Afrikas Konkurrenz aus Europa Ausstellung porträtiert Milchbauern / Aktionswochen "Rio Plus" Von Sophie Mono Minden (mt). Auf den ersten Blick haben Djeneba Cisse aus Burkina Faso und Anneliese Schmeh aus Baden-Württemberg nicht viel gemeinsam. Auf den Zweiten schon: beide sind Milchbauern und beide leiden unter den Folgen der Globalisierung - und werden deshalb in der Bürgerhalle porträtiert. Es ist die erste Veranstaltung der "Rio-Plus-Aktionswochen", die der Mindener Weltladen auch in diesem Jahr organisiert (MT berichtete). Bilder und Texte dokumentieren die Sorgen, Wünsche und Herausforderungen der Kleinbauern. Anschaulich, und ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Während der 32-jährige Westafrikaner mit seinen vier Kühen nur den Eigenbedarf seiner Familie decken kann, leidet die 67-jährige Süddeutsche mit ihren 28 Milchkühen unter Lohndumping.Das Stichwort in beiden Fällen: globaler Markt. "Durch die EU-Agrarpolitik wird mehr Milch produziert, als nachgefragt wird. Dadurch sinken die Milchpreise und das ist schlecht für hiesige Bauern", erklärt Marco Klemmt bei der Ausstellungseröffnung. Er arbeitet bei der Nichtregierungsorganisation "Germanwatch" und hat die Ausstellung "Mensch Macht Milch" auf die Beine gestellt."Was in Europa passiert, hat immer auch globale Auswirkungen", erklärt er. Um die europäischen Milch-Überschüsse weltweit absetzen zu können, werde der Markt auch für andere Kontinente geöffnet. Die subventionierten Billig-Milchprodukte "Made in Europe" konkurrieren dann mit den heimischen Produkten von afrikanischen Kleinbauern. "Das darf nicht sein", findet Marco Klemmt. "So werden dort Märkte zerstört, die extra mit teurer Entwicklungshilfe aufgebaut werden."Er setzt sich dafür ein, dass in den nächsten Jahren eine Wende der europäischen Agrarpolitik eingeleitet wird. Die Einstellung der Exportsubventionen ist nur eine seiner Forderungen. "Immerhin gibt es in der Politik mittlerweile offene Ohren für unsere Anliegen", betont Klemmt.Die Ausstellung in der Bürgerhalle soll dazu dienen, auch der Bevölkerung die Problematik näher zu bringen. "Kleinbauern werden gebraucht, nicht zuletzt deshalb, weil sie auf der ganzen Welt rund 80 Prozent aller Landwirte ausmachen. Darüber muss geredet werden", so Klemmt.Nicht nur in der Bürgerhalle, auch im Herder-Gymnasium wurde gestern bereits eifrig diskutiert. "Wir haben einen Film über Hunger gezeigt, passend zu dem Oberthema Welternährungssituation unserer Aktionswochen", berichtet Stefan Straube-Neumann. Gemeinsam mit Sabine Katzsche-Döring und Hartmut Damke ist er Hauptinitiator von "Rio plus". "Es ist schön, dass sich die Schüler so rege beteiligt haben.Noch bis Ende Juni werden zahlreiche Projekte, Ausstellungen und eben Diskussionen zum Thema in Minden veranstaltet. Das komplette Programm gibt es im Internet unter www.wl-minden.de

Afrikas Konkurrenz aus Europa

Minden (mt). Auf den ersten Blick haben Djeneba Cisse aus Burkina Faso und Anneliese Schmeh aus Baden-Württemberg nicht viel gemeinsam. Auf den Zweiten schon: beide sind Milchbauern und beide leiden unter den Folgen der Globalisierung - und werden deshalb in der Bürgerhalle porträtiert.

Marco Klemmt von "Germanwatch" eröffnete die Ausstellung "Mensch Macht Milch". - © MT-Foto: Sophie Mono
Marco Klemmt von "Germanwatch" eröffnete die Ausstellung "Mensch Macht Milch". - © MT-Foto: Sophie Mono

Es ist die erste Veranstaltung der "Rio-Plus-Aktionswochen", die der Mindener Weltladen auch in diesem Jahr organisiert (MT berichtete). Bilder und Texte dokumentieren die Sorgen, Wünsche und Herausforderungen der Kleinbauern. Anschaulich, und ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Während der 32-jährige Westafrikaner mit seinen vier Kühen nur den Eigenbedarf seiner Familie decken kann, leidet die 67-jährige Süddeutsche mit ihren 28 Milchkühen unter Lohndumping.

Das Stichwort in beiden Fällen: globaler Markt. "Durch die EU-Agrarpolitik wird mehr Milch produziert, als nachgefragt wird. Dadurch sinken die Milchpreise und das ist schlecht für hiesige Bauern", erklärt Marco Klemmt bei der Ausstellungseröffnung. Er arbeitet bei der Nichtregierungsorganisation "Germanwatch" und hat die Ausstellung "Mensch Macht Milch" auf die Beine gestellt.

"Was in Europa passiert, hat immer auch globale Auswirkungen", erklärt er. Um die europäischen Milch-Überschüsse weltweit absetzen zu können, werde der Markt auch für andere Kontinente geöffnet. Die subventionierten Billig-Milchprodukte "Made in Europe" konkurrieren dann mit den heimischen Produkten von afrikanischen Kleinbauern. "Das darf nicht sein", findet Marco Klemmt. "So werden dort Märkte zerstört, die extra mit teurer Entwicklungshilfe aufgebaut werden."

Er setzt sich dafür ein, dass in den nächsten Jahren eine Wende der europäischen Agrarpolitik eingeleitet wird. Die Einstellung der Exportsubventionen ist nur eine seiner Forderungen. "Immerhin gibt es in der Politik mittlerweile offene Ohren für unsere Anliegen", betont Klemmt.

Die Ausstellung in der Bürgerhalle soll dazu dienen, auch der Bevölkerung die Problematik näher zu bringen. "Kleinbauern werden gebraucht, nicht zuletzt deshalb, weil sie auf der ganzen Welt rund 80 Prozent aller Landwirte ausmachen. Darüber muss geredet werden", so Klemmt.

Nicht nur in der Bürgerhalle, auch im Herder-Gymnasium wurde gestern bereits eifrig diskutiert. "Wir haben einen Film über Hunger gezeigt, passend zu dem Oberthema Welternährungssituation unserer Aktionswochen", berichtet Stefan Straube-Neumann. Gemeinsam mit Sabine Katzsche-Döring und Hartmut Damke ist er Hauptinitiator von "Rio plus". "Es ist schön, dass sich die Schüler so rege beteiligt haben.

Noch bis Ende Juni werden zahlreiche Projekte, Ausstellungen und eben Diskussionen zum Thema in Minden veranstaltet. Das komplette Programm gibt es im Internet unter www.wl-minden.de

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