Mindener Tageblatt

Fünf bis sechs anonyme Samenspenden in Minden im Monat

Von Claudia Hyna

Mediziner müssen Auskunft geben / Bisher keine Frage nach biologischem Vater

Minden (hy). Künstliche Befruchtung über anonyme Samenspende gibt es auch in Minden. Anfragen nach dem biologischen Vater sind im Zentrum für Kinderwunschbehandlung und Pränataldiagnostik am Simeonsplatz noch nicht vorgekommen.

Bislang keine Anfragen - © MINDEN
Bislang keine Anfragen (© MINDEN)

Das teilte Dr. Onno Buurman, Gynäkologe in der Mindener Gemeinschaftspraxis, auf Anfrage mit. Gestern war am Oberlandesgericht Hamm das Urteil gefällt worden, dass der Name von anonymen Samenspendern preisgegeben werden muss. Eine 22-Jährige hatte in zweiter Instanz geklagt und Recht bekommen.

Etwa fünf bis sechs Inseminationen mit Samen anonymer Spender werden in der Kinderwunschpraxis Minden im Monat vorgenommen. Diese Zahl ist seit Jahren konstant, so Buurman. Die Spenden kommen aus einer Samenbank in Düsseldorf. Die Namen der Spender sind den Kollegen nicht bekannt, "sie können aber über einen Code herausgefunden werden", so der Mediziner.

Nach einem Bundesverfassungsgericht-Urteil von 1989 ist die Praxis vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, Auskunft zu geben. Ab dem 18. Lebensjahr dürften auf diesem Weg gezeugte Kinder den Namen ihres genetischen Vaters erfahren. Eltern, die sich zu einer künstlichen Befruchtung entschließen, unterschreiben zuvor beim Rechtsanwalt eine derartige Verfügung.

Die Spermien werden in Flüssigstickstoff bei -196 Grad Celsius von Düsseldorf nach Minden transportiert und dort eingelagert. Die Ehepaare - im Bereich der Ärztekammer Westfalen-Lippe müssen sie verheiratet sein - machen zuvor Angaben über Haarfarbe und -struktur, Augenfarbe, Blutgruppe und Hautfarbe. So soll eine mögliche Ähnlichkeit hergestellt werden.

Bei dem Fall in Hamm lagen die Akten von vor 22 Jahren nicht mehr vor. Diese Fristen wurden im Jahr 2007 geändert. "Heute ist es vorgeschrieben, dass die Papiere 30 Jahre lang aufbewahrt werden. Unsere Sicherheitskopien werden einem Notar übergeben und dort für diese Dauer gelagert", sagt Onno Buurman.

Künstliche Befruchtungen insgesamt haben bis 2003 deutschlandweit zugenommen, seit 2004 gehen die Zahlen stetig nach unten, berichtet der Gynäkologe. Grund ist die gesetzliche Neuregelung, wonach Patienten die Hälfte der Kosten übernehmen müssen. Seitdem ist die Anzahl der durch künstliche Befruchtung gezeugten Kinder um 10000 im Jahr zurückgegangen.

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Mindener TageblattFünf bis sechs anonyme Samenspenden in Minden im MonatMediziner müssen Auskunft geben / Bisher keine Frage nach biologischem VaterVon Claudia HynaMinden (hy). Künstliche Befruchtung über anonyme Samenspende gibt es auch in Minden. Anfragen nach dem biologischen Vater sind im Zentrum für Kinderwunschbehandlung und Pränataldiagnostik am Simeonsplatz noch nicht vorgekommen.Das teilte Dr. Onno Buurman, Gynäkologe in der Mindener Gemeinschaftspraxis, auf Anfrage mit. Gestern war am Oberlandesgericht Hamm das Urteil gefällt worden, dass der Name von anonymen Samenspendern preisgegeben werden muss. Eine 22-Jährige hatte in zweiter Instanz geklagt und Recht bekommen.Etwa fünf bis sechs Inseminationen mit Samen anonymer Spender werden in der Kinderwunschpraxis Minden im Monat vorgenommen. Diese Zahl ist seit Jahren konstant, so Buurman. Die Spenden kommen aus einer Samenbank in Düsseldorf. Die Namen der Spender sind den Kollegen nicht bekannt, "sie können aber über einen Code herausgefunden werden", so der Mediziner.Nach einem Bundesverfassungsgericht-Urteil von 1989 ist die Praxis vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, Auskunft zu geben. Ab dem 18. Lebensjahr dürften auf diesem Weg gezeugte Kinder den Namen ihres genetischen Vaters erfahren. Eltern, die sich zu einer künstlichen Befruchtung entschließen, unterschreiben zuvor beim Rechtsanwalt eine derartige Verfügung.Die Spermien werden in Flüssigstickstoff bei -196 Grad Celsius von Düsseldorf nach Minden transportiert und dort eingelagert. Die Ehepaare - im Bereich der Ärztekammer Westfalen-Lippe müssen sie verheiratet sein - machen zuvor Angaben über Haarfarbe und -struktur, Augenfarbe, Blutgruppe und Hautfarbe. So soll eine mögliche Ähnlichkeit hergestellt werden.Bei dem Fall in Hamm lagen die Akten von vor 22 Jahren nicht mehr vor. Diese Fristen wurden im Jahr 2007 geändert. "Heute ist es vorgeschrieben, dass die Papiere 30 Jahre lang aufbewahrt werden. Unsere Sicherheitskopien werden einem Notar übergeben und dort für diese Dauer gelagert", sagt Onno Buurman.Künstliche Befruchtungen insgesamt haben bis 2003 deutschlandweit zugenommen, seit 2004 gehen die Zahlen stetig nach unten, berichtet der Gynäkologe. Grund ist die gesetzliche Neuregelung, wonach Patienten die Hälfte der Kosten übernehmen müssen. Seitdem ist die Anzahl der durch künstliche Befruchtung gezeugten Kinder um 10000 im Jahr zurückgegangen.