Abgesagte Weihnachtsgottesdienste: Heiligabend ohne Herzschlag Jan Henning Rogge Minden. Krippenspiel, Lichterglanz und „O du fröhliche" – für viele Menschen gehört der Gang in die Kirche am Heiligabend zu Weihnachten wie der Tannenbaum und Geschenke. Doch wie nahezu alles, wird 2020 auch der so wichtige Feiertag anders sein. Die Glocken auf den Kirchtürmen werden läuten, doch sie werden keine Gläubigen in die Gottesdienste rufen – zumindest nicht in evangelische. Die Empfehlung der Präses der evangelischen Kirche von Westfalen Annette Kurschus auf Gottesdienste über Weihnachten generell zu verzichten, hat große Wellen geschlagen. Kaum jemand hatte damit gerechnet. Viele Mitarbeiter in den Gemeinden, die sich seit Wochen Konzepte überlegt haben, um trotz aller Hygieneauflagen einen Gottesdienst zu ermöglichen, sind enttäuscht. Die Entscheidung, die Empfehlung der Landeskirche umzusetzen, haben die Pfarrerinnen und Pfarrer am Mittwochnachmittag gemeinsam bei einer Internet-Konferenz getroffen. Die letzte Entscheidung liegt allerdings bei den Presbyterien der einzelnen Gemeinden – nur sie dürfen beschließen, dass Gottesdienste wirklich abgesagt werden. Doch mit Abweichlern rechnet Superintendent Michael Mertins, der erst vor wenigen Wochen die Amtsgeschäfte von Jürgen Tiemann übernommen hat, nicht. „Wir müssen das einheitlich machen", sagt er. Zum einen, weil sonst Gemeinden gegeneinander ausgespielt würden, zum anderen, weil es wohl überall Mitarbeiter gibt, die sich unwohl dabei fühlen, mitten in der zweiten Welle der Coronakrise einen Gottesdienst zu feiern. „Wir würden damit Menschen unter Druck setzen – und das wollen wir nicht." Spurlos geht die Absage aber an niemandem vorbei. „Wir sind traurig", sagt Mertins, „So viele Menschen haben sich engagiert – aber wir setzen damit ein Zeichen: Der Glaube hat zum Inhalt, für andere da zu sein. In dieser Zeit sind Christen aber dadurch für andere da, dass sie eben nicht da sind." Im Internet versuchen die Gemeinden trotzdem ein Angebot zu schaffen. Viele hatten Gottesdienste draußen geplant und dafür bereits Krippenspiele auf Video aufgenommen. Einige davon sollen nun den Weg in Online-Videos finden. Und auch der Kirchenkreis hat schon einen Gottesdienst für Heiligabend aufgenommen – bereits seit dem Beginn der Krise gibt es Onlinegottesdienste mit wechselnden Teams, die in der Martinikirche aufgenommen werden. Den Weihnachtsgottesdienst hat der Superintendent selber übernommen. „Aber vor dem Fernseher oder dem Laptop gibt es natürlich nicht das Gefühl von Gemeinschaft", stellt er fest. Überrascht von der generellen Absage war Kreiskantor Nils Fricke. „Ich habe nicht damit gerechnet. Das ist ein harter Schnitt – aber angesichts von 952 Coronatoten am Mittwoch in Deutschland würde ich mich auch komisch fühlen, wenn ich mich in einer vollen Kirche an die Orgel setze und „O du fröhliche" spiele." Ganz ohne Musik soll der Heilige Abend aber nicht verklingen. Ähnlich wie es schon während des ersten Lockdown an Ostern der Fall war, hofft er, dass möglichst viele Sänger und Instrumentalisten bei musikalischen Aktionen mitmachen, etwa Lieder vom Balkon oder vor der Haustür singen oder spielen, um anderen Menschen so eine Freude zu machen oder Trost zu spenden. Was genau das für eine Aktion sein könnte, weiß auch er noch nicht – in Musikerkreisen sprechen sich solche Ideen aber schnell herum. Dass Gottesdienste bislang stattfinden durften, hatte nicht überall für Begeisterung gesorgt. Immer häufiger war Kritik laut geworden, warum ausgerechnet die Kirchen weiter machen könnten, wie bisher, während viele andere