Abzocke per SMS: Betrüger nutzen vermehrtes Paketaufkommen für perfide Masche Kerstin Rickert Minden. „Hallo, Ihr Paket steht noch aus.“, „Ihr paket wird heute zum Absender zuruckgesendet.“, „Das Paket mit ID #2389 ist unterwegs.“. So und ähnlich beginnen die Nachrichten, kurz SMS, die Heiko Wulbrandt aus Porta Westfalica mehrfach über mehrere Tage auf seinem Smartphone empfangen hat. Gesendet von unterschiedlichen Mobilfunknummern angeblicher Paketdienstleister. So, wie Heiko Wulbrandt, geht es zurzeit einer Vielzahl von Smartphone-Nutzern in ganz Deutschland, die von einer regelrechten SMS-Flut überrollt werden. Das nervt nicht nur, sondern birgt auch Gefahren und zieht schlimmstenfalls hohe Kosten nach sich. Hinter jeder SMS stecken Cyberkriminelle, die nur ein Ziel verfolgen: die Empfänger der SMS in eine Falle zu locken und sich an ihnen zu bereichern. Bereits seit einigen Tagen warnen Polizei und Verbraucherschützer vor der Betrugsmasche mit vermeintlichen Paket-Benachrichtungen per SMS. Heiko Wulbrandt hatte davon gelesen und sich näher damit beschäftigt. Er tappte nicht in die Falle und möchte dazu beitragen, dass auch andere verschont bleiben. Schlimmstenfalls kann es sonst nämlich richtig teuer werden. „Heute morgen habe ich gelesen, dass jemand 900 Euro bezahlen soll, weil er auf den Link geklickt hat“, berichtet der Portaner. Der Link wird mit der SMS verschickt. Der Empfänger wird aufgefordert, diesem zu folgen, weil es angeblich ein Problem mit der Zustellung einer Paketsendung gibt. Mal soll er einen Betrag zahlen, um das Problem zu lösen, mal persönliche Daten eingeben, um sich zu authentifizieren. In Wirklichkeit wird durch den Klick auf den Link eine schädliche App auf dem Smartphone installiert oder es versteckt sich eine Abofalle dahinter. Von der Betrugsmasche betroffen sind offenbar auch viele Menschen in Minden und Umgebung. „Wir hatten sehr viele Anrufe von besorgten Menschen“, sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer auf MT-Anfrage. Bei mehr als einhundert Anrufen habe man aufgehört zu zählen. „Die Masche ist in aller Munde“, so Steinmeyer. Das Problem sei, dass nach einem Klick auf den Link in der SMS häufig erst einmal gar keine Veränderungen am Smartphone feststellbar seien. „Der Nutzer hat sich ein Virus heruntergeladen, das im Hintergrund da ist, aber noch nichts macht. Nach und nach aber verliert er die Kontrolle über sein eigenes Gerät.“ Auf persönliche Daten wird von außen zugegriffen. Das kann beispielsweise auch dazu führen, dass der Smartphone-Besitzer Schadsoftware mittels SMS an seine gespeicherten Kontakte weitergibt, ohne es zu merken. Um ein Virus wieder loszuwerden, hilft im schlimmsten Fall nur, das Gerät auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. „Weil dabei sämtliche persönlichen Daten und Einstellungen gelöscht werden, sollte man diese vorher sichern. Sonst sind beispielsweise auch alle Fotos auf dem Handy anschließend weg“, warnt Steinmeyer. Um sich generell vor Schadsoftware zu schützen, rät die Polizei zu einem Virenschutzprogramm auf jedem Handy. Dagegen, durch einen einfachen Klick in eine Abofalle zu geraten, können sich Verbraucher häufig schon durch einen Anruf bei ihrem Mobilfunkbetreiber schützen. Ursula Thielemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, sich von seinem Anbieter eine Drittanbieter-Sperre einrichten zu lassen. Seit Donnerstag vergangener Woche hat die Leiterin der Beratungsstelle Minden vermehrt Anfragen von Verbrauchern erreicht, die auf den Link in einer SMS geklickt haben und nun Rat suchen, wie sie sich verhalten sollen. „Um Drittanbieter dauerhaft zu sperren, sollte man sich unbedingt an seinen Betreiber wenden. Eine Sperre im Gerät könnte beim nächsten Update wieder aufgehoben werden“, gibt Thielemann als Tipp. Wer bereits in eine Kostenfalle getappt ist, kann sich ebenfalls an seinen Mobilfunkanbieter wenden. Häufig erstattet dieser die Kosten bei Hinweisen auf eine Abofalle unkompliziert zurück. „Zu prüfen ist auch die Übernahme durch die Hausratversicherung“, empfiehlt Thielemann. „Es gibt Verträge, die Schäden durch Phishing abdecken.“ In Fällen, in denen Verbraucher mit sehr hohen Rechnungen alleine nicht weiter kommen, stehe die Verbraucherzentrale auch gerne für Beratungen zur Verfügung. Ist ein Schaden entstanden, raten sowohl die Verbraucherzentrale als auch die Polizei dazu, Anzeige zu erstatten. Laut Steinmeyer vermutet die Polizei, dass die SMS-Betrugsmasche auf das Konto einer asiatischen Tätergruppe geht. „Mehr wissen wir bisher leider nicht.“ Die Verbraucherzentrale NRW gibt auf ihrer Internetseite unter dem Stichwort „Paketdienst SMS“ weitere Tipps.

