Altendorf setzt auf neue Sicherheitstechnik Henning Wandel Minden. Kreissägen bleiben trotz Corona gefragt. „Wir kommen bisher sehr robust durch die Krise“, sagt Peter Schwenk, der seit April an der Spitze der Mindener Altendorf-Gruppe steht. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Formatkreissägen, zu den Kunden zählen vor allem handwerkliche Tischlereien. Die Nachfrage sei gut, sagt Schwenk, das Einstiegsmodell, die F25, für dieses Jahr praktisch ausverkauft. Offenbar renovieren derzeit viele Verbraucher ihre Wohnungen und investieren dabei auch in neue Möbel. Aus diesem Grund gebe es in der Produktion auch keine Kurzarbeit wie zum Beispiel in der Verwaltung oder im Vertrieb. Das sei Teil eines mit dem Betriebsrat vereinbarten Solidarpaktes, sagt der 54-jährige Betriebswirt. Wie sich die Gruppe seit der Übernahme durch den niederländischen Private-Equity-Fonds Avedon Capital Partners entwickelt hat und wie die Zahlen aktuell aussehen, kommentiert Schwenk nicht und verweist auf die Interessen des Fonds und dessen Investoren. Als die Niederländer das Mindener Familienunternehmen 2017 übernahmen, lag der Vorjahresumsatz bei gut 38 Millionen Euro. Wie aus dem öffentlich zugänglichen Jahresabschluss hervorgeht, stand unter dem Strich ein Überschuss von drei Millionen Euro. Laut den letzten veröffentlichten Zahlen kletterten die Erlöse 2018 im Zwei-Jahres-Vergleich um mehr als 40 Prozent auf 54,4 Millionen Euro, statt eines Gewinns steht im Konzernabschluss allerdings ein Minus von 1,9 Millionen Euro. Der Ergebnis-Rückgang ist mit Blick auf die Neustrukturierung der Altendorf GmbH zur Altendorf Group und der Integration der zugekauften Firma Hebrock kaum überraschend. Für das Jahr 2017 liegen keine vergleichbaren Zahlen vor, der Abschluss für 2019 ist noch nicht veröffentlicht. Schwenk bricht eine Lanze für den Investor, der gerade in der Corona-Zeit den Kurs des Unternehmens mitträgt: „Mit der Unterstützung von Avedon geben wir jetzt trotz allem Vollgas“, sagt er, „das macht nicht jeder Private-Equity-Fonds so.“ Auch deshalb ist der Ausblick positiv. Noch wichtiger aber ist eine Neuentwicklung, die Altendorf bis zur Fachmesse Ligna im kommenden Frühjahr zur Serienreife bringen will: der „Hand Guard“, eine Sicherheitseinrichtung, die das Segment der Formatkreissägen revolutionieren soll. „Wir sind sehr zuversichtlich, nach der Messe unseren Marktanteil noch einmal deutlich zu verbessern“, sagt Schwenk. Der „Hand Guard“ überwacht mit zwei Kameras den Bereich rund um das Sägeblatt und kann mit Hilfe einer speziellen Software die Bewegung der Hände erkennen. Sobald sich der Bediener der Säge nähert, wird das Blatt in nur einer Viertelsekunde komplett in die Maschine eingezogen. Damit sollen nicht nur Verletzungen vermieden, sondern auch die Maschine geschützt werden. „In dieser Form gibt es so etwas noch nicht“, sagt Schwenk. Andere Systeme bremsen laut Schwenk das Sägeblatt abrupt ab und sorgen so für Schäden an der Maschine und damit für längere Ausfallzeiten. Altendorf arbeite derzeit daran, den „Hand Guard“ von der Berufsgenossenschaft und dem Institut für Arbeitsschutz bis zum Start der Ligna zertifizieren zu lassen. Schon ab dem kommenden Herbst sollen 50 Testmaschinen an den Start gehen, ab Mai 2021 könnte dann die Serienproduktion folgen. Schwenk hofft, damit auch einen neuen Standard zu setzen, der besonders für Maschinen in der Ausbildung obligatorisch sein könnte. Grundsätzlich will Altendorf an dem selbst gesteckten Ziel eines dynamischen Wachstums festhalten. Welche Zahlen und Steigerungsraten dabei zugrunde gelegt werden, verrät Schwenk nicht. Nur so viel: „Dynamisches Wachstum bedeutet, deutlich auf das bisher erreichte Umsatzniveau aufzusatteln.“ Das geschieht zum einen organisch – also mit mehr eigenem Umsatz –, aber auch durch Zukäufe. Bisher hat die Gruppe das Hüllhorster Familienunternehmen Hebrock mehrheitlich übernommen. Dort werden Maschinen für die Anleimung von Kanten in der Holzverarbeitung gebaut. Weitere Zukäufe seien in der Planung, die Kandidaten müssten aber sowohl technisch zum Portfolio passen als auch wirtschaftlich gesund sein. Insgesamt beschäftigt die Gruppe damit jetzt rund 300 Mitarbeiter, davon 200 am Stammsitz in Minden. Dieser Schwerpunkt soll auch erhalten bleiben: „Hier schlägt das Herz des Unternehmens.“ Das bedeutet unter anderem, dass an der Wettinerallee neben der Verwaltung auch die Abteilung für Forschung und Entwicklung angesiedelt ist und die Top-Baureihen wie die F45 produziert werden. Weitere Produktionsstandorte sind bei Hebrock in Hüllhorst und im chinesischen Qinhuangdao, etwa 250 Kilometer östlich von Peking. Tochtergesellschaften gibt es darüber hinaus in Indien, Australien und den USA. Eine weitere internationale Expansion sei derzeit nicht geplant, so Schwenk. Offen bleiben die Hintergründe für den Wechsel an der Unternehmensspitze. Als Schwenk im April den Posten des CEO – des Leiters der Geschäftsführung – übernahm, war sein Vorgänger Peter Tingvall gerade 15 Monate im Amt. Wenige Wochen später verließ Ende Mai auch der Vertriebschef Jörg F. Mayer das Unternehmen. Mayer hatte gemeinsam mit Tom Altendorf und Wolfgang Ruhnau schon vor der Übernahme durch Avedon die Geschäfte geführt und war gemeinsam mit Ruhnau beim Verkauf 2017 auch als Minderheitsgesellschafter in das Unternehmen eingestiegen. Das Unternehmen kommentiert diese Personalia nicht.

Altendorf setzt auf neue Sicherheitstechnik

Peter Schwenk ist seit April neuer Geschäftsführer der Altendorf-Gruppe. Für das kommende Jahr will das Unternehmen die Sicherheit an Kreissägen revolutionieren. MT-Foto: Henning Wandel © Henning Wandel

Minden. Kreissägen bleiben trotz Corona gefragt. „Wir kommen bisher sehr robust durch die Krise“, sagt Peter Schwenk, der seit April an der Spitze der Mindener Altendorf-Gruppe steht. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Formatkreissägen, zu den Kunden zählen vor allem handwerkliche Tischlereien. Die Nachfrage sei gut, sagt Schwenk, das Einstiegsmodell, die F25, für dieses Jahr praktisch ausverkauft. Offenbar renovieren derzeit viele Verbraucher ihre Wohnungen und investieren dabei auch in neue Möbel. Aus diesem Grund gebe es in der Produktion auch keine Kurzarbeit wie zum Beispiel in der Verwaltung oder im Vertrieb. Das sei Teil eines mit dem Betriebsrat vereinbarten Solidarpaktes, sagt der 54-jährige Betriebswirt.

Wie sich die Gruppe seit der Übernahme durch den niederländischen Private-Equity-Fonds Avedon Capital Partners entwickelt hat und wie die Zahlen aktuell aussehen, kommentiert Schwenk nicht und verweist auf die Interessen des Fonds und dessen Investoren. Als die Niederländer das Mindener Familienunternehmen 2017 übernahmen, lag der Vorjahresumsatz bei gut 38 Millionen Euro. Wie aus dem öffentlich zugänglichen Jahresabschluss hervorgeht, stand unter dem Strich ein Überschuss von drei Millionen Euro. Laut den letzten veröffentlichten Zahlen kletterten die Erlöse 2018 im Zwei-Jahres-Vergleich um mehr als 40 Prozent auf 54,4 Millionen Euro, statt eines Gewinns steht im Konzernabschluss allerdings ein Minus von 1,9 Millionen Euro. Der Ergebnis-Rückgang ist mit Blick auf die Neustrukturierung der Altendorf GmbH zur Altendorf Group und der Integration der zugekauften Firma Hebrock kaum überraschend. Für das Jahr 2017 liegen keine vergleichbaren Zahlen vor, der Abschluss für 2019 ist noch nicht veröffentlicht.

