80 Menschen lassen sich als Stammzellenspender registrieren Stefan Koch Minden (mt). Das Thema Stammzellenspende war am Freitag an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in aller Munde. Denn zum Schulfest hatte die neue Schülervertretung die DKMS ( Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eingeladen. 80 Schüler, Eltern und Lehrer hatten sich an der Aktion beteiligt und eine Speichelprobe zur Typisierung abgegeben. Denn seit kurzem ist nicht mehr die Abgabe von Blut, sondern der einfache Gebrauch eines Stäbchens ausreichend, um in die weltweite Datei für Stammzellenspender zu kommen, damit gegebenenfalls Ärzte Blutkrebs-Patienten das Leben durch eine Transplantation retten können. Warum das Ganze beim Schulfest? „Ich habe auf der Webseite der DKMS gesehen, dass sie für Schüler Aktionstage anbietet“, sagt Schülersprecher Timo Barner. Ursprünglich seien mehrere medizinische Organisationen zur Begleitung des Festes der Kulturen vorgesehen gewesen, aber wegen des hohen Aufwandes und angesichts der erst vor einem Jahr neu gewählten Schülervertretung sei es dann erst einmal bei der Knochenmarkspenderdatei geblieben. So sammelte Matthias Epping, freiwilliger DKMS-Helfer, von rund 20 Schülern aller Jahrgangsstufen unterstützt, am Freitag das Material der potenziellen Spender ein. Dabei wurden persönliche Daten parallel zur Speichelprobe erhoben. Sie ist erforderlich, um festzustellen, ob Spender und Empfänger der Knochenmarkzellen zur Heilung des Blutkrebses genetisch zusammen passen. Wie Schülersprecher Barner weiß, hatten in der Vergangenheit bereits ein Schüler und ein Lehrer der KTG bei einer ähnlichen Typisierungsaktion mitgemacht und waren anschließend als Spender angefordert worden. So erging es auch Matthias Epping. Als 18-Jähriger hatte sich der Student vor fünf Jahren in einer Schule in Emsdetten registrieren lassen. Und schon im Jahr 2017 brauchten Mediziner seine Stammzellen für einen Patienten. „Ich weiß nur, dass es ein 59-Jähriger aus Spanien war“, sagt Epping. „Ich hätte gern mehr über ihn erfahren, aber in Spanien ist man bei der Weitergabe derartiger Daten streng.“ Anders sehe dies in den USA aus, wo es oft zu Treffen von Spendern und Empfängern komme und letztere ihre Dankbarkeit ausdrücken könnten. Wer seine Stammzellen durch eine Knochenmarkentnahme spenden wollte, musste früher unter Vollnarkose seinen Beckenkamm öffnen lassen. Aus dem Becken entnahmen Ärzte dann einen Liter Knochenmarkt-Blut-Gemisch. Danach blieb mitunter für mehre Tage ein örtlicher Wundschmerz bestehen und der Spender musste sich für ein paar Tage zuhause erholen. Nach wenigen Wochen hatte sich dann auch das Knochenmark im Becken regeneriert. Heute ist das nur in 20 Prozent aller Fälle erforderlich. So blieb diese Prozedur auch Matthias Epping erspart. „Bei mir wurde eine periphere Stammzellenentnahme durchgeführt“, erklärt der Student. Dabei sei er wie bei einer Dialyse in einer Kölner Privatklinik einige Stunden an zwei Schläuchen angeschlossen gewesen und ein Apparat habe seinem Blut Stammzellen entnommen. Damit genug vorhanden waren, erhielt er zuvor einen Wachstumsfaktor, der auch natürlich im Körper vorhanden ist. „Welchen Verfahren der Knochenmarkspende angewendet wird, entscheidet ein Arzt“, sagt Epping. Zum DKMS-Programm gehörte am Freitag nicht nur der Betrieb zur Datenerfassung in einem Registrierungsraum, sondern auch die Information durch einen Vortrag mit zwei Videos über Leukämie und die Folgen. „Mich haben die Schicksale sehr bewegt“, sagt KTG-Schülerin Carolin Scheunemann, die bei der Aktion als Helferin mitgemacht hatte. So sei in einem Beitrag ein Patient gezeigt worden, dem die Ärzte nicht mehr helfen konnten. In einem anderen Fall hatte ein Betroffener dank einer Stammzellentransplantation überlebt. Leukämie ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems bei dem die Entwicklung von weißen Blutzellen gestört ist. Nach Auskunft der DKMS erkrankt alle 15 Minuten allein in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Kinder und Erwachsene sind von dieser Krankheit gleichermaßen betroffen. Da die Typisierungsaktionen Geld kosten und nicht durch das Gesundheitsystem getragen werden, sammelt die DKMS Spendenmittel ein. Schüler hatten bei Elternsprechtagen am 6. und 7. Mai an der KTG einen Betrag in Höhe von 500 Euro gesammelt. Den Scheck dazu übergab Timo Barner am Freitag der Hilfsorganisation. Der Autor ist erreichbarunter (0571) 882 165und Stefan.Koch@MT.de

80 Menschen lassen sich als Stammzellenspender registrieren

Auch KTG-Schulleiterin Katharina Langner machte bei der Typisierungsaktion mit. Derweil notierte sich Jannic Seehausen ihre persönlichen Daten für den Fall, dass sie als Spenderin infrage kommt. MT- © Foto: Stefan Koch

Minden (mt). Das Thema Stammzellenspende war am Freitag an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in aller Munde. Denn zum Schulfest hatte die neue Schülervertretung die DKMS ( Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eingeladen. 80 Schüler, Eltern und Lehrer hatten sich an der Aktion beteiligt und eine Speichelprobe zur Typisierung abgegeben. Denn seit kurzem ist nicht mehr die Abgabe von Blut, sondern der einfache Gebrauch eines Stäbchens ausreichend, um in die weltweite Datei für Stammzellenspender zu kommen, damit gegebenenfalls Ärzte Blutkrebs-Patienten das Leben durch eine Transplantation retten können.

Warum das Ganze beim Schulfest? „Ich habe auf der Webseite der DKMS gesehen, dass sie für Schüler Aktionstage anbietet“, sagt Schülersprecher Timo Barner. Ursprünglich seien mehrere medizinische Organisationen zur Begleitung des Festes der Kulturen vorgesehen gewesen, aber wegen des hohen Aufwandes und angesichts der erst vor einem Jahr neu gewählten Schülervertretung sei es dann erst einmal bei der Knochenmarkspenderdatei geblieben.

So sammelte Matthias Epping, freiwilliger DKMS-Helfer, von rund 20 Schülern aller Jahrgangsstufen unterstützt, am Freitag das Material der potenziellen Spender ein. Dabei wurden persönliche Daten parallel zur Speichelprobe erhoben. Sie ist erforderlich, um festzustellen, ob Spender und Empfänger der Knochenmarkzellen zur Heilung des Blutkrebses genetisch zusammen passen. Wie Schülersprecher Barner weiß, hatten in der Vergangenheit bereits ein Schüler und ein Lehrer der KTG bei einer ähnlichen Typisierungsaktion mitgemacht und waren anschließend als Spender angefordert worden.

So erging es auch Matthias Epping. Als 18-Jähriger hatte sich der Student vor fünf Jahren in einer Schule in Emsdetten registrieren lassen. Und schon im Jahr 2017 brauchten Mediziner seine Stammzellen für einen Patienten. „Ich weiß nur, dass es ein 59-Jähriger aus Spanien war“, sagt Epping. „Ich hätte gern mehr über ihn erfahren, aber in Spanien ist man bei der Weitergabe derartiger Daten streng.“ Anders sehe dies in den USA aus, wo es oft zu Treffen von Spendern und Empfängern komme und letztere ihre Dankbarkeit ausdrücken könnten.

Wer seine Stammzellen durch eine Knochenmarkentnahme spenden wollte, musste früher unter Vollnarkose seinen Beckenkamm öffnen lassen. Aus dem Becken entnahmen Ärzte dann einen Liter Knochenmarkt-Blut-Gemisch. Danach blieb mitunter für mehre Tage ein örtlicher Wundschmerz bestehen und der Spender musste sich für ein paar Tage zuhause erholen. Nach wenigen Wochen hatte sich dann auch das Knochenmark im Becken regeneriert. Heute ist das nur in 20 Prozent aller Fälle erforderlich.

So blieb diese Prozedur auch Matthias Epping erspart. „Bei mir wurde eine periphere Stammzellenentnahme durchgeführt“, erklärt der Student. Dabei sei er wie bei einer Dialyse in einer Kölner Privatklinik einige Stunden an zwei Schläuchen angeschlossen gewesen und ein Apparat habe seinem Blut Stammzellen entnommen. Damit genug vorhanden waren, erhielt er zuvor einen Wachstumsfaktor, der auch natürlich im Körper vorhanden ist. „Welchen Verfahren der Knochenmarkspende angewendet wird, entscheidet ein Arzt“, sagt Epping.

Zum DKMS-Programm gehörte am Freitag nicht nur der Betrieb zur Datenerfassung in einem Registrierungsraum, sondern auch die Information durch einen Vortrag mit zwei Videos über Leukämie und die Folgen. „Mich haben die Schicksale sehr bewegt“, sagt KTG-Schülerin Carolin Scheunemann, die bei der Aktion als Helferin mitgemacht hatte. So sei in einem Beitrag ein Patient gezeigt worden, dem die Ärzte nicht mehr helfen konnten. In einem anderen Fall hatte ein Betroffener dank einer Stammzellentransplantation überlebt.

Leukämie ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems bei dem die Entwicklung von weißen Blutzellen gestört ist. Nach Auskunft der DKMS erkrankt alle 15 Minuten allein in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Kinder und Erwachsene sind von dieser Krankheit gleichermaßen betroffen. Da die Typisierungsaktionen Geld kosten und nicht durch das Gesundheitsystem getragen werden, sammelt die DKMS Spendenmittel ein. Schüler hatten bei Elternsprechtagen am 6. und 7. Mai an der KTG einen Betrag in Höhe von 500 Euro gesammelt. Den Scheck dazu übergab Timo Barner am Freitag der Hilfsorganisation.

Der Autor ist erreichbarunter (0571) 882 165und Stefan.Koch@MT.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden