Ärger bei Joggern, Spaziergängern und Co: Pfützenslalom durchs Glacis Vasco Stemmer Minden. Große und tiefe Pfützen verwandeln Spaziergänge und Joggingrunden im Glacis häufig in Slalomläufe. An manchen Stellen stehen die Wege fast über die gesamte Breite unter Wasser. Das sorgt für nasse Füße und Ärger bei so manchem Fußgänger und Radfahrer. Eine Leserin wandte sich deshalb an das Mindener Tageblatt und äußerte Kritik. Doch ist das überhaupt ein ungewöhnliches Phänomen? Besteht sogar Handlungsbedarf? Wir haben bei der Stadt nachgefragt und außerdem die Wege im großen Torfmoor und im Wiehengebirge unter die Lupe genommen. Denn auch dort kommt es zu Beschwerden von Spaziergängern. Weserglacis Der Stadt Minden ist bekannt, dass es an einigen Stellen im Glacis nach Regenfällen zu Pfützenbildung kommt, berichtet Sprecherin Susann Lewerenz auf MT-Anfrage. Besonders bei starken Niederschlägen, wie sie in den vergangenen Wochen häufig vorkamen, sammele sich viel Wasser an. Dann könne es auch mal matschig werden. Die Verdichtung der Wege spielt dabei eine Rolle, erklärt Lewerenz. Diese sei unterschiedlich stark und von der Nutzung abhängig. An manchen Stellen kann das Wasser deshalb nicht so schnell abfließen oder versickern. Ist das Gefälle an den verdichteten Stellen nicht mehr korrekt, sammelt sich zusätzlich Wasser. Beschwerden über den Zustand der Wege gebe es aber eher selten. Die meisten Nutzer wüssten, wie das Glacis nach Regenfällen normalerweise aussieht. „So viel Regen wie jetzt hatten wir schon lange nicht mehr, deshalb ist es vielleicht ein ungewohntes Bild“, sagt Lewerenz. Zwar habe es kürzlich die Anregung eines Bürgers gegeben, die Wege zu pflastern, dies sei aber aus Umwelt- und Naturschutzgründen kein Thema. Zudem widerspräche das den Planungen im Pflege- und Entwicklungskonzept für das Glacis, das der Mindener Rat im September verabschiedet hat. Darin ist eine schrittweise Sanierung vorgesehen, die auch das Wegesystem mit einschließt. Um die Wege kümmern sich die Städtischen Betriebe Minden (SBM). Sie achten auf die Verkehrssicherheit und sollen bei größeren Löchern zeitnah handeln. Reparaturen an Extremstellen würden regelmäßig im Frühjahr durchgeführt. „Eine grundlegende Überholung erfolgt, wenn der jeweilige Abschnitt im Konzept dran ist“, erläutert die Stadtsprecherin. Insgesamt schätzt sie den Zustand der Wege als ordentlich ein. Zumindest bei trockenem Wetter. Der Zustand der Wege stehe in Abhängigkeit zur Nutzung: „Wo viele Fahrräder fahren, leidet die wassergebundene Wegedecke sehr stark.“ Im Entwicklungskonzept seien getrennte Wege für Fußgänger und Radfahrer geplant. Lewerenz vermutet, dass durch die Corona-Pandemie mehr Menschen im Glacis unterwegs sind. Besonders Jogger und Spaziergänger seien bei sonnigem Wetter stark vertreten. Beweise gib es für diese These aber nicht. „Wir zählen keine Nutzer.“ Eine größere Auslastung habe immer einer Auswirkung auf den Zustand der Wege. Fußgänger und Jogger würden dabei aber weniger stark ins Gewicht fallen als Radfahrer. Wiehengebirge „Die Qualität der Wanderwege im Wiehengebirge ist stark unterschiedlich. Das kommt daher, dass sich der überwiegende Teil des dortigen Waldes in Privatbesitz befindet“, erklärt der Pressesprecher des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe, Andreas Roefs. Die Waldbesitzer hätten diese Wege überwiegend auf eigene Kosten hergestellt, um Waldareale für die Bewirtschaftung zu erschließen. Die Nutzung als Wanderwege ist also nur ein positiver Nebeneffekt. Während der Holzernte kann das Befahren mit Schleppern und Transport-Lkw die Wege in Mitleidenschaft ziehen. „Gerade, weil in den Wintermonaten die strengen Frostperioden seit Jahren ausbleiben, und die Wege eher vernässen, kommt es dann zu Schäden“, berichtet Roefs. Solche Schäden würden in der Regel erst nach ein paar Jahren behoben – und das sei sehr aufwendig und teuer. Deshalb kommt es auch zu Beschwerden. In Extremfällen versuche das Regionalforstamt, in Absprache mit den Waldbesitzern zeitnah zu handeln. Roefs gibt aber zu bedenken, dass ein Waldweg kein Spazierweg im Park ist. Das sei einigen Waldbesuchern nicht klar. „Draußen im Wald gelten andere Verhältnisse.