Minden-Meißen (mt). Um 23 endet die Spätschicht. Um 23.25 Uhr schlagen Anwohner Alarm. Feuer! 13 Minuten später werden elf Löschgruppen in Minden in Marsch gesetzt. Großalarm - nicht nur in Minden!


Der größte Brand seit Tönsmeier vor zwei Jahren hält in der Nacht zum Freitag die Region in Atem. Feuerschein, der über den Bergkamm hinweg weithin zu sehen ist, von der Autobahn aus, von Bergkirchen und von Wallücke.
"Fahrt auf Sicht!", lautet die Direktive an Einsatzkräfte, die fragen, wo es denn hingeht.
Das Palettenlager auf dem Hof der Firma Europal in der Rintelner Straße 18a steht im Vollbrand, als die ersten Fahrzeuge nach wenigen Minuten eintreffen. Das Holz brennt wie Zunder - wenigstens gehen davon keine Schadstoffe aus, wie Ortsvorsteher Günter Gäbler am nächsten Morgen erfragt.
Gefahr droht von der Rückseite, wo im Holzweg zwei Häuser auf einem Grundstück stehen und das hintere dicht an eine Freihalle herangebaut ist. Dort ist es brenzlig, als die Löschgruppe Kutenhausen als erste eintrifft. Ein Gartenhaus samt Gartengeräten brennt trotz sofortigen Eingreifens ab. Das Wohnhaus kann leicht beschädigt gerettet werden. Der Strom fällt aus. Die Familie muss bei Freunden übernachten. Zwei junge Feuerwehrleute werden mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Johannes Wesling Klinikum gebracht und vorsorglich überwacht. Am nächsten Tag können sie nach Haus.
Ein dritter Feuerwehrmann erleidet dem Vernehmen nach beim Einsatz einen Zuckerschock. Auch er kommt unter ärztliche Beobachtung.
Drehleiter spritzt von gesperrter B65 aus

Von drei Drehleitern aus spritzen Feuerwehrleute ohne Unterlass Wasser ins Feuer. Die des Löschzugs Stadtmitte steht auf der gesperrten B65. Auf der Rintelner Straße sind die Drehleiter der Berufsfeuerwehr und aus Porta im Einsatz.
So ein Löscheinsatz verschlingt Unmengen an Wasser. Weil der Brandort am Ende des Mindener Leitungsnetzes liegt, rücken auch immer mehr Tanklöschfahrzeuge an - 29 allein dieser Fahrzeuggattung listet der Einsatzbericht der Feuerwehr später auf. Aus Porta Westfalica, Bückeburg, Rinteln, Stadthagen, Hille, Petershagen, von den Werkfeuerwehren von BASF und der Lebenshilfe Rinteln kommen die Helfer. Schließlich rückt die Bundeswehrflugplatzfeuerwehr aus Achum mit drei Flugfeldlöschfahrzeugen an. 6000 Liter können die verspritzen - zwei bis drei Minuten lang, dann sind die 13000-Liter-Tanks leer.

Eine fast einen Kilometer lange doppelte Schlauchleitung wird zum Gevattersee gelegt, südlich der Schnellstraße stauen Feuerwehrleute einen Bach auf und entnehmen Wasser. Jedes Nass wird benötigt.
Kritische Momente, als drei oder vier Propangasflaschen auf dem Gelände explodieren. Lkw-Reifen, die mit einem lauten Knall zerbersten, sind nichts dagegen. Und ein 1000-Liter-Dieselbehälter? Keiner weiß so richtig, was mit dem passiert ist, sagt Einsatzleiter Heino Nordmeyer nach stundenlangem Kampf gegen die zeitweise enorme Hitze.
Noch am Morgen ist die Glut so stark, dass Feuerwehrleute weiter löschen müssen. Zwei Bagger des THW aus Bielefeld und Bünde sowie einer Privatfirma verteilen die glühenden Überreste.
Für Brandoberamtsrat Nordmeyer hat der Einsatz auch ein Gutes: Er zeige, wie die Feuerwehrleute grenzübergreifend Seite an Seite hervorragend zusammenarbeiten können.
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