„Absolute Notwendigkeit“: Lebenshilfe-Vorsitzende wirbt für Aufzug an der Martinitreppe Christine Riechmann Minden. Wenn Tobias Blickle vom Scharn in die obere Altstadt möchte, ist er auf die Öffnungszeiten von Hagemeyer angewiesen. Ist das Kaufhaus mit seinen Fahrstühlen in der Mindener Innenstadt geschlossen, ist für Blickle gleichzeitig der Weg versperrt. Weder die Hufschmiede noch die Obermarktstraße sind für den Rollstuhlfahrer passierbar. Selbst mit Hilfe, also wenn jemand seinen Rollstuhl schieben würde, sei es beschwerlich. „Das ist ein enormer Kraftakt", beschreibt Tobias Blickle den Aufwand. Beide Wege seien zu steil für einen nicht elektrisierten Rollstuhl. Und so ist der 42-Jährige ein absoluter Verfechter der Fahrstuhl-Pläne an der Martinitreppe. Aus seiner Sicht dürfe eine Diskussion, ob Aufzug oder nicht, gar nicht erst aufkommen. „Das muss einfach sein", meint Blickle. Gerade auch mit Blick auf die Integration und Inklusion sei ein Aufzug, der allen Menschen einen beschwerdefreien Gang ebne, absolut sinnvoll. „Da dürfen keine Kosten und Mühen gespart werden." Von einer „absoluten Notwendigkeit" spricht Dr. Sandra Thiedig, erste Vorsitzende bei der Lebenshilfe. Laut Menschenrechtskonvention sei es verpflichtend, Wege zu ermöglichen und somit den Zugang zur Öffentlichkeit zu gewähren. „Es ist ein Unding, dass wir nicht längst einen Aufzug haben, der die Unter- und Oberstadt verbindet." Die Stadt habe sich viel zu lange auf den Aufzug im Hagemeyer-Gebäude und den Goodwill der Menschen verlassen, meint sie. Es sei erstaunlich, dass noch niemand auf die Barrikaden gegangen sei. Mit der neu gepflasterten Route über die Obermarktstraße und den Trockenhof gebe es faktisch einen Weg, macht Eckhard Rüter, Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderungen der Stadt Minden, deutlich. Der sei aber nicht wirklich barrierefrei, da er für einen Handrolli zu weit und zu steil sei. Und auch der Weg durch Hagemeyer sei mit den Türen nicht unkompliziert. „Es muss auch eine einfache Lösung geben", fordert Rüter, der sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Thema Aufzug in der Innenstadt beschäftigt. Seiner Auffassung nach würde auch die Notwendigkeit eines Fahrstuhls nicht mehr infrage gestellt. Nun gehe es vielmehr um die Ausgestaltung. „Er kann nicht unsichtbar sein, wenn er benutzt werden soll", stellt Eckhard Rüter klar und bezieht sich damit auf Reaktionen vieler Bürger, die kritisieren, dass der Fahrstuhl in den vorgestellten Plänen zu dominant sei und das Stadtbild zu sehr verändere. Menschen mit Beeinträchtigungen wollten und sollten mitten im Leben teilnehmen. Also müsse auch der Fahrstuhl mitten im Leben stehen. „Wie kann der Anblick auf ein Rathaus in Konkurrenz zu einer Notwendigkeit stehen, die Menschen einen barrierefreien Weg ermöglicht?", fragt der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen. Auch für Sandra Thiedig gehört der Fahrstuhl ganz sichtbar in den Mittelpunkt. In ihm liege eine Chance für Minden, sich modern zu zeigen. „Der Aufzug kann ein Statement für die Stadt und ihre Bürger sein: Wir sind solidarisch und schließen niemanden aus", meint die Lebenshilfe-Vorsitzende. Auch könne man mit dem Fahrstuhl eine Attraktion schaffen. „Viele Menschen fahren nach Paris, um den Eiffelturm anzuschauen, oder nach Brüssel zum Atomium. Warum soll es nicht Menschen geben, die nach Minden kommen, um sich den tollen Aufzug anzuschauen?" Man dürfe ruhig mutig sein. Sie könne sich oben, am Ausgang des Fahrstuhls, auch noch ein Stehcafé vorstellen. Da habe man bestimmt einen schönen Blick über die Stadt. Tobias Blickle, Sandra Thiedig und Eckhard Rüter ist wichtig, dass der Aufzug nicht nur ein Thema für Rollstuhlfahrer ist. „Auch ältere Menschen, junge Familien mit Kinderwagen oder kurzzeitig Verletzte profitieren von einer barrierefreien Verbindung der Ober- und Unterstadt", macht Eckhard Rüter deutlich.

„Absolute Notwendigkeit“: Lebenshilfe-Vorsitzende wirbt für Aufzug an der Martinitreppe

Ohne Aufzug geht es nicht – nicht am Lebenshilfe-Center und auch nicht in der Innenstadt. Tobias Blickle, Dr. Sandra Thiedig und Eckhard Rüter (v.l.) sprechen sich uneingeschränkt für eine barrierefreie Verbindung der Ober- und Unterstadt aus. Foto: Christine Riechmann © Christine Riechmann

Minden. Wenn Tobias Blickle vom Scharn in die obere Altstadt möchte, ist er auf die Öffnungszeiten von Hagemeyer angewiesen. Ist das Kaufhaus mit seinen Fahrstühlen in der Mindener Innenstadt geschlossen, ist für Blickle gleichzeitig der Weg versperrt. Weder die Hufschmiede noch die Obermarktstraße sind für den Rollstuhlfahrer passierbar. Selbst mit Hilfe, also wenn jemand seinen Rollstuhl schieben würde, sei es beschwerlich. „Das ist ein enormer Kraftakt", beschreibt Tobias Blickle den Aufwand. Beide Wege seien zu steil für einen nicht elektrisierten Rollstuhl.

Und so ist der 42-Jährige ein absoluter Verfechter der Fahrstuhl-Pläne an der Martinitreppe. Aus seiner Sicht dürfe eine Diskussion, ob Aufzug oder nicht, gar nicht erst aufkommen. „Das muss einfach sein", meint Blickle. Gerade auch mit Blick auf die Integration und Inklusion sei ein Aufzug, der allen Menschen einen beschwerdefreien Gang ebne, absolut sinnvoll. „Da dürfen keine Kosten und Mühen gespart werden."

Von einer „absoluten Notwendigkeit" spricht Dr. Sandra Thiedig, erste Vorsitzende bei der Lebenshilfe. Laut Menschenrechtskonvention sei es verpflichtend, Wege zu ermöglichen und somit den Zugang zur Öffentlichkeit zu gewähren. „Es ist ein Unding, dass wir nicht längst einen Aufzug haben, der die Unter- und Oberstadt verbindet." Die Stadt habe sich viel zu lange auf den Aufzug im Hagemeyer-Gebäude und den Goodwill der Menschen verlassen, meint sie. Es sei erstaunlich, dass noch niemand auf die Barrikaden gegangen sei.


Mit der neu gepflasterten Route über die Obermarktstraße und den Trockenhof gebe es faktisch einen Weg, macht Eckhard Rüter, Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderungen der Stadt Minden, deutlich. Der sei aber nicht wirklich barrierefrei, da er für einen Handrolli zu weit und zu steil sei. Und auch der Weg durch Hagemeyer sei mit den Türen nicht unkompliziert. „Es muss auch eine einfache Lösung geben", fordert Rüter, der sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Thema Aufzug in der Innenstadt beschäftigt. Seiner Auffassung nach würde auch die Notwendigkeit eines Fahrstuhls nicht mehr infrage gestellt. Nun gehe es vielmehr um die Ausgestaltung. „Er kann nicht unsichtbar sein, wenn er benutzt werden soll", stellt Eckhard Rüter klar und bezieht sich damit auf Reaktionen vieler Bürger, die kritisieren, dass der Fahrstuhl in den vorgestellten Plänen zu dominant sei und das Stadtbild zu sehr verändere. Menschen mit Beeinträchtigungen wollten und sollten mitten im Leben teilnehmen. Also müsse auch der Fahrstuhl mitten im Leben stehen. „Wie kann der Anblick auf ein Rathaus in Konkurrenz zu einer Notwendigkeit stehen, die Menschen einen barrierefreien Weg ermöglicht?", fragt der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen.

Auch für Sandra Thiedig gehört der Fahrstuhl ganz sichtbar in den Mittelpunkt. In ihm liege eine Chance für Minden, sich modern zu zeigen. „Der Aufzug kann ein Statement für die Stadt und ihre Bürger sein: Wir sind solidarisch und schließen niemanden aus", meint die Lebenshilfe-Vorsitzende. Auch könne man mit dem Fahrstuhl eine Attraktion schaffen. „Viele Menschen fahren nach Paris, um den Eiffelturm anzuschauen, oder nach Brüssel zum Atomium. Warum soll es nicht Menschen geben, die nach Minden kommen, um sich den tollen Aufzug anzuschauen?" Man dürfe ruhig mutig sein. Sie könne sich oben, am Ausgang des Fahrstuhls, auch noch ein Stehcafé vorstellen. Da habe man bestimmt einen schönen Blick über die Stadt.

Tobias Blickle, Sandra Thiedig und Eckhard Rüter ist wichtig, dass der Aufzug nicht nur ein Thema für Rollstuhlfahrer ist. „Auch ältere Menschen, junge Familien mit Kinderwagen oder kurzzeitig Verletzte profitieren von einer barrierefreien Verbindung der Ober- und Unterstadt", macht Eckhard Rüter deutlich.

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