Lokaler Aktionsplan im Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken"

Engagement für gesellschaftliche Werte

Von Carsten Korfesmeyer

Lokaler Aktionsplan Minden (LAP) setzt sich gegen Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit ein

Minden (cko). Karl-Heinz Ochs werden in den kommenden Monaten einige Anträge ins Haus flattern. Der externe Koordinator des Lokalen Aktionsplans Minden (LAP) muss einzelne Projekte prüfen. "Auf Nachhaltigkeit", sagt er, denn: Darauf komme es hauptsächlich an.

Der Boxclub Minden und der "Verein deutscher Sinti Minden" bieten das Projekt "Echt clever" an, das Jugendlichen richtiges Sozialverhalten näher bringt. - © Foto: dpa
Der Boxclub Minden und der "Verein deutscher Sinti Minden" bieten das Projekt "Echt clever" an, das Jugendlichen richtiges Sozialverhalten näher bringt. (© Foto: dpa)

Schon jetzt stehen in Minden Vorhaben an, die dem Motto "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" voll entsprechen dürften. Im Frühjahr hat die Stadt den Zuschlag des bundesweit laufenden Projekts erhalten. Für Karl-Heinz Ochs und seine Mitstreiter aus dem Verein "Minden für Demokratie und Vielfalt" ist das eine mehr als willkommene Gelegenheit, am Bild einer weltoffenen, freundlichen, bunten und lebenswerten Stadt weiter zu malen.

"Wir wenden uns in erster Linie gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus", sagt der externe Koordinator, der sein Büro in der Kampstraße 27 hat. Dort wird er auch die Anträge bearbeiten. Und Karl-Heinz Ochs rechnet mit einer hohen Nachfrage. "Wir werden das bereitgestellte Geld ausgeben", sagt er. Rund 60 000 Euro stehen für 2011 zur Verfügung; für 2012 sind es weitere 80 000 Euro. Insgesamt gibt das Bundesfamilienministerium bundesweit 24 Millionen Euro aus.

"Wir wollen uns positiv darstellen und sprechen die Mitte der Gesellschaft an", sagt Karl-Heinz Ochs. So gesehen dürfte das Projekt "Echt clever" offene Türen bei ihm einrennen, das der Boxclub Minden mit dem "Verein deutscher Sinti Minden" gemeinsam ausrichtet. "Dort wird beispielsweise Jugendlichen geholfen, den Anschluss an die Schule wiederzu- finden oder zu halten", sagt Projektleiter Jacques Delfeld. Über den Sport sollen den jungen Leuten soziale Werte vermittelt werden. "Unter anderem Teamfähigkeit und gegenseitiger Respekt", sagt der Projektleiter.

Mit "Echt clever" gibt es schon sehr positive Erfahrungswerte aus anderen Städten. In Minden wird der bekannte Boxer Oswald Marschsall für das Projekt verantwortlich sein. Ihm geht es einerseits darum, die Freude am Boxsport zu vermitteln. Andererseits sollen die Jugendlichen auch lernen, wie man miteinander umzugehen hat. "Und es ist wünschenswert, dass die Jugendlichen aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommen", sagt Delfeld. Es soll ein Gemeinschaftsgefühl entstehen, in dem Stärkere die Schwächeren mitziehen und: Für Hausaufgabenhilfe und Förderunterricht stehen den Jugendlichen ausgebildete Erzieher und Lehrer zur Seite.

Der Geschichtsverein setzt sich mit Gedenkkultur zum Nationalsozialismus auseinander.
Der Geschichtsverein setzt sich mit Gedenkkultur zum Nationalsozialismus auseinander.

Ein Projekt der Erinnerungskultur hat der Mindener Geschichtsverein angestoßen. "Konkret im Bezug auf den Nationalsozialismus", sagt Vorsitzender Peter Kock. Zunächst gehe es darum, Menschen für das Vorhaben zu begeistern. "Wir arbeiten mit Multiplikatoren und wollen den Menschen ein entsprechendes Forum bieten." Gezielt werden besonders Kinder und Jugendliche angesprochen, die sich mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte intensiver auseinandersetzen wollen.

Erarbeitet werden soll unter anderem, wie eine vernünftige Gedenkkultur entstehen kann. Nach Worten von Peter Kock gibt es zahlreiche Stätten im Mühlenkreis, die mit der Naziherrschaft auf irgendeine Weise in Verbindung stehen. Diese gelte es zu erfassen - und thematisch einzubinden. Auch persönlich Betroffene sollen dabei zu Wort kommen. "Aber uns gehen allmählich die Zeitzeugen verloren", sagt der Mann, der das Projekt gemeinsam mit dem Kirchenkreis und der VHS organisiert.

Ein ideales Feld, um Gespräche zu führen

Hinter der Kleingartenanlage in Bärenkämpen entsteht der "Interkulturelle Garten Minden", der im Lokalen Aktionsplan unterstützt wird. Gisela Posch, Sibylle Orzschig, Figen Peköz, Peter Engbert und Malacki Hayek nehmen die ersten Anpflanzungen vor - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Hinter der Kleingartenanlage in Bärenkämpen entsteht der "Interkulturelle Garten Minden", der im Lokalen Aktionsplan unterstützt wird. Gisela Posch, Sibylle Orzschig, Figen Peköz, Peter Engbert und Malacki Hayek nehmen die ersten Anpflanzungen vor (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Ein spannendes Projekt, bei dem die Teilnehmer obendrein noch an der frischen Luft sind, ist der "Interkulturelle Garten Minden", der zurzeit hinter der Kleingartenanlage in Bärenkämpen (Sieben Bauern) entsteht. Die Teilnehmer sind (noch) zum größten Teil Frauen mit Migrationshintergrund, die gerne einen eigenen Garten haben wollen. "Das ist ein ideales Feld, um miteinander ins Gespräch zu kommen", sagt Gisela Posch, die das Projekt mit organisiert.

Grundsätzlich steht die Mitarbeit im Garten allen offen. Schon seit mehr als einem Jahr treffen sich die Teilnehmer des Vereins "Interkultureller Garten Bärenkämpen" regelmäßig mit dem Ziel, einen Gemeinschaftsgarten für Bewohner des Stadtteils Bärenkämpen und Umgebung zu schaffen, wo Gemüse, Kräuter oder Obst wachsen. "Aber auch gegenseitige Freundschaft, Wertschätzung und Wissen gedeihen können", sagt Gisela Posch. 1900 Quadratmeter misst das Grundstück, das im Juni von der Stadt gepachtet wurde. Die Größe der einzelnen Parzellen liegt zwischen 30 und 40 Quadratmetern.

Im Vorstand des im Juli gegründeten Vereins sind bereits fünf Nationalitäten vertreten. Viele Aktivitäten für die Bewohner Bärenkämpens sind geplant. Die Teilnehmer laden Schulen, Kindergärten Jugendhaus oder Seniorenheime zur Zusammenarbeit an Projekten ein. "Vor Ort soll es Weiterbildung zu Heilkräuterkunde, Permakultur und nachhaltiger Landnutzung geben", sagt Gisela Posch. Aber auch Spielgelegenheiten für Kinder geben, denen eine eigene Gartenparzelle gewidmet werden soll.

Im Jahr 2003 ist die Kurt-Tucholsky-Gesamtschule dem bundesweit laufenden Projekt "Schule ohne Rassismus beigetreten. Einige Aktionen sind seither mit großem Erfolg gelaufen. "Zum Beispiel Ausstellungen oder Veranstaltungen zur Ernährungsproblematik", sagt Klaus Lindemann, der das Projekt als Lehrer begleitet. Den LAP sieht er als tolle Chance, seine "Schule ohne Rassismus" noch weiter voranbringen zu können. "Wir können verschiedene Ideen umsetzen, für die uns bislang das Geld gefehlt hat", sagt er.

