 27-Jährige und seine Mitstreiter liegen damit voll im Trend: Die amerikanische Profiliga NFL begeistert seit Jahren immer mehr Fans in Deutschland. Das Endspiel, besser bekannt als Super Bowl, wird in der Nacht von Sonntag auf Montag mehr als eine Million Zuschauer vor den Fernsehern versammeln. Auch Drinkhut und Co. schauen auf einer Leinwand. Aber sie wollen viel mehr. Längst gibt es in den meisten Großstädten eines oder mehrere Teams, der American Football Verband Deutschland (AFVD) ist laut Drinkhut der sechstgrößte Sportverband im Land: „Es ist Wahnsinn, was in Deutschland in diesem Sport abgeht“, sagt er. „In Ostwestfalen-Lippe ist aber beim Blick auf die Landkarte ein Loch“, fügt sein Mitstreiter Sebastian Schmidt hinzu. Hier gibt es nur die Bielefeld Bulldogs in der Regionalliga und seit kurzem die Kachtenhausen White Hawks aus Lage in der Aufbauklasse NRW-Liga. Um diese Vakanz zu füllen, haben sich die beiden mit sechs Kollegen zusammengetan, die allesamt aus Minden und Umgebung kommen und einst bei den Schaumburg Rangers aktiv waren. Das Team aus Bückeburg in unmittelbarer Nachbarschaft zu Minden besteht schon seit vielen Jahren, wodurch das Bild vom Loch in OWL ein wenig schief wirkt. Für Schmidt ist das aber kein Widerspruch: „Es gibt offenbar wirklich so etwas wie eine imaginäre Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Viele freuen sich, dass es endlich American Football in unserer Region gibt. Es ist, als hätten die Leute darauf gewartet.“ Und auch wenn die Planungen erst im November 2018 begonnen haben, ist das Mindener Projekt gut durchdacht. Die Macher haben Konzepte geschrieben, mit denen sie sich öffentlich präsentieren oder auch um Sponsoren oder weitere Unterstützung werben. Es gibt ein vorläufiges Logo, professionelle Fotos und einen Zeitplan, der die Entwicklung für die nächsten Jahre in vier Phasen einteilt. Und es gibt klar definierte Ziele. So soll die Mindener American-Football-Mannschaft Teil eines größeren Vereins werden, anstatt als eigener Klub zu agieren. „Wir hatten einfach zu viel Respekt vor der Vereinsbürokratie“, erklärt Schmidt: „Es ist leichter, sich in funktionierende Strukturen einzugliedern.“ Die Gespräche hätten bereits stattgefunden, allerdings wollen die Verantwortlichen noch keinen Namen nennen. Das gilt auch für den Titel der Mannschaft, in ihrer Sportart ein wichtiges Markenzeichen. Gängig sind Namen aus der Tierwelt oder mit historischen sowie mythologischen Motiven, wie ein Blick in die NRW-Ligen zeigt. Hier tummeln sich Bulls und Ravens, Titans und Vikings oder auch Rebels und Bulldozer. „Es gibt viele Ideen, ein Name und ein Logo sind in Arbeit“, sagt Drinkhut. Auch hier gebe es aber noch keine finale Entscheidung. Alles ist vorerst ausgerichtet auf die Bildung einer Mannschaft, denn die ist im American Football sehr viel umfangreicher als etwa im Fußball oder Handball. Mindestens 25 Spielerpässe sind notwendig, um ein Team melden zu können. „Optimal sind pro Spieltag aber 44 Leute, um jede Position doppelt zu besetzen“, erklärt Drinkhut. Der erste wichtige Termin für sein Projekt ist daher das Probetraining am 9. Februar, das sogenannte „Tryout“. Die Personalsuche läuft von 10.30 bis 15 Uhr auf dem Sportplatz in Dankersen, nach fünf Tagen gab es schon 70 Zusagen. Geleitet wird das Ganze von Timo Drinkhut, der als Cheftrainer des Teams fungieren wird. Er sammelte Erfahrungen als Spieler in Hannover und Braunschweig, wo er sogar in der höchsten deutschen Liga GFL spielte. Danach war er Trainer und Sportlicher Leiter in Hannover und zuletzt zwei Jahre bei den Schaumburg Rangers aktiv, wo er die Defensive verantwortete. Zudem lernte er in Bückeburg die Partner für sein neues Projekt kennen, das jetzt durchstarten will: „Wir haben den Wunsch, etwas eigenes aufzubauen und unsere Vorstellungen zu verwirklichen“, betont Sebastian Schmidt. Wohin das führen soll, ist noch nicht ganz klar. „Jeder Verein will an die Spitze“, sagt Timo Drinkhut zwar. Das erste Ziel ist es aber, die Mannschaft bis 2020 in den Spielbetrieb zu bringen. Vier bis sechs Monate rechnet der Coach, bis ein Neueinsteiger spielfähig ist. Denn American Football ist ein komplexer Sport, der gerade deshalb viele Möglichkeiten bietet. „Es können sowohl die spielen, die 1,50 Meter groß und 40 Kilo schwer sind als auch die mit 2,10 Metern und 190 Kilo. Es gibt für jeden eine Position“, sagt Drinkhut. Doch nicht nur die körperlichen Voraussetzungen legen die Position fest, wie Schmidt skizziert: „Defensivspieler brauchen die Lust, in Leute reinzulaufen. Offensivspieler brauchen einen Fluchtinstinkt.