Als Spanferkel durch den Saal flitzten: Erinnerungen an das Restaurant Froböse - heute Musikbox Patrick Schwemling Minden. Als Jürgen Froböse auf die Berichterstattung rund um den 40. Geburtstag der Mindener Disco Musikbox aufmerksam wird, kommen bei dem 54-Jährigen – wie wahrscheinlich bei vielen Lesern – etliche Erinnerungen hoch. Doch in dem Fall von Froböse sind diese noch einmal viel spezieller. Die „Box" ist sein Elternhaus, er ist in der Portastraße 69 groß geworden. Und: Er kann sich noch gut daran erinnern, wie das Haus aussah, bevor vor 40 Jahren Mindens Kultdisco dort öffnete. Eine Reise in die Vergangenheit. „1923 hat mein Großvater Oskar das Haus gekauft und sich dort im Laufe der Zeit mit dem Restaurant Froböse selbstständig gemacht", berichtet Jürgen Froböse, der mit seinen beiden älteren Schwestern Elke (68) und Bärbel (64) noch einmal alle historischen Daten genau durchgegangen, sich an alte Zeiten zurückerinnert und private Fotoalben durchsucht hat. Für das MT denkt er an diese Zeit zurück und erzählt von legendären Silvesterfeiern, bei denen auch das ein oder andere Mal ein flüchtendes Spanferkel eingefangen werden musste. „Ich kann mich noch gut an die letzten Jahre erinnern", sagt Froböse, der bereits als kleines Kind durchs Restaurant und die großen Säle krabbelte und – als er etwas älter war – auch im familiären Betrieb mithalf. „Ich habe Sachen gemacht, die dem Alter entsprechend vertretbar waren. Gläser einsammeln und solche Dinge", sagt der heute 54-Jährige, der vielen Menschen als Caterer mit dem Partyservice Frosch in Hille bekannt sein dürfte. „Heute arbeite ich wieder als Koch in der Mensa der Deutschen Bahn im alten BZA-Gebäude", erklärt Froböse, dessen Mitwirken im Kindesalter prägend für die spätere Jobwahl war: „Das stand schon früh fest, das habe ich in die Wiege gelegt bekommen." Denn sowohl die Großeltern, Oskar und Lissy, und seine Eltern Werner und Elfriede, waren als Gastronomen tätig und führten das Restaurant Froböse, das in den ersten Jahren noch Ahrens hieß, über zwei Generationen 53 Jahre lang an der Portastraße. „Mitte der 1950er Jahre hatten wir die größten Säle der Stadt", sagt Jürgen Froböse und berichtet von etlichen Innungsfeiern, Parteitagen, Bataillonstreffen und anderen Großveranstaltungen, die in den Räumlichkeiten stattfanden, in denen heutzutage gefeiert und getanzt wird. „Das wurde es damals aber auch", sagt der Mindener, der sich noch gut an die Auftritte der hauseigenen „Harald Bertus Band" erinnert. Besonders in den Silvesternächten ging es bei Froböses hoch her. „Die Veranstaltung war schon Wochen im Voraus ausverkauft", weiß Jürgen Froböse. Als besonderen Höhepunkt hatten sein Großvater und Vater sich eine Spanferkel-Verlosung einfallen lassen. „Das Tier wurde im Saal vorgeführt", erinnert er sich. Weil die Aufregung so groß war, entwischte ab und zu ein Ferkel, mischte sich unter die Gäste, und musste eingefangen werden: „Der Saal hat gejohlt." Weitere unvergessene Höhepunkte seien Boxveranstaltungen gewesen, bei denen der erfolgreiche Mindener Oswald Marschall zu seiner besten Zeit etliche Menschen zu Froböses lockte. Auch die Tanzschule Döring mietete die Säle für Tanzstunden. „Ich werde heute noch auf auf den Tanztee an der großen Weide und viele andere Veranstaltungen angesprochen", sagt der 54-Jährige: „Vieles, was damals passiert ist, kann man sich heute nicht mehr vorstellen." So erinnert er sich noch gut daran, wie viele Mitarbeiter des damals nur unweit gelegenen Autohändlers Grotefeld gerade zu Monatsbeginn zusammen mit der damals üblichen Lohntüte einkehrten. „Sie haben zunächst ihre 'Deckel' aus dem Vormonat bezahlt und dann die nächsten aufgemacht. Sonst hätte es zuhause natürlich Ärger gegeben", so Froböse. In den 1970er-Jahren starben dann binnen eines Jahres zuerst seine Großmutter Lissy und 1976 seine Mutter Elfriede – Jürgen war zu dem Zeitpunkt zehn Jahre alt. „Mein Vater hat dann mit meinem Großvater überlegt, wie es weitergehen soll und das Restaurant ab 1978 an eine Dortmunder Brauerei verpachtet", erklärt der Koch. Die Brauerei verpachtete das Objekt dann weiter, zunächst an die Betreiber des „Wiesenkaters", dann an Heinz Eichler mit der „Musikbox". Die beiden Wohnungen, die sich im ersten und zweiten Geschoss befanden, bewohnten die Froböses weiter. Sein Großvater Oskar lebte dort bis zum Tod 1993, sein Vater Werner bis 1994. Auch der heute 54-Jährige wuchs dort auf – und hatte so den wohl kürzesten Weg in die „Box". „Das waren schöne Zeiten. Einmal gab es einen Bombenalarm und plötzlich stand das SEK vor unserer Wohnungstür. Das, und noch so viel mehr, bleibt unvergessen." Eine Sache verrät Jürgen Froböse noch: „Die Box hätte es fast nur bis 1997 gegeben." Da lief nämlich der Pachtvertrag der Disco aus, und Froböse überlegte zusammen mit seinen Schwestern das Restaurant wiederzueröffnen. „Aber nur unter der Bedingung, dass wir drei das zusammen machen. Das hat sich nicht ergeben", so der Mindener. Das Haus hat er dann an Box-Betreiber Heinz Eichler verkauft – und der Rest ist Geschichte.

