Russischer Generalkonsul Jewgenij Schmagin zu Kurzbesuch Minden "Wir arbeiten auf das 22. Jahrhundert hin" / Botschafter für den Westen Deutschlands Von Carsten Korfesmeyer Minden (cko). Er kennt Michail Gorbatschow, kannte Boris Jelzin oder auch Leonid Breschnew. Jewgenij Schmagin ist viel in der Welt herumgekommen. Gestern besuchte der russische Generalkonsul Minden. Zu den vielen Aufgaben des 62-Jährigen zählen (auch) die wirtschaftlichen Interessen seines Landes. 2010 übernahm er das Generalkonsulat in Bonn, das für NRW, Rheinland Pfalz und das Saarland zuständig ist. "Unseres ist das weltweit größte", sagt Jewgenij Schmagin bei seinem zweistündigen Minden-Trip, der ihn ins Rathaus - und dann zur Firma Follmann führt.Dem typischen Diplomatenbild entspricht er nicht. Recht locker sitzt Jewgenij Schmagin im Sessel des Besprechungsraums, wo er eher im Plauderton von sich und seiner Arbeit erzählt. "Ich war in den Achtzigerjahren schon einmal in Minden. Ich habe hier einen Vortrag gehalten." Gut erinnere er sich an diese "unglaublich spannende Zeit" im Kalten Krieg, in der er im Zentralapparat des Außenministeriums sowie in den Vertretungen der Sowjetunion in West-Berlin, der Bundesrepublik oder Österreich arbeitete. "Heute haben wir völlig andere Voraussetzungen in Europa."Und die sind auf Partnerschaften ausgelegt, die sich nach Worten Jewgenij Schmagins nicht nur auf wirtschaftliche Themen beschränken. Auch das ist der Grund, warum er einen engen Draht zu den Städten seines Bereichs hält. Er besucht Bildungseinrichtungen, Bürgermeister, Parlamentarier oder die Menschen auf der Straße. "Die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland werden weiter ausgebaut", sagt er. Allein 6200 deutsche Unternehmen hätten Verbindungen nach Russland. "Und mindestens weitere 6200 Firmen wollen mit unserem Land zusammenarbeiten."Geschäftliche VerbindungenFollmann zählt zu den wenigen Unternehmen, die bereits seit einem halben Jahrhundert geschäftliche Verbindungen nach Russland haben. Die international tätige Mindener Firma der Industrie hat ihre Kernkompetenz in Spezialchemikalien für die dekorative und funktionale Gestaltung von Oberflächen und Verbindungen. "Dazu zählen auch Druckfarben oder Verpackungen", sagt Unternehmenschef Dr. Henrik Follmann. Und er präsentiert seinem Gast Zahlen, die dieser gerne hören dürfte, denn: Das Engagement der Mindener auf dem russischen Markt nimmt immer weiter zu. Sitz des russischen Follmann-Ablegers mit Verwaltung und Lager ist heute in Egorewsk. "Das Vertriebsbüro ist in Moskau", sagt der Chef und: Mittlerweile betrage der dortige Umsatz rund sieben Millionen Euro.Rundgang über BetriebsgeländeBeim Rundgang über das Betriebsgelände lässt sich Jewgenij Schmagin einige der Produktionsbereiche zeigen. Mit dabei ist unter anderem auch Bürgermeister Michael Buhre, der mit dem Diplomaten auch über ein paar aktuelle Minden-Themen spricht. Und der russische Gast findet Gefallen an dem Gespräch. Er lädt Buhreund Follmann dazu ein, ihn möglichst bald in Bonn zu besuchen. "Wir fahren dann zusammen", sagt Follmann.Dass es dem Botschafter wichtig ist, vor Ort zu sein, wird bei seinem Besuch mehrfach deutlich. "Deutschland ist für uns einer der wichtigsten Handelspartner", sagt er. Überzeugt sei er, dass die Länder in ganz Europa von ihren Synergien profitieren werden. Und dann blickt er ganz weit in die Zukunft. "Wir arbeiten auf das 22. Jahrhundert hin", sagt er. Die Frage, wie er sich diese Zeit vorstellt, beantwortet er nicht. Gegen Mittag steigt der Botschafter in seinen Dienstwagen. Er hat noch einen Termin in Bonn.

Russischer Generalkonsul Jewgenij Schmagin zu Kurzbesuch Minden

Minden (cko). Er kennt Michail Gorbatschow, kannte Boris Jelzin oder auch Leonid Breschnew. Jewgenij Schmagin ist viel in der Welt herumgekommen. Gestern besuchte der russische Generalkonsul Minden.

Gute Laune beim Kurzbesuch haben Bürgermeister Michael Buhre (l.), Generalkonsul Jewgenij Schmagin und Unternehmenschef Dr. Henrik Follmann. Das Trio trifft möglicherweise schon bald wieder in Bonn zusammen. - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Gute Laune beim Kurzbesuch haben Bürgermeister Michael Buhre (l.), Generalkonsul Jewgenij Schmagin und Unternehmenschef Dr. Henrik Follmann. Das Trio trifft möglicherweise schon bald wieder in Bonn zusammen. - © Foto: Carsten Korfesmeyer

Zu den vielen Aufgaben des 62-Jährigen zählen (auch) die wirtschaftlichen Interessen seines Landes. 2010 übernahm er das Generalkonsulat in Bonn, das für NRW, Rheinland Pfalz und das Saarland zuständig ist. "Unseres ist das weltweit größte", sagt Jewgenij Schmagin bei seinem zweistündigen Minden-Trip, der ihn ins Rathaus - und dann zur Firma Follmann führt.

Dem typischen Diplomatenbild entspricht er nicht. Recht locker sitzt Jewgenij Schmagin im Sessel des Besprechungsraums, wo er eher im Plauderton von sich und seiner Arbeit erzählt. "Ich war in den Achtzigerjahren schon einmal in Minden. Ich habe hier einen Vortrag gehalten." Gut erinnere er sich an diese "unglaublich spannende Zeit" im Kalten Krieg, in der er im Zentralapparat des Außenministeriums sowie in den Vertretungen der Sowjetunion in West-Berlin, der Bundesrepublik oder Österreich arbeitete. "Heute haben wir völlig andere Voraussetzungen in Europa."

Und die sind auf Partnerschaften ausgelegt, die sich nach Worten Jewgenij Schmagins nicht nur auf wirtschaftliche Themen beschränken. Auch das ist der Grund, warum er einen engen Draht zu den Städten seines Bereichs hält. Er besucht Bildungseinrichtungen, Bürgermeister, Parlamentarier oder die Menschen auf der Straße. "Die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland werden weiter ausgebaut", sagt er. Allein 6200 deutsche Unternehmen hätten Verbindungen nach Russland. "Und mindestens weitere 6200 Firmen wollen mit unserem Land zusammenarbeiten."

Geschäftliche Verbindungen
Follmann zählt zu den wenigen Unternehmen, die bereits seit einem halben Jahrhundert geschäftliche Verbindungen nach Russland haben. Die international tätige Mindener Firma der Industrie hat ihre Kernkompetenz in Spezialchemikalien für die dekorative und funktionale Gestaltung von Oberflächen und Verbindungen. "Dazu zählen auch Druckfarben oder Verpackungen", sagt Unternehmenschef Dr. Henrik Follmann. Und er präsentiert seinem Gast Zahlen, die dieser gerne hören dürfte, denn: Das Engagement der Mindener auf dem russischen Markt nimmt immer weiter zu. Sitz des russischen Follmann-Ablegers mit Verwaltung und Lager ist heute in Egorewsk. "Das Vertriebsbüro ist in Moskau", sagt der Chef und: Mittlerweile betrage der dortige Umsatz rund sieben Millionen Euro.

Rundgang über Betriebsgelände
Beim Rundgang über das Betriebsgelände lässt sich Jewgenij Schmagin einige der Produktionsbereiche zeigen. Mit dabei ist unter anderem auch Bürgermeister Michael Buhre, der mit dem Diplomaten auch über ein paar aktuelle Minden-Themen spricht. Und der russische Gast findet Gefallen an dem Gespräch. Er lädt Buhre

und Follmann dazu ein, ihn möglichst bald in Bonn zu besuchen. "Wir fahren dann zusammen", sagt Follmann.

Dass es dem Botschafter wichtig ist, vor Ort zu sein, wird bei seinem Besuch mehrfach deutlich. "Deutschland ist für uns einer der wichtigsten Handelspartner", sagt er. Überzeugt sei er, dass die Länder in ganz Europa von ihren Synergien profitieren werden. Und dann blickt er ganz weit in die Zukunft. "Wir arbeiten auf das 22. Jahrhundert hin", sagt er. Die Frage, wie er sich diese Zeit vorstellt, beantwortet er nicht. Gegen Mittag steigt der Botschafter in seinen Dienstwagen. Er hat noch einen Termin in Bonn.

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