Mindener Tageblatt

Bei Volkskrankheit Burnout auf Psychohygiene achten

Von Herbert Busch

Diffuser Begriff mit fast 70 Symptomen / Körper und Seele ins Gleichgewicht bringen

Minden (hz/um). Rund 20 Milliarden Euro, schätzt die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, kosten das Burnout-Syndrom und dessen Folgen die Volkswirtschaften der EU. Pro Jahr.

Die Flucht aus dem Alltag in die Krankheit kann zu einer ausweglosen Spirale werden. Foto (Archiv): dpa
Die Flucht aus dem Alltag in die Krankheit kann zu einer ausweglosen Spirale werden. Foto (Archiv): dpa

Burnout ist offiziell nicht als Krankheit mit klar definierten Symptomen und Ursachen anerkannt. Hintergründe des schwierig zu greifenden Themas erhellte im Hotel Bad Minden Professor Dr. Udo Schneider. Der Chefarzt des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit in Lübbecke sprach auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) zum Thema "Sind wir überfordert - Flucht aus dem Alltag in die Krankheit?"

"Immer mehr Menschen fallen in ihrem Job aus, weil sie unter Stress leiden und mit seelischen Belastungen nicht mehr zurecht kommen", skizzierte GfW-Sektionsleiter Klaus Suchland die Zusammenhänge. Termindruck, ständige Unterbrechungen und Störungen, permanente Verfügbarkeit, Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie führten zu psychischen Beeinträchtigungen. Krankenkassen sprächen von einer "Volkskrankheit". Suchland: "Inzwischen haben 41 Prozent der Frühverrentungen psychische Ursachen."

Dennoch vertrat Schneider, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, die Auffassung, dass die tatsächliche Zahl der Störungen nicht zugenommen habe. "Die Menschen sind nur bereiter, sich diesen Problemen zu stellen."

Was heute als diffuser Begriff mit mehr als 70 Symptomen daherkommt und zumeist mit "Erschöpfungszustand infolge einer länger anhaltenden beruflichen und/oder familiären Beanspruchungssituation" umschrieben wird, kann Schneiders Ausführungen gemäß einer zwölfstufigen Entwicklung folgen. Oft erstrecke sich der Ablauf der einzelnen Phasen über lange Zeiträume. Der Verzicht auf Erholungs- und Entspannungsphasen - Schneider: Man fühlt sich unentbehrlich, der Beruf wird zum hauptsächlichen Lebensmittelpunkt - sowie chronische Müdigkeit und Schlafstörungen könnten erste Warnsymptome darstellen.

"Bei einem Burnout geht es darum, sich zunächst einmal selbst zu schützen", unterstrich der Mediziner. Vor allen Dingen gelte es, den Stress zu bewältigen. Äußere Belastungsfaktoren verringern, stressverschärfende Einstellungen verändern, körperliche und seelische Stressreaktionen lindern. Wobei nicht vergessen werden dürfe, dass Stress im Kopf entstehe und die Einschätzung einer Situation als Herausforderung oder Bedrohung subjektiven Bewertungsprozessen unterliege.

Was interessanterweise auch auf das sogenannte Boreout-Syndrom (vom englischen bore - sich langweilen) zutreffe. "Auch Unterdruck kann Stress auslösen." In beiden Fällen komme der Psychohygiene eine wichtige Rolle zu. Zudem könne die Selbstachtsamkeit präventiv wirken. Schneider: "Körper und Geist müssen im Gleichgewicht sein."

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Mindener TageblattBei Volkskrankheit Burnout auf Psychohygiene achtenDiffuser Begriff mit fast 70 Symptomen / Körper und Seele ins Gleichgewicht bringenVon Herbert BuschMinden (hz/um). Rund 20 Milliarden Euro, schätzt die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, kosten das Burnout-Syndrom und dessen Folgen die Volkswirtschaften der EU. Pro Jahr.Burnout ist offiziell nicht als Krankheit mit klar definierten Symptomen und Ursachen anerkannt. Hintergründe des schwierig zu greifenden Themas erhellte im Hotel Bad Minden Professor Dr. Udo Schneider. Der Chefarzt des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit in Lübbecke sprach auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) zum Thema "Sind wir überfordert - Flucht aus dem Alltag in die Krankheit?""Immer mehr Menschen fallen in ihrem Job aus, weil sie unter Stress leiden und mit seelischen Belastungen nicht mehr zurecht kommen", skizzierte GfW-Sektionsleiter Klaus Suchland die Zusammenhänge. Termindruck, ständige Unterbrechungen und Störungen, permanente Verfügbarkeit, Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie führten zu psychischen Beeinträchtigungen. Krankenkassen sprächen von einer "Volkskrankheit". Suchland: "Inzwischen haben 41 Prozent der Frühverrentungen psychische Ursachen."Dennoch vertrat Schneider, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, die Auffassung, dass die tatsächliche Zahl der Störungen nicht zugenommen habe. "Die Menschen sind nur bereiter, sich diesen Problemen zu stellen."Was heute als diffuser Begriff mit mehr als 70 Symptomen daherkommt und zumeist mit "Erschöpfungszustand infolge einer länger anhaltenden beruflichen und/oder familiären Beanspruchungssituation" umschrieben wird, kann Schneiders Ausführungen gemäß einer zwölfstufigen Entwicklung folgen. Oft erstrecke sich der Ablauf der einzelnen Phasen über lange Zeiträume. Der Verzicht auf Erholungs- und Entspannungsphasen - Schneider: Man fühlt sich unentbehrlich, der Beruf wird zum hauptsächlichen Lebensmittelpunkt - sowie chronische Müdigkeit und Schlafstörungen könnten erste Warnsymptome darstellen."Bei einem Burnout geht es darum, sich zunächst einmal selbst zu schützen", unterstrich der Mediziner. Vor allen Dingen gelte es, den Stress zu bewältigen. Äußere Belastungsfaktoren verringern, stressverschärfende Einstellungen verändern, körperliche und seelische Stressreaktionen lindern. Wobei nicht vergessen werden dürfe, dass Stress im Kopf entstehe und die Einschätzung einer Situation als Herausforderung oder Bedrohung subjektiven Bewertungsprozessen unterliege.Was interessanterweise auch auf das sogenannte Boreout-Syndrom (vom englischen bore - sich langweilen) zutreffe. "Auch Unterdruck kann Stress auslösen." In beiden Fällen komme der Psychohygiene eine wichtige Rolle zu. Zudem könne die Selbstachtsamkeit präventiv wirken. Schneider: "Körper und Geist müssen im Gleichgewicht sein."