Einrichtungen schließen mussten. Schon lange galten in der evangelischen Kirche besonders strenge Hygieneauflagen. Auf den Gemeindegesang wurde verzichtet, Abstandsregeln und Maskenpflicht eingeführt und Kontakte erfasst. Angesichts des totalen Lockdowns findet es Superintendent Mertins nun aber völlig nachvollziehbar, dass die Landeskirche von Westfalen den Bitten aus der Politik gefolgt ist. „Die Religionsausübung ist ein Grundrecht, auf dessen Wahrnehmung wir nun verzichten, um uns und andere zu schützen" sagt er. „Wir sind keine Lobbyisten, kein Verein, der seine Eigeninteressen durchsetzen will. Wir leben unseren Glauben jetzt dadurch, dass wir verzichten." Trotzdem weiß er, dass gerade die ausgesetzten Weihnachtsgottesdienste die Gemeinden hart treffen. „Die ganze Aufregung hat mir noch mal gezeigt, dass das eben nicht nur Theologie sondern total wichtig ist." In vielen verschiedenen Gruppen gingen die Gläubigen ihren eigenen Interessen nach, sei es Musik, Jugendarbeit oder die Krabbelgruppe. „Der Gottesdienst ist das verbindende Element, das Zentrum, der Herzschlag der Religionsausübung." Doch nicht nur für treue Gottesdienstbesucher wird an Heiligabend etwas fehlen: Viele Menschen und besonders viele Familien besuchen an diesem Tag die Kirche , obwohl sie sich sonst eher fernhalten. Traditionell sind die Gottesdienste am 24. Dezember die am stärksten besuchten des ganzen Jahres. Gemeinden bieten dann oft mehrere Christvespern nacheinander an. Mit ihren Onlineangeboten inklusive Krippenspielen im Internet wollen die Gemeinden nun auch ihnen wenigstens einen kleinen Ersatz zu bieten. Mertins hofft nun, dass die Infektionszahlen zurückgehen und Gottesdienste wieder möglich sein werden. „Für Christen sind Gottesdienste wie ein gesitliches Atemholen – auf Dauer geht es nicht ohne." Online-Gottesdienste Weihnachten 2020 Aus dem Evangelischen Kirchenkreis Minden gibt es über Weihnachten etliche Online-Gottesdienste. Folgende Angebote stehen bereits fest, weitere Angebote folgen: Internet-Heiligabend-Gottesdienst des Evangelischen Kirchenkreises Minden mit Superintendent Michael Mertins aus der St.-Martini-Kirche auf www.kirchenkreis-minden.de Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der St.-Marien-Kirche auf YouTube Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der Martinigemeinde unter www.martinigemeinde.de Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der Christuskirche, Link auf www.
st-marienkirchengemeinde-
minden/christuskirche/ Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der Petrikirche auf www.petri-minden.de Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus Friedewalde auf YouTube, Link auf www.friedewalde.de Online-Familien-Gottesdienst aus der Gemeinde St.-Thomas-Kirche „Der kleine König folgt dem Stern" und Online-Gottesdienst „Mitten in der Nacht" auf www.st-thomaskirche-minden.de Zwei Online-Gottesdienste aus Lahde auf www.kirchengemeinde-lahde.de
 Online-Christvesper aus Windheim auf www.windheim.ekvw.de Zwei Online-Gottesdienste aus der Gemeinde Hartum-Holzhausen auf www.lebendigesteine.de Weihnachts-Video-Gottesdienst aus der Gemeinde Oberlübbe-Unterlübbe gemeinsam mit dem CVJM auf www.kirche-oberluebbe.deund www.cvjm-oberluebbe.de Online-Gottesdienste zu Weihnachten aus der Gemeinde Hille auf www.kirchengemeinde-hille.de Online-Weihnachtsgottesdienst aus der Gemeinde Bergkirchen auf www.bergkirchen.com
Gottesdienst zum vierten Advent, Heiligabend drei Gottesdienste (Familiengottesdienst, Gottesdienst mit Krippenspiel, Christvesper, Gottesdienst zum 2. Weihnachtstag unter www.barkhausen.ekvw.de.

