Ärger um Lolli-Tests: Das sagt das Land zu Quarantänen für ganze Lerngruppen Nina Könemann,Sebastian Radermacher Minden. Seit Anfang dieser Woche werden Kinder an Grund- und Förderschulen mit neuen sogenannten Lolli-Tests auf Corona untersucht. Diese Speichelproben, die gesammelt und im Pool nach der PCR-Methode analysiert werden, gelten als zuverlässiger im Vergleich zu den bislang verwendeten Antigen-Schnelltests. Der Start an den Schulen im Mühlenkreis verlief allerdings alles andere als reibungslos, wie eine kleine MT-Umfrage ergeben hat. Und obendrein sorgt nun eine Information des Kreises für maximalen Frust und Ärger bei Schulleitungen, Lehrkräften und Eltern: Denn sobald eine Sammelprobe positiv ist, müssen alle Kinder der betroffenen Lerngruppe für zwei Wochen in Quarantäne, wenn sie zum Beispiel am Tag der Testung länger als 90 Minuten gemeinsam im Klassenraum waren, bestätigt Hans-Joerg Deichholz, Gesundheitsdezernent des Kreises, auf MT-Anfrage. Und das ist ja eigentlich immer der Fall. Die Kinder gelten dann als enge Kontaktpersonen. Dasselbe gilt zunächst auch für Lehrkräfte. Bisher waren vor allem Eltern und zahlreiche Lehrer davon ausgegangen, dass eine negative Nachtestung – das Schulministerium spricht in diesen Fällen von einer „Auflösung des Pools" – zu einem sofortigen Ende der Quarantäne für diejenigen mit negativem Testergebnis führe. Das Schulministerium hatte dies in entsprechenden Erklär-Grafiken auf seiner Homepage mehr als nur angedeutet. Auf Nachfrage antwortete das Land aber unverbindlich. Das MT hat sich auf Spurensuche begeben: Wie konnte plötzlich alles so schief gehen, nachdem es doch eigentlich mit den Antigen-Schnelltests gut lief? Warum doch Quarantäne? Die vom Gesundheitsamt bislang in der Bewertung der Kontaktpersonen im schulischen Umfeld angewendeten Kriterien sind aus Sicht des Kreises auch bei den Pool-Testungen weiter gültig. Deichholz beruft sich dabei auf die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) und nennt ein Beispiel: Wenn die Kinder einer Klasse am Montagmorgen getestet werden, liegt das Ergebnis für diesen Pool in der Regel erst am nächsten Morgen vor. Da die Kinder nach dem Sammeltest aber den Schultag noch gemeinsam (mit der infizierten Person) in der Lerngruppe verbracht haben, werden sie nach einem positiven PCR-Ergebnis als Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft. Dazu zählt zum Beispiel auch, wer mit einer erkrankten Person über den infektiösen Zeitraum verteilt insgesamt mehr als eineinhalb Stunden zusammen war oder mit ihr mehr als zehn Minuten direkten Kontakt ohne Mund-Nasen-Bedeckung in Innenräumen hatte. „Dann bleibt uns leider nichts anderes übrig, als die Klasse rauszunehmen und Quarantäne anzuordnen", so Deichholz. Die Schulen seien mit einer Mail vom 4. Mai darüber informiert worden, „dass weiterhin das Gesundheitsamt über eventuelle Quarantänemaßnahmen für Kontaktpersonen entscheidet", schreibt Kreissprecherin Sabine Ohnesorge. Im Regelfall heißt das: zu Hause bleiben. Es sei denn, ein Kind wurde beim zweiten Mal negativ getestet, war am betroffenen Tag keine 90 Minuten mehr mit den anderen Kindern der Klasse zusammen und auch die übrigen Kriterien für eine enge Kontaktperson sind nicht gegeben. Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Kind kurz nach dem Test aus privaten Gründen abgeholt wurde und den Rest des Tages nicht mehr in der Schule verbracht hat, so Ohnesorge. Freitesten nicht möglich Deichholz versichert, dass der Kreis mit der Situation insgesamt überhaupt nicht glücklich ist und man im Krisenstab auch lange darüber diskutiert habe. Aber: „Am Ende ist für uns entscheidend, was das RKI sagt. Diese Richtlinien sind für die Gesundheitsämter bindend." Deshalb sei es auch nicht möglich, nach einem negativen Zweittest die Quarantäne aufzuheben. „Freitesten geht nicht." Das gelte schließlich auch für alle anderen engen Kontaktpersonen nach positiven PCR-Befunden. Eine Quarantäne werde nach den aktuellen RKI-Richtlinien erst aufgehoben, wenn mit Ablauf der zwei Wochen ein negativer PCR-Test nachgewiesen werde. Die Richtlinien seien vor allem wegen der britischen Corona-Mutation verschärft worden. Sollte sich daran etwas ändern, werde der Kreis sofort handeln, versichert Deichholz. Er bestätigt, dass es eine Diskrepanz zwischen Angaben des Kreises und des Landes gibt, „und sie gefällt uns gar nicht". Für den Kreis gehe es aber auch um die Frage der Haftung, zum Beispiel falls Infektionen mit schweren Verläufen auftreten sollten. Quarantäne-Ausnahmen Enge Kontaktpersonen, in diesem Fall die Lehrkräfte, müssen nicht in häusliche Quarantäne, wenn sie einen vollständigen Corona-Impfschutz haben (14 Tage nach der zweiten Impfung), wenn eine nachweisliche Corona-Infektion innerhalb der vergangenen sechs Monate vorlag oder sie schon einmal infiziert waren und gleichzeitig eine Impfung nachweisen können. Reaktionen der Schulen Auf viele Lehrkräfte dürfte das allerdings noch nicht zutreffen, sagt Britta Gundermann, Leiterin des Grundschulverbunds Holzhausen-Vennebeck. Sie bestätigt im MT-Gespräch, dass die ersten aus dem Kollegium frühestens Mitte Juni den vollen Impfschutz haben werden: „Wir wurden ja erst im März erstgeimpft." Die nun drohenden Pool-Quarantänen habe sie schon in einer Videokonferenz des Landes-Gesundheitsministeriums geahnt, in der den Schulen das Vorgehen mit den Lolli-Tests präsentiert wurde. „Wir hatten hier schon positive Tests und wussten ja, wer Kontaktpersonen sind und wer in Quarantäne geschickt wird." Selbst eine Schülerin der vierten Klasse habe in dieser Woche zu ihr gesagt: „Aber es macht doch gar keinen Sinn, wenn wir erst testen, dann in einem Raum sitzen und später das Ergebnis bekommen." Sarah Darlath, Leiterin der Kuhlenkampschule, hat bereits mit einer Änderung im Stundenplan reagiert. „Bei uns machen jetzt nur noch Klassenlehrer Präsenzunterricht mit ihren Schülern." Alle weiteren Fächer würden per Distanz unterrichtet. So sollen weniger Lehrkräfte von Quarantäne betroffen sein, falls ein Pool positiv ist. „Wir hatten in den vergangenen Wochen fünf positive Schnelltests und kennen das Verfahren", sagt sie. Mit den Lolli-Tests habe die Schule diese Woche ohnehin noch nicht beginnen können – wie zahlreiche weitere Grund- und Förderschulen im Kreis auch. „Wir haben nicht genügend Testmaterial bekommen." Das Land bleibt unkonkret Wie das Land sich die Handhabung der Quarantäne genau vorstellt, wird widersprüchlich kommuniziert. Auf MT-Nachfrage beim NRW-Gesundheitsministerium heißt es: „Ein negatives Testergebnis in der Poolauflösung mittels individuellem PCR-Test wurde auf Schulebene als eine Voraussetzung für eine Wiederteilnahme am Schulunterricht festgelegt. Davon unberührt bleibt die Einstufung als enge Kontaktperson eines bestätigten Falls durch die zuständige Behörde vor Ort." In dem offiziellen Erlass vom 3. Mai, der an die Bürgermeister, Landräte und Gesundheitsbehörden geschickt wurde, steht allerdings auch der Satz: „Sofern es ausnahmsweise nicht gelingen sollte, den positiven Pool schlüssig aufzulösen, das heißt die Person(en) zu identifizieren, die zum positiven Ergebnis geführt hat/haben, so verbleiben alle Schülerinnen und Schüler des Pools in Selbstisolation." Auch eine Erklärgrafik