Alchemie und Geheimnisse für den perfekten Klang Vater Leonard und Sohn Viktor Müller bauen Streichinstrumente in Minden / Von Jan Henning Rogge Minden (mt). Geige spielen ist nicht ihre Sache, Geige bauen schon. Nur ein paar Töne spielt Viktor Müller auf dem nagelneuen Instrument, dann hängt er sie zu den Anderen. Ein Duft von ätherischen Ölen zieht durch das Ladengeschäft an der Hahler Straße. "Das ist der Lack", sagt Geigenbauer Viktor Müller. "Eine Spezialrezept", ergänzt sein Vater, Geigenbaumeister Leonard Müller. Eine Mischung aus Alchemie und Handwerkskunst zeichnet diesen Beruf aus. Und jeder Geigenbauer hat seine Geheimnisse, die er nicht verrät.Es sind kleine Geheimnisse: "Manchmal sind es nur ein paar Millimeter, die wir am Boden der Instrumente mehr oder weniger abschaben", sagt Müller Senior. Von aussen sichtbar ist das nicht - aber hörbar. Kein Instrument klingt wie das Andere. Viel Arbeit steckt auch in der Lackrezeptur. "Da haben wir lange probiert, bis wir zufrieden waren", sagt Leonard Müller. "Ein reines Naturprodukt."Für die Geheimrezeptur haben sich Vater und Sohn sogar auf die Spuren des legendären Geigenbauers Stradivari begeben. Denn bis heute ist nicht vollständig geklärt, was für den Erfolg des italienischen Meisters verantwortlich ist. "Handwerklich sind die Instrumente auf jeden Fall hervorragend", sagt Viktor Müller. Doch ein Teil des Geheimnisses liegt vermutlich im Lack - für den der alte Meister vermutlich nichteinmal selbst verantwortlich war. "Den haben die Geigenbauer früher beim Alchemisten oder Apotheker fertig gekauft", sagt Vater Müller.Das ist heute anders. Die Rezeptur der Mindener Geigenbauer haben sie selbst entwickelt. Nur in einem speziellen Schrank bei UV-Licht trocknet die geheimnisvolle braune Flüssigkeit. Daneben hängen säuberlich aufgereiht die fertigen Instrumente, vorne die Violinen, hinten die Violas."Wir bauen etwa einen Monat an einem Instrument", sagt der Sohn Müller. Nebenher reparieren sie natürlich auch Instrumente. Ob Geige, Bratsche oder Cello, in der Werkstatt an der Hahler Straße sind immer verschiedene Instrumente im Angebot. "Wer ein Instrument kaufen will, spielt verschiedene zur Probe", erklären die Geigenbauer. Jeder Musiker muss das Instrument finden, dass zu ihm passt.Egal ob Einsteiger oder Profiinstrument,"Geigen wollte ich schon als Kind bauen. Wahrscheinlich war mein Vater Schuld", sagt Leonard Müller. Denn der hatte sein Geige über das Bett des damals Vierjährigen gehängt. "Auf Zehenspitzen konnte ich die Seiten leicht berühren, Dieser Ton hat mich immer fasziniert." Aus Angst um sein Instrument verbot ihm sein Vater jedoch die Geige anzufassen. "Da habe ich mir gedacht, wenn ich groß bin, dann baue ich mir selber eine." Kein leichtes Unterfangen für einen Deutschstämmigen in der Sowjetunion. Es wurde ein langer Weg für Leonard Müller, bis er endlich über den Umweg deiner Ausbildung zum Tischler Geigenbauer werden durfte.Sein Sohn hatte es da leichter: Den praktischen Teil seiner Ausbildung absolvierte er im väterlichen Betrieb, die schulische Ausbildung im sächsischen Klingenthal, neben Mittenwald in Bayern die einzige Schule für Geigenbau in Deutschland.

Alchemie und Geheimnisse für den perfekten Klang

Minden (mt). Geige spielen ist nicht ihre Sache, Geige bauen schon. Nur ein paar Töne spielt Viktor Müller auf dem nagelneuen Instrument, dann hängt er sie zu den Anderen.

Leonard und Viktor Müller (von links) bauen seit 1997 Geigen, Bratschen und Celli in Minden. MT- - © Fotos: Jan Henning Rogge
Leonard und Viktor Müller (von links) bauen seit 1997 Geigen, Bratschen und Celli in Minden. MT- - © Fotos: Jan Henning Rogge

Ein Duft von ätherischen Ölen zieht durch das Ladengeschäft an der Hahler Straße. "Das ist der Lack", sagt Geigenbauer Viktor Müller. "Eine Spezialrezept", ergänzt sein Vater, Geigenbaumeister Leonard Müller. Eine Mischung aus Alchemie und Handwerkskunst zeichnet diesen Beruf aus. Und jeder Geigenbauer hat seine Geheimnisse, die er nicht verrät.

Es sind kleine Geheimnisse: "Manchmal sind es nur ein paar Millimeter, die wir am Boden der Instrumente mehr oder weniger abschaben", sagt Müller Senior. Von aussen sichtbar ist das nicht - aber hörbar. Kein Instrument klingt wie das Andere. Viel Arbeit steckt auch in der Lackrezeptur. "Da haben wir lange probiert, bis wir zufrieden waren", sagt Leonard Müller. "Ein reines Naturprodukt."

Für die Geheimrezeptur haben sich Vater und Sohn sogar auf die Spuren des legendären Geigenbauers Stradivari begeben. Denn bis heute ist nicht vollständig geklärt, was für den Erfolg des italienischen Meisters verantwortlich ist. "Handwerklich sind die Instrumente auf jeden Fall hervorragend", sagt Viktor Müller. Doch ein Teil des Geheimnisses liegt vermutlich im Lack - für den der alte Meister vermutlich nichteinmal selbst verantwortlich war. "Den haben die Geigenbauer früher beim Alchemisten oder Apotheker fertig gekauft", sagt Vater Müller.

Das ist heute anders. Die Rezeptur der Mindener Geigenbauer haben sie selbst entwickelt. Nur in einem speziellen Schrank bei UV-Licht trocknet die geheimnisvolle braune Flüssigkeit. Daneben hängen säuberlich aufgereiht die fertigen Instrumente, vorne die Violinen, hinten die Violas.

Von Geige bis Bratsche: Die Instrumente warten auf ihre künftigen Besitzer. Keines gleicht dem Anderen.
Von Geige bis Bratsche: Die Instrumente warten auf ihre künftigen Besitzer. Keines gleicht dem Anderen.

"Wir bauen etwa einen Monat an einem Instrument", sagt der Sohn Müller. Nebenher reparieren sie natürlich auch Instrumente. Ob Geige, Bratsche oder Cello, in der Werkstatt an der Hahler Straße sind immer verschiedene Instrumente im Angebot. "Wer ein Instrument kaufen will, spielt verschiedene zur Probe", erklären die Geigenbauer. Jeder Musiker muss das Instrument finden, dass zu ihm passt.

Egal ob Einsteiger oder Profiinstrument,

Bratschen- und Geigenhälse in verschiedenen Fertigungsstufen.
Bratschen- und Geigenhälse in verschiedenen Fertigungsstufen.

"Geigen wollte ich schon als Kind bauen. Wahrscheinlich war mein Vater Schuld", sagt Leonard Müller. Denn der hatte sein Geige über das Bett des damals Vierjährigen gehängt. "Auf Zehenspitzen konnte ich die Seiten leicht berühren, Dieser Ton hat mich immer fasziniert." Aus Angst um sein Instrument verbot ihm sein Vater jedoch die Geige anzufassen. "Da habe ich mir gedacht, wenn ich groß bin, dann baue ich mir selber eine." Kein leichtes Unterfangen für einen Deutschstämmigen in der Sowjetunion. Es wurde ein langer Weg für Leonard Müller, bis er endlich über den Umweg deiner Ausbildung zum Tischler Geigenbauer werden durfte.

Der Lack: eine geheime Mischung aus Naturprodukten.
Der Lack: eine geheime Mischung aus Naturprodukten.

Sein Sohn hatte es da leichter: Den praktischen Teil seiner Ausbildung absolvierte er im väterlichen Betrieb, die schulische Ausbildung im sächsischen Klingenthal, neben Mittenwald in Bayern die einzige Schule für Geigenbau in Deutschland.

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