Sieben neue Stolpersteine für ermordete Sinti aus Minden gesetzt Spuren im Pflaster der oberen Altstadt erinnern an die Familien Weiß und Grannemann Von Stefan Koch Minden (mt). Sieben weitere Stolpersteine erinnern in der oberen Altstadt an Schicksale der in der NS-Zeit ermordeten Sinti aus Minden (das MT berichtete). Der Künstler Gunter Demnig verlegte sie gestern unter öffentlicher Anteilnahme. Demnig drückt den Stolperstein ins Pflasterbett, korrigiert mit dem Hammer den Sitz, füllt Fugen mit trockenem Zementmörtel, gießt Wasser zum Aushärten darüber, fegt die Oberfläche mit Sand und Besen blank - bislang mehr als 44000 Mal in fast 20 Jahren, in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Eine solche Aufgabe ist nur bei vielen Terminen am Tag möglich. So wie gestern in Minden, Stolzenau und dann Hameln.Am Dienstag setzte er in der Ritterstraße 32/34 die Steine für Rudolf, Berta, Maria und Anna Weiss in den Boden. Alle wurden deportiert und in den Jahren 1943/1944 in Auschwitz ermordet. Als Überlebende aus der Familie war Charlotte Weiß mit Ehemann, Sohn und Enkel gestern beim Einsetzen vor dem Haus dabei, aus dem die Nazis auch die damals Siebenjährige holten. Das war vor 70 Jahren."Hier habe ich gewohnt", sagte sie bewegt und appellierte an die Anwesenden, es nie wieder zu einer verbrecherischen Diktatur kommen zu lassen. Dann legte sie eine weiße Rose auf die Steine.Der aus der Mindener Friedenswoche hervorgegangene Arbeitskreis Stolpersteine hatte die Verlegung organisiert. Wolfgang Gretzinger hatte zuvor die Schicksale der Mindener Sinti über mehrere Jahre für das Projekt recherchiert, das in Minden bislang vor allem die jüdische Bevölkerung zum Schwerpunkt hatte. So befindet sich in der Ritterstraße gegenüber der Anschrift 32/34 das Werberg-Haus (heute Mindener Museum), vor dem Stolpersteine an die ermordete jüdische Familie erinnern.Als gestern die Gruppe zusammen mit Schülern des Geschichtsleistungskurses der Jahrgangsstufe 11 des Ratsgymnasiums den zweiten Ort der Verlegung am Weingarten 54 aufsuchte, war dort ebenfalls schon ein Stolperstein eingelassen. Er erinnert an den ermordeten Sinto Willi Wenig. Ebenso wie er wurden Franz, Johanna und Minna Grannemann 1943 in Auschwitz ums Leben gebracht. Seit Dienstag sind auch ihre Namen im Mindener Pflaster gegenwärtig.Auch für Euthanasieopfer aus Minden hatte der Arbeitskreis zusammen mit Gunter Demnig Stolpersteine verlegt. Wie dessen Mitglied Hans Langescheid am Dienstag erklärte, wolle die Gruppe zukünftig verstärkt die Schicksale von Menschen mit Behinderungen aufarbeiten.

Sieben neue Stolpersteine für ermordete Sinti aus Minden gesetzt

Minden (mt). Sieben weitere Stolpersteine erinnern in der oberen Altstadt an Schicksale der in der NS-Zeit ermordeten Sinti aus Minden (das MT berichtete). Der Künstler Gunter Demnig verlegte sie gestern unter öffentlicher Anteilnahme.

Drei Stolpersteine für die Familie Grannemann am Weingarten waren gestern der zweite Teil der Aktion mit dem Künstler Gunter Demnig. Zuvor wurde der Opfer der Familie Weiß in der Ritterstraße gedacht. - © MT-Foto: Stefan Koch
Drei Stolpersteine für die Familie Grannemann am Weingarten waren gestern der zweite Teil der Aktion mit dem Künstler Gunter Demnig. Zuvor wurde der Opfer der Familie Weiß in der Ritterstraße gedacht. - © MT-Foto: Stefan Koch

Demnig drückt den Stolperstein ins Pflasterbett, korrigiert mit dem Hammer den Sitz, füllt Fugen mit trockenem Zementmörtel, gießt Wasser zum Aushärten darüber, fegt die Oberfläche mit Sand und Besen blank - bislang mehr als 44000 Mal in fast 20 Jahren, in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Eine solche Aufgabe ist nur bei vielen Terminen am Tag möglich. So wie gestern in Minden, Stolzenau und dann Hameln.

Am Dienstag setzte er in der Ritterstraße 32/34 die Steine für Rudolf, Berta, Maria und Anna Weiss in den Boden. Alle wurden deportiert und in den Jahren 1943/1944 in Auschwitz ermordet. Als Überlebende aus der Familie war Charlotte Weiß mit Ehemann, Sohn und Enkel gestern beim Einsetzen vor dem Haus dabei, aus dem die Nazis auch die damals Siebenjährige holten. Das war vor 70 Jahren.

"Hier habe ich gewohnt", sagte sie bewegt und appellierte an die Anwesenden, es nie wieder zu einer verbrecherischen Diktatur kommen zu lassen. Dann legte sie eine weiße Rose auf die Steine.

Der aus der Mindener Friedenswoche hervorgegangene Arbeitskreis Stolpersteine hatte die Verlegung organisiert. Wolfgang Gretzinger hatte zuvor die Schicksale der Mindener Sinti über mehrere Jahre für das Projekt recherchiert, das in Minden bislang vor allem die jüdische Bevölkerung zum Schwerpunkt hatte. So befindet sich in der Ritterstraße gegenüber der Anschrift 32/34 das Werberg-Haus (heute Mindener Museum), vor dem Stolpersteine an die ermordete jüdische Familie erinnern.

Als gestern die Gruppe zusammen mit Schülern des Geschichtsleistungskurses der Jahrgangsstufe 11 des Ratsgymnasiums den zweiten Ort der Verlegung am Weingarten 54 aufsuchte, war dort ebenfalls schon ein Stolperstein eingelassen. Er erinnert an den ermordeten Sinto Willi Wenig. Ebenso wie er wurden Franz, Johanna und Minna Grannemann 1943 in Auschwitz ums Leben gebracht. Seit Dienstag sind auch ihre Namen im Mindener Pflaster gegenwärtig.

Auch für Euthanasieopfer aus Minden hatte der Arbeitskreis zusammen mit Gunter Demnig Stolpersteine verlegt. Wie dessen Mitglied Hans Langescheid am Dienstag erklärte, wolle die Gruppe zukünftig verstärkt die Schicksale von Menschen mit Behinderungen aufarbeiten.

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