des Schulministeriums auf deren offizieller Homepage stellt eine sogenannte Freitestung direkt am Folgetag zumindest in Aussicht. Dort heißt es: „Die Vorlage des negativen PCR-Kontrolltests ist Voraussetzung für die Wiederteilnahme der Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht." Auf die explizite Frage nach einer Möglichkeit zur Freitestung heißt es dann aber seitens des Gesundheitsministeriums, dies sei bei engen Kontaktpersonen „grundsätzlich nicht möglich". Auf die missverständlichen Formulierungen angesprochen, heißt es weiter: „Das Schulministerium hat bereits in Aussicht gestellt, die oben beschriebenen Regelungen auch in Kürze nochmals differenziert im Bildungsportal darzustellen." Das sagen Elternvertreter „Wir stehen grundsätzlich immer noch hinter den PCR-Tests, da infizierte Kinder schneller identifiziert werden können", sagt Petra Scheffler, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft der Grundschulen in Minden. Aber die Umsetzung der angedachten Quarantänebestimmungen könne man so nicht nachvollziehen. Die Elternvertreter seien bestürzt, dass bei einem positiven Testergebnis meistens der gesamte Pool in Quarantäne müsse und diese dann nicht durch einen negativen PCR-Test vorzeitig beendet werden könne. Das sei eine kaum noch zumutbare Belastung. Und: „Wenn Lehrer und Erzieher in Quarantäne müssen, ist die Beschulung und Betreuung unserer Kinder weiter ausgedünnt. Wir sehen die Gefahr, dass einzelne Klassenzüge oder sogar Schulen dann geschlossen werden müssen." Eltern fühlten sich in dieser Zeit oft allein gelassen und nicht berücksichtig, „denn wie wir die Betreuung unserer Kinder bei gleichzeitiger Berufstätigkeit umsetzen sollen, darüber wird sich zu wenig Gedanken gemacht", sagt Scheffler: „Wir Eltern möchten schnellstmöglich eine Klärung des Sachverhalts." Wie verhalten sich andere Kreise? Wie Hans-Joerg Deichholz mitteilt, habe es in einer Videokonferenz mit dem Ministerium Ende vergangener Woche deutliche Kritik von mehreren Landkreisen und Kommunen gegeben. Er gehe also davon aus, „dass wir nicht die einzigen sind, die so handeln." Bislang habe die Kreisverwaltung noch keine neuen Informationen aus Düsseldorf erhalten, ob an einer anderen Lösung gearbeitet wird. Sind die Kontrolltests jetzt überflüssig? Nein, die separaten Einzeltests der Kinder machen Sinn, weil sie Auswirkungen auf Familienangehörige haben könnten. Sollte der PCR-Kontrolltest nämlich positiv sein, müssten auch die Eltern oder andere direkte Kontaktpersonen des Kindes in Quarantäne geschickt werden, erklärt Deichholz. Eltern, deren Kinder zu Hause isoliert werden müssen, erhalten eine entsprechende Ordnungsverfügung vom Gesundheitsamt, die sie zum Beispiel beim Arbeitgeber vorlegen können. Gab es positive Pool-Tests? Nach Informationen des Kreises hat etwa ein Sechstel der 152 Schulen in OWL, die vom Labor der Mühlenkreiskliniken versorgt werden, an der Pooltestung in dieser Woche teilgenommen. „Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sind keine positiven Pools gemeldet worden", berichtet Kreissprecherin Sabine Ohnesorge. Laut Deichholz hat es in den ersten Tagen an manchen Stellen „geruckelt". In einigen Fällen fehlten zum Beispiel noch Testmaterialien, in anderen hakte es bei der Kommunikation zwischen Schule und Labor. Das sei bei der Einführung aber zu erwarten gewesen. Wäre es insgesamt also nicht besser gewesen, weiterhin die Antigen-Schnelltests zu nutzen? Viele Schulen hätten dies bevorzugt, berichtet Deichholz. Das sei in einer Videokonferenz zuletzt deutlich geworden – und auch der Krisenstab des Kreises sei dieser Auffassung.

Ärger um Lolli-Tests: Das sagt das Land zu Quarantänen für ganze Lerngruppen

Nordrhein-Westfalen führt am Montag sogenannte Lolli-Tests flächendeckend an allen Grund- und Förderschulen ein. Mit dem Test sollen alle mehr als 730 000 Schülerinnen und Schüler der knapp 3800 Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche in ihrer jeweiligen Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden. Foto: Roland Weihrauch/dpa © Roland Weihrauch

Minden. Seit Anfang dieser Woche werden Kinder an Grund- und Förderschulen mit neuen sogenannten Lolli-Tests auf Corona untersucht. Diese Speichelproben, die gesammelt und im Pool nach der PCR-Methode analysiert werden, gelten als zuverlässiger im Vergleich zu den bislang verwendeten Antigen-Schnelltests.

Der Start an den Schulen im Mühlenkreis verlief allerdings alles andere als reibungslos, wie eine kleine MT-Umfrage ergeben hat. Und obendrein sorgt nun eine Information des Kreises für maximalen Frust und Ärger bei Schulleitungen, Lehrkräften und Eltern: Denn sobald eine Sammelprobe positiv ist, müssen alle Kinder der betroffenen Lerngruppe für zwei Wochen in Quarantäne, wenn sie zum Beispiel am Tag der Testung länger als 90 Minuten gemeinsam im Klassenraum waren, bestätigt Hans-Joerg Deichholz, Gesundheitsdezernent des Kreises, auf MT-Anfrage. Und das ist ja eigentlich immer der Fall. Die Kinder gelten dann als enge Kontaktpersonen. Dasselbe gilt zunächst auch für Lehrkräfte.

Bisher waren vor allem Eltern und zahlreiche Lehrer davon ausgegangen, dass eine negative Nachtestung – das Schulministerium spricht in diesen Fällen von einer „Auflösung des Pools" – zu einem sofortigen Ende der Quarantäne für diejenigen mit negativem Testergebnis führe. Das Schulministerium hatte dies in entsprechenden Erklär-Grafiken auf seiner Homepage mehr als nur angedeutet. Auf Nachfrage antwortete das Land aber unverbindlich. Das MT hat sich auf Spurensuche begeben: Wie konnte plötzlich alles so schief gehen, nachdem es doch eigentlich mit den Antigen-Schnelltests gut lief?


Warum doch Quarantäne?

Die vom Gesundheitsamt bislang in der Bewertung der Kontaktpersonen im schulischen Umfeld angewendeten Kriterien sind aus Sicht des Kreises auch bei den Pool-Testungen weiter gültig. Deichholz beruft sich dabei auf die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) und nennt ein Beispiel: Wenn die Kinder einer Klasse am Montagmorgen getestet werden, liegt das Ergebnis für diesen Pool in der Regel erst am nächsten Morgen vor. Da die Kinder nach dem Sammeltest aber den Schultag noch gemeinsam (mit der infizierten Person) in der Lerngruppe verbracht haben, werden sie nach einem positiven PCR-Ergebnis als Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft.

Dazu zählt zum Beispiel auch, wer mit einer erkrankten Person über den infektiösen Zeitraum verteilt insgesamt mehr als eineinhalb Stunden zusammen war oder mit ihr mehr als zehn Minuten direkten Kontakt ohne Mund-Nasen-Bedeckung in Innenräumen hatte. „Dann bleibt uns leider nichts anderes übrig, als die Klasse rauszunehmen und Quarantäne anzuordnen", so Deichholz.

Die Schulen seien mit einer Mail vom 4. Mai darüber informiert worden, „dass weiterhin das Gesundheitsamt über eventuelle Quarantänemaßnahmen für Kontaktpersonen entscheidet", schreibt Kreissprecherin Sabine Ohnesorge. Im Regelfall heißt das: zu Hause bleiben. Es sei denn, ein Kind wurde beim zweiten Mal negativ getestet, war am betroffenen Tag keine 90 Minuten mehr mit den anderen Kindern der Klasse zusammen und auch die übrigen Kriterien für eine enge Kontaktperson sind nicht gegeben. Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Kind kurz nach dem Test aus privaten Gründen abgeholt wurde und den Rest des Tages nicht mehr in der Schule verbracht hat, so Ohnesorge.

