Allein durch die Nacht: Für Zusteller Sascha Schmitz ist die Arbeit wegen Corona noch einsamer geworden Kerstin Rickert Minden. Nein, zu den Helden des Alltags gehörten für ihn die Menschen, die im Einzelhandel arbeiten oder im Krankenhaus. Sich selbst zähle er eher nicht dazu, sagt MT-Zusteller Sascha Schmitz. Die Zeitungsabonnenten, die er auch in Zeiten von Corona wie gewohnt mit ihrer Morgenlektüre bedient, sehen das offenbar anders. „Ich hatte auch schon Zettel am Briefkasten, wo ein ,Danke' draufstand und dass die Leute Respekt vor meiner Arbeit haben“, erzählt der 35-Jährige. Solche Gesten der Wertschätzung freuen ihn sehr – im Moment vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst. Eigentlich macht Sascha Schmitz jetzt in der Corona-Krise nicht viel anders. Gegen 18 Uhr fährt er zum Werk II am Trippeldamm und tauscht seinen Privatwagen gegen einen orangefarbenen Flitzer aus der Bruns-Logistik-Flotte. Mitten in der Nacht, wenn andere schlafen, steht er auf, um die druckfrische Zeitung mit den neuesten Nachrichten und Geschichten zu den Lesern zu bringen. Um 2 Uhr morgens werden ihm 69 Exemplare für seinen festen Zustellbezirk Porta Westfalica-Hausberge geliefert, dazu Beilagen und Sendungen des im Hause J.C.C. Bruns angesiedelten Postdienstleisters Citipost OWL. Spätestens um halb drei beginnt Schmitz seine Tour. Zwischen 7 und 8 Uhr morgens ist er fertig, je nachdem wie viel zusätzliche Arbeit er hat. Der 35-Jährige ist auch noch als sogenannter Springer in Porta und Minden im Einsatz, übernimmt also dort Touren, die nicht anderweitig besetzt werden können. „Im Moment sind das konstant drei Bezirke“, sagt er. Das sei weniger als in der Zeit vor Corona. Warum das so ist, erklärt Klaudia Rösener von Bruns Logistik: „Wir haben zum Glück bisher keinen erhöhten Krankenstand zu verzeichnen. Insofern gibt es nur wenige Bezirke, die Springern übernehmen müssen.“ Sascha Schmitz ist einer von gut 300 Zustellern, die das Mindener Tageblatt zu den Abonnenten bringen. Nacht für Nacht, sechsmal die Woche, egal bei welchem Wetter. Auch das hat ihn bisher nicht im Stich gelassen. Keine Stürme, kein Starkregen, die seine Arbeit erschwert hätten. Anders ist sie durch Corona dennoch geworden. „Anfangs hatte ich das Gefühl, jeder Tag ist ein Samstag“, sagt der 35-Jährige. Während ihm sonst in den frühen Morgenstunden Menschen auf dem Weg zur Arbeit begegnet seien, herrsche jetzt Leere in den Straßen. Das erlebe er so normalerweise nur samstags. Einen Samstag, so wie er ihn kennt, gibt es für Sascha Schmitz zurzeit aber auch nicht. Abends weggehen, sich mit Freunden treffen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen – das gehe im Moment ja nicht. „Das vermisse ich schon. Die Nacht von Samstag auf Sonntag ist für mich ja die einzige, in der ich nicht arbeite.“ Besuche im Fitnessstudio oder einfach mal an seinem freien Tag im Café zu sitzen, das fehle ihm auch. Ebenso die Kontakte zu Kollegen und zu den Lesern, die ihn sonst früh morgens schon erwarten würden. Die nächtliche Arbeit von Sascha Schmitz ist noch ein bisschen einsamer geworden als ohnehin schon. Doch das hat auch einen Vorteil: Die Kontakt- und Abstandsregeln einzuhalten, fällt ihm in seinem Job nicht allzu schwer. „Ganz am Anfang musste ich schon mal den einen oder anderen Abonnenten bremsen, wenn er auf mich zugestürmt kam. Aber inzwischen hat sich das eingespielt.“ Es sind wenige geworden, aber ab und zu begegnet er doch noch Menschen, die auf ihre Zeitung warten. „Wir führen dann schon mal ein kurzes Gespräch auf Abstand. So ganz verzichten kann man darauf ja nicht.“ Klar habe es auch zwei oder drei gegeben, die sich beschwert hätten, weil die Zeitung mal nicht ganz pünktlich im Briefkasten lag. Aber im Großen und Ganzen spüre er Dankbarkeit. Viele seien froh, weiterhin mit dem MT versorgt zu werden. Gerade jetzt sei das Bedürfnis der Leser nach Informationen, die das eigene Umfeld betreffen, besonders groß. Helden des Alltags - Verkäuferinnen, Pfleger, Postbotinnen, Müllwerker: Sie sorgen in diesen Tagen für Normalität im Ausnahmezustand. Während viele andere im Home Office sitzen und Fremde problemlos meiden können, müssen die Angehörigen dieser und anderer Berufsgruppen ständig draußen sein. - Das Mindener Tageblatt widmet ihnen darum seine aktuelle Serie und stellt einzelne Männer und Frauen vor, die den Alltag am Laufen halten.

Allein durch die Nacht: Für Zusteller Sascha Schmitz ist die Arbeit wegen Corona noch einsamer geworden

Sascha Schmitz ist einer von gut 300 Zustellern, die das MT zu den Abonnenten bringen. Der 35-Jährige ist hauptsächlich für den Bezirk Porta Westfalica-Hausberge zuständig, hilft aber auch in anderen Bereichen aus. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Minden. Nein, zu den Helden des Alltags gehörten für ihn die Menschen, die im Einzelhandel arbeiten oder im Krankenhaus. Sich selbst zähle er eher nicht dazu, sagt MT-Zusteller Sascha Schmitz. Die Zeitungsabonnenten, die er auch in Zeiten von Corona wie gewohnt mit ihrer Morgenlektüre bedient, sehen das offenbar anders. „Ich hatte auch schon Zettel am Briefkasten, wo ein ,Danke' draufstand und dass die Leute Respekt vor meiner Arbeit haben“, erzählt der 35-Jährige. Solche Gesten der Wertschätzung freuen ihn sehr – im Moment vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst.

Eigentlich macht Sascha Schmitz jetzt in der Corona-Krise nicht viel anders. Gegen 18 Uhr fährt er zum Werk II am Trippeldamm und tauscht seinen Privatwagen gegen einen orangefarbenen Flitzer aus der Bruns-Logistik-Flotte. Mitten in der Nacht, wenn andere schlafen, steht er auf, um die druckfrische Zeitung mit den neuesten Nachrichten und Geschichten zu den Lesern zu bringen. Um 2 Uhr morgens werden ihm 69 Exemplare für seinen festen Zustellbezirk Porta Westfalica-Hausberge geliefert, dazu Beilagen und Sendungen des im Hause J.C.C. Bruns angesiedelten Postdienstleisters Citipost OWL. Spätestens um halb drei beginnt Schmitz seine Tour. Zwischen 7 und 8 Uhr morgens ist er fertig, je nachdem wie viel zusätzliche Arbeit er hat.

Der 35-Jährige ist auch noch als sogenannter Springer in Porta und Minden im Einsatz, übernimmt also dort Touren, die nicht anderweitig besetzt werden können. „Im Moment sind das konstant drei Bezirke“, sagt er. Das sei weniger als in der Zeit vor Corona. Warum das so ist, erklärt Klaudia Rösener von Bruns Logistik: „Wir haben zum Glück bisher keinen erhöhten Krankenstand zu verzeichnen. Insofern gibt es nur wenige Bezirke, die Springern übernehmen müssen.“

Sascha Schmitz ist einer von gut 300 Zustellern, die das Mindener Tageblatt zu den Abonnenten bringen. Nacht für Nacht, sechsmal die Woche, egal bei welchem Wetter. Auch das hat ihn bisher nicht im Stich gelassen. Keine Stürme, kein Starkregen, die seine Arbeit erschwert hätten. Anders ist sie durch Corona dennoch geworden. „Anfangs hatte ich das Gefühl, jeder Tag ist ein Samstag“, sagt der 35-Jährige. Während ihm sonst in den frühen Morgenstunden Menschen auf dem Weg zur Arbeit begegnet seien, herrsche jetzt Leere in den Straßen. Das erlebe er so normalerweise nur samstags.

Einen Samstag, so wie er ihn kennt, gibt es für Sascha Schmitz zurzeit aber auch nicht. Abends weggehen, sich mit Freunden treffen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen – das gehe im Moment ja nicht. „Das vermisse ich schon. Die Nacht von Samstag auf Sonntag ist für mich ja die einzige, in der ich nicht arbeite.“ Besuche im Fitnessstudio oder einfach mal an seinem freien Tag im Café zu sitzen, das fehle ihm auch. Ebenso die Kontakte zu Kollegen und zu den Lesern, die ihn sonst früh morgens schon erwarten würden. Die nächtliche Arbeit von Sascha Schmitz ist noch ein bisschen einsamer geworden als ohnehin schon.

Doch das hat auch einen Vorteil: Die Kontakt- und Abstandsregeln einzuhalten, fällt ihm in seinem Job nicht allzu schwer. „Ganz am Anfang musste ich schon mal den einen oder anderen Abonnenten bremsen, wenn er auf mich zugestürmt kam. Aber inzwischen hat sich das eingespielt.“ Es sind wenige geworden, aber ab und zu begegnet er doch noch Menschen, die auf ihre Zeitung warten. „Wir führen dann schon mal ein kurzes Gespräch auf Abstand. So ganz verzichten kann man darauf ja nicht.“ Klar habe es auch zwei oder drei gegeben, die sich beschwert hätten, weil die Zeitung mal nicht ganz pünktlich im Briefkasten lag. Aber im Großen und Ganzen spüre er Dankbarkeit. Viele seien froh, weiterhin mit dem MT versorgt zu werden. Gerade jetzt sei das Bedürfnis der Leser nach Informationen, die das eigene Umfeld betreffen, besonders groß.

Helden des Alltags

- Verkäuferinnen, Pfleger, Postbotinnen, Müllwerker: Sie sorgen in diesen Tagen für Normalität im Ausnahmezustand. Während viele andere im Home Office sitzen und Fremde problemlos meiden können, müssen die Angehörigen dieser und anderer Berufsgruppen ständig draußen sein.

- Das Mindener Tageblatt widmet ihnen darum seine aktuelle Serie und stellt einzelne Männer und Frauen vor, die den Alltag am Laufen halten.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden