Wir machen Abi Aktuelle Abiturienten sehen Prüfungen gelassen entgegen Rechtzeitige Vorbereitung ist das beste Mittel gegen Stress / Bei Blackout in mündlicher Prüfung ehrlich sein Von Frederike Horstmann Minden (frh). Welches Thema kommt in der Klausur dran? Bin ich auch wirklich gut genug vorbereitet? Wird mein Wecker rechtzeitig klingeln? Die Zeit kurz vor den Abiturprüfungen ist aufregend. An diesen Tagen muss alles glattgehen - es muss einfach. Doch gerade dieses "Auf-den-Punkt-funktionieren-Müssen" kann Druck erzeugen. Prüfungssituationen liebt wohl niemand: "Jede Prüfung ist eine bedrohliche Situation. Angst entsteht, wenn man bewusst oder unbewusst nicht weiß, wie man mit dieser Situation umgehen soll. Wer daran glauben kann, mit dieser Bedrohung fertigzuwerden, erlebt keine Angst, sondern bestenfalls eine gewisse Anspannung", sagt Prof. Dr. Rainer Dollase, Bildungsforscher und Psychologieprofessor an der Uni Bielefeld. Das beste Mittel gegen Prüfungsstress sieht er in einer rechtzeitigen und gründlichen Vorbereitung."Dieser Ratschlag ist so altmodisch wie richtig, und er wird auch in 100 Jahren noch seine Gültigkeit haben", betont der Experte. Dabei müsse jeder für sich die Lernmethode auswählen, die sich während der Schulzeit am besten bewährt habe. Carolina Koberg aus dem 13. Jahrgang des Herder-Gymnasiums fühlt sich für ihre bevorstehenden Abiklausuren gut gerüstet: "Generell habe ich keinen großen Prüfungsstress, da meine Unterlagen gut zusammengefasst sind und ich damit effektiv lernen kann", berichtet sie. Zwischen den einzelnen Klausuren bleiben ihr jeweils fünf Tage Zeit zum Wiederholen des Stoffes. Carolina glaubt nicht, dass das Abi viel schwerer ist als normale Klausuren. "Wenn man immer gut mitgearbeitet hat, müsste es doch klappen. Man weiß halt nur nicht genau, was drankommt."Den Lerntext auf Tonband aufnehmenAuch ihr Mitschüler Arne Lilienkamp startet zuversichtlich in die Prüfungen. Seine Motivation schöpft er aus der Freude am Lernen und seinem großen Interesse an bestimmten Themen. Auch er stellt fest: "Es herrscht keine Gewissheit darüber, was in den Klausuren thematisiert wird. Doch grundsätzlich weiß ich, was drankommen kann. Darauf bereite ich mich bestmöglich vor." Ein frühes Zubettgehen vor dem Prüfungstag ist für Arne unerlässlich.Dollases Tipp zum erfolgreichen Abspeichern von Abiturwissen lautet: "Es hat Vorteile, den zu lernenden Text auf Tonband zu sprechen und häufiger am Tag abzuhören. Dann muss man sich nicht extra mit dem Buch an den Schreibtisch setzen, sondern kann beim Baden oder Joggen per Kopfhörer am Ball bleiben." Aber was ist, wenn sich der allseits gefürchtete "Blackout" breitmacht? Im Internet finden sich massenhaft Seiten, auf denen praktische Tipps und Hilfen bei Prüfungsangst und -stress zu finden sind. Bei einem Blackout während der mündlichen Prüfung wird häufig dazu geraten, die Blockade dem Prüfer gegenüber offen anzusprechen, da allein dies eine befreiende Wirkung haben könne. Bei schriftlichen Prüfungen helfen manchmal einfache Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Außerdem wird empfohlen, sich zunächst den Aufgaben zuzuwenden, die leicht zu lösen sind.Stressgefühl führt zu besonderen LeistungenRainer Dollase rät zur Konzentration auf die Sache: "Man sollte nicht daran denken, was alles schieflaufen könnte. Das kann man nach der Prüfung machen." Ein gewisses Stressgefühl vor wichtigen Prüfungen ist völlig natürlich und kann sogar zu besonderen Leistungen motivieren. Neben all den psychologischen Tipps und Erwägungen ist es sicher auch nicht verkehrt, sich auf den eigenen gesunden Menschenverstand zu verlassen, denn auch der legt ein paar Regeln nah: Eine gesunde Ernährung, genügend Schlaf, Bewegung, frische Luft und ein paar schöne Unternehmungen zwischen den Lernphasen sind gut für Körper und Seele.
Wir machen Abi

Aktuelle Abiturienten sehen Prüfungen gelassen entgegen

Minden (frh). Welches Thema kommt in der Klausur dran? Bin ich auch wirklich gut genug vorbereitet? Wird mein Wecker rechtzeitig klingeln? Die Zeit kurz vor den Abiturprüfungen ist aufregend. An diesen Tagen muss alles glattgehen - es muss einfach. Doch gerade dieses "Auf-den-Punkt-funktionieren-Müssen" kann Druck erzeugen.

Weniger ist mehr: Zusammengefasste Unterlagen verhindern ein "Verzetteln" in der Vorbereitungsphase. - © Foto: Horstmann
Weniger ist mehr: Zusammengefasste Unterlagen verhindern ein "Verzetteln" in der Vorbereitungsphase. - © Foto: Horstmann

Prüfungssituationen liebt wohl niemand: "Jede Prüfung ist eine bedrohliche Situation. Angst entsteht, wenn man bewusst oder unbewusst nicht weiß, wie man mit dieser Situation umgehen soll. Wer daran glauben kann, mit dieser Bedrohung fertigzuwerden, erlebt keine Angst, sondern bestenfalls eine gewisse Anspannung", sagt Prof. Dr. Rainer Dollase, Bildungsforscher und Psychologieprofessor an der Uni Bielefeld. Das beste Mittel gegen Prüfungsstress sieht er in einer rechtzeitigen und gründlichen Vorbereitung.

"Dieser Ratschlag ist so altmodisch wie richtig, und er wird auch in 100 Jahren noch seine Gültigkeit haben", betont der Experte. Dabei müsse jeder für sich die Lernmethode auswählen, die sich während der Schulzeit am besten bewährt habe. Carolina Koberg aus dem 13. Jahrgang des Herder-Gymnasiums fühlt sich für ihre bevorstehenden Abiklausuren gut gerüstet: "Generell habe ich keinen großen Prüfungsstress, da meine Unterlagen gut zusammengefasst sind und ich damit effektiv lernen kann", berichtet sie. Zwischen den einzelnen Klausuren bleiben ihr jeweils fünf Tage Zeit zum Wiederholen des Stoffes. Carolina glaubt nicht, dass das Abi viel schwerer ist als normale Klausuren. "Wenn man immer gut mitgearbeitet hat, müsste es doch klappen. Man weiß halt nur nicht genau, was drankommt."

Den Lerntext auf Tonband aufnehmen

Auch ihr Mitschüler Arne Lilienkamp startet zuversichtlich in die Prüfungen. Seine Motivation schöpft er aus der Freude am Lernen und seinem großen Interesse an bestimmten Themen. Auch er stellt fest: "Es herrscht keine Gewissheit darüber, was in den Klausuren thematisiert wird. Doch grundsätzlich weiß ich, was drankommen kann. Darauf bereite ich mich bestmöglich vor." Ein frühes Zubettgehen vor dem Prüfungstag ist für Arne unerlässlich.

Dollases Tipp zum erfolgreichen Abspeichern von Abiturwissen lautet: "Es hat Vorteile, den zu lernenden Text auf Tonband zu sprechen und häufiger am Tag abzuhören. Dann muss man sich nicht extra mit dem Buch an den Schreibtisch setzen, sondern kann beim Baden oder Joggen per Kopfhörer am Ball bleiben." Aber was ist, wenn sich der allseits gefürchtete "Blackout" breitmacht? Im Internet finden sich massenhaft Seiten, auf denen praktische Tipps und Hilfen bei Prüfungsangst und -stress zu finden sind. Bei einem Blackout während der mündlichen Prüfung wird häufig dazu geraten, die Blockade dem Prüfer gegenüber offen anzusprechen, da allein dies eine befreiende Wirkung haben könne. Bei schriftlichen Prüfungen helfen manchmal einfache Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Außerdem wird empfohlen, sich zunächst den Aufgaben zuzuwenden, die leicht zu lösen sind.

Stressgefühl führt zu besonderen Leistungen

Rainer Dollase rät zur Konzentration auf die Sache: "Man sollte nicht daran denken, was alles schieflaufen könnte. Das kann man nach der Prüfung machen." Ein gewisses Stressgefühl vor wichtigen Prüfungen ist völlig natürlich und kann sogar zu besonderen Leistungen motivieren. Neben all den psychologischen Tipps und Erwägungen ist es sicher auch nicht verkehrt, sich auf den eigenen gesunden Menschenverstand zu verlassen, denn auch der legt ein paar Regeln nah: Eine gesunde Ernährung, genügend Schlaf, Bewegung, frische Luft und ein paar schöne Unternehmungen zwischen den Lernphasen sind gut für Körper und Seele.

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