“ Denn ein American-Football-Team besteht im Prinzip aus zwei Mannschaften: Eine für den Angriff, eine für die Abwehr. Gleich ist für alle die körperliche Belastung, wie Timo Drinkhut leidvoll erfuhr. Der 27-Jährige hatte in seiner Karriere allerdings auch viel Pech, so dass er irgendwann in den Trainerstab wechselte. „Ich hatte immer ein bisschen zu viel Gewicht und habe auf verletzungsanfälligen Positionen gespielt“, erklärt er. Denn eigentlich, so betonen die Mindener Macher, ist ihre Disziplin nicht gefährlicher als andere Kontaktsportarten. Schmidt etwa musste einst wegen Knieproblemen mit dem Fußball aufhören, blieb in vier Jahren American Football aber beschwerdefrei. „Die Verletzungswahrscheinlichkeit ist beim Fußball und Handball höher“, betont er. Das Regelwerk ist dafür umso komplizierter. „Ein Freund von mir ist Schiedsrichter, und der weiß auch nicht alles“, erzählt Drinkhut. Die Faszination in Deutschland wächst trotzdem. Schmidt: „American Football ist einfach mehr Event als andere Sportarten, da kommen schon in unteren Ligen viele Zuschauer, es gibt Einlaufzeremonien, ein Stadionsprecher erklärt die Regeln. American Football spielt man nicht nur, man lebt es.“ Bald auch in Minden. Spiel als Tagesaufgabe: Lange Reisen auch in den untersten Ligen Wer den Weg des Mindener American-Football-Projekts abschätzen will, der muss nur rund 50 Kilometer nach Süden blicken. Beim TuS Kachtenhausen in Lage formierten sich im Herbst 2016 die White Hawks, die 2018 in den Spielbetrieb der NRW-Liga starteten. Der Liga-Aufbau ist dem in Fußball und Handball durchaus ähnlich, dennoch können die Namen verwirren: Die NRW-Liga ist etwa nur die 7. Liga und eine Art Aufbauklasse. Während in der Fußball-Kreisliga-C eine 20-Kilometer-Fahrt zum Auswärtsspiel schon weit ist, brauchen American-Football-Mannschaften für ihr Hobby viel Zeit. Kachtenhausen muss etwa schon in der untersten Klasse bis ins Rheinland nach Düren oder Neuss reisen, weil es in der Umgebung außer den Bielefeld Bulldogs keine Gegner gibt. „American Football ist eine Tagesaufgabe“, sagt auch Sebastian Schmidt vom Mindener Projekt. Denn mit bis zu drei Stunden in Bus oder Auto ist es nicht getan. Ein Spiel in Deutschland dauert offiziell viermal zwölf Minuten – netto. „Da muss man schon mit drei Stunden rechnen“, so Schmidt. Nicht umsonst sind Spieltage oft auch Familientage, bei denen die Angehörigen dabei sind. Allerdings sind die Ligen deutlich kleiner als in anderen Sportarten. Während die Fußball-Kreisliga A Minden aus 16 Mannschaften besteht und in der Handball-Bezirksliga 14 Teams spielen, pendelt die Klassenstärke in NRW zwischen sechs und acht Vertretern. Drei Fragen an Robin Rasch, Sprecher der Schaumburg Rangers Robin Rasch ist Spieler und Sprecher des American-Football-Teams Schaumburg Rangers. Die Konkurrenz aus Minden sehen die Bückeburger gelassen. Wie finden Sie es, dass sich in Minden eine American-Football-Mannschaft formiert? Für uns ist das kein großes Problem, es freut uns eher. Die Sportart wird momentan sehr gehypt, auch bei uns kommen viele Leute zum Training. Je mehr Teams es gibt, desto mehr Leute haben die Möglichkeit, zu spielen. Also sehen Sie das Mindener Team nicht als Konkurrenz? Der Konkurrenzgedanke ist ziemlich gering. Wir hatten auch immer Spieler aus Minden, aber unser Einzugsgebiet ist ein anderes. Bei Vielen ist ja zwischen Bückeburg und Minden im Kopf eine Grenze. In Minden und Umgebung haben viele Leute Bock auf American Football. Wir sind gespannt, was dort jetzt passiert. Was sind die Herausforderungen für ein neues Team? Zu unseren Probetrainings kommen oft mehr als 50 Leute. Meistens bleiben davon aber nur fünf übrig. Es gibt in jedem Verein eine hohe Durchgangsquote. Denn bis man das Spiel ansatzweise verstanden hat, dauert es drei Jahre.