Abgesagte Weihnachtsgottesdienste: Heiligabend ohne Herzschlag

Superintendent Michael Mertins bei der
Video-Aufnahme des Internetgottesdienstes am Mittwochabend in der
weihnachtlich geschmückten Martinikirche.
© MT-Foto: Jan Henning Rogge

Minden. Krippenspiel, Lichterglanz und „O du fröhliche" – für viele Menschen gehört der Gang in die Kirche am Heiligabend zu Weihnachten wie der Tannenbaum und Geschenke. Doch wie nahezu alles, wird 2020 auch der so wichtige Feiertag anders sein. Die Glocken auf den Kirchtürmen werden läuten, doch sie werden keine Gläubigen in die Gottesdienste rufen – zumindest nicht in evangelische. Die Empfehlung der Präses der evangelischen Kirche von Westfalen Annette Kurschus auf Gottesdienste über Weihnachten generell zu verzichten, hat große Wellen geschlagen. Kaum jemand hatte damit gerechnet. Viele Mitarbeiter in den Gemeinden, die sich seit Wochen Konzepte überlegt haben, um trotz aller Hygieneauflagen einen Gottesdienst zu ermöglichen, sind enttäuscht.

Die Entscheidung, die Empfehlung der Landeskirche umzusetzen, haben die Pfarrerinnen und Pfarrer am Mittwochnachmittag gemeinsam bei einer Internet-Konferenz getroffen. Die letzte Entscheidung liegt allerdings bei den Presbyterien der einzelnen Gemeinden – nur sie dürfen beschließen, dass Gottesdienste wirklich abgesagt werden. Doch mit Abweichlern rechnet Superintendent Michael Mertins, der erst vor wenigen Wochen die Amtsgeschäfte von Jürgen Tiemann übernommen hat, nicht. „Wir müssen das einheitlich machen", sagt er. Zum einen, weil sonst Gemeinden gegeneinander ausgespielt würden, zum anderen, weil es wohl überall Mitarbeiter gibt, die sich unwohl dabei fühlen, mitten in der zweiten Welle der Coronakrise einen Gottesdienst zu feiern. „Wir würden damit Menschen unter Druck setzen – und das wollen wir nicht."

Spurlos geht die Absage aber an niemandem vorbei. „Wir sind traurig", sagt Mertins, „So viele Menschen haben sich engagiert – aber wir setzen damit ein Zeichen: Der Glaube hat zum Inhalt, für andere da zu sein. In dieser Zeit sind Christen aber dadurch für andere da, dass sie eben nicht da sind." Im Internet versuchen die Gemeinden trotzdem ein Angebot zu schaffen. Viele hatten Gottesdienste draußen geplant und dafür bereits Krippenspiele auf Video aufgenommen. Einige davon sollen nun den Weg in Online-Videos finden.

Und auch der Kirchenkreis hat schon einen Gottesdienst für Heiligabend aufgenommen – bereits seit dem Beginn der Krise gibt es Onlinegottesdienste mit wechselnden Teams, die in der Martinikirche aufgenommen werden. Den Weihnachtsgottesdienst hat der Superintendent selber übernommen. „Aber vor dem Fernseher oder dem Laptop gibt es natürlich nicht das Gefühl von Gemeinschaft", stellt er fest.

Überrascht von der generellen Absage war Kreiskantor Nils Fricke. „Ich habe nicht damit gerechnet. Das ist ein harter Schnitt – aber angesichts von 952 Coronatoten am Mittwoch in Deutschland würde ich mich auch komisch fühlen, wenn ich mich in einer vollen Kirche an die Orgel setze und „O du fröhliche" spiele."

Ganz ohne Musik soll der Heilige Abend aber nicht verklingen. Ähnlich wie es schon während des ersten Lockdown an Ostern der Fall war, hofft er, dass möglichst viele Sänger und Instrumentalisten bei musikalischen Aktionen mitmachen, etwa Lieder vom Balkon oder vor der Haustür singen oder spielen, um anderen Menschen so eine Freude zu machen oder Trost zu spenden. Was genau das für eine Aktion sein könnte, weiß auch er noch nicht – in Musikerkreisen sprechen sich solche Ideen aber schnell herum.

Dass Gottesdienste bislang stattfinden durften, hatte nicht überall für Begeisterung gesorgt. Immer häufiger war Kritik laut geworden, warum ausgerechnet die Kirchen weiter machen könnten, wie bisher, während viele andere Einrichtungen schließen mussten. Schon lange galten in der evangelischen Kirche besonders strenge Hygieneauflagen. Auf den Gemeindegesang wurde verzichtet, Abstandsregeln und Maskenpflicht eingeführt und Kontakte erfasst.

Angesichts des totalen Lockdowns findet es Superintendent Mertins nun aber völlig nachvollziehbar, dass die Landeskirche von Westfalen den Bitten aus der Politik gefolgt ist. „Die Religionsausübung ist ein Grundrecht, auf dessen Wahrnehmung wir nun verzichten, um uns und andere zu schützen" sagt er. „Wir sind keine Lobbyisten, kein Verein, der seine Eigeninteressen durchsetzen will. Wir leben unseren Glauben jetzt dadurch, dass wir verzichten."

Trotzdem weiß er, dass gerade die ausgesetzten Weihnachtsgottesdienste die Gemeinden hart treffen. „Die ganze Aufregung hat mir noch mal gezeigt, dass das eben nicht nur Theologie sondern total wichtig ist." In vielen verschiedenen Gruppen gingen die Gläubigen ihren eigenen Interessen nach, sei es Musik, Jugendarbeit oder die Krabbelgruppe. „Der Gottesdienst ist das verbindende Element, das Zentrum, der Herzschlag der Religionsausübung."

Doch nicht nur für treue Gottesdienstbesucher wird an Heiligabend etwas fehlen: Viele Menschen und besonders viele Familien besuchen an diesem Tag die Kirche , obwohl sie sich sonst eher fernhalten. Traditionell sind die Gottesdienste am 24. Dezember die am stärksten besuchten des ganzen Jahres. Gemeinden bieten dann oft mehrere Christvespern nacheinander an. Mit ihren Onlineangeboten inklusive Krippenspielen im Internet wollen die Gemeinden nun auch ihnen wenigstens einen kleinen Ersatz zu bieten.

Mertins hofft nun, dass die Infektionszahlen zurückgehen und Gottesdienste wieder möglich sein werden. „Für Christen sind Gottesdienste wie ein gesitliches Atemholen – auf Dauer geht es nicht ohne."

Online-Gottesdienste Weihnachten 2020

Aus dem Evangelischen Kirchenkreis Minden gibt es über Weihnachten etliche Online-Gottesdienste. Folgende Angebote stehen bereits fest, weitere Angebote folgen:

Internet-Heiligabend-Gottesdienst des Evangelischen Kirchenkreises Minden mit Superintendent Michael Mertins aus der St.-Martini-Kirche auf www.kirchenkreis-minden.de

Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der St.-Marien-Kirche auf YouTube

Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der Martinigemeinde unter www.martinigemeinde.de

Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der Christuskirche, Link auf www.
st-marienkirchengemeinde-
minden/christuskirche/

Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus der Petrikirche auf www.petri-minden.de

Internet-Heiligabend-Gottesdienst aus Friedewalde auf YouTube, Link auf www.friedewalde.de

Online-Familien-Gottesdienst aus der Gemeinde St.-Thomas-Kirche „Der kleine König folgt dem Stern" und Online-Gottesdienst „Mitten in der Nacht" auf www.st-thomaskirche-minden.de

Zwei Online-Gottesdienste aus Lahde auf www.kirchengemeinde-lahde.de
; Online-Christvesper aus Windheim auf www.windheim.ekvw.de

Zwei Online-Gottesdienste aus der Gemeinde Hartum-Holzhausen auf www.lebendigesteine.de

Weihnachts-Video-Gottesdienst aus der Gemeinde Oberlübbe-Unterlübbe gemeinsam mit dem CVJM auf www.kirche-oberluebbe.deund www.cvjm-oberluebbe.de

Online-Gottesdienste zu Weihnachten aus der Gemeinde Hille auf www.kirchengemeinde-hille.de

Online-Weihnachtsgottesdienst aus der Gemeinde Bergkirchen auf www.bergkirchen.com

Gottesdienst zum vierten Advent, Heiligabend drei Gottesdienste (Familiengottesdienst, Gottesdienst mit Krippenspiel, Christvesper, Gottesdienst zum 2. Weihnachtstag unter www.barkhausen.ekvw.de.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden