Abschied: Jürgen Tiemann blickt auf seine 16 Jahre als Superintendent des Kirchenkreises zurück Sebastian Radermacher Minden. Nur noch bis Samstag steht Jürgen Tiemann an der Spitze der 23 Gemeinden und rund 71.000 Gläubigen im Evangelischen Kirchenkreis Minden. Dann wird Präses Dr.h.c. Annette Kurschus den Superintendenten in den Ruhestand verabschieden und Nachfolger Michael Mertins in sein neues Amt einführen. Im MT-Interview blickt der 65-Jährige auf seine fast 16 Jahre andauernde Amtszeit zurück und erzählt, welche Pläne er nun hat. Herr Tiemann, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den letzten Gottesdienst als Superintendent? Mit ein bisschen Wehmut. Ich habe mich hier im Kirchenkreis immer wohl gefühlt und konnte mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, Presbytern und Mitarbeitenden sehr gut zusammenarbeiten. Wir haben im Rahmen des Möglichen einiges bewegt. Als Superintendent muss man immer auch mit Druck umgehen können. In dieser Hinsicht bin ich ehrlich gesagt auch froh, dass diese Last nun abfällt. Ich habe in persönlichen Gesprächen zuletzt viele positive Rückmeldungen erhalten, was mich sehr freut. Es ist ein schönes ökumenisches Zeichen, dass die Verabschiedung im Dom stattfinden kann. Dabei sind die Rahmenbedingungen Ihres Abschieds durch die zweite Corona-Welle alles andere als schön. Das stimmt. Leider kann der Gottesdienst nur noch in ganz kleinem Rahmen ohne Öffentlichkeit stattfinden. Ein geplanter Empfang im Anschluss und eine Feier mit Freunden und Bekannten am Abend in St. Marien müssen wir absagen. Das ist schade, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wir müssen uns in dieser schwierigen Zeit alle zurücknehmen, um gerade die älteren Menschen zu schützen. Haben Sie zu Beginn gedacht, dass Sie 16 Jahre Superintendent sein werden? Ich habe mich damals sehr auf diese Aufgabe gefreut und zu mir gesagt, dass es toll wäre, wenn ich den langen Atem hätte, dieses Amt bis zum Ruhestand auszuüben. Es waren schöne, aber auch anstrengende Jahre. Was ist die größte Herausforderung für einen Superintendenten? Er ist sozusagen der kirchliche Landrat, hat eine Aufsichtspflicht und muss notfalls auch Beschlüsse, die die Presbyterien fassen, beanstanden. Ein Superintendent muss kommunikativ sein, damit er etwas erreichen kann, er muss Leute durch Argumente überzeugen, nicht durch Anweisungen. Ich bin eine Person, die gerne Dinge anschiebt und etwas entwickelt – das funktioniert aber nur gemeinsam. Mir hat es immer viel Freude gemacht, im Team zu arbeiten. Auf welche Kirchenkreis-Projekteblicken Sie besonders gerne zurück? Es gab viele herausragende Projekte, die nur wenige Kirchenkreise so erfolgreich auf die Beine gestellt haben. Zum Beispiel die Chorfestivals: Amazing Grace, Zehn Gebote oder auch Martin Luther King haben viele tausende Menschen begeistert. Darauf bin ich stolz. Den Europäischen Stationenweg auch durch Minden zu führen, war ein Highlight. Auch die Arbeit mit den Gemeinden an dem Jubiläumsbuch zum 200-jährigen Bestehen des Kirchenkreises im Jahr 2018 hat viel Spaß gemacht – auch dabei braucht man immer Leute mit guten Ideen, die sich einbringen. Und Sie haben bereits im Jahr 2008 eine Konzeption erstellt, um den Kirchenkreis für die Zukunft aufzustellen. Genau. Wir haben für einzelne Fachbereiche Ziele vereinbart und mögliche Maßnahmen aufgezeigt, die zum Erreichen der Ziele führen sollen. Das Konzept wurde 2019 aktualisiert und könnte auch die Leitlinie für die nächsten Jahre sein. Können Sie ein Beispiel für ein Ziel nennen, das erreicht wurde? Ich denke, im Bereich Kirchenmusik ist der Kirchenkreis gut aufgestellt, sowohl in den Innenstadtgemeinden, als auch im Christusbezirk (Todtenhausen/Kutenhausen). Auch in Hille und Petershagen sowie im nördlichen Teil von Porta Westfalica gibt es viele bemerkenswerte Aktivitäten. Ebenso sind die Kulturarbeit und die Jugendarbeit gut aufgestellt. Es gibt erfreulich viele Menschen, die sich engagieren. Vieles, etwa die Seelsorge, läuft auch im Hintergrund ab, ohne große Aufmerksamkeit. An mich persönlich wurde zu Beginn meiner Amtszeit der Wunsch herangetragen, die Kirche mehr in der Öffentlichkeit zu repräsentieren – das ist mir ganz gut gelungen, denke ich. Ich bin gut vernetzt, pflege ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Bürgermeistern und habe bei vielen Veranstaltungen die Fahne der evangelischen Kirche hochgehalten. Wo sehen Sie den Kirchenkreis darüber hinaus gut aufgestellt? Ich freue mich über die Tätigkeit unserer 33 Kindertagesstätten und über die kontinuierliche Weiterentwicklung der religionspädagogischen Arbeit. Und in der ehrenamtlichen Seelsorgearbeit – zunächst im Krankenhaus, dann in Altenheimen und auch bei Notfällen – sind wir fast führend im Vergleich zu anderen Kirchenkreisen. Im Leben läuft nicht immer alles so, wie man sich das vorstellt. Gibt es Ziele, die Sie nicht erreicht haben? Manche Sachen gingen mir persönlich nicht schnell genug, zum Beispiel der Umzug der Verwaltung ins Martinihaus. Ich finde es wichtig, mitten in der Stadt zu sein. Leider hat sich das Projekt aus verschiedenen Gründen hingezogen, weshalb der Umzug wahrscheinlich erst in zwei Jahren erfolgen wird. Ich hätte ihn gerne noch in meiner Amtszeit miterlebt. Als Superintendent sind Sie auch als Moderator und Vermittler gefragt, oder? Definitiv. Es gab in den vergangenen Jahren auch Konflikte, bei denen ich um Rat gefragt wurde. Wenn zum Beispiel einzelne Bezirke einer Gemeinde verschiedene Kulturen pflegen, kann es zu Problemen kommen. Ich habe in solchen Fällen die Menschen mit ihren Anliegen ernst genommen und versucht, einen Kompromiss zu finden. Oft sind am Ende beide Seiten sogar näher zusammengerückt. Wie muss sich Kirche in Zukunft verändern? In der Corona-Krise – vor allem jetzt mit den wieder großen Einschränkungen – ist die große Herausforderung, wie sich Kirche in der Öffentlichkeit bemerkbar machen und ihrem öffentlichen Auftrag gerecht werden kann. Das ist ein schwieriger Akt. Wir hatten in der Pfarrkonferenz vor Kurzem einen Austausch darüber, welche Pläne es für Weihnachten gibt. Open-Air-Gottesdienste, Stationen durch die Gemeinde zum Verweilen, aufgezeichnete Krippenspiele, die online gezeigt werden – ich war erstaunt, wie viele gute Ideen zusammengekommen sind. Es gibt die Sorge, dass wegen der Corona-Pandemie langfristig eine gewisse Entwöhnung mit Kirche stattfindet – das müssen wir verhindern. Wir müssen kreativ sein und auch Mut haben zu experimentieren. Digitale Angebote sollten künftig eine größere Rolle spielen. Wie ist die finanzielle Situation? Es droht ein coronabedingter Rückgang bei der Kirchensteuer von etwa sieben Prozent – das ist erheblich und da muss man überlegen, ob man gewisse Dienste zurückfahren muss oder stärker auf das Ehrenamt setzt. Damit wird sich mein Nachfolger auseinandersetzen müssen. Wir hatten bereits einige gute Gespräche. Ich habe ein gutes Gefühl und denke, er wird auch manche Dinge weiterführen, die mir wichtig waren – zum Beispiel die Flüchtlingsberatungsarbeit. Wie blicken Sie persönlich auf die nächsten Jahre? Wie viele Sorgen bereitet Corona Ihnen? Prognosen haben immer etwas Deprimierendes. Wir sollten nicht versuchen, zu weit im Voraus zu planen. Wir merken besonders jetzt, dass alles ganz anders kommen kann. Zu Beginn der Krise waren wir sehr aufgeregt, wie wir alles schaffen sollen. Es kamen immer wieder neue Regelungen. Im Sommer hatten wir dann das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein. Dass jetzt wieder alles von vorne losgeht, ist schon deprimierend. Aber es muss weitergehen. Es kommt nun darauf an, die Nerven nicht zu verlieren und nicht andere zu Schuldigen zu erklären. Wir sollten vorsichtig sein und keine Menschen gefährden, Rücksicht nehmen und zurückstecken – das kann unsere Gemeinschaft am Ende auch stärken. Welche persönlichen Pläne habenSie für die Zukunft? Ich möchte mehr lesen, mehr Sport machen, freue mich auf mehr Zeit mit der Familie. Vor allem mit meinen vier Kindern, mit denen ich gerne über Politik, Philosophie oder Geschichte diskutiere. In den ersten Tagen wird es sicherlich ein wehmütiges Gefühl sein, ich werde viele wertvolle Begegnungen und Gespräche vermissen. Aber schauen wir mal, was auf mich zukommt. Werden Sie Minden den Rücken kehren? Ich bin mit meiner Frau im Sommer nach Lübeck in das Haus ihrer Eltern gezogen. Sie ist Lehrerin und hat im August dort eine Stelle bekommen. Meine 92-jährige Schwiegermutter freut sich bereits riesig, dass ich bald mehr Zeit für sie habe. Und auch im Garten gibt es für mich einiges zu tun. (lacht) Möchten Sie trotzdem Kontakt hierher halten? Ja, das werde ich. Wir behalten eine kleine Wohnung in Minden. Ich engagiere mich in Initiativen und Stiftungen und möchte der Stadt auf diese Weise verbunden bleiben. Bis in den Dezember hinein habe ich schon jeweils einen Termin pro Woche in Minden im Kalender stehen – ich werde also immer mal wieder hier sein.

Abschied: Jürgen Tiemann blickt auf seine 16 Jahre als Superintendent des Kirchenkreises zurück

Jürgen Tiemann wird am Samstag in den Ruhestand verabschiedet. Fast 16 Jahre war er Superintendent. © MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Nur noch bis Samstag steht Jürgen Tiemann an der Spitze der 23 Gemeinden und rund 71.000 Gläubigen im Evangelischen Kirchenkreis Minden. Dann wird Präses Dr.h.c. Annette Kurschus den Superintendenten in den Ruhestand verabschieden und Nachfolger Michael Mertins in sein neues Amt einführen. Im MT-Interview blickt der 65-Jährige auf seine fast 16 Jahre andauernde Amtszeit zurück und erzählt, welche Pläne er nun hat.

Herr Tiemann, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den letzten Gottesdienst als Superintendent?

Mit ein bisschen Wehmut. Ich habe mich hier im Kirchenkreis immer wohl gefühlt und konnte mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, Presbytern und Mitarbeitenden sehr gut zusammenarbeiten. Wir haben im Rahmen des Möglichen einiges bewegt. Als Superintendent muss man immer auch mit Druck umgehen können. In dieser Hinsicht bin ich ehrlich gesagt auch froh, dass diese Last nun abfällt. Ich habe in persönlichen Gesprächen zuletzt viele positive Rückmeldungen erhalten, was mich sehr freut. Es ist ein schönes ökumenisches Zeichen, dass die Verabschiedung im Dom stattfinden kann.

Dabei sind die Rahmenbedingungen Ihres Abschieds durch die zweite Corona-Welle alles andere als schön.

Das stimmt. Leider kann der Gottesdienst nur noch in ganz kleinem Rahmen ohne Öffentlichkeit stattfinden. Ein geplanter Empfang im Anschluss und eine Feier mit Freunden und Bekannten am Abend in St. Marien müssen wir absagen. Das ist schade, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wir müssen uns in dieser schwierigen Zeit alle zurücknehmen, um gerade die älteren Menschen zu schützen.

Haben Sie zu Beginn gedacht, dass Sie 16 Jahre Superintendent sein werden?

Ich habe mich damals sehr auf diese Aufgabe gefreut und zu mir gesagt, dass es toll wäre, wenn ich den langen Atem hätte, dieses Amt bis zum Ruhestand auszuüben. Es waren schöne, aber auch anstrengende Jahre.

Was ist die größte Herausforderung für einen Superintendenten?

Er ist sozusagen der kirchliche Landrat, hat eine Aufsichtspflicht und muss notfalls auch Beschlüsse, die die Presbyterien fassen, beanstanden. Ein Superintendent muss kommunikativ sein, damit er etwas erreichen kann, er muss Leute durch Argumente überzeugen, nicht durch Anweisungen. Ich bin eine Person, die gerne Dinge anschiebt und etwas entwickelt – das funktioniert aber nur gemeinsam. Mir hat es immer viel Freude gemacht, im Team zu arbeiten.

Auf welche Kirchenkreis-Projekteblicken Sie besonders gerne zurück?

Es gab viele herausragende Projekte, die nur wenige Kirchenkreise so erfolgreich auf die Beine gestellt haben. Zum Beispiel die Chorfestivals: Amazing Grace, Zehn Gebote oder auch Martin Luther King haben viele tausende Menschen begeistert. Darauf bin ich stolz. Den Europäischen Stationenweg auch durch Minden zu führen, war ein Highlight. Auch die Arbeit mit den Gemeinden an dem Jubiläumsbuch zum 200-jährigen Bestehen des Kirchenkreises im Jahr 2018 hat viel Spaß gemacht – auch dabei braucht man immer Leute mit guten Ideen, die sich einbringen.

Und Sie haben bereits im Jahr 2008 eine Konzeption erstellt, um den Kirchenkreis für die Zukunft aufzustellen.

Genau. Wir haben für einzelne Fachbereiche Ziele vereinbart und mögliche Maßnahmen aufgezeigt, die zum Erreichen der Ziele führen sollen. Das Konzept wurde 2019 aktualisiert und könnte auch die Leitlinie für die nächsten Jahre sein.

Können Sie ein Beispiel für ein Ziel nennen, das erreicht wurde?

Ich denke, im Bereich Kirchenmusik ist der Kirchenkreis gut aufgestellt, sowohl in den Innenstadtgemeinden, als auch im Christusbezirk (Todtenhausen/Kutenhausen). Auch in Hille und Petershagen sowie im nördlichen Teil von Porta Westfalica gibt es viele bemerkenswerte Aktivitäten. Ebenso sind die Kulturarbeit und die Jugendarbeit gut aufgestellt. Es gibt erfreulich viele Menschen, die sich engagieren. Vieles, etwa die Seelsorge, läuft auch im Hintergrund ab, ohne große Aufmerksamkeit. An mich persönlich wurde zu Beginn meiner Amtszeit der Wunsch herangetragen, die Kirche mehr in der Öffentlichkeit zu repräsentieren – das ist mir ganz gut gelungen, denke ich. Ich bin gut vernetzt, pflege ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Bürgermeistern und habe bei vielen Veranstaltungen die Fahne der evangelischen Kirche hochgehalten.

Wo sehen Sie den Kirchenkreis darüber hinaus gut aufgestellt?

Ich freue mich über die Tätigkeit unserer 33 Kindertagesstätten und über die kontinuierliche Weiterentwicklung der religionspädagogischen Arbeit. Und in der ehrenamtlichen Seelsorgearbeit – zunächst im Krankenhaus, dann in Altenheimen und auch bei Notfällen – sind wir fast führend im Vergleich zu anderen Kirchenkreisen.

Im Leben läuft nicht immer alles so, wie man sich das vorstellt. Gibt es Ziele, die Sie nicht erreicht haben?

Manche Sachen gingen mir persönlich nicht schnell genug, zum Beispiel der Umzug der Verwaltung ins Martinihaus. Ich finde es wichtig, mitten in der Stadt zu sein. Leider hat sich das Projekt aus verschiedenen Gründen hingezogen, weshalb der Umzug wahrscheinlich erst in zwei Jahren erfolgen wird. Ich hätte ihn gerne noch in meiner Amtszeit miterlebt.

Als Superintendent sind Sie auch als Moderator und Vermittler gefragt, oder?

Definitiv. Es gab in den vergangenen Jahren auch Konflikte, bei denen ich um Rat gefragt wurde. Wenn zum Beispiel einzelne Bezirke einer Gemeinde verschiedene Kulturen pflegen, kann es zu Problemen kommen. Ich habe in solchen Fällen die Menschen mit ihren Anliegen ernst genommen und versucht, einen Kompromiss zu finden. Oft sind am Ende beide Seiten sogar näher zusammengerückt.

Wie muss sich Kirche in Zukunft verändern?

In der Corona-Krise – vor allem jetzt mit den wieder großen Einschränkungen – ist die große Herausforderung, wie sich Kirche in der Öffentlichkeit bemerkbar machen und ihrem öffentlichen Auftrag gerecht werden kann. Das ist ein schwieriger Akt. Wir hatten in der Pfarrkonferenz vor Kurzem einen Austausch darüber, welche Pläne es für Weihnachten gibt. Open-Air-Gottesdienste, Stationen durch die Gemeinde zum Verweilen, aufgezeichnete Krippenspiele, die online gezeigt werden – ich war erstaunt, wie viele gute Ideen zusammengekommen sind. Es gibt die Sorge, dass wegen der Corona-Pandemie langfristig eine gewisse Entwöhnung mit Kirche stattfindet – das müssen wir verhindern. Wir müssen kreativ sein und auch Mut haben zu experimentieren. Digitale Angebote sollten künftig eine größere Rolle spielen.

Wie ist die finanzielle Situation?

Es droht ein coronabedingter Rückgang bei der Kirchensteuer von etwa sieben Prozent – das ist erheblich und da muss man überlegen, ob man gewisse Dienste zurückfahren muss oder stärker auf das Ehrenamt setzt. Damit wird sich mein Nachfolger auseinandersetzen müssen. Wir hatten bereits einige gute Gespräche. Ich habe ein gutes Gefühl und denke, er wird auch manche Dinge weiterführen, die mir wichtig waren – zum Beispiel die Flüchtlingsberatungsarbeit.

Wie blicken Sie persönlich auf die nächsten Jahre? Wie viele Sorgen bereitet Corona Ihnen?

Prognosen haben immer etwas Deprimierendes. Wir sollten nicht versuchen, zu weit im Voraus zu planen. Wir merken besonders jetzt, dass alles ganz anders kommen kann. Zu Beginn der Krise waren wir sehr aufgeregt, wie wir alles schaffen sollen. Es kamen immer wieder neue Regelungen. Im Sommer hatten wir dann das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein. Dass jetzt wieder alles von vorne losgeht, ist schon deprimierend. Aber es muss weitergehen. Es kommt nun darauf an, die Nerven nicht zu verlieren und nicht andere zu Schuldigen zu erklären. Wir sollten vorsichtig sein und keine Menschen gefährden, Rücksicht nehmen und zurückstecken – das kann unsere Gemeinschaft am Ende auch stärken.

Welche persönlichen Pläne habenSie für die Zukunft?

Ich möchte mehr lesen, mehr Sport machen, freue mich auf mehr Zeit mit der Familie. Vor allem mit meinen vier Kindern, mit denen ich gerne über Politik, Philosophie oder Geschichte diskutiere. In den ersten Tagen wird es sicherlich ein wehmütiges Gefühl sein, ich werde viele wertvolle Begegnungen und Gespräche vermissen. Aber schauen wir mal, was auf mich zukommt.

Werden Sie Minden den Rücken kehren?

Ich bin mit meiner Frau im Sommer nach Lübeck in das Haus ihrer Eltern gezogen. Sie ist Lehrerin und hat im August dort eine Stelle bekommen. Meine 92-jährige Schwiegermutter freut sich bereits riesig, dass ich bald mehr Zeit für sie habe. Und auch im Garten gibt es für mich einiges zu tun. (lacht)

Möchten Sie trotzdem Kontakt hierher halten?

Ja, das werde ich. Wir behalten eine kleine Wohnung in Minden. Ich engagiere mich in Initiativen und Stiftungen und möchte der Stadt auf diese Weise verbunden bleiben. Bis in den Dezember hinein habe ich schon jeweils einen Termin pro Woche in Minden im Kalender stehen – ich werde also immer mal wieder hier sein.

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