"Als hätte mich ein Bus überrollt": Drei Corona-Patienten berichten Vasco Stemmer Klaudia bekam durch ihre Corona-Infektion eine Lungenentzündung, bei Malte war der Verlauf harmlos und Nadine musste noch eine ganze Weile warten, bis ihr Geschmackssinn zurückkehrte. Fast jede Infektion mit dem Corona-Virus verläuft anders. Drei betroffene erzählen, wie sie die Krankheit erlebt haben. Klaudia Rösener, 52 Jahre: Ich habe mich im März bei meinem Chef angesteckt. Er hatte sich wahrscheinlich auf dem Bayrischen Abend in Espelkamp infiziert. Er wurde am Donnerstag positiv getestet und ist zu Hause geblieben. Scheinbar war es aber schon zu spät. Ich bin dann am Freitag zum Test gegangen und habe ein negatives Ergebnis bekommen. Am folgenden Donnerstag hatte ich dann trotzdem erste Symptome – wie bei einer leichten Erkältung. Am Freitagabend habe ich mir dann eine Hühnersuppe gekocht, das soll ja gut sein bei Erkältung, doch sie schmeckte nur wie warmes Wasser. Mein Geschmackssinn war völlig dahin. Am nächsten Tag fühlte ich mich, als hätte mich ein Bus überrollt. Ein neuer Test sollte aufgrund der knappen Kapazitäten nicht gemacht werden, obwohl ich als Diabetikerin zur Risikogruppe gehöre. Für die Statistik war ich daher eine Dunkelziffer. Dass ich wirklich Corona hatte, wurde erst später durch einen Antikörpertest bestätigt. Durch die Erkrankung bekam ich schlecht Luft und musste Mitte März mit offenen Fenstern schlafen. Das Virus hat eine Lungenentzündung ausgelöst. Eine Woche lang ging es mir richtig schlecht, ich konnte kaum aufstehen. Dann wurde es langsam besser. Nach etwa vier bis sechs Wochen war alles wieder normal. Mein Mann, der sich die ganze Zeit um mich gekümmert hat, hat sich nicht angesteckt. Ich soll bald einen Kardiologen aufsuchen, um nach Folgeschäden zu schauen. Die Reaktionen in meinem Umfeld waren unterschiedlich. Allerdings habe ich vielen auch gar nichts gesagt, damit sie sich keine Sorgen machen. Deshalb waren einige Leute überrascht, wenn ich später davon erzählt habe. Noch bevor die Maskenpflicht beim Einkaufen in Kraft getreten ist, habe ich immer eine Maske getragen. Auch im Mai konnten bei mir noch Antikörper festgestellt werden. Die Ärzte im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen haben mir gesagt, dass es unwahrscheinlich ist, das mich die Krankheit wieder so stark erwischt. Trotzdem nehme ich das Ganze nicht auf die leichte Schulter. Malte Wallbaum, 38: Bei mir war es so, dass ich vor etwa fünf Wochen krank geworden bin und einen Test gemacht habe. Ich hatte Kopf- und Gliederschmerzen und auch Schüttelfrost. Der Test ist dann aber negativ ausgefallen. Genau eine Woche später ist meine Freundin mit ähnlichen Symptomen erkrankt. Wir wurden dann beide positiv getestet. Wer es von uns beiden zuerst hatte und ob mein erster Test falsch war, kann ich nicht sagen, ich bin kein Mediziner. Mir ging es zu diesem Zeitpunkt schon wieder super, allerdings war mein Geschmackssinn für ein paar Tage weg. Weitere Symptome hatte ich nicht. Wir waren dann 14 Tage in Quarantäne und ich konnte meinen Job in dieser Zeit von Zuhause aus machen. Das Schlimmste war für mich eigentlich, dass ich nicht mehr die Freiheit hatte, einfach in mein Auto zu steigen und hinzufahren, wo ich will. Sonst ist man es ja gewohnt, dass man einfach mal zum Supermarkt fährt, wenn man zum Beispiel Appetit auf ein bestimmtes Essen hat. Ich weiß aber, dass ich in der Situation auch Glück hatte, denn ich habe ein Haus mit Garten und Feld dahinter und konnte zumindest auch mal an die frische Luft. Aus der Infektion habe ich kein Geheimnis gemacht, aber ich habe das auch nicht jedem aufgebunden. Ich fand es seltsam, dass sich Leute bei mir gemeldet haben, die sich sonst nicht mal zum Geburtstag melden. Es ist auch komisch, dass ich nach dem Ende meiner Quarantäne einfach so wieder rausgehen konnte, ohne einen weiteren Test zu machen. Ich habe mir dann aber noch ein paar Tage Zeit gelassen. Ich weiß, dass es Corona gibt, denn ich hatte es ja. Trotzdem stelle ich mir aber die Frage, ob die Maßnahmen angemessen sind. Manche Dinge sind für mich rational nicht zu verstehen. Ich finde nicht, dass man deswegen die Wirtschaft vor die Wand fahren muss. Es ist schlimm, dass es in dieser Diskussion eigentlich nur noch schwarz und weiß gibt. Nadine Meyer, 43: Infiziert habe ich mich im März auf einer Geburtstagsfeier. Vier Tage später begannen erste Symptome wie Schluckbeschwerden, Kribbeln in der Nase und Kopfschmerzen. Corona war für mich vorher kein Thema. Das war eigentlich nur im Fernsehen und ganz weit weg. Mein Sohn sagte aber, dass ich das bestimmt habe und mich testen lassen solle. Und siehe da: Er hatte recht. Ich habe dann gehofft, dass der Verlauf ein leichter wird. Die Reaktionen der Personen aus meinem Umfeld waren sehr besorgt und sehr hilfsbereit. Ich bin dafür sehr dankbar. Es gab nur eine Arbeitskollegin, die mir einmal sagte, ich solle mich nicht so anstellen. Nach 14 Tagen war ich mit der Sache durch, nur mein verlorener Geschmacks- und Geruchssinn ließ noch ganze acht Wochen auf sich warten. Ich war auch nach der überstandenen Infektion noch kurzatmig und schnell erschöpft. Das ist leider auch noch heute so. Ein MRT der Lunge hat aber ergeben, das diese keinen Schaden davongetragen hat. Ich hoffe, dass auch das bald vorbeigeht und drücke jedem, den es erwischt die Daumen für einen leichten Verlauf.