“ Wanderer wüssten zwar in der Regel um die rustikaleren Verhältnisse auf den Waldwegen. Reine Spaziergänger seien aber häufig etwas anderes gewohnt. Die Wege würden aber trotzdem regelmäßig gepflegt, um sie für die Erschließungsmaßnahmen zu erhalten. Die zuletzt starken Niederschläge wirken sich auch im Wald auf den Zustand der Wege aus und weichen den Boden auf. Sogar unterhalb des mit Steinmaterial ausgekofferten Wegeplanums verändere sich dadurch die Tragfestigkeit, und damit der Oberflächenzustand. „Die momentane Corona-Situation bewirkt offensichtlich eine höhere Besucherfrequenz“, erklärt Roefs. Das sei auch grundsätzlich kein Problem und wirke sich nicht negativ auf den Wald aus. Kritisch sieht er aber das nach wie vor hohe Aufkommen an Mountainbikern, die den Wald auch abseits der Wege befahren. „Hier haben sich im Laufe der Zeit regelrechte Abfahrtsrouten entwickelt, die auch erhebliche Auswirkungen auf den Wald haben.“ Das Befahren des Waldes abseits der Wege sei nach dem Landesforstgesetz NRW aber eindeutig verboten. Das Regionalforstamt und die Waldbesitzer seien deshalb bemüht, die Mountainbiker über die Folgen zu informieren und das Verhalten außerdem zu sanktionieren. „Und man darf auch nicht vergessen, dass sich die Waldflächen im Eigentum der Waldbesitzer befinden. Da sollte eigentlich die Einhaltung von Regeln selbstverständlich sein“, findet Roefs. Auf befestigten Wegen, die auch mit den Mountainbikes befahren werden dürfen, wirke sich der erhöhte Besucherdruck kaum spürbar aus. Abseits der Wege zeige sich aber ein anderes Bild: „Inzwischen wurden regelrechte illegale Parcours mit Sprungschanzen, Steilkurven und Übersprüngen gebaut.“ Selbst vor der Fällung von Bäumen und Erdarbeiten mit Maschinen würden manche Biker nicht zurückschrecken. An solchen Stellen verändern sich im Laufe der Zeit die Waldeigenschaften. Durch die abgefahrene Laubstreu und Humusschicht würde der Mineralboden freigelegt und durch die Befahrung entstehe eine erheblich Bodenverdichtung, erklärt der Experte. Das führe wiederum dazu, dass keine Bodenvegetation nachwachse und keine Naturverjüngung mehr möglich sei. „Solche Waldbereiche sehen am Boden tatsächlich nackt und auffällig verändert aus“, sagt Roefs. Großes Torfmoor „Die Wanderwege im Großen Torfmoor befinden sich unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich um ein wiedervernässtes Moor handelt, in einem guten Zustand“, sagt Dirk Esplör. Der Landschaftsarchitekt ist der Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station Minden-Lübbecke. In den vergangenen Jahren hat das Land NRW erhebliche Mittel eingesetzt, um Wegabschnitte mit wassergebundenen Decken oder Bohlenwegen zu erneuern oder zu reparieren. Die Baumaßnahmen wurden von der Biologischen Station geplant um umgesetzt. Dennoch haben aus Esplörs Sicht die Naturschutzbelange eindeutig Vorrang vor den Interessen Erholungssuchender. Das Moor sei schließlich ein Schutzgebiet von europäischer Bedeutung. Ein wichtiges Entwicklungsziel sei eine möglichst weitgehende Wasserrückhaltung, um die Hoch- und Niedermoorlebensräume zu erhalten oder wiederherzustellen. Deshalb könne es in winterlichen Regenphasen passieren, dass die Wanderwege überspült werden oder sich Wasser auf ihnen staut. „Dies muss von Besuchern toleriert werden“, sagt Esplör. Von an der Natur interessierten Besuchern erwarte er, dass sie das Gebiet mit festem Schuhwerk betreten. Auch Sportler müssten sich den moortypischen und jahreszeitlichen Gegebenheiten anpassen, findet der Landschaftsarchitekt. Zu Beschwerden käme es trotzdem von Zeit zu Zeit. Wegebaumaßnahmen können im empfindlichen Moor negative Auswirkungen haben. Besonders durch Schotter würden Nährstoffe und Kalk in das Moor eingebracht. Das zieht untypische Pflanzenarten an und kann zur Verdrängung der eigentlich dort ansässigen Pflanzenwelt führen. Und die sei ohnehin schon bedroht. Als Beispiel nennt Esplör den Stellerieger Damm, der das Zentrum des Moors durchschneidet. In der Nähe dieses Weges hätten sich bereits etliche untypische Pflanzenarten breitgemacht. Esplör freut sich über die zuletzt hohen Niederschlagsmengen, da diese dazu beitragen, das in den vergangenen Jahren entstandene Wasserdefizit auszugleichen. Matschige und überspülte Wege seien in dieser Jahreszeit völlig normal. Die Anzahl der Besucher habe sich seit Beginn der Corona-Pandemie vervielfacht. „Die verstärkte Frequentierung belastet die Wege in Nässephasen zusätzlich.“ Der größte Teil der Besucher halte sich an die verpflichtende Nutzung der Wege. Leider sei aber auch der Anteil an Besuchern, denen es an der nötigen Einsicht für die Naturschutzbelange mangelt, ebenfalls deutlich gestiegen. „Besonders unangenehm fallen dabei Hundebesitzer auf, deren Hunde frei über das Moor laufen und Wildtiere hetzen“, berichtet Esplör. Aber auch Reiter, die mit ihren Pferden über die Bohlenwege reiten oder Fotografen, die auf der Suche nach Fotomotiven fernab der ausgewiesenen Wege unterwegs sind, treffe er häufig an.

Ärger bei Joggern, Spaziergängern und Co: Pfützenslalom durchs Glacis

Das sich im Glacis an Regentagen Pfützen bilden, ist nicht ungewöhnlich. Da es aber in den letzten Wochen so stark regnete wie lange nicht mehr, sind sie zur Zeit größer als gewohnt. MT-Foto: Patrick Schwemling © Patrick Schwemling

Minden. Große und tiefe Pfützen verwandeln Spaziergänge und Joggingrunden im Glacis häufig in Slalomläufe. An manchen Stellen stehen die Wege fast über die gesamte Breite unter Wasser. Das sorgt für nasse Füße und Ärger bei so manchem Fußgänger und Radfahrer. Eine Leserin wandte sich deshalb an das Mindener Tageblatt und äußerte Kritik. Doch ist das überhaupt ein ungewöhnliches Phänomen? Besteht sogar Handlungsbedarf? Wir haben bei der Stadt nachgefragt und außerdem die Wege im großen Torfmoor und im Wiehengebirge unter die Lupe genommen. Denn auch dort kommt es zu Beschwerden von Spaziergängern.

Weserglacis

Der Stadt Minden ist bekannt, dass es an einigen Stellen im Glacis nach Regenfällen zu Pfützenbildung kommt, berichtet Sprecherin Susann Lewerenz auf MT-Anfrage. Besonders bei starken Niederschlägen, wie sie in den vergangenen Wochen häufig vorkamen, sammele sich viel Wasser an. Dann könne es auch mal matschig werden.

Die Verdichtung der Wege spielt dabei eine Rolle, erklärt Lewerenz. Diese sei unterschiedlich stark und von der Nutzung abhängig. An manchen Stellen kann das Wasser deshalb nicht so schnell abfließen oder versickern. Ist das Gefälle an den verdichteten Stellen nicht mehr korrekt, sammelt sich zusätzlich Wasser. Beschwerden über den Zustand der Wege gebe es aber eher selten. Die meisten Nutzer wüssten, wie das Glacis nach Regenfällen normalerweise aussieht. „So viel Regen wie jetzt hatten wir schon lange nicht mehr, deshalb ist es vielleicht ein ungewohntes Bild“, sagt Lewerenz.