Foto: dpa - © Roland Weihrauch
Foto: dpa - © Roland Weihrauch

Freitesten nicht möglich

Deichholz versichert, dass der Kreis mit der Situation insgesamt überhaupt nicht glücklich ist und man im Krisenstab auch lange darüber diskutiert habe. Aber: „Am Ende ist für uns entscheidend, was das RKI sagt. Diese Richtlinien sind für die Gesundheitsämter bindend." Deshalb sei es auch nicht möglich, nach einem negativen Zweittest die Quarantäne aufzuheben. „Freitesten geht nicht." Das gelte schließlich auch für alle anderen engen Kontaktpersonen nach positiven PCR-Befunden.

Eine Quarantäne werde nach den aktuellen RKI-Richtlinien erst aufgehoben, wenn mit Ablauf der zwei Wochen ein negativer PCR-Test nachgewiesen werde. Die Richtlinien seien vor allem wegen der britischen Corona-Mutation verschärft worden. Sollte sich daran etwas ändern, werde der Kreis sofort handeln, versichert Deichholz. Er bestätigt, dass es eine Diskrepanz zwischen Angaben des Kreises und des Landes gibt, „und sie gefällt uns gar nicht". Für den Kreis gehe es aber auch um die Frage der Haftung, zum Beispiel falls Infektionen mit schweren Verläufen auftreten sollten.

Quarantäne-Ausnahmen

Enge Kontaktpersonen, in diesem Fall die Lehrkräfte, müssen nicht in häusliche Quarantäne, wenn sie einen vollständigen Corona-Impfschutz haben (14 Tage nach der zweiten Impfung), wenn eine nachweisliche Corona-Infektion innerhalb der vergangenen sechs Monate vorlag oder sie schon einmal infiziert waren und gleichzeitig eine Impfung nachweisen können.

Reaktionen der Schulen

Auf viele Lehrkräfte dürfte das allerdings noch nicht zutreffen, sagt Britta Gundermann, Leiterin des Grundschulverbunds Holzhausen-Vennebeck. Sie bestätigt im MT-Gespräch, dass die ersten aus dem Kollegium frühestens Mitte Juni den vollen Impfschutz haben werden: „Wir wurden ja erst im März erstgeimpft."

Die nun drohenden Pool-Quarantänen habe sie schon in einer Videokonferenz des Landes-Gesundheitsministeriums geahnt, in der den Schulen das Vorgehen mit den Lolli-Tests präsentiert wurde. „Wir hatten hier schon positive Tests und wussten ja, wer Kontaktpersonen sind und wer in Quarantäne geschickt wird." Selbst eine Schülerin der vierten Klasse habe in dieser Woche zu ihr gesagt: „Aber es macht doch gar keinen Sinn, wenn wir erst testen, dann in einem Raum sitzen und später das Ergebnis bekommen."

Sarah Darlath, Leiterin der Kuhlenkampschule, hat bereits mit einer Änderung im Stundenplan reagiert. „Bei uns machen jetzt nur noch Klassenlehrer Präsenzunterricht mit ihren Schülern." Alle weiteren Fächer würden per Distanz unterrichtet. So sollen weniger Lehrkräfte von Quarantäne betroffen sein, falls ein Pool positiv ist. „Wir hatten in den vergangenen Wochen fünf positive Schnelltests und kennen das Verfahren", sagt sie. Mit den Lolli-Tests habe die Schule diese Woche ohnehin noch nicht beginnen können – wie zahlreiche weitere Grund- und Förderschulen im Kreis auch. „Wir haben nicht genügend Testmaterial bekommen."

Foto: dpa - © Roland Weihrauch
Foto: dpa - © Roland Weihrauch

Das Land bleibt unkonkret

Wie das Land sich die Handhabung der Quarantäne genau vorstellt, wird widersprüchlich kommuniziert. Auf MT-Nachfrage beim NRW-Gesundheitsministerium heißt es: „Ein negatives Testergebnis in der Poolauflösung mittels individuellem PCR-Test wurde auf Schulebene als eine Voraussetzung für eine Wiederteilnahme am Schulunterricht festgelegt. Davon unberührt bleibt die Einstufung als enge Kontaktperson eines bestätigten Falls durch die zuständige Behörde vor Ort."

In dem offiziellen Erlass vom 3. Mai, der an die Bürgermeister, Landräte und Gesundheitsbehörden geschickt wurde, steht allerdings auch der Satz: „Sofern es ausnahmsweise nicht gelingen sollte, den positiven Pool schlüssig aufzulösen, das heißt die Person(en) zu identifizieren, die zum positiven Ergebnis geführt hat/haben, so verbleiben alle Schülerinnen und Schüler des Pools in Selbstisolation." Auch eine Erklärgrafik des Schulministeriums auf deren offizieller Homepage stellt eine sogenannte Freitestung direkt am Folgetag zumindest in Aussicht. Dort heißt es: „Die Vorlage des negativen PCR-Kontrolltests ist Voraussetzung für die Wiederteilnahme der Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht."

Auf die explizite Frage nach einer Möglichkeit zur Freitestung heißt es dann aber seitens des Gesundheitsministeriums, dies sei bei engen Kontaktpersonen „grundsätzlich nicht möglich". Auf die missverständlichen Formulierungen angesprochen, heißt es weiter: „Das Schulministerium hat bereits in Aussicht gestellt, die oben beschriebenen Regelungen auch in Kürze nochmals differenziert im Bildungsportal darzustellen."

Das sagen Elternvertreter

„Wir stehen grundsätzlich immer noch hinter den PCR-Tests, da infizierte Kinder schneller identifiziert werden können", sagt Petra Scheffler, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft der Grundschulen in Minden. Aber die Umsetzung der angedachten Quarantänebestimmungen könne man so nicht nachvollziehen.

Die Elternvertreter seien bestürzt, dass bei einem positiven Testergebnis meistens der gesamte Pool in Quarantäne müsse und diese dann nicht durch einen negativen PCR-Test vorzeitig beendet werden könne. Das sei eine kaum noch zumutbare Belastung. Und: „Wenn Lehrer und Erzieher in Quarantäne müssen, ist die Beschulung und Betreuung unserer Kinder weiter ausgedünnt. Wir sehen die Gefahr, dass einzelne Klassenzüge oder sogar Schulen dann geschlossen werden müssen." Eltern fühlten sich in dieser Zeit oft allein gelassen und nicht berücksichtig, „denn wie wir die Betreuung unserer Kinder bei gleichzeitiger Berufstätigkeit umsetzen sollen, darüber wird sich zu wenig Gedanken gemacht", sagt Scheffler: „Wir Eltern möchten schnellstmöglich eine Klärung des Sachverhalts."

Wie verhalten sich andere Kreise?

Wie Hans-Joerg Deichholz mitteilt, habe es in einer Videokonferenz mit dem Ministerium Ende vergangener Woche deutliche Kritik von mehreren Landkreisen und Kommunen gegeben. Er gehe also davon aus, „dass wir nicht die einzigen sind, die so handeln." Bislang habe die Kreisverwaltung noch keine neuen Informationen aus Düsseldorf erhalten, ob an einer anderen Lösung gearbeitet wird.

Sind die Kontrolltests jetzt überflüssig?

Nein, die separaten Einzeltests der Kinder machen Sinn, weil sie Auswirkungen auf Familienangehörige haben könnten. Sollte der PCR-Kontrolltest nämlich positiv sein, müssten auch die Eltern oder andere direkte Kontaktpersonen des Kindes in Quarantäne geschickt werden, erklärt Deichholz. Eltern, deren Kinder zu Hause isoliert werden müssen, erhalten eine entsprechende Ordnungsverfügung vom Gesundheitsamt, die sie zum Beispiel beim Arbeitgeber vorlegen können.

Gab es positive Pool-Tests?

Nach Informationen des Kreises hat etwa ein Sechstel der 152 Schulen in OWL, die vom Labor der Mühlenkreiskliniken versorgt werden, an der Pooltestung in dieser Woche teilgenommen. „Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sind keine positiven Pools gemeldet worden", berichtet Kreissprecherin Sabine Ohnesorge. Laut Deichholz hat es in den ersten Tagen an manchen Stellen „geruckelt". In einigen Fällen fehlten zum Beispiel noch Testmaterialien, in anderen hakte es bei der Kommunikation zwischen Schule und Labor. Das sei bei der Einführung aber zu erwarten gewesen.

Wäre es insgesamt also nicht besser gewesen, weiterhin die Antigen-Schnelltests zu nutzen? Viele Schulen hätten dies bevorzugt, berichtet Deichholz. Das sei in einer Videokonferenz zuletzt deutlich geworden – und auch der Krisenstab des Kreises sei dieser Auffassung.

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