Beatrix Berger berichtet vom Leben mit Multipler Sklerose Kunst und Krankheit Von Rolf Graff Minden (rgr). "Schon oft war ich auf dieser Bühne", erzählt die Dame im Rollstuhl ihrem Publikum im Kleinen Theater am Weingarten und jeder spürt, dass sie hier immer noch ganz in ihrem Element ist. Lange hat Beatrix Berger hier zusammen mit ihrem Mann Bernd als Puppenspielerin im gemeinsamen "Fingerhut-Theater" nicht nur Kindern Freude gemacht. "Aber noch nie war ich in so einem körperlich miserablen Zustand" berichtet sie weiter und die Zuhörer können nur ahnen, welche Anstrengung es sie und ihre Angehörigen, die sie begleiten, gekostet hat, dass sie nun hier sitzt, um ihren ersten Roman "Die Achse der Erde" vorzustellen.Auch Bruder Kalle ist aus Berlin angereist. Er hat durch seine spöttischen Bemerkungen verhindert, dass sie bereits mit zwölf Jahren einen Liebesroman schrieb, berichtet sie schmunzelnd.Seit mehr als 30 Jahren leidet Beatrix Berger an Multipler Sklerose und wie sie zum Schreiben auf die Hilfe ihrer Schwester und ihrer Tochter angewiesen war, muss sie wegen einer Sehnerventzündung auch das Lesen ihrer Schwester Ellinor Haase überlassen, die dies fesselnd gestaltet.Dass die Autorin humorvoll und spannend erzählen kann, zeigt sich schon an ihren Einleitungen, die sie zu den gelesenen Kapiteln gibt. Maxie und Pejü heißen ihre Romanhelden, die viel von ihr und ihrem Mann haben. Beide begegnen sich auf einer Parkwiese in Bochum und nur ein Blick genügt. Ein paar Wochen später wohnt sie schon bei ihm und muss sich von ihrer feministischen Freundin Kritik gefallen lassen, dass sie für ihn kocht.Eine Art russisches NationalgerichtDas Ergebnis ihrer Mühen ist im Dampfkochtopf zu einer Breimasse gewordener Rosenkohl mit Kartoffeln, das sie kreativ "russisches Nationalgericht" nennt, was weitere Kochversuche erübrigt.In Minden bereitet sich das Paar während der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl auf die Geburt ihres Kindes vor. Die Realität hat sie hier um einen strickenden Mann angereichert, um mehr Zeitgeist in die Geschichte zu bringen.Wie sie, erkrankt auch Maxi unheilbar und später auch Puppenspieler Pejü. Beatrix Bergers Mann Bernd verstarb im vergangenen Jahr. Wer die Bergers kannte, als sie noch hier in der Gegend lebten, entdeckt in den Texten bekannte Charaktere und Lokalitäten. Ein geplantes Buch mit Gedichten ihres Mannes stellte die Autorin am Ende noch kurz vor. Zum Gelingen der Veranstaltung trug auch der musikalische Rahmen sehr bei, den Gitarrist Willi Grote gestaltete. Virtuos gestaltete spanische Gitarrenstücke trafen auf den Beifall der Autorin und des Publikums.

Beatrix Berger berichtet vom Leben mit Multipler Sklerose

Minden (rgr). "Schon oft war ich auf dieser Bühne", erzählt die Dame im Rollstuhl ihrem Publikum im Kleinen Theater am Weingarten und jeder spürt, dass sie hier immer noch ganz in ihrem Element ist.

Ein tolles Team gestaltet die Lesung des Buches "Die Achse der Erde": Autorin Beatrix Berger (vorn), Vorleserin Ellinor Haase und Gitarrist Willi Grote. - © Foto: Rolf Graff
Ein tolles Team gestaltet die Lesung des Buches "Die Achse der Erde": Autorin Beatrix Berger (vorn), Vorleserin Ellinor Haase und Gitarrist Willi Grote. - © Foto: Rolf Graff

Lange hat Beatrix Berger hier zusammen mit ihrem Mann Bernd als Puppenspielerin im gemeinsamen "Fingerhut-Theater" nicht nur Kindern Freude gemacht. "Aber noch nie war ich in so einem körperlich miserablen Zustand" berichtet sie weiter und die Zuhörer können nur ahnen, welche Anstrengung es sie und ihre Angehörigen, die sie begleiten, gekostet hat, dass sie nun hier sitzt, um ihren ersten Roman "Die Achse der Erde" vorzustellen.

Auch Bruder Kalle ist aus Berlin angereist. Er hat durch seine spöttischen Bemerkungen verhindert, dass sie bereits mit zwölf Jahren einen Liebesroman schrieb, berichtet sie schmunzelnd.

Seit mehr als 30 Jahren leidet Beatrix Berger an Multipler Sklerose und wie sie zum Schreiben auf die Hilfe ihrer Schwester und ihrer Tochter angewiesen war, muss sie wegen einer Sehnerventzündung auch das Lesen ihrer Schwester Ellinor Haase überlassen, die dies fesselnd gestaltet.

Dass die Autorin humorvoll und spannend erzählen kann, zeigt sich schon an ihren Einleitungen, die sie zu den gelesenen Kapiteln gibt. Maxie und Pejü heißen ihre Romanhelden, die viel von ihr und ihrem Mann haben. Beide begegnen sich auf einer Parkwiese in Bochum und nur ein Blick genügt. Ein paar Wochen später wohnt sie schon bei ihm und muss sich von ihrer feministischen Freundin Kritik gefallen lassen, dass sie für ihn kocht.

Eine Art russisches Nationalgericht
Das Ergebnis ihrer Mühen ist im Dampfkochtopf zu einer Breimasse gewordener Rosenkohl mit Kartoffeln, das sie kreativ "russisches Nationalgericht" nennt, was weitere Kochversuche erübrigt.

In Minden bereitet sich das Paar während der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl auf die Geburt ihres Kindes vor. Die Realität hat sie hier um einen strickenden Mann angereichert, um mehr Zeitgeist in die Geschichte zu bringen.

Wie sie, erkrankt auch Maxi unheilbar und später auch Puppenspieler Pejü. Beatrix Bergers Mann Bernd verstarb im vergangenen Jahr. Wer die Bergers kannte, als sie noch hier in der Gegend lebten, entdeckt in den Texten bekannte Charaktere und Lokalitäten. Ein geplantes Buch mit Gedichten ihres Mannes stellte die Autorin am Ende noch kurz vor. Zum Gelingen der Veranstaltung trug auch der musikalische Rahmen sehr bei, den Gitarrist Willi Grote gestaltete. Virtuos gestaltete spanische Gitarrenstücke trafen auf den Beifall der Autorin und des Publikums.

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