Schwenk bricht eine Lanze für den Investor, der gerade in der Corona-Zeit den Kurs des Unternehmens mitträgt: „Mit der Unterstützung von Avedon geben wir jetzt trotz allem Vollgas“, sagt er, „das macht nicht jeder Private-Equity-Fonds so.“ Auch deshalb ist der Ausblick positiv. Noch wichtiger aber ist eine Neuentwicklung, die Altendorf bis zur Fachmesse Ligna im kommenden Frühjahr zur Serienreife bringen will: der „Hand Guard“, eine Sicherheitseinrichtung, die das Segment der Formatkreissägen revolutionieren soll. „Wir sind sehr zuversichtlich, nach der Messe unseren Marktanteil noch einmal deutlich zu verbessern“, sagt Schwenk.

Der „Hand Guard“ überwacht mit zwei Kameras den Bereich rund um das Sägeblatt und kann mit Hilfe einer speziellen Software die Bewegung der Hände erkennen. Sobald sich der Bediener der Säge nähert, wird das Blatt in nur einer Viertelsekunde komplett in die Maschine eingezogen. Damit sollen nicht nur Verletzungen vermieden, sondern auch die Maschine geschützt werden. „In dieser Form gibt es so etwas noch nicht“, sagt Schwenk. Andere Systeme bremsen laut Schwenk das Sägeblatt abrupt ab und sorgen so für Schäden an der Maschine und damit für längere Ausfallzeiten. Altendorf arbeite derzeit daran, den „Hand Guard“ von der Berufsgenossenschaft und dem Institut für Arbeitsschutz bis zum Start der Ligna zertifizieren zu lassen. Schon ab dem kommenden Herbst sollen 50 Testmaschinen an den Start gehen, ab Mai 2021 könnte dann die Serienproduktion folgen. Schwenk hofft, damit auch einen neuen Standard zu setzen, der besonders für Maschinen in der Ausbildung obligatorisch sein könnte.

Grundsätzlich will Altendorf an dem selbst gesteckten Ziel eines dynamischen Wachstums festhalten. Welche Zahlen und Steigerungsraten dabei zugrunde gelegt werden, verrät Schwenk nicht. Nur so viel: „Dynamisches Wachstum bedeutet, deutlich auf das bisher erreichte Umsatzniveau aufzusatteln.“ Das geschieht zum einen organisch – also mit mehr eigenem Umsatz –, aber auch durch Zukäufe. Bisher hat die Gruppe das Hüllhorster Familienunternehmen Hebrock mehrheitlich übernommen. Dort werden Maschinen für die Anleimung von Kanten in der Holzverarbeitung gebaut. Weitere Zukäufe seien in der Planung, die Kandidaten müssten aber sowohl technisch zum Portfolio passen als auch wirtschaftlich gesund sein. Insgesamt beschäftigt die Gruppe damit jetzt rund 300 Mitarbeiter, davon 200 am Stammsitz in Minden. Dieser Schwerpunkt soll auch erhalten bleiben: „Hier schlägt das Herz des Unternehmens.“

Das bedeutet unter anderem, dass an der Wettinerallee neben der Verwaltung auch die Abteilung für Forschung und Entwicklung angesiedelt ist und die Top-Baureihen wie die F45 produziert werden. Weitere Produktionsstandorte sind bei Hebrock in Hüllhorst und im chinesischen Qinhuangdao, etwa 250 Kilometer östlich von Peking. Tochtergesellschaften gibt es darüber hinaus in Indien, Australien und den USA. Eine weitere internationale Expansion sei derzeit nicht geplant, so Schwenk.

Offen bleiben die Hintergründe für den Wechsel an der Unternehmensspitze. Als Schwenk im April den Posten des CEO – des Leiters der Geschäftsführung – übernahm, war sein Vorgänger Peter Tingvall gerade 15 Monate im Amt. Wenige Wochen später verließ Ende Mai auch der Vertriebschef Jörg F. Mayer das Unternehmen. Mayer hatte gemeinsam mit Tom Altendorf und Wolfgang Ruhnau schon vor der Übernahme durch Avedon die Geschäfte geführt und war gemeinsam mit Ruhnau beim Verkauf 2017 auch als Minderheitsgesellschafter in das Unternehmen eingestiegen. Das Unternehmen kommentiert diese Personalia nicht.

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