Als Spanferkel durch den Saal flitzten: Erinnerungen an das Restaurant Froböse - heute Musikbox

Bis 1978 hieß die Lokalität an der Portastraße 69 „Restaurant Froböse“, ehe es an eine Dortmunder Brauerei verpachtet wurde. Für kurze Zeit gab es dann zunächst den „Wiesenkater“, bis 1980 die Musikbox unter der Leitung von Heinz Eichler eröffnete. Fotos (2): pr

Minden. Als Jürgen Froböse auf die Berichterstattung rund um den 40. Geburtstag der Mindener Disco Musikbox aufmerksam wird, kommen bei dem 54-Jährigen – wie wahrscheinlich bei vielen Lesern – etliche Erinnerungen hoch. Doch in dem Fall von Froböse sind diese noch einmal viel spezieller. Die „Box" ist sein Elternhaus, er ist in der Portastraße 69 groß geworden. Und: Er kann sich noch gut daran erinnern, wie das Haus aussah, bevor vor 40 Jahren Mindens Kultdisco dort öffnete. Eine Reise in die Vergangenheit.

„1923 hat mein Großvater Oskar das Haus gekauft und sich dort im Laufe der Zeit mit dem Restaurant Froböse selbstständig gemacht", berichtet Jürgen Froböse, der mit seinen beiden älteren Schwestern Elke (68) und Bärbel (64) noch einmal alle historischen Daten genau durchgegangen, sich an alte Zeiten zurückerinnert und private Fotoalben durchsucht hat. Für das MT denkt er an diese Zeit zurück und erzählt von legendären Silvesterfeiern, bei denen auch das ein oder andere Mal ein flüchtendes Spanferkel eingefangen werden musste.

Eine historische Postkarte, die das Restaurant Froböse damals zeigt. Das genaue Datum der Fotografien ist nicht überliefert. - © Foto: pr
Eine historische Postkarte, die das Restaurant Froböse damals zeigt. Das genaue Datum der Fotografien ist nicht überliefert. - © Foto: pr

„Ich kann mich noch gut an die letzten Jahre erinnern", sagt Froböse, der bereits als kleines Kind durchs Restaurant und die großen Säle krabbelte und – als er etwas älter war – auch im familiären Betrieb mithalf. „Ich habe Sachen gemacht, die dem Alter entsprechend vertretbar waren. Gläser einsammeln und solche Dinge", sagt der heute 54-Jährige, der vielen Menschen als Caterer mit dem Partyservice Frosch in Hille bekannt sein dürfte. „Heute arbeite ich wieder als Koch in der Mensa der Deutschen Bahn im alten BZA-Gebäude", erklärt Froböse, dessen Mitwirken im Kindesalter prägend für die spätere Jobwahl war: „Das stand schon früh fest, das habe ich in die Wiege gelegt bekommen."

Die Getränkekarte in den 1950er Jahren. - © Foto: pr
Die Getränkekarte in den 1950er Jahren. - © Foto: pr

Denn sowohl die Großeltern, Oskar und Lissy, und seine Eltern Werner und Elfriede, waren als Gastronomen tätig und führten das Restaurant Froböse, das in den ersten Jahren noch Ahrens hieß, über zwei Generationen 53 Jahre lang an der Portastraße. „Mitte der 1950er Jahre hatten wir die größten Säle der Stadt", sagt Jürgen Froböse und berichtet von etlichen Innungsfeiern, Parteitagen, Bataillonstreffen und anderen Großveranstaltungen, die in den Räumlichkeiten stattfanden, in denen heutzutage gefeiert und getanzt wird.

Auf der Rückseite der Postkarte gab es eine Wegbeschreibung zu dem Restaurant. - © Foto: pr
Auf der Rückseite der Postkarte gab es eine Wegbeschreibung zu dem Restaurant. - © Foto: pr

„Das wurde es damals aber auch", sagt der Mindener, der sich noch gut an die Auftritte der hauseigenen „Harald Bertus Band" erinnert. Besonders in den Silvesternächten ging es bei Froböses hoch her. „Die Veranstaltung war schon Wochen im Voraus ausverkauft", weiß Jürgen Froböse. Als besonderen Höhepunkt hatten sein Großvater und Vater sich eine Spanferkel-Verlosung einfallen lassen. „Das Tier wurde im Saal vorgeführt", erinnert er sich. Weil die Aufregung so groß war, entwischte ab und zu ein Ferkel, mischte sich unter die Gäste, und musste eingefangen werden: „Der Saal hat gejohlt."

Mit dieser Postkarte warb Werner Froböse für das Restaurant. - © Foto: pr
Mit dieser Postkarte warb Werner Froböse für das Restaurant. - © Foto: pr

Weitere unvergessene Höhepunkte seien Boxveranstaltungen gewesen, bei denen der erfolgreiche Mindener Oswald Marschall zu seiner besten Zeit etliche Menschen zu Froböses lockte. Auch die Tanzschule Döring mietete die Säle für Tanzstunden. „Ich werde heute noch auf auf den Tanztee an der großen Weide und viele andere Veranstaltungen angesprochen", sagt der 54-Jährige: „Vieles, was damals passiert ist, kann man sich heute nicht mehr vorstellen."

Oskar und Lissy Froböse kauften das Haus 1923 und eröffneten zwei Jahre später das Restaurant an der Portastraße 69. Zunächst noch unter dem Namen Ahrens, später hieß es "Restauran Froböse". - © Foto: pr
Oskar und Lissy Froböse kauften das Haus 1923 und eröffneten zwei Jahre später das Restaurant an der Portastraße 69. Zunächst noch unter dem Namen Ahrens, später hieß es "Restauran Froböse". - © Foto: pr

So erinnert er sich noch gut daran, wie viele Mitarbeiter des damals nur unweit gelegenen Autohändlers Grotefeld gerade zu Monatsbeginn zusammen mit der damals üblichen Lohntüte einkehrten. „Sie haben zunächst ihre 'Deckel' aus dem Vormonat bezahlt und dann die nächsten aufgemacht. Sonst hätte es zuhause natürlich Ärger gegeben", so Froböse.

Die Speisekarte in den 1950er Jahren. - © Foto: pr
Die Speisekarte in den 1950er Jahren. - © Foto: pr

In den 1970er-Jahren starben dann binnen eines Jahres zuerst seine Großmutter Lissy und 1976 seine Mutter Elfriede – Jürgen war zu dem Zeitpunkt zehn Jahre alt. „Mein Vater hat dann mit meinem Großvater überlegt, wie es weitergehen soll und das Restaurant ab 1978 an eine Dortmunder Brauerei verpachtet", erklärt der Koch. Die Brauerei verpachtete das Objekt dann weiter, zunächst an die Betreiber des „Wiesenkaters", dann an Heinz Eichler mit der „Musikbox".

Jürgen Froböse wuchs in dem Haus an der Portastraße auf und lebte auch zu Zeiten der „Box“ in der Wohnung über der Disco. - © MT-Foto: Schwemling
Jürgen Froböse wuchs in dem Haus an der Portastraße auf und lebte auch zu Zeiten der „Box“ in der Wohnung über der Disco. - © MT-Foto: Schwemling

Die beiden Wohnungen, die sich im ersten und zweiten Geschoss befanden, bewohnten die Froböses weiter. Sein Großvater Oskar lebte dort bis zum Tod 1993, sein Vater Werner bis 1994. Auch der heute 54-Jährige wuchs dort auf – und hatte so den wohl kürzesten Weg in die „Box". „Das waren schöne Zeiten. Einmal gab es einen Bombenalarm und plötzlich stand das SEK vor unserer Wohnungstür. Das, und noch so viel mehr, bleibt unvergessen."

Unverkennbar: Dort, wo sich heute die Tanzfläche im „Main“-Bereich der Musikbox befindet, war damals der Große Saal des Restaurants Froböse.
Unverkennbar: Dort, wo sich heute die Tanzfläche im „Main“-Bereich der Musikbox befindet, war damals der Große Saal des Restaurants Froböse.

Eine Sache verrät Jürgen Froböse noch: „Die Box hätte es fast nur bis 1997 gegeben." Da lief nämlich der Pachtvertrag der Disco aus, und Froböse überlegte zusammen mit seinen Schwestern das Restaurant wiederzueröffnen. „Aber nur unter der Bedingung, dass wir drei das zusammen machen. Das hat sich nicht ergeben", so der Mindener. Das Haus hat er dann an Box-Betreiber Heinz Eichler verkauft – und der Rest ist Geschichte.

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