AfD verunglimpft Amal Hamdan: Integrationsrat beschließt Resolution für Vielfalt Jürgen Langenkämper Minden. Mit einer Resolution für Vielfalt in Minden hat sich der Integrationsrat in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl, bei der auch ein neuer Integrationsrat gewählt wurde, nach mehr als sechs Jahren am Donnerstag vergangener Woche verabschiedet. Hintergrund der einstimmig angenommenen Entschließung waren Angriffe auf die amtierende Vorsitzende Amal Hamdan in den Sozialen Medien. Als einer der fünf Ratsvertreter, die im Integrationsrat Sitz und Stimme haben, hatte Jannes Tilicke (SPD) den kurz gehaltenen Entwurf mit Unterstützung der anderen Fraktionen eingebracht. Die Formulierung lautete: „Der Integrationsrat der Stadt Minden stellt fest, dass zur Kommunalwahl am 13. September 2020 Menschen mit unterschiedlichem Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Hautfarbe, Alter und religiöser sowie kultureller Prägung antreten. Minden hat eine vielfältige Stadtgesellschaft, und wir begrüßen ausdrücklich, dass sich diese Vielfalt auch in den kommunalen Gremien widerspiegelt.“ Auf Facebook hatte AfD-Kreissprecher Sebastian Landwehr, Bürgermeisterkandidat der populistischen Partei und inzwischen als deren Spitzenkandidat über die Reserveliste in den Stadtrat gewählt, die gebürtige Libanesin mit deutscher Staatsangehörigkeit attackiert – angeblich nicht wegen ihrer Herkunft, „sondern wegen der fehlenden Trennung von Staat und Religion und ihrer Mitgliedschaft in der Ditib“ (Dachverband türkisch-islamischer Gemeinden), die „direkt aus der Türkei gesteuert“ werde. Damit griff Landwehr die Verunglimpfung seines Vorgängers als Kreissprecher, Burkhard Brauns, auf, der bereits Mitte August Amal Hamdan als „Kopftuchfrau“ und „Ditib-Integrationsverweigerer-Aktivistin“ bezeichnet hatte. Er nannte dies in einem Atemzug mit der SPD und „Volks-Fahrräder Jäcke“ (Bürgermeister Michael Jäcke; Anm. d. Red.), offensichtlich weil die für ihr Engagement um die Integration von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte in die Mindener Stadtgesellschaft bekannte Frau für die SPD für die Kreistagswahl antrat. Dabei ließ Brauns – und in seinem Gefolge auch Landwehr – außer Acht, dass Amal Hamdan weder aus der Türkei stammt noch Mitglied der türkisch-islamischen Gemeinde ist. Auch für den Integrationsrat kandidierte die ausgebildete Krankenschwester, die schon vor der Übernahme des Vorsitzes nach dem Ausscheiden ihres Vorgängers Kameran Ebrahim stets um den Ausgleich der Interessen bemüht war, nicht auf der von Türken aufgestellten Internationalen Liste – auch deren Orientierung und Zusammensetzung entspricht nicht den klischeehaften Vorwürfen der AfD-Protagonisten. Statt dessen trat die 52-Jährige, die seit 34 Jahren in Deutschland lebt, an erster Stelle für die Liste der Vielfalt an, die Vertretern mehrerer Länder und Religionen vereint. „Ich habe mich sehr gefreut, als die SPD mich gefragt hat, ob ich für den Kreistag kandidieren wolle“, sagt die Mutter, die einen behinderten Sohn zu versorgen hat und 2013 den Ehrenamtspreis der Stadt erhielt. Den Kreistagswahlkreis 6, zu dem Teile von Bärenkämpen, Königstor und die Siedlung Rodenbeck gehören, errang sie mit 952 Stimmen – viermal so viele wie der AfD-Bewerber.

AfD verunglimpft Amal Hamdan: Integrationsrat beschließt Resolution für Vielfalt

Vorsitzende des Integrationsrates und in den Kreistag gewählt: Amal Hamdan. Archivfoto: Lehn © LEHN

Minden. Mit einer Resolution für Vielfalt in Minden hat sich der Integrationsrat in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl, bei der auch ein neuer Integrationsrat gewählt wurde, nach mehr als sechs Jahren am Donnerstag vergangener Woche verabschiedet. Hintergrund der einstimmig angenommenen Entschließung waren Angriffe auf die amtierende Vorsitzende Amal Hamdan in den Sozialen Medien.

Als einer der fünf Ratsvertreter, die im Integrationsrat Sitz und Stimme haben, hatte Jannes Tilicke (SPD) den kurz gehaltenen Entwurf mit Unterstützung der anderen Fraktionen eingebracht. Die Formulierung lautete: „Der Integrationsrat der Stadt Minden stellt fest, dass zur Kommunalwahl am 13. September 2020 Menschen mit unterschiedlichem Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Hautfarbe, Alter und religiöser sowie kultureller Prägung antreten. Minden hat eine vielfältige Stadtgesellschaft, und wir begrüßen ausdrücklich, dass sich diese Vielfalt auch in den kommunalen Gremien widerspiegelt.“

Auf Facebook hatte AfD-Kreissprecher Sebastian Landwehr, Bürgermeisterkandidat der populistischen Partei und inzwischen als deren Spitzenkandidat über die Reserveliste in den Stadtrat gewählt, die gebürtige Libanesin mit deutscher Staatsangehörigkeit attackiert – angeblich nicht wegen ihrer Herkunft, „sondern wegen der fehlenden Trennung von Staat und Religion und ihrer Mitgliedschaft in der Ditib“ (Dachverband türkisch-islamischer Gemeinden), die „direkt aus der Türkei gesteuert“ werde.

Damit griff Landwehr die Verunglimpfung seines Vorgängers als Kreissprecher, Burkhard Brauns, auf, der bereits Mitte August Amal Hamdan als „Kopftuchfrau“ und „Ditib-Integrationsverweigerer-Aktivistin“ bezeichnet hatte. Er nannte dies in einem Atemzug mit der SPD und „Volks-Fahrräder Jäcke“ (Bürgermeister Michael Jäcke; Anm. d. Red.), offensichtlich weil die für ihr Engagement um die Integration von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte in die Mindener Stadtgesellschaft bekannte Frau für die SPD für die Kreistagswahl antrat. Dabei ließ Brauns – und in seinem Gefolge auch Landwehr – außer Acht, dass Amal Hamdan weder aus der Türkei stammt noch Mitglied der türkisch-islamischen Gemeinde ist.

Auch für den Integrationsrat kandidierte die ausgebildete Krankenschwester, die schon vor der Übernahme des Vorsitzes nach dem Ausscheiden ihres Vorgängers Kameran Ebrahim stets um den Ausgleich der Interessen bemüht war, nicht auf der von Türken aufgestellten Internationalen Liste – auch deren Orientierung und Zusammensetzung entspricht nicht den klischeehaften Vorwürfen der AfD-Protagonisten. Statt dessen trat die 52-Jährige, die seit 34 Jahren in Deutschland lebt, an erster Stelle für die Liste der Vielfalt an, die Vertretern mehrerer Länder und Religionen vereint.

„Ich habe mich sehr gefreut, als die SPD mich gefragt hat, ob ich für den Kreistag kandidieren wolle“, sagt die Mutter, die einen behinderten Sohn zu versorgen hat und 2013 den Ehrenamtspreis der Stadt erhielt. Den Kreistagswahlkreis 6, zu dem Teile von Bärenkämpen, Königstor und die Siedlung Rodenbeck gehören, errang sie mit 952 Stimmen – viermal so viele wie der AfD-Bewerber.

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