Lokaler Aktionsplan Minden (LAP)
Seit Mitte 2011 wird der Lokale Aktionsplan Minden (LAP) im Rahmen des "Bundesprogramms für Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" bis Ende 2013 gefördert.

Mit dem LAP können Projekte von Vereinen und Initiativen gefördert werden, die sich nachhaltig gegen Extremismus, Rassismus oder Demokratiefeindlichkeit einsetzen.

Das Büro des LAP in Minden befindet sich in der Kampstraße 27. Dort können auch die Anträge eingereicht werden. Im Internet ist man unter www.lap-minden.de erreichbar. (cko)

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Lokaler Aktionsplan im Bundesprogramm "Toleranz fördern - Kompetenz stärken"Engagement für gesellschaftliche WerteLokaler Aktionsplan Minden (LAP) setzt sich gegen Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit einVon Carsten KorfesmeyerMinden (cko). Karl-Heinz Ochs werden in den kommenden Monaten einige Anträge ins Haus flattern. Der externe Koordinator des Lokalen Aktionsplans Minden (LAP) muss einzelne Projekte prüfen. "Auf Nachhaltigkeit", sagt er, denn: Darauf komme es hauptsächlich an.Schon jetzt stehen in Minden Vorhaben an, die dem Motto "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" voll entsprechen dürften. Im Frühjahr hat die Stadt den Zuschlag des bundesweit laufenden Projekts erhalten. Für Karl-Heinz Ochs und seine Mitstreiter aus dem Verein "Minden für Demokratie und Vielfalt" ist das eine mehr als willkommene Gelegenheit, am Bild einer weltoffenen, freundlichen, bunten und lebenswerten Stadt weiter zu malen."Wir wenden uns in erster Linie gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus", sagt der externe Koordinator, der sein Büro in der Kampstraße 27 hat. Dort wird er auch die Anträge bearbeiten. Und Karl-Heinz Ochs rechnet mit einer hohen Nachfrage. "Wir werden das bereitgestellte Geld ausgeben", sagt er. Rund 60 000 Euro stehen für 2011 zur Verfügung; für 2012 sind es weitere 80 000 Euro. Insgesamt gibt das Bundesfamilienministerium bundesweit 24 Millionen Euro aus."Wir wollen uns positiv darstellen und sprechen die Mitte der Gesellschaft an", sagt Karl-Heinz Ochs. So gesehen dürfte das Projekt "Echt clever" offene Türen bei ihm einrennen, das der Boxclub Minden mit dem "Verein deutscher Sinti Minden" gemeinsam ausrichtet. "Dort wird beispielsweise Jugendlichen geholfen, den Anschluss an die Schule wiederzu- finden oder zu halten", sagt Projektleiter Jacques Delfeld. Über den Sport sollen den jungen Leuten soziale Werte vermittelt werden. "Unter anderem Teamfähigkeit und gegenseitiger Respekt", sagt der Projektleiter.Mit "Echt clever" gibt es schon sehr positive Erfahrungswerte aus anderen Städten. In Minden wird der bekannte Boxer Oswald Marschsall für das Projekt verantwortlich sein. Ihm geht es einerseits darum, die Freude am Boxsport zu vermitteln. Andererseits sollen die Jugendlichen auch lernen, wie man miteinander umzugehen hat. "Und es ist wünschenswert, dass die Jugendlichen aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommen", sagt Delfeld. Es soll ein Gemeinschaftsgefühl entstehen, in dem Stärkere die Schwächeren mitziehen und: Für Hausaufgabenhilfe und Förderunterricht stehen den Jugendlichen ausgebildete Erzieher und Lehrer zur Seite.Ein Projekt der Erinnerungskultur hat der Mindener Geschichtsverein angestoßen. "Konkret im Bezug auf den Nationalsozialismus", sagt Vorsitzender Peter Kock. Zunächst gehe es darum, Menschen für das Vorhaben zu begeistern. "Wir arbeiten mit Multiplikatoren und wollen den Menschen ein entsprechendes Forum bieten." Gezielt werden besonders Kinder und Jugendliche angesprochen, die sich mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte intensiver auseinandersetzen wollen.Erarbeitet werden soll unter anderem, wie eine vernünftige Gedenkkultur entstehen kann. Nach Worten von Peter Kock gibt es zahlreiche Stätten im Mühlenkreis, die mit der Naziherrschaft auf irgendeine Weise in Verbindung stehen. Diese gelte es zu erfassen - und thematisch einzubinden. Auch persönlich Betroffene sollen dabei zu Wort kommen. "Aber uns gehen allmählich die Zeitzeugen verloren", sagt der Mann, der das Projekt gemeinsam mit dem Kirchenkreis und der VHS organisiert.Ein ideales Feld, um Gespräche zu führenEin spannendes Projekt, bei dem die Teilnehmer obendrein noch an der frischen Luft sind, ist der "Interkulturelle Garten Minden", der zurzeit hinter der Kleingartenanlage in Bärenkämpen (Sieben Bauern) entsteht. Die Teilnehmer sind (noch) zum größten Teil Frauen mit Migrationshintergrund, die gerne einen eigenen Garten haben wollen. "Das ist ein ideales Feld, um miteinander ins Gespräch zu kommen", sagt Gisela Posch, die das Projekt mit organisiert.Grundsätzlich steht die Mitarbeit im Garten allen offen. Schon seit mehr als einem Jahr treffen sich die Teilnehmer des Vereins "Interkultureller Garten Bärenkämpen" regelmäßig mit dem Ziel, einen Gemeinschaftsgarten für Bewohner des Stadtteils Bärenkämpen und Umgebung zu schaffen, wo Gemüse, Kräuter oder Obst wachsen. "Aber auch gegenseitige Freundschaft, Wertschätzung und Wissen gedeihen können", sagt Gisela Posch. 1900 Quadratmeter misst das Grundstück, das im Juni von der Stadt gepachtet wurde. Die Größe der einzelnen Parzellen liegt zwischen 30 und 40 Quadratmetern.Im Vorstand des im Juli gegründeten Vereins sind bereits fünf Nationalitäten vertreten. Viele Aktivitäten für die Bewohner Bärenkämpens sind geplant. Die Teilnehmer laden Schulen, Kindergärten Jugendhaus oder Seniorenheime zur Zusammenarbeit an Projekten ein. "Vor Ort soll es Weiterbildung zu Heilkräuterkunde, Permakultur und nachhaltiger Landnutzung geben", sagt Gisela Posch. Aber auch Spielgelegenheiten für Kinder geben, denen eine eigene Gartenparzelle gewidmet werden soll.Im Jahr 2003 ist die Kurt-Tucholsky-Gesamtschule dem bundesweit laufenden Projekt "Schule ohne Rassismus beigetreten. Einige Aktionen sind seither mit großem Erfolg gelaufen. "Zum Beispiel Ausstellungen oder Veranstaltungen zur Ernährungsproblematik", sagt Klaus Lindemann, der das Projekt als Lehrer begleitet. Den LAP sieht er als tolle Chance, seine "Schule ohne Rassismus" noch weiter voranbringen zu können. "Wir können verschiedene Ideen umsetzen, für die uns bislang das Geld gefehlt hat", sagt er.Lokaler Aktionsplan Minden (LAP)Seit Mitte 2011 wird der Lokale Aktionsplan Minden (LAP) im Rahmen des "Bundesprogramms für Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" bis Ende 2013 gefördert.Mit dem LAP können Projekte von Vereinen und Initiativen gefördert werden, die sich nachhaltig gegen Extremismus, Rassismus oder Demokratiefeindlichkeit einsetzen.Das Büro des LAP in Minden befindet sich in der Kampstraße 27. Dort können auch die Anträge eingereicht werden. Im Internet ist man unter www.lap-minden.de erreichbar. (cko)