American Football kommt nach Minden: Mehr als 70 Zusagen fürs Probetraining

Ein Spiel wird zum Spektakel: Wenn im American-Football die Playoff-Runden anstehen, wächst auch in Deutschland die Begeisterung für die nordamerikanische Profiliga NFL. Auch deshalb formieren sich immer mehr neue Mannschaften – bald auch in Minden. Foto: David J. Phillip/dpa © David J. Phillip

Minden (mt). Seit dem Jahreswechsel rollt eine Welle durch die Mindener Sportlandschaft. Am 31. Dezember schaltete eine achtköpfige Gruppe die Facebook-Seite „American Football Minden“ frei. Die Resonanzen haben die Initiatoren überwältigt und ihrem Projekt zusätzlichen Schwung gegeben. „Wir sind in den ersten zwei Wochen überflutet worden“, berichtet Timo Drinkhut als einer der Macher hinter Idee, diese uramerikanische Sportart nach Minden zu bringen.

Der 27-Jährige und seine Mitstreiter liegen damit voll im Trend: Die amerikanische Profiliga NFL begeistert seit Jahren immer mehr Fans in Deutschland. Das Endspiel, besser bekannt als Super Bowl, wird in der Nacht von Sonntag auf Montag mehr als eine Million Zuschauer vor den Fernsehern versammeln. Auch Drinkhut und Co. schauen auf einer Leinwand. Aber sie wollen viel mehr.

Alexander Gonschor, Timo Drinkhut und Sebastian Schmidt (von links) gehören zu den Planern des Mindener Projekts. - © Foto: pr
Alexander Gonschor, Timo Drinkhut und Sebastian Schmidt (von links) gehören zu den Planern des Mindener Projekts. - © Foto: pr

Längst gibt es in den meisten Großstädten eines oder mehrere Teams, der American Football Verband Deutschland (AFVD) ist laut Drinkhut der sechstgrößte Sportverband im Land: „Es ist Wahnsinn, was in Deutschland in diesem Sport abgeht“, sagt er. „In Ostwestfalen-Lippe ist aber beim Blick auf die Landkarte ein Loch“, fügt sein Mitstreiter Sebastian Schmidt hinzu. Hier gibt es nur die Bielefeld Bulldogs in der Regionalliga und seit kurzem die Kachtenhausen White Hawks aus Lage in der Aufbauklasse NRW-Liga.

Um diese Vakanz zu füllen, haben sich die beiden mit sechs Kollegen zusammengetan, die allesamt aus Minden und Umgebung kommen und einst bei den Schaumburg Rangers aktiv waren. Das Team aus Bückeburg in unmittelbarer Nachbarschaft zu Minden besteht schon seit vielen Jahren, wodurch das Bild vom Loch in OWL ein wenig schief wirkt. Für Schmidt ist das aber kein Widerspruch: „Es gibt offenbar wirklich so etwas wie eine imaginäre Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Viele freuen sich, dass es endlich American Football in unserer Region gibt. Es ist, als hätten die Leute darauf gewartet.“

Und auch wenn die Planungen erst im November 2018 begonnen haben, ist das Mindener Projekt gut durchdacht. Die Macher haben Konzepte geschrieben, mit denen sie sich öffentlich präsentieren oder auch um Sponsoren oder weitere Unterstützung werben. Es gibt ein vorläufiges Logo, professionelle Fotos und einen Zeitplan, der die Entwicklung für die nächsten Jahre in vier Phasen einteilt. Und es gibt klar definierte Ziele.

So soll die Mindener American-Football-Mannschaft Teil eines größeren Vereins werden, anstatt als eigener Klub zu agieren. „Wir hatten einfach zu viel Respekt vor der Vereinsbürokratie“, erklärt Schmidt: „Es ist leichter, sich in funktionierende Strukturen einzugliedern.“ Die Gespräche hätten bereits stattgefunden, allerdings wollen die Verantwortlichen noch keinen Namen nennen.

Das gilt auch für den Titel der Mannschaft, in ihrer Sportart ein wichtiges Markenzeichen. Gängig sind Namen aus der Tierwelt oder mit historischen sowie mythologischen Motiven, wie ein Blick in die NRW-Ligen zeigt. Hier tummeln sich Bulls und Ravens, Titans und Vikings oder auch Rebels und Bulldozer. „Es gibt viele Ideen, ein Name und ein Logo sind in Arbeit“, sagt Drinkhut. Auch hier gebe es aber noch keine finale Entscheidung.

Alles ist vorerst ausgerichtet auf die Bildung einer Mannschaft, denn die ist im American Football sehr viel umfangreicher als etwa im Fußball oder Handball. Mindestens 25 Spielerpässe sind notwendig, um ein Team melden zu können. „Optimal sind pro Spieltag aber 44 Leute, um jede Position doppelt zu besetzen“, erklärt Drinkhut. Der erste wichtige Termin für sein Projekt ist daher das Probetraining am 9. Februar, das sogenannte „Tryout“. Die Personalsuche läuft von 10.30 bis 15 Uhr auf dem Sportplatz in Dankersen, nach fünf Tagen gab es schon 70 Zusagen.

Geleitet wird das Ganze von Timo Drinkhut, der als Cheftrainer des Teams fungieren wird. Er sammelte Erfahrungen als Spieler in Hannover und Braunschweig, wo er sogar in der höchsten deutschen Liga GFL spielte. Danach war er Trainer und Sportlicher Leiter in Hannover und zuletzt zwei Jahre bei den Schaumburg Rangers aktiv, wo er die Defensive verantwortete.

Zudem lernte er in Bückeburg die Partner für sein neues Projekt kennen, das jetzt durchstarten will: „Wir haben den Wunsch, etwas eigenes aufzubauen und unsere Vorstellungen zu verwirklichen“, betont Sebastian Schmidt. Wohin das führen soll, ist noch nicht ganz klar. „Jeder Verein will an die Spitze“, sagt Timo Drinkhut zwar. Das erste Ziel ist es aber, die Mannschaft bis 2020 in den Spielbetrieb zu bringen.

Vier bis sechs Monate rechnet der Coach, bis ein Neueinsteiger spielfähig ist. Denn American Football ist ein komplexer Sport, der gerade deshalb viele Möglichkeiten bietet. „Es können sowohl die spielen, die 1,50 Meter groß und 40 Kilo schwer sind als auch die mit 2,10 Metern und 190 Kilo. Es gibt für jeden eine Position“, sagt Drinkhut. Doch nicht nur die körperlichen Voraussetzungen legen die Position fest, wie Schmidt skizziert: „Defensivspieler brauchen die Lust, in Leute reinzulaufen. Offensivspieler brauchen einen Fluchtinstinkt.“ Denn ein American-Football-Team besteht im Prinzip aus zwei Mannschaften: Eine für den Angriff, eine für die Abwehr.