Abzocke per SMS: Betrüger nutzen vermehrtes Paketaufkommen für perfide Masche

Solche SMS-Nachrichten gehen aktuell in einer Vielzahl bei Smartphone-Besitzern ein. Dahinter verbirgt sich eine Schadsoftware. Foto: Till Simon Nagel/dpa-tmn © Till Simon Nagel

Minden. „Hallo, Ihr Paket steht noch aus.“, „Ihr paket wird heute zum Absender zuruckgesendet.“, „Das Paket mit ID #2389 ist unterwegs.“. So und ähnlich beginnen die Nachrichten, kurz SMS, die Heiko Wulbrandt aus Porta Westfalica mehrfach über mehrere Tage auf seinem Smartphone empfangen hat. Gesendet von unterschiedlichen Mobilfunknummern angeblicher Paketdienstleister. So, wie Heiko Wulbrandt, geht es zurzeit einer Vielzahl von Smartphone-Nutzern in ganz Deutschland, die von einer regelrechten SMS-Flut überrollt werden. Das nervt nicht nur, sondern birgt auch Gefahren und zieht schlimmstenfalls hohe Kosten nach sich. Hinter jeder SMS stecken Cyberkriminelle, die nur ein Ziel verfolgen: die Empfänger der SMS in eine Falle zu locken und sich an ihnen zu bereichern.

Bereits seit einigen Tagen warnen Polizei und Verbraucherschützer vor der Betrugsmasche mit vermeintlichen Paket-Benachrichtungen per SMS. Heiko Wulbrandt hatte davon gelesen und sich näher damit beschäftigt. Er tappte nicht in die Falle und möchte dazu beitragen, dass auch andere verschont bleiben. Schlimmstenfalls kann es sonst nämlich richtig teuer werden. „Heute morgen habe ich gelesen, dass jemand 900 Euro bezahlen soll, weil er auf den Link geklickt hat“, berichtet der Portaner. Der Link wird mit der SMS verschickt. Der Empfänger wird aufgefordert, diesem zu folgen, weil es angeblich ein Problem mit der Zustellung einer Paketsendung gibt. Mal soll er einen Betrag zahlen, um das Problem zu lösen, mal persönliche Daten eingeben, um sich zu authentifizieren. In Wirklichkeit wird durch den Klick auf den Link eine schädliche App auf dem Smartphone installiert oder es versteckt sich eine Abofalle dahinter.

Von der Betrugsmasche betroffen sind offenbar auch viele Menschen in Minden und Umgebung. „Wir hatten sehr viele Anrufe von besorgten Menschen“, sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer auf MT-Anfrage. Bei mehr als einhundert Anrufen habe man aufgehört zu zählen. „Die Masche ist in aller Munde“, so Steinmeyer. Das Problem sei, dass nach einem Klick auf den Link in der SMS häufig erst einmal gar keine Veränderungen am Smartphone feststellbar seien.

„Der Nutzer hat sich ein Virus heruntergeladen, das im Hintergrund da ist, aber noch nichts macht. Nach und nach aber verliert er die Kontrolle über sein eigenes Gerät.“ Auf persönliche Daten wird von außen zugegriffen. Das kann beispielsweise auch dazu führen, dass der Smartphone-Besitzer Schadsoftware mittels SMS an seine gespeicherten Kontakte weitergibt, ohne es zu merken. Um ein Virus wieder loszuwerden, hilft im schlimmsten Fall nur, das Gerät auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. „Weil dabei sämtliche persönlichen Daten und Einstellungen gelöscht werden, sollte man diese vorher sichern. Sonst sind beispielsweise auch alle Fotos auf dem Handy anschließend weg“, warnt Steinmeyer. Um sich generell vor Schadsoftware zu schützen, rät die Polizei zu einem Virenschutzprogramm auf jedem Handy.

Dagegen, durch einen einfachen Klick in eine Abofalle zu geraten, können sich Verbraucher häufig schon durch einen Anruf bei ihrem Mobilfunkbetreiber schützen. Ursula Thielemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, sich von seinem Anbieter eine Drittanbieter-Sperre einrichten zu lassen. Seit Donnerstag vergangener Woche hat die Leiterin der Beratungsstelle Minden vermehrt Anfragen von Verbrauchern erreicht, die auf den Link in einer SMS geklickt haben und nun Rat suchen, wie sie sich verhalten sollen. „Um Drittanbieter dauerhaft zu sperren, sollte man sich unbedingt an seinen Betreiber wenden. Eine Sperre im Gerät könnte beim nächsten Update wieder aufgehoben werden“, gibt Thielemann als Tipp.

Wer bereits in eine Kostenfalle getappt ist, kann sich ebenfalls an seinen Mobilfunkanbieter wenden. Häufig erstattet dieser die Kosten bei Hinweisen auf eine Abofalle unkompliziert zurück. „Zu prüfen ist auch die Übernahme durch die Hausratversicherung“, empfiehlt Thielemann. „Es gibt Verträge, die Schäden durch Phishing abdecken.“ In Fällen, in denen Verbraucher mit sehr hohen Rechnungen alleine nicht weiter kommen, stehe die Verbraucherzentrale auch gerne für Beratungen zur Verfügung. Ist ein Schaden entstanden, raten sowohl die Verbraucherzentrale als auch die Polizei dazu, Anzeige zu erstatten. Laut Steinmeyer vermutet die Polizei, dass die SMS-Betrugsmasche auf das Konto einer asiatischen Tätergruppe geht. „Mehr wissen wir bisher leider nicht.“

Die Verbraucherzentrale NRW gibt auf ihrer Internetseite unter dem Stichwort „Paketdienst SMS“ weitere Tipps.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden