"Islam steht quer zum deutschen Modell" Karl Schiewerling bei Kolpingsfamilie und Katholischer Arbeitnehmerbewegung zu Gast Minden (ale). Rund 70 Mitglieder von Kolpingsfamilie und Katholischer Arbeitnehmerbewegung (KAB) St. Ansgar kamen mit ihren Gästen zum "Dreikönigstreffen" beider Verbände im Haus am Dom zusammen, um sich mit dem Thema "Religion- und Glaubensfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht" zu befassen. Als Referent war das Mitglied des Bundestages Karl Schiewerling eingeladen. Mit dem "christlichen Menschenbild" befasste sich der Referent zu Beginn seines Vortrages. "Der Mensch ist Ebenbild Gottes, er ist eine Person mit einer unveräußerlichen und damit unbedingt zu achtenden Würde. Gleichzeitig ist der Mensch ein soziales Wesen, das notwendig auf seine Mitmenschen angewiesen ist", so Schiewerling. Und er fuhr fort mit der Beschreibung des Satzes unserer Verfassung, der lautet: "Jeder ist in seinem Glauben frei"."Dritte Weltregion ist heimisch geworden"Das Deutsche Grundgesetz garantiere die Religionsfreiheit in Artikel 4. Als nächstes fragte der Referent: "Zwingt uns der Islam zu einer neuen Diskussion um Artikel 4 des Grundgesetzes?" Solche Diskussionen seien belastend und so fragt Schiewerling weiter: "Müssen wir neu ausloten, wie sich säkularer Staat und Glauben zueinander verhalten?" Millionen muslimischer Zuwanderer hätten sich auf Dauer in Europa niedergelassen, beschrieb Schiewerling. Eine dritte große Weltreligion sei heimisch geworden, die im Westen fremd war. Das erzeuge Reibung und Auseinandersetzung. Ein Grund dafür sei, dass der in sich vielgestaltige Islam keine innere Verfassung, keine kirchenähnliche Struktur aufweisen würde.Es sei sehr entscheidend, dass der Islam quer zum deutschen Modell (Trennung von Kirche und Staat) stehe und weil es im Islam starke Strömungen gebe, die alles Säkulare bekämpften. Diese Strömungen stellten den Vorrang des weltlichen Rechts vor dem göttlichen infrage und lehnten die Herrschaft einer Verfassung ab. "Das Beharren auf außerweltlichen Letztbegründungen, das Relativieren der Menschenrechte und die Einordnung der Demokratie bestenfalls als eine Übergangsphase zum Gottesstaat, wenn nicht als Teufelswerk - eine solche Haltung ist für uns alle nicht hinnehmbar", sagte Schiewerling.Der Deutsche Bundestag habe ein klares Plädoyer für Religions- und Glaubensfreiheit weltweit abgegeben. Der im Sommer eingebrachte Antrag der Koalition sei im Dezember mit großer Mehrheit angenommen worden. Darin werde unter anderem klargestellt, dass es die Aufgabe jeder wertgebundenen deutschen Außenpolitik sein müsse, auch im internationalen Kontext für das elementare Menschenrecht auf Religionsfreiheit einzutreten.Dann kam Schiewerling auf die Einschränkung der Religions- und Glaubensfreiheit als Tatsache weltweit zu sprechen. Aufgrund der Verbreitung des Christentums und seines schnellen Wachstums in den Ländern ohne Religionsfreiheit sei es mit 200 Millionen Menschen die größte verfolgte religiöse Minderheit und häufig betroffen von konkreter Gewalt. Dazu nannte der Referent Ereignisse und Zahlen aus den Jahren 2000 bis 2009, bei denen Hunderttausende von Christen vertrieben worden seien. Unter anderem im Irak, in Indien und in Indonesien.Gängelung und UnterdrückungDoch nicht nur durch Verfolgung, Gängelung und Unterdrückung sei die Gewissens-und Religionsfreiheit bedroht. Es würden auch weitere Bestandteile infrage gestellt: "So geht aus der Kairoer Menschenrechtserklärung der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hervor, dass Religionsfreiheit in islamischen Ländern nicht uneingeschränkt gewährt wird. Insbesondere werde das Recht, seinen Glauben zu wechseln, und das Recht, für seinen Glauben öffentlich zu werben und das Recht, seinen Glauben öffentlich zu bekennen, durch zahlreiche Staaten negiert. Dies steht im Widerspruch zu menschenrechtlichen Garantien der Religionsfreiheit," so Schiewerling. "Für Deutschland gilt, der erste Schritt zur Integration muslimischer Mitbürger ist die Entscheidung für unsere Strukturen. Erst aus dieser Entscheidung heraus sind neue Perspektiven und Aufbrüche möglich", schloss Karl Schiewerling seinen Vortrag, dem sich eine rege Diskussion anschloss.

"Islam steht quer zum deutschen Modell"

Minden (ale). Rund 70 Mitglieder von Kolpingsfamilie und Katholischer Arbeitnehmerbewegung (KAB) St. Ansgar kamen mit ihren Gästen zum "Dreikönigstreffen" beider Verbände im Haus am Dom zusammen, um sich mit dem Thema "Religion- und Glaubensfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht" zu befassen.

Karl Schiewerling referierte jetzt beim Dreikönigstreffen der Kolpingsfamilie und der KAB. - © Foto: Alfred Lehmich
Karl Schiewerling referierte jetzt beim Dreikönigstreffen der Kolpingsfamilie und der KAB. - © Foto: Alfred Lehmich

Als Referent war das Mitglied des Bundestages Karl Schiewerling eingeladen. Mit dem "christlichen Menschenbild" befasste sich der Referent zu Beginn seines Vortrages. "Der Mensch ist Ebenbild Gottes, er ist eine Person mit einer unveräußerlichen und damit unbedingt zu achtenden Würde. Gleichzeitig ist der Mensch ein soziales Wesen, das notwendig auf seine Mitmenschen angewiesen ist", so Schiewerling. Und er fuhr fort mit der Beschreibung des Satzes unserer Verfassung, der lautet: "Jeder ist in seinem Glauben frei".

"Dritte Weltregion ist heimisch geworden"
Das Deutsche Grundgesetz garantiere die Religionsfreiheit in Artikel 4. Als nächstes fragte der Referent: "Zwingt uns der Islam zu einer neuen Diskussion um Artikel 4 des Grundgesetzes?" Solche Diskussionen seien belastend und so fragt Schiewerling weiter: "Müssen wir neu ausloten, wie sich säkularer Staat und Glauben zueinander verhalten?" Millionen muslimischer Zuwanderer hätten sich auf Dauer in Europa niedergelassen, beschrieb Schiewerling. Eine dritte große Weltreligion sei heimisch geworden, die im Westen fremd war. Das erzeuge Reibung und Auseinandersetzung. Ein Grund dafür sei, dass der in sich vielgestaltige Islam keine innere Verfassung, keine kirchenähnliche Struktur aufweisen würde.

Es sei sehr entscheidend, dass der Islam quer zum deutschen Modell (Trennung von Kirche und Staat) stehe und weil es im Islam starke Strömungen gebe, die alles Säkulare bekämpften. Diese Strömungen stellten den Vorrang des weltlichen Rechts vor dem göttlichen infrage und lehnten die Herrschaft einer Verfassung ab. "Das Beharren auf außerweltlichen Letztbegründungen, das Relativieren der Menschenrechte und die Einordnung der Demokratie bestenfalls als eine Übergangsphase zum Gottesstaat, wenn nicht als Teufelswerk - eine solche Haltung ist für uns alle nicht hinnehmbar", sagte Schiewerling.

Der Deutsche Bundestag habe ein klares Plädoyer für Religions- und Glaubensfreiheit weltweit abgegeben. Der im Sommer eingebrachte Antrag der Koalition sei im Dezember mit großer Mehrheit angenommen worden. Darin werde unter anderem klargestellt, dass es die Aufgabe jeder wertgebundenen deutschen Außenpolitik sein müsse, auch im internationalen Kontext für das elementare Menschenrecht auf Religionsfreiheit einzutreten.

Dann kam Schiewerling auf die Einschränkung der Religions- und Glaubensfreiheit als Tatsache weltweit zu sprechen. Aufgrund der Verbreitung des Christentums und seines schnellen Wachstums in den Ländern ohne Religionsfreiheit sei es mit 200 Millionen Menschen die größte verfolgte religiöse Minderheit und häufig betroffen von konkreter Gewalt. Dazu nannte der Referent Ereignisse und Zahlen aus den Jahren 2000 bis 2009, bei denen Hunderttausende von Christen vertrieben worden seien. Unter anderem im Irak, in Indien und in Indonesien.

Gängelung und Unterdrückung
Doch nicht nur durch Verfolgung, Gängelung und Unterdrückung sei die Gewissens-und Religionsfreiheit bedroht. Es würden auch weitere Bestandteile infrage gestellt: "So geht aus der Kairoer Menschenrechtserklärung der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hervor, dass Religionsfreiheit in islamischen Ländern nicht uneingeschränkt gewährt wird. Insbesondere werde das Recht, seinen Glauben zu wechseln, und das Recht, für seinen Glauben öffentlich zu werben und das Recht, seinen Glauben öffentlich zu bekennen, durch zahlreiche Staaten negiert. Dies steht im Widerspruch zu menschenrechtlichen Garantien der Religionsfreiheit," so Schiewerling. "Für Deutschland gilt, der erste Schritt zur Integration muslimischer Mitbürger ist die Entscheidung für unsere Strukturen. Erst aus dieser Entscheidung heraus sind neue Perspektiven und Aufbrüche möglich", schloss Karl Schiewerling seinen Vortrag, dem sich eine rege Diskussion anschloss.

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