Gleich ist für alle die körperliche Belastung, wie Timo Drinkhut leidvoll erfuhr. Der 27-Jährige hatte in seiner Karriere allerdings auch viel Pech, so dass er irgendwann in den Trainerstab wechselte. „Ich hatte immer ein bisschen zu viel Gewicht und habe auf verletzungsanfälligen Positionen gespielt“, erklärt er. Denn eigentlich, so betonen die Mindener Macher, ist ihre Disziplin nicht gefährlicher als andere Kontaktsportarten. Schmidt etwa musste einst wegen Knieproblemen mit dem Fußball aufhören, blieb in vier Jahren American Football aber beschwerdefrei.

„Die Verletzungswahrscheinlichkeit ist beim Fußball und Handball höher“, betont er. Das Regelwerk ist dafür umso komplizierter. „Ein Freund von mir ist Schiedsrichter, und der weiß auch nicht alles“, erzählt Drinkhut. Die Faszination in Deutschland wächst trotzdem. Schmidt: „American Football ist einfach mehr Event als andere Sportarten, da kommen schon in unteren Ligen viele Zuschauer, es gibt Einlaufzeremonien, ein Stadionsprecher erklärt die Regeln. American Football spielt man nicht nur, man lebt es.“ Bald auch in Minden.

Spiel als Tagesaufgabe: Lange Reisen auch in den untersten Ligen

Wer den Weg des Mindener American-Football-Projekts abschätzen will, der muss nur rund 50 Kilometer nach Süden blicken. Beim TuS Kachtenhausen in Lage formierten sich im Herbst 2016 die White Hawks, die 2018 in den Spielbetrieb der NRW-Liga starteten. Der Liga-Aufbau ist dem in Fußball und Handball durchaus ähnlich, dennoch können die Namen verwirren: Die NRW-Liga ist etwa nur die 7. Liga und eine Art Aufbauklasse. Während in der Fußball-Kreisliga-C eine 20-Kilometer-Fahrt zum Auswärtsspiel schon weit ist, brauchen American-Football-Mannschaften für ihr Hobby viel Zeit. Kachtenhausen muss etwa schon in der untersten Klasse bis ins Rheinland nach Düren oder Neuss reisen, weil es in der Umgebung außer den Bielefeld Bulldogs keine Gegner gibt. „American Football ist eine Tagesaufgabe“, sagt auch Sebastian Schmidt vom Mindener Projekt. Denn mit bis zu drei Stunden in Bus oder Auto ist es nicht getan. Ein Spiel in Deutschland dauert offiziell viermal zwölf Minuten – netto. „Da muss man schon mit drei Stunden rechnen“, so Schmidt. Nicht umsonst sind Spieltage oft auch Familientage, bei denen die Angehörigen dabei sind. Allerdings sind die Ligen deutlich kleiner als in anderen Sportarten. Während die Fußball-Kreisliga A Minden aus 16 Mannschaften besteht und in der Handball-Bezirksliga 14 Teams spielen, pendelt die Klassenstärke in NRW zwischen sechs und acht Vertretern.

Drei Fragen an Robin Rasch, Sprecher der Schaumburg Rangers

Robin Rasch ist Spieler und Sprecher des American-Football-Teams Schaumburg Rangers. Die Konkurrenz aus Minden sehen die Bückeburger gelassen.

Wie finden Sie es, dass sich in Minden eine American-Football-Mannschaft formiert?

Für uns ist das kein großes Problem, es freut uns eher. Die Sportart wird momentan sehr gehypt, auch bei uns kommen viele Leute zum Training. Je mehr Teams es gibt, desto mehr Leute haben die Möglichkeit, zu spielen.

Also sehen Sie das Mindener Team nicht als Konkurrenz?

Der Konkurrenzgedanke ist ziemlich gering. Wir hatten auch immer Spieler aus Minden, aber unser Einzugsgebiet ist ein anderes. Bei Vielen ist ja zwischen Bückeburg und Minden im Kopf eine Grenze. In Minden und Umgebung haben viele Leute Bock auf American Football. Wir sind gespannt, was dort jetzt passiert.

Was sind die Herausforderungen für ein neues Team?

Zu unseren Probetrainings kommen oft mehr als 50 Leute. Meistens bleiben davon aber nur fünf übrig. Es gibt in jedem Verein eine hohe Durchgangsquote. Denn bis man das Spiel ansatzweise verstanden hat, dauert es drei Jahre.

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