"Als hätte mich ein Bus überrollt": Drei Corona-Patienten berichten

Wer positiv auf Corona getestet wird, erfährt ganz unterschiedliche Verläufe der Infektion. Viele verlieren den Geschmackssinn, andere entwickeln bekommen schwere Begleiterscheinungen. Foto: MT-Archiv © imago images/Michael Weber

Klaudia bekam durch ihre Corona-Infektion eine Lungenentzündung, bei Malte war der Verlauf harmlos und Nadine musste noch eine ganze Weile warten, bis ihr Geschmackssinn zurückkehrte. Fast jede Infektion mit dem Corona-Virus verläuft anders. Drei betroffene erzählen, wie sie die Krankheit erlebt haben.

Klaudia Rösener. - © Foto: Privat
Klaudia Rösener. - © Foto: Privat

Klaudia Rösener, 52 Jahre:

Ich habe mich im März bei meinem Chef angesteckt. Er hatte sich wahrscheinlich auf dem Bayrischen Abend in Espelkamp infiziert. Er wurde am Donnerstag positiv getestet und ist zu Hause geblieben. Scheinbar war es aber schon zu spät.

Ich bin dann am Freitag zum Test gegangen und habe ein negatives Ergebnis bekommen. Am folgenden Donnerstag hatte ich dann trotzdem erste Symptome – wie bei einer leichten Erkältung. Am Freitagabend habe ich mir dann eine Hühnersuppe gekocht, das soll ja gut sein bei Erkältung, doch sie schmeckte nur wie warmes Wasser. Mein Geschmackssinn war völlig dahin. Am nächsten Tag fühlte ich mich, als hätte mich ein Bus überrollt.

Ein neuer Test sollte aufgrund der knappen Kapazitäten nicht gemacht werden, obwohl ich als Diabetikerin zur Risikogruppe gehöre. Für die Statistik war ich daher eine Dunkelziffer. Dass ich wirklich Corona hatte, wurde erst später durch einen Antikörpertest bestätigt. Durch die Erkrankung bekam ich schlecht Luft und musste Mitte März mit offenen Fenstern schlafen. Das Virus hat eine Lungenentzündung ausgelöst. Eine Woche lang ging es mir richtig schlecht, ich konnte kaum aufstehen. Dann wurde es langsam besser. Nach etwa vier bis sechs Wochen war alles wieder normal. Mein Mann, der sich die ganze Zeit um mich gekümmert hat, hat sich nicht angesteckt. Ich soll bald einen Kardiologen aufsuchen, um nach Folgeschäden zu schauen. Die Reaktionen in meinem Umfeld waren unterschiedlich. Allerdings habe ich vielen auch gar nichts gesagt, damit sie sich keine Sorgen machen. Deshalb waren einige Leute überrascht, wenn ich später davon erzählt habe.

Noch bevor die Maskenpflicht beim Einkaufen in Kraft getreten ist, habe ich immer eine Maske getragen. Auch im Mai konnten bei mir noch Antikörper festgestellt werden. Die Ärzte im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen haben mir gesagt, dass es unwahrscheinlich ist, das mich die Krankheit wieder so stark erwischt. Trotzdem nehme ich das Ganze nicht auf die leichte Schulter.

Malte Wallbaum. - © Foto: Privat
Malte Wallbaum. - © Foto: Privat

Malte Wallbaum, 38:

Bei mir war es so, dass ich vor etwa fünf Wochen krank geworden bin und einen Test gemacht habe. Ich hatte Kopf- und Gliederschmerzen und auch Schüttelfrost. Der Test ist dann aber negativ ausgefallen. Genau eine Woche später ist meine Freundin mit ähnlichen Symptomen erkrankt. Wir wurden dann beide positiv getestet. Wer es von uns beiden zuerst hatte und ob mein erster Test falsch war, kann ich nicht sagen, ich bin kein Mediziner. Mir ging es zu diesem Zeitpunkt schon wieder super, allerdings war mein Geschmackssinn für ein paar Tage weg. Weitere Symptome hatte ich nicht.

Wir waren dann 14 Tage in Quarantäne und ich konnte meinen Job in dieser Zeit von Zuhause aus machen. Das Schlimmste war für mich eigentlich, dass ich nicht mehr die Freiheit hatte, einfach in mein Auto zu steigen und hinzufahren, wo ich will. Sonst ist man es ja gewohnt, dass man einfach mal zum Supermarkt fährt, wenn man zum Beispiel Appetit auf ein bestimmtes Essen hat. Ich weiß aber, dass ich in der Situation auch Glück hatte, denn ich habe ein Haus mit Garten und Feld dahinter und konnte zumindest auch mal an die frische Luft.

Aus der Infektion habe ich kein Geheimnis gemacht, aber ich habe das auch nicht jedem aufgebunden. Ich fand es seltsam, dass sich Leute bei mir gemeldet haben, die sich sonst nicht mal zum Geburtstag melden. Es ist auch komisch, dass ich nach dem Ende meiner Quarantäne einfach so wieder rausgehen konnte, ohne einen weiteren Test zu machen. Ich habe mir dann aber noch ein paar Tage Zeit gelassen.

Ich weiß, dass es Corona gibt, denn ich hatte es ja. Trotzdem stelle ich mir aber die Frage, ob die Maßnahmen angemessen sind. Manche Dinge sind für mich rational nicht zu verstehen. Ich finde nicht, dass man deswegen die Wirtschaft vor die Wand fahren muss. Es ist schlimm, dass es in dieser Diskussion eigentlich nur noch schwarz und weiß gibt.

Nadine Meyer. - © Foto: Privat
Nadine Meyer. - © Foto: Privat

Nadine Meyer, 43:

Infiziert habe ich mich im März auf einer Geburtstagsfeier. Vier Tage später begannen erste Symptome wie Schluckbeschwerden, Kribbeln in der Nase und Kopfschmerzen. Corona war für mich vorher kein Thema. Das war eigentlich nur im Fernsehen und ganz weit weg. Mein Sohn sagte aber, dass ich das bestimmt habe und mich testen lassen solle. Und siehe da: Er hatte recht.

Ich habe dann gehofft, dass der Verlauf ein leichter wird. Die Reaktionen der Personen aus meinem Umfeld waren sehr besorgt und sehr hilfsbereit. Ich bin dafür sehr dankbar. Es gab nur eine Arbeitskollegin, die mir einmal sagte, ich solle mich nicht so anstellen.

Nach 14 Tagen war ich mit der Sache durch, nur mein verlorener Geschmacks- und Geruchssinn ließ noch ganze acht Wochen auf sich warten. Ich war auch nach der überstandenen Infektion noch kurzatmig und schnell erschöpft. Das ist leider auch noch heute so. Ein MRT der Lunge hat aber ergeben, das diese keinen Schaden davongetragen hat. Ich hoffe, dass auch das bald vorbeigeht und drücke jedem, den es erwischt die Daumen für einen leichten Verlauf.

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