Abschied von der Käthe-Kollwitz-Realschule: Christa Amshoff geht in den Ruhestand Anja Peper Minden. Irgendwann hing ein Schild an der Tür der Aula: „Zutrittsverbot für Frau Amshoff!“ Hinter verschlossenen Türen wurde gewerkelt und geschmückt, um der langjährigen Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Realschule einen – trotz der geltenden Corona-Einschränkungen – schönen Abschied zu bereiten. Das hat geklappt. Jetzt ist Christa Amshoff (63) im Ruhestand. Dennoch: Wenn sie über die Schule erzählt, hat sie nach wie vor die Formulierung „meine Käthe“ auf den Lippen. Die Schule war ihr zweites Zuhause. Dort war sie seit 1993. Eigentlich wollte sie sich mit einem Zirkusprojekt verabschieden. Stattdessen waren ihre letzten Wochen im Beruf geprägt von der Pandemie. „Unsere Lehrer haben sich wirklich ein Bein ausgerissen, um den Schülern so weit wie möglich gerecht zu werden.“ Die Klassen wurden halbiert, Pausenzeiten versetzt, Zoom-Konferenzen organisiert, Briefumschläge mit Hausaufgaben verteilt. Alle haben mitgezogen in der schwierigen Zeit: „Es gab kein Murren und kein Knurren.“ Zur Belohnung für die Anstrengungen schlossen viele Schüler die zehnte Jahrgangsstufe mit Q-Vermerk ab. Dennoch hat sich auch an der Käthe gezeigt, wie sehr den Kindern der Kontakt zu den Gleichaltrigen fehlt. 2017 hat Christa Amshoff offiziell die Schulleitung übernommen, zuvor war sie schon einige Jahre Konrektorin und Lehrerin für Mathe und Chemie. Das Bild des Schiffes, das manchmal auch durch raue See gesteuert werden muss, nahm sie oft zum Anlass, um Kollegen, Schüler und Eltern mit ins Boot zu holen, sie zum Zusammenarbeiten zu motivieren. Über die Jahre war die Realschule immer mal wieder in Turbulenzen geraten. Beispiel: Nachdem 2008 im ehemaligen Schulgebäude in Häverstädt Asbest gefunden wurde, brauchen die Anmeldezahlen rapide ein.Z war gilt Asbest als ungefährlich, solange man es nicht anrührt, die krebserregenden Fasern werden nur bei Bauarbeiten freigesetzt. Aber das reichte den meisten Eltern nicht. Im Januar 2015 folgte der lange geplante und immer wieder aufgeschobene Umzug nach Rodenbeck an den Standort der alten Hauptschule Minden-Süd am Piwittskamp. Dann stiegen die Zahlen wieder, beide Mindener Realschulen wurden stark nachgefragt. Insgesamt wuchs die Schule: Anfangs lernten dort 280 Schüler (12 Klassen), heute sind es 440 (17 Klassen). Entsprechend stieg der Personalbedarf. Auf ihr engagiertes Kollegium konnte sie immer setzen. „Lehrer sollten sich als Dienstleister am Kind verstehen“, meint sie. Was bis heute fehlt aus ihrer Sicht: „Ein Schulpsychologe“. Jetzt ist es Zeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Die kommissarische Leitung hat Gisela Bednar übernommen, die zuvor schon eine auslaufende Realschule in Rahden geleitet hat und sich entsprechend gut auskennt. „Ich habe die Schule mit großem Vertrauen in ihre Hände gegeben, das hilft beim Loslassen.“ Künftig hat sie mehr Zeit für Hobbys und Familie. Besonders wichtig ist ihr das Projekt Community Dance, an dem regelmäßig diverse Mindener Schulen beteiligt sind. Von Anfang an ist sie dabei. Doch auch dieses Projekt ist in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, soll aber wieder aufleben. Außerdem gibt es jetzt Gelegenheit, auch außerhalb der Ferienzeiten zu reisen: Ihre drei Kinder leben an der Kieler Förde, in Berlin und in der Nähe von Speyer (Rheinland-Pfalz). „So habe ich immer drei mögliche Urlaubsorte.“ Ihre Enkelkinder sind sechs und drei Jahre alt, das Jüngste erst wenige Wochen. Darüber hinaus möchte sich Christa Amshoff künftig mehr ehrenamtlich engagieren. In der Schulpolitik kennt sie sich insgesamt gut aus, hat immer über den Tellerrand hinaus geschaut. Beispielsweise hat sie hat sie als Trainerin im Auftrag der Bezirksregierung Detmold Schulentwicklungsberater ausgebildet und sich auch darüber hinaus in der Lehrerfortbildung engagiert. Weil sie sich in besonderer Weise um die Mädchenarbeit verdient gemacht hat, bekam Christa Amshoff 2002 das „Goldene Zahnrad“ von der damaligen Landtagsabgeordneten Inge Howe verliehen.

Abschied von der Käthe-Kollwitz-Realschule: Christa Amshoff geht in den Ruhestand

Minden. Irgendwann hing ein Schild an der Tür der Aula: „Zutrittsverbot für Frau Amshoff!“ Hinter verschlossenen Türen wurde gewerkelt und geschmückt, um der langjährigen Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Realschule einen – trotz der geltenden Corona-Einschränkungen – schönen Abschied zu bereiten. Das hat geklappt. Jetzt ist Christa Amshoff (63) im Ruhestand. Dennoch: Wenn sie über die Schule erzählt, hat sie nach wie vor die Formulierung „meine Käthe“ auf den Lippen. Die Schule war ihr zweites Zuhause. Dort war sie seit 1993.

Die Käthe-Kollwitz-Realschule war ihr zweites Zuhause: Christa Amshoff hat die Schule durch turbulente Zeiten begleitet. - © Foto: privat
Die Käthe-Kollwitz-Realschule war ihr zweites Zuhause: Christa Amshoff hat die Schule durch turbulente Zeiten begleitet. - © Foto: privat

Eigentlich wollte sie sich mit einem Zirkusprojekt verabschieden. Stattdessen waren ihre letzten Wochen im Beruf geprägt von der Pandemie. „Unsere Lehrer haben sich wirklich ein Bein ausgerissen, um den Schülern so weit wie möglich gerecht zu werden.“ Die Klassen wurden halbiert, Pausenzeiten versetzt, Zoom-Konferenzen organisiert, Briefumschläge mit Hausaufgaben verteilt. Alle haben mitgezogen in der schwierigen Zeit: „Es gab kein Murren und kein Knurren.“ Zur Belohnung für die Anstrengungen schlossen viele Schüler die zehnte Jahrgangsstufe mit Q-Vermerk ab. Dennoch hat sich auch an der Käthe gezeigt, wie sehr den Kindern der Kontakt zu den Gleichaltrigen fehlt.

2017 hat Christa Amshoff offiziell die Schulleitung übernommen, zuvor war sie schon einige Jahre Konrektorin und Lehrerin für Mathe und Chemie. Das Bild des Schiffes, das manchmal auch durch raue See gesteuert werden muss, nahm sie oft zum Anlass, um Kollegen, Schüler und Eltern mit ins Boot zu holen, sie zum Zusammenarbeiten zu motivieren. Über die Jahre war die Realschule immer mal wieder in Turbulenzen geraten. Beispiel: Nachdem 2008 im ehemaligen Schulgebäude in Häverstädt Asbest gefunden wurde, brauchen die Anmeldezahlen rapide ein.Z war gilt Asbest als ungefährlich, solange man es nicht anrührt, die krebserregenden Fasern werden nur bei Bauarbeiten freigesetzt. Aber das reichte den meisten Eltern nicht.

Im Januar 2015 folgte der lange geplante und immer wieder aufgeschobene Umzug nach Rodenbeck an den Standort der alten Hauptschule Minden-Süd am Piwittskamp. Dann stiegen die Zahlen wieder, beide Mindener Realschulen wurden stark nachgefragt. Insgesamt wuchs die Schule: Anfangs lernten dort 280 Schüler (12 Klassen), heute sind es 440 (17 Klassen). Entsprechend stieg der Personalbedarf. Auf ihr engagiertes Kollegium konnte sie immer setzen. „Lehrer sollten sich als Dienstleister am Kind verstehen“, meint sie. Was bis heute fehlt aus ihrer Sicht: „Ein Schulpsychologe“.

Jetzt ist es Zeit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Die kommissarische Leitung hat Gisela Bednar übernommen, die zuvor schon eine auslaufende Realschule in Rahden geleitet hat und sich entsprechend gut auskennt. „Ich habe die Schule mit großem Vertrauen in ihre Hände gegeben, das hilft beim Loslassen.“

Künftig hat sie mehr Zeit für Hobbys und Familie. Besonders wichtig ist ihr das Projekt Community Dance, an dem regelmäßig diverse Mindener Schulen beteiligt sind. Von Anfang an ist sie dabei. Doch auch dieses Projekt ist in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, soll aber wieder aufleben. Außerdem gibt es jetzt Gelegenheit, auch außerhalb der Ferienzeiten zu reisen: Ihre drei Kinder leben an der Kieler Förde, in Berlin und in der Nähe von Speyer (Rheinland-Pfalz). „So habe ich immer drei mögliche Urlaubsorte.“ Ihre Enkelkinder sind sechs und drei Jahre alt, das Jüngste erst wenige Wochen.

Darüber hinaus möchte sich Christa Amshoff künftig mehr ehrenamtlich engagieren. In der Schulpolitik kennt sie sich insgesamt gut aus, hat immer über den Tellerrand hinaus geschaut. Beispielsweise hat sie hat sie als Trainerin im Auftrag der Bezirksregierung Detmold Schulentwicklungsberater ausgebildet und sich auch darüber hinaus in der Lehrerfortbildung engagiert. Weil sie sich in besonderer Weise um die Mädchenarbeit verdient gemacht hat, bekam Christa Amshoff 2002 das „Goldene Zahnrad“ von der damaligen Landtagsabgeordneten Inge Howe verliehen.

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