Zwar habe es kürzlich die Anregung eines Bürgers gegeben, die Wege zu pflastern, dies sei aber aus Umwelt- und Naturschutzgründen kein Thema. Zudem widerspräche das den Planungen im Pflege- und Entwicklungskonzept für das Glacis, das der Mindener Rat im September verabschiedet hat. Darin ist eine schrittweise Sanierung vorgesehen, die auch das Wegesystem mit einschließt.

Um die Wege kümmern sich die Städtischen Betriebe Minden (SBM). Sie achten auf die Verkehrssicherheit und sollen bei größeren Löchern zeitnah handeln. Reparaturen an Extremstellen würden regelmäßig im Frühjahr durchgeführt. „Eine grundlegende Überholung erfolgt, wenn der jeweilige Abschnitt im Konzept dran ist“, erläutert die Stadtsprecherin. Insgesamt schätzt sie den Zustand der Wege als ordentlich ein. Zumindest bei trockenem Wetter. Der Zustand der Wege stehe in Abhängigkeit zur Nutzung: „Wo viele Fahrräder fahren, leidet die wassergebundene Wegedecke sehr stark.“ Im Entwicklungskonzept seien getrennte Wege für Fußgänger und Radfahrer geplant.

Lewerenz vermutet, dass durch die Corona-Pandemie mehr Menschen im Glacis unterwegs sind. Besonders Jogger und Spaziergänger seien bei sonnigem Wetter stark vertreten. Beweise gib es für diese These aber nicht. „Wir zählen keine Nutzer.“ Eine größere Auslastung habe immer einer Auswirkung auf den Zustand der Wege. Fußgänger und Jogger würden dabei aber weniger stark ins Gewicht fallen als Radfahrer.

Wiehengebirge

„Die Qualität der Wanderwege im Wiehengebirge ist stark unterschiedlich. Das kommt daher, dass sich der überwiegende Teil des dortigen Waldes in Privatbesitz befindet“, erklärt der Pressesprecher des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe, Andreas Roefs. Die Waldbesitzer hätten diese Wege überwiegend auf eigene Kosten hergestellt, um Waldareale für die Bewirtschaftung zu erschließen. Die Nutzung als Wanderwege ist also nur ein positiver Nebeneffekt.

Während der Holzernte kann das Befahren mit Schleppern und Transport-Lkw die Wege in Mitleidenschaft ziehen. „Gerade, weil in den Wintermonaten die strengen Frostperioden seit Jahren ausbleiben, und die Wege eher vernässen, kommt es dann zu Schäden“, berichtet Roefs. Solche Schäden würden in der Regel erst nach ein paar Jahren behoben – und das sei sehr aufwendig und teuer.

Deshalb kommt es auch zu Beschwerden. In Extremfällen versuche das Regionalforstamt, in Absprache mit den Waldbesitzern zeitnah zu handeln. Roefs gibt aber zu bedenken, dass ein Waldweg kein Spazierweg im Park ist. Das sei einigen Waldbesuchern nicht klar. „Draußen im Wald gelten andere Verhältnisse.“ Wanderer wüssten zwar in der Regel um die rustikaleren Verhältnisse auf den Waldwegen. Reine Spaziergänger seien aber häufig etwas anderes gewohnt. Die Wege würden aber trotzdem regelmäßig gepflegt, um sie für die Erschließungsmaßnahmen zu erhalten. Die zuletzt starken Niederschläge wirken sich auch im Wald auf den Zustand der Wege aus und weichen den Boden auf. Sogar unterhalb des mit Steinmaterial ausgekofferten Wegeplanums verändere sich dadurch die Tragfestigkeit, und damit der Oberflächenzustand.

„Die momentane Corona-Situation bewirkt offensichtlich eine höhere Besucherfrequenz“, erklärt Roefs. Das sei auch grundsätzlich kein Problem und wirke sich nicht negativ auf den Wald aus. Kritisch sieht er aber das nach wie vor hohe Aufkommen an Mountainbikern, die den Wald auch abseits der Wege befahren. „Hier haben sich im Laufe der Zeit regelrechte Abfahrtsrouten entwickelt, die auch erhebliche Auswirkungen auf den Wald haben.“

Das Befahren des Waldes abseits der Wege sei nach dem Landesforstgesetz NRW aber eindeutig verboten. Das Regionalforstamt und die Waldbesitzer seien deshalb bemüht, die Mountainbiker über die Folgen zu informieren und das Verhalten außerdem zu sanktionieren. „Und man darf auch nicht vergessen, dass sich die Waldflächen im Eigentum der Waldbesitzer befinden. Da sollte eigentlich die Einhaltung von Regeln selbstverständlich sein“, findet Roefs.

Auf befestigten Wegen, die auch mit den Mountainbikes befahren werden dürfen, wirke sich der erhöhte Besucherdruck kaum spürbar aus. Abseits der Wege zeige sich aber ein anderes Bild: „Inzwischen wurden regelrechte illegale Parcours mit Sprungschanzen, Steilkurven und Übersprüngen gebaut.“ Selbst vor der Fällung von Bäumen und Erdarbeiten mit Maschinen würden manche Biker nicht zurückschrecken.

An solchen Stellen verändern sich im Laufe der Zeit die Waldeigenschaften. Durch die abgefahrene Laubstreu und Humusschicht würde der Mineralboden freigelegt und durch die Befahrung entstehe eine erheblich Bodenverdichtung, erklärt der Experte. Das führe wiederum dazu, dass keine Bodenvegetation nachwachse und keine Naturverjüngung mehr möglich sei. „Solche Waldbereiche sehen am Boden tatsächlich nackt und auffällig verändert aus“, sagt Roefs.

Großes Torfmoor

„Die Wanderwege im Großen Torfmoor befinden sich unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich um ein wiedervernässtes Moor handelt, in einem guten Zustand“, sagt Dirk Esplör. Der Landschaftsarchitekt ist der Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station Minden-Lübbecke. In den vergangenen Jahren hat das Land NRW erhebliche Mittel eingesetzt, um Wegabschnitte mit wassergebundenen Decken oder Bohlenwegen zu erneuern oder zu reparieren. Die Baumaßnahmen wurden von der Biologischen Station geplant um umgesetzt.

Dennoch haben aus Esplörs Sicht die Naturschutzbelange eindeutig Vorrang vor den Interessen Erholungssuchender. Das Moor sei schließlich ein Schutzgebiet von europäischer Bedeutung. Ein wichtiges Entwicklungsziel sei eine möglichst weitgehende Wasserrückhaltung, um die Hoch- und Niedermoorlebensräume zu erhalten oder wiederherzustellen. Deshalb könne es in winterlichen Regenphasen passieren, dass die Wanderwege überspült werden oder sich Wasser auf ihnen staut. „Dies muss von Besuchern toleriert werden“, sagt Esplör. Von an der Natur interessierten Besuchern erwarte er, dass sie das Gebiet mit festem Schuhwerk betreten. Auch Sportler müssten sich den moortypischen und jahreszeitlichen Gegebenheiten anpassen, findet der Landschaftsarchitekt. Zu Beschwerden käme es trotzdem von Zeit zu Zeit.

Wegebaumaßnahmen können im empfindlichen Moor negative Auswirkungen haben. Besonders durch Schotter würden Nährstoffe und Kalk in das Moor eingebracht. Das zieht untypische Pflanzenarten an und kann zur Verdrängung der eigentlich dort ansässigen Pflanzenwelt führen. Und die sei ohnehin schon bedroht. Als Beispiel nennt Esplör den Stellerieger Damm, der das Zentrum des Moors durchschneidet. In der Nähe dieses Weges hätten sich bereits etliche untypische Pflanzenarten breitgemacht.

Esplör freut sich über die zuletzt hohen Niederschlagsmengen, da diese dazu beitragen, das in den vergangenen Jahren entstandene Wasserdefizit auszugleichen. Matschige und überspülte Wege seien in dieser Jahreszeit völlig normal. Die Anzahl der Besucher habe sich seit Beginn der Corona-Pandemie vervielfacht. „Die verstärkte Frequentierung belastet die Wege in Nässephasen zusätzlich.“

Der größte Teil der Besucher halte sich an die verpflichtende Nutzung der Wege. Leider sei aber auch der Anteil an Besuchern, denen es an der nötigen Einsicht für die Naturschutzbelange mangelt, ebenfalls deutlich gestiegen. „Besonders unangenehm fallen dabei Hundebesitzer auf, deren Hunde frei über das Moor laufen und Wildtiere hetzen“, berichtet Esplör. Aber auch Reiter, die mit ihren Pferden über die Bohlenwege reiten oder Fotografen, die auf der Suche nach Fotomotiven fernab der ausgewiesenen Wege unterwegs sind, treffe er häufig an.

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