AGV-Jahrestagung: Expertin sieht schwere Zeiten für deutsche Wirtschaft Sven Hauhart Minden/BadOeynhausen. Die Welt ist in Aufruhr. Angesichts der Geschehnisse in Afghanistan, der andauernden Corona-Pandemie, dem zunehmenden Einfluss Chinas auf Lieferketten und Rohstoffe sowie den immer dramatischer zu Tage tretenden Auswirkungen des Klimawandels, ist dies wohl keine übertriebene Feststellung. Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrats der CDU, sah dies im Schloss Ovelgönne genauso: „Können Krisen Chancen für eine zukunftsfähige Politik sein?“, fragte die 55-jährige Gesellschafterin der Piepenbrock-Unternehmensgruppe aus Osnabrück zu Beginn ihres Vortrags beim Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke. Der hatte seine Mitglieder zur Jahrestagung ins Eidinghausener Schloss geladen. Hamkers Antwort fiel einigermaßen ernüchternd, weil wenig zukunftsgewandt aus. Denn im Kern erschöpfte sie sich im altbekannten neoliberalen Credo: „Man muss die Industrie nur lassen, dann wird der Motor auch anspringen.“ Zu hohe Steuern, zu hohe Energiekosten, zu viel Regulierung. Garniert wurde dies mit dem Schreckgespenst einer rot-rot-grünen Regierung nach der Bundestagswahl, also quasi einem Aufguss der Rote-Socken-Kampagne der CDU aus dem Jahr 1994. Zuhörer hatten den Eindruck, dass die Präsidentin des CDU-Wirtschaftsrats den Schreck über die aktuellen Umfrageergebnisse noch nicht überwunden hatte. Und so geriet der Vortrag über die „Krise als Katalysator für Innovation“ im Grunde genommen zu einer Wahlkampfveranstaltung. Allerdings zu einer ziemlich guten. Denn Hamker sparte nicht mit beißender Polemik vor der aus ihrer Sicht richtungsentscheidenden Bundestagswahl am 26. September. „Die kommende Wahl wird darüber entscheiden, ob das Industrieland Deutschland in ein öko-sozialistisches Versuchslabor transformiert wird, oder ob der Geist der Sozialen Marktwirtschaft und des fairen Wettbewerbs unser Handeln bestimmt“, sagte sie. So seien einige Wahlprogramme schlicht ein Steueranschlag auf den Mittelstand und damit auf die Stützen der Gesellschaft. Die in einigen Ländern schon beschlossene Pflicht zu Solaranlagen auf Neubauten kritisierte sie ebenso wie das geforderte Verbot von Verbrennungsmotoren. „Niemand bestreitet, dass der Klimawandel eine große Herausforderung ist, aber wir sind gegen das staatsautoritäre Denken der Grünen“, sagte Hamker. Denn die deutsche Industrie sei auch ohne Technologieverbote in der Lage, klimaneutrale Antriebstechniken zu entwickeln. Man müsse es dem Markt überlassen, welche Antriebstechnik sich im konkreten Anwendungsfall als die wirtschaftlichste Lösung erweisen wird. „Ich finde es gut, dass sich junge Leute für das Klima engagieren, aber wenn ich sie dann frage, wie sie später ihren Wohlstand finanzieren wollen, dann verstehen sie das gar nicht, weil der Wohlstand immer da war und als selbstverständlich angenommen wird“, schloss Hamker. Denn der Wohlstand falle nicht vom Himmel, sondern müsse hart erarbeitet werden. Daher rief sie die anwesenden Unternehmer dazu auf, entgegen dem Trend zu moralischen Themen, die Sachthemen der Wirtschaft in die Gesellschaft zu transportieren.

AGV-Jahrestagung: Expertin sieht schwere Zeiten für deutsche Wirtschaft

Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrates der CDU, sprach über das Thema: Können Krisen Chancen für eine zukunftsfähige Politik sein? Foto: Sven Hauhart © Sven Hauhart, NW

Minden/BadOeynhausen. Die Welt ist in Aufruhr. Angesichts der Geschehnisse in Afghanistan, der andauernden Corona-Pandemie, dem zunehmenden Einfluss Chinas auf Lieferketten und Rohstoffe sowie den immer dramatischer zu Tage tretenden Auswirkungen des Klimawandels, ist dies wohl keine übertriebene Feststellung. Astrid Hamker, Präsidentin des Wirtschaftsrats der CDU, sah dies im Schloss Ovelgönne genauso: „Können Krisen Chancen für eine zukunftsfähige Politik sein?“, fragte die 55-jährige Gesellschafterin der Piepenbrock-Unternehmensgruppe aus Osnabrück zu Beginn ihres Vortrags beim Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke. Der hatte seine Mitglieder zur Jahrestagung ins Eidinghausener Schloss geladen.

Hamkers Antwort fiel einigermaßen ernüchternd, weil wenig zukunftsgewandt aus. Denn im Kern erschöpfte sie sich im altbekannten neoliberalen Credo: „Man muss die Industrie nur lassen, dann wird der Motor auch anspringen.“ Zu hohe Steuern, zu hohe Energiekosten, zu viel Regulierung. Garniert wurde dies mit dem Schreckgespenst einer rot-rot-grünen Regierung nach der Bundestagswahl, also quasi einem Aufguss der Rote-Socken-Kampagne der CDU aus dem Jahr 1994.

Zuhörer hatten den Eindruck, dass die Präsidentin des CDU-Wirtschaftsrats den Schreck über die aktuellen Umfrageergebnisse noch nicht überwunden hatte. Und so geriet der Vortrag über die „Krise als Katalysator für Innovation“ im Grunde genommen zu einer Wahlkampfveranstaltung. Allerdings zu einer ziemlich guten. Denn Hamker sparte nicht mit beißender Polemik vor der aus ihrer Sicht richtungsentscheidenden Bundestagswahl am 26. September.


„Die kommende Wahl wird darüber entscheiden, ob das Industrieland Deutschland in ein öko-sozialistisches Versuchslabor transformiert wird, oder ob der Geist der Sozialen Marktwirtschaft und des fairen Wettbewerbs unser Handeln bestimmt“, sagte sie. So seien einige Wahlprogramme schlicht ein Steueranschlag auf den Mittelstand und damit auf die Stützen der Gesellschaft. Die in einigen Ländern schon beschlossene Pflicht zu Solaranlagen auf Neubauten kritisierte sie ebenso wie das geforderte Verbot von Verbrennungsmotoren.

„Niemand bestreitet, dass der Klimawandel eine große Herausforderung ist, aber wir sind gegen das staatsautoritäre Denken der Grünen“, sagte Hamker. Denn die deutsche Industrie sei auch ohne Technologieverbote in der Lage, klimaneutrale Antriebstechniken zu entwickeln. Man müsse es dem Markt überlassen, welche Antriebstechnik sich im konkreten Anwendungsfall als die wirtschaftlichste Lösung erweisen wird.

„Ich finde es gut, dass sich junge Leute für das Klima engagieren, aber wenn ich sie dann frage, wie sie später ihren Wohlstand finanzieren wollen, dann verstehen sie das gar nicht, weil der Wohlstand immer da war und als selbstverständlich angenommen wird“, schloss Hamker. Denn der Wohlstand falle nicht vom Himmel, sondern müsse hart erarbeitet werden. Daher rief sie die anwesenden Unternehmer dazu auf, entgegen dem Trend zu moralischen Themen, die Sachthemen der Wirtschaft in die Gesellschaft zu transportieren.

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