Mindener Tageblatt

Puppenspielerin verfasst ihren ersten Roman

Von Jürgen Langenkämper

Welt-MS-Tag: Beatrix Berger leidet seit mehr als 30 Jahren an Multipler Sklerose / Erfahrungen in Buch verarbeitet

Minden (mt). Lange hat Beatrix Berger in Norddeutschland gelebt, im Diepenauer Ortsteil Nordel, um genau zu sein. In Minden verbrachte sie einen Teil ihrer Freizeit und arbeitete hier mit ihrem Mann Bernd - als Puppenspieler. Doch dann erkrankte sie an Multipler Sklerose, kurz: MS. Jetzt hat sie einen Roman verfasst.

Erstlingsroman vorgelegt: Beatrix Berger ist als Puppenspielerin auch in Minden bekannt. Jetzt verfasste sie ein Buch. - © Foto: pr
Erstlingsroman vorgelegt: Beatrix Berger ist als Puppenspielerin auch in Minden bekannt. Jetzt verfasste sie ein Buch. (© Foto: pr)

"Alles ist in meinem Kopf entstanden", sagt die 54-Jährige. Denn selbst schreiben kann sie aufgrund der zunehmenden Lähmung in beiden Händen nicht mehr und häufige Sehnerventzündungen haben das Lesen stark eingeschränkt. Alles, was sie ausdrücken wollte, durchdachte Beatrix Berger über Tage hinweg bis ins Detail in ihrem Kopf. "Dann habe ich mit meiner Schwester oder meiner Tochter telefoniert, alles diktiert und sie haben es für mich niedergeschrieben", sagt die Autorin.

Zehn Monate dauerte die ungewöhnliche Entstehung eines ungewöhnlichen Romans. "Die Achse der Erde" schildert das Leben von Maxie und Pejü, ihre Liebesbeziehung über 30 Jahre hinweg und ihr schweres Schicksal, als unheilbare Erkrankungen diagnostiziert werden, MS im Fall Maxies und Lungenkrebs bei ihrem Mann, dem Puppenspieler Pejü. Auch Beatrix Bergers Mann Bernd ist im vergangenen Jahr verstorben.

Wie weit der Roman autobiografische Züge trägt - "autobiografisch ist die Weltsicht", sagt die Autorin -, gar ein Schlüsselroman ist, in dessen Charakteren sich ganz viele Menschen wiedererkennen können, mögen jene Leser entdecken, die die Autorin und den Puppenspieler schon kannten, als beide noch an der Grenze zum Mindener Land lebten und häufig hier auftraten.

"Beide haben mit ihrem Fingerhut-Theater 1987 das Kindertheaterprogramm der Volkshochschule mitbegründet, damals noch im Hansehaus und ein Jahr später im Kleinen Theater am Weingarten", erinnert sich VHS-Direktor Dietmar Lehmann. All die Jahre steuerten sie Stücke mit bei. Auch beim 20-jährigen Bestehen der Reihe wirkte Bernd Berger, der auch Regiearbeit für andere Puppentheater leistete, mit - damals schon allein. Denn 2005 musste Beatrix Berger aufgrund ihrer schweren Erkrankung die Bühnenarbeit aufgeben.

"Wir waren 1982 aus dem Rheinland nach Nordel gezogen, weil dort das Wohnen günstig war", blickt sie zurück. Ausflüge nach Minden, Besuche in der - aus der ländlichen Sicht - großen Stadt und schließlich Arbeiten lassen in ihrem Buch ihre Heldin Maxie aufatmen. Stationen in der Weserstadt durchziehen den Roman auf vielen Seiten und lassen den Leser die Atmosphäre der 80er- und 90er-Jahre atmen und vieles aus dieser Zeit, ob es nun das Programmkino, das alternative Bildungswerk, die VHS, die Fußgängerzone oder das Klinikum ist, zumindest im Ansatz wiedererkennen.

Ende der 80er wurde MS bei der damals 30-jährigen Frau diagnostiziert. "Die ersten Anzeichen hatte ich aber schon 1975", erinnert sich Beatrix Berger. Nur wusste sie diese noch nicht zuzuordnen.

Nach 17 Jahren in Norddeutschland zog das Puppenspielerehepaar an den Mittelrhein, wo Bernd Bergers Eltern ein Haus besaßen. Dennoch kam er immer wieder bis kurz vor seinem Tod für Auftritte nach Minden. In dem Haus wohnt Beatrix Berger heute mit ihrer Tochter und deren Lebensgefährten.

"Jeder Mensch hat Impulse", sagt Beatrix Berger und ermutigt andere MS-Kranke: "Es mach Sinn, diesen Impulsen nachzuspüren." Sie selbst sei immer künstlerisch aktiv gewesen. Schon während ihrer Ausbildung hatten Mitschüler ihr schriftstellerisches Talent gesehen. Sie selbst aber lenkte ihre Kreativität ins Puppenspiel. Erst jetzt kommt ihre schriftstellerische Seite zum Tragen, und das zweite Buch soll bald folgen.

Beatrix Berger, Die Achse der Welt, Wendepunkt Verlag, Weiden 2012, 339 Seiten, ISBN 978-3942688376, 15,80 Euro.

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Mindener TageblattPuppenspielerin verfasst ihren ersten RomanWelt-MS-Tag: Beatrix Berger leidet seit mehr als 30 Jahren an Multipler Sklerose / Erfahrungen in Buch verarbeitetVon Jürgen LangenkämperMinden (mt). Lange hat Beatrix Berger in Norddeutschland gelebt, im Diepenauer Ortsteil Nordel, um genau zu sein. In Minden verbrachte sie einen Teil ihrer Freizeit und arbeitete hier mit ihrem Mann Bernd - als Puppenspieler. Doch dann erkrankte sie an Multipler Sklerose, kurz: MS. Jetzt hat sie einen Roman verfasst."Alles ist in meinem Kopf entstanden", sagt die 54-Jährige. Denn selbst schreiben kann sie aufgrund der zunehmenden Lähmung in beiden Händen nicht mehr und häufige Sehnerventzündungen haben das Lesen stark eingeschränkt. Alles, was sie ausdrücken wollte, durchdachte Beatrix Berger über Tage hinweg bis ins Detail in ihrem Kopf. "Dann habe ich mit meiner Schwester oder meiner Tochter telefoniert, alles diktiert und sie haben es für mich niedergeschrieben", sagt die Autorin.Zehn Monate dauerte die ungewöhnliche Entstehung eines ungewöhnlichen Romans. "Die Achse der Erde" schildert das Leben von Maxie und Pejü, ihre Liebesbeziehung über 30 Jahre hinweg und ihr schweres Schicksal, als unheilbare Erkrankungen diagnostiziert werden, MS im Fall Maxies und Lungenkrebs bei ihrem Mann, dem Puppenspieler Pejü. Auch Beatrix Bergers Mann Bernd ist im vergangenen Jahr verstorben.Wie weit der Roman autobiografische Züge trägt - "autobiografisch ist die Weltsicht", sagt die Autorin -, gar ein Schlüsselroman ist, in dessen Charakteren sich ganz viele Menschen wiedererkennen können, mögen jene Leser entdecken, die die Autorin und den Puppenspieler schon kannten, als beide noch an der Grenze zum Mindener Land lebten und häufig hier auftraten."Beide haben mit ihrem Fingerhut-Theater 1987 das Kindertheaterprogramm der Volkshochschule mitbegründet, damals noch im Hansehaus und ein Jahr später im Kleinen Theater am Weingarten", erinnert sich VHS-Direktor Dietmar Lehmann. All die Jahre steuerten sie Stücke mit bei. Auch beim 20-jährigen Bestehen der Reihe wirkte Bernd Berger, der auch Regiearbeit für andere Puppentheater leistete, mit - damals schon allein. Denn 2005 musste Beatrix Berger aufgrund ihrer schweren Erkrankung die Bühnenarbeit aufgeben."Wir waren 1982 aus dem Rheinland nach Nordel gezogen, weil dort das Wohnen günstig war", blickt sie zurück. Ausflüge nach Minden, Besuche in der - aus der ländlichen Sicht - großen Stadt und schließlich Arbeiten lassen in ihrem Buch ihre Heldin Maxie aufatmen. Stationen in der Weserstadt durchziehen den Roman auf vielen Seiten und lassen den Leser die Atmosphäre der 80er- und 90er-Jahre atmen und vieles aus dieser Zeit, ob es nun das Programmkino, das alternative Bildungswerk, die VHS, die Fußgängerzone oder das Klinikum ist, zumindest im Ansatz wiedererkennen.Ende der 80er wurde MS bei der damals 30-jährigen Frau diagnostiziert. "Die ersten Anzeichen hatte ich aber schon 1975", erinnert sich Beatrix Berger. Nur wusste sie diese noch nicht zuzuordnen.Nach 17 Jahren in Norddeutschland zog das Puppenspielerehepaar an den Mittelrhein, wo Bernd Bergers Eltern ein Haus besaßen. Dennoch kam er immer wieder bis kurz vor seinem Tod für Auftritte nach Minden. In dem Haus wohnt Beatrix Berger heute mit ihrer Tochter und deren Lebensgefährten."Jeder Mensch hat Impulse", sagt Beatrix Berger und ermutigt andere MS-Kranke: "Es mach Sinn, diesen Impulsen nachzuspüren." Sie selbst sei immer künstlerisch aktiv gewesen. Schon während ihrer Ausbildung hatten Mitschüler ihr schriftstellerisches Talent gesehen. Sie selbst aber lenkte ihre Kreativität ins Puppenspiel. Erst jetzt kommt ihre schriftstellerische Seite zum Tragen, und das zweite Buch soll bald folgen.Beatrix Berger, Die Achse der Welt, Wendepunkt Verlag, Weiden 2012, 339 Seiten, ISBN 978-3942688376, 15,80 Euro.