500 Ansichtskarten vom historischen Minden: Das ungewöhnliche Hobby von Eckhard Prasuhn Stefan Koch Minden. Es gibt Glücksmomente, die weit zurück liegen, aber manchmal zum Vorschein kommen – so wie alte Postkarten von schönen Reisen, die in der Schublade auftauchen. Und um Postkarten, die er zutreffender „Ansichtskarten“ nennt, handelt es sich auch bei Eckhard Prasuhn, wenn er an Glücksmomente denkt. Er sammelte sie viele Jahre lang. Und der Erwerb jedes einzelnen Exemplares war ein besonderer Moment. Seinem Hobby ging der 68-Jährige neben seinem Beruf als Technischer Zeichner im ehemaligen Bundesbahn-Zentralamt nach. Dabei beschränkte er sich auf Mindener Motive. Bis zu 500 Karten – und somit glückliche Augenblicke – kamen zusammen. Heute lässt Prasuhn sein Hobby etwas ruhiger angehen. „Vor allem auf den vielen Briefmarkenbörsen habe ich nach alten Ansichten aus Minden gesucht“, sagt Prasuhn. Die meisten dieser Veranstaltungen waren in Essen, Osnabrück und natürlich auch in Minden. Eigentlich habe er mit seiner Leidenschaft als Briefmarkensammler gestartet. „Aber das waren mir die kleinen Marken irgendwann nicht mehr aussagekräftig genug.“ An den Ansichtskarten aus Minden fasziniert ihn vor allem, dass sie Bilder der Stadt zeigen, wie es sie längst nicht mehr gibt. „Das ist dann auch ein historisches Interesse“, meint Prasuhn der sich über den Erwerb der Objekte hinaus auch etwas mit der Mindener Stadtgeschichte auseinander setzt. Wie ein Archäologe suchte er Altes, um es zu bewahren. „Eine solche Entdeckung war dann immer auch eine besondere Freude.“ Schon ab einen Euro sind die Stücke auf den Sammlerbörsen zu bekommen. Aber auch Preise von 30 bis 40 Euro, mitunter auch mehr, gebe es durchaus für besonders seltene Stücke. Als etwas Besonderes in seiner Sammlung empfindet Prasuhn fünf Karten vom ehemaligen Hotel „Stadt London“ in der Bäckerstraße, das in der NS-Zeit den patriotischer klingenden Namen „König von Preußen“ angenommen hatte und später abgerissen wurde. Ein Exemplar ist auf der Rückseite mit einer Schweizer Briefmarke frankiert – offenbar hatte ein Reisender das gute Stück in Minden erworben und erst bei den Eidgenossen dafür Verwendung gefunden. Mehrere Fotos zeigen auch Innenaufnahmen wie den Salon oder den Speisesaal der Nobel-Herberge. Glücklich war auch der Moment, als Prasuhn auf einem Verkaufstisch eine alte Ansicht von der Überführung des Mittellandkanals über die Weser entdeckt hatte. „Ich dachte erst, es sei eins der üblichen Motive vom berühmten Wasserstraßenkreuz“, sagt der Sammler. Aber später las er das Kleingedruckte auf der Vorderseite. Danach handelte es sich um eine Edition zur Gewerbe- und Industrieausstellung in Minden von 1914. „Die musste dann im Ersten Weltkrieg abgebrochen werden“, meint Prasuhn. Wie die Rückseite der Karte ausweist, hatte damals der Absender Grüße an ein „Fräulein Dora Dickmann in Elberfeld“ geschickt – vermutlich war er ein Soldat, der in der Garnisonsstadt Minden diente. Was aber macht ein Sammler mit all den Karten, die er in einer riesigen Auswahl entdeckt und für wertvoll befunden hat? Sie kommen in Alben mit Klarsichthüllen. Prasuhn zeigte sie gelegentlich bei Börsen oder bei den Treffen des Mindener Briefmarkensammlervereins, dem er viele Jahre vorstand. Für andere Personen aus seinem Umfeld sind die Stücke dagegen weniger wichtig. Schon seit längerem trägt sich Prasuhn deshalb mit dem Gedanken, die Ansichtskarten wieder los zu werden. „Meine Kinder interessieren sich nicht dafür.“ Da sei es besser, wenn sie in Hände Besitzern kämen, die sie zu schätzen wüssten. So hat er schon etliche Exemplare auf Börsen wieder abgegeben, und es sollen noch mehr hinzu kommen. Ob der das eines Tages bereuen könnte? „Ich weiß von einem Sammler, der seine ganzen Ansichtskarten weggegeben hat, als er ins Altenheim gekommen ist“, sagt der 68-Jährige. „Doch hinterher hat er wieder angefangen, sich in kleinerem Umfang einige Stücke zuzulegen.“ Auf jeden Fall werde er sich nie von allen Karten trennen. Die Bilder vom Hotel „Stadt London“ und der Überführung über den Mittellandkanal beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs bleiben für immer in seinem Besitz.

500 Ansichtskarten vom historischen Minden: Das ungewöhnliche Hobby von Eckhard Prasuhn

Minden. Es gibt Glücksmomente, die weit zurück liegen, aber manchmal zum Vorschein kommen – so wie alte Postkarten von schönen Reisen, die in der Schublade auftauchen. Und um Postkarten, die er zutreffender „Ansichtskarten“ nennt, handelt es sich auch bei Eckhard Prasuhn, wenn er an Glücksmomente denkt. Er sammelte sie viele Jahre lang. Und der Erwerb jedes einzelnen Exemplares war ein besonderer Moment.

Eckhard Prasuhn interessiert es vor allem, wie Minden früher ausgesehen hat. MT-Foto: Stefan Koch - © Stefan Koch
Eckhard Prasuhn interessiert es vor allem, wie Minden früher ausgesehen hat. MT-Foto: Stefan Koch - © Stefan Koch

Seinem Hobby ging der 68-Jährige neben seinem Beruf als Technischer Zeichner im ehemaligen Bundesbahn-Zentralamt nach. Dabei beschränkte er sich auf Mindener Motive. Bis zu 500 Karten – und somit glückliche Augenblicke – kamen zusammen. Heute lässt Prasuhn sein Hobby etwas ruhiger angehen.

„Vor allem auf den vielen Briefmarkenbörsen habe ich nach alten Ansichten aus Minden gesucht“, sagt Prasuhn. Die meisten dieser Veranstaltungen waren in Essen, Osnabrück und natürlich auch in Minden. Eigentlich habe er mit seiner Leidenschaft als Briefmarkensammler gestartet. „Aber das waren mir die kleinen Marken irgendwann nicht mehr aussagekräftig genug.“

An den Ansichtskarten aus Minden fasziniert ihn vor allem, dass sie Bilder der Stadt zeigen, wie es sie längst nicht mehr gibt. „Das ist dann auch ein historisches Interesse“, meint Prasuhn der sich über den Erwerb der Objekte hinaus auch etwas mit der Mindener Stadtgeschichte auseinander setzt. Wie ein Archäologe suchte er Altes, um es zu bewahren. „Eine solche Entdeckung war dann immer auch eine besondere Freude.“ Schon ab einen Euro sind die Stücke auf den Sammlerbörsen zu bekommen. Aber auch Preise von 30 bis 40 Euro, mitunter auch mehr, gebe es durchaus für besonders seltene Stücke.

Als etwas Besonderes in seiner Sammlung empfindet Prasuhn fünf Karten vom ehemaligen Hotel „Stadt London“ in der Bäckerstraße, das in der NS-Zeit den patriotischer klingenden Namen „König von Preußen“ angenommen hatte und später abgerissen wurde. Ein Exemplar ist auf der Rückseite mit einer Schweizer Briefmarke frankiert – offenbar hatte ein Reisender das gute Stück in Minden erworben und erst bei den Eidgenossen dafür Verwendung gefunden. Mehrere Fotos zeigen auch Innenaufnahmen wie den Salon oder den Speisesaal der Nobel-Herberge.

Glücklich war auch der Moment, als Prasuhn auf einem Verkaufstisch eine alte Ansicht von der Überführung des Mittellandkanals über die Weser entdeckt hatte. „Ich dachte erst, es sei eins der üblichen Motive vom berühmten Wasserstraßenkreuz“, sagt der Sammler. Aber später las er das Kleingedruckte auf der Vorderseite. Danach handelte es sich um eine Edition zur Gewerbe- und Industrieausstellung in Minden von 1914. „Die musste dann im Ersten Weltkrieg abgebrochen werden“, meint Prasuhn. Wie die Rückseite der Karte ausweist, hatte damals der Absender Grüße an ein „Fräulein Dora Dickmann in Elberfeld“ geschickt – vermutlich war er ein Soldat, der in der Garnisonsstadt Minden diente.

Was aber macht ein Sammler mit all den Karten, die er in einer riesigen Auswahl entdeckt und für wertvoll befunden hat? Sie kommen in Alben mit Klarsichthüllen. Prasuhn zeigte sie gelegentlich bei Börsen oder bei den Treffen des Mindener Briefmarkensammlervereins, dem er viele Jahre vorstand. Für andere Personen aus seinem Umfeld sind die Stücke dagegen weniger wichtig.

Schon seit längerem trägt sich Prasuhn deshalb mit dem Gedanken, die Ansichtskarten wieder los zu werden. „Meine Kinder interessieren sich nicht dafür.“ Da sei es besser, wenn sie in Hände Besitzern kämen, die sie zu schätzen wüssten. So hat er schon etliche Exemplare auf Börsen wieder abgegeben, und es sollen noch mehr hinzu kommen.

Ob der das eines Tages bereuen könnte? „Ich weiß von einem Sammler, der seine ganzen Ansichtskarten weggegeben hat, als er ins Altenheim gekommen ist“, sagt der 68-Jährige. „Doch hinterher hat er wieder angefangen, sich in kleinerem Umfang einige Stücke zuzulegen.“ Auf jeden Fall werde er sich nie von allen Karten trennen. Die Bilder vom Hotel „Stadt London“ und der Überführung über den Mittellandkanal beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs bleiben für immer in